Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Bettina
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von Bettina »

jusl hat geschrieben:
Kidner bekommen jetzt wieder mal unterschiedliche Gerichte angeboten, essen NICHTS und stopfen sich heimlich mit allen Süßigkeitenvorräten voll, die sie angelegt haben.
Naja, das wäre aber schon ein Ansatzpunkt. ;-) Ich bin wirklich sehr sehr sehr weit entfernt von Kontrollwahn, wenn es um meine Kinder geht, wirklich. Aber Süßigkeitenvorräte gibt's hier nicht. Mangels Anlass, mangels Interesse, mangels Anlege-Möglichkeiten, mangels Süßigkeiten. (Und um Weihnachten rum gibt's hier durchaus sehr viel Süßkram.)
Ich fühle mich da absolut nicht nachlässig, aber Lisa bekommt jede Woche von ihren Großeltern irgend etwas eingesteckt, was ich absolut nicht immer weiß. Im besten Fall steckt das in ihrer Schultasche im schlechtesten Fall ist es unter Bergen von "Gemälden" vergraben. Ich würde wahnsinnig werden, wenn ich wirklich imemr alles genau unter Kontrolle hätte, denn ich habe neben meinem Job und dem Haushalt noch ein schwerbehindertes Kind.
Die Ansprache an das Gewissen und die Verantwortung der Großeltern war absolut unfruchtbar, ging fast so weit, dass wir uns komplett verkracht hätten. Bei der Waagschale Kind mit Großeltern oder Kind mit gesunder Ernährung befand ich die Fürsorge und Liebe der Großeltern wichtiger, hat sich für usnere Gesamtsituation auch als gut heraus gestellt, weil wir zumindest so mal zwei Stunden in der Woche als Paar haben.
Ich finde, man kann nicht alle Leben abgleichen, perfekt machen, aber der Versuch, hier zumindest gute Strategien für eine gesunde Ernährung zu legen, befinde ich für mich selbst als wichtig, auch wenn ich nie im Leben an die guten Ernährungsstrategien hier heran komme.
Liebe Grüße
Bettina mit zwei recht großen Mädchen
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Nuala
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von Nuala »

Bettina, ich glaub die wenigsten "hier" machen es "perfekt"... Wir alle schrieben doch dass unsre Kinder sehr wohl auch mal "Ungesundes" oder Süßigkeiten bekommen... aber halt in gewissen Maß begrenzt - genau wie bei dir auch. ;)
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jusl
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von jusl »

Die Ansprache an das Gewissen und die Verantwortung der Großeltern war absolut unfruchtbar, ging fast so weit, dass wir uns komplett verkracht hätten.
Das ist sehr schade. :( Finde es immer ganz schlimm, wenn sich an Zuckerfettbomben ernsthafte Familienstreits entzünden.
Bei der Waagschale Kind mit Großeltern oder Kind mit gesunder Ernährung befand ich die Fürsorge und Liebe der Großeltern wichtiger, hat sich für usnere Gesamtsituation auch als gut heraus gestellt, weil wir zumindest so mal zwei Stunden in der Woche als Paar haben.
Das kann ich sehr gut verstehen. Da muss man Prioritäten setzen, ganz klar.

Ich finde aber wichtig, dies hier auch zu kommunizieren. Wenn ein Kind jede Woche - am besten noch irgendwie heimlich oder so - mit Süßigkeiten versorgt wird, sind Auswirkungen auf das sonstige Ernährungsverhalten wirklich kein Wunder; das hat nichts mit "schwieriger Esser" zu tun, sondern Dein Kind is(s)t da schlichtweg unter "schwierigen Bedingungen"!..

LG
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Bettina
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von Bettina »

jusl hat geschrieben:Ich finde aber wichtig, dies hier auch zu kommunizieren. Wenn ein Kind jede Woche - am besten noch irgendwie heimlich oder so - mit Süßigkeiten versorgt wird, sind Auswirkungen auf das sonstige Ernährungsverhalten wirklich kein Wunder; das hat nichts mit "schwieriger Esser" zu tun, sondern Dein Kind is(s)t da schlichtweg unter "schwierigen Bedingungen"!..
Das ist aber leider im Urlaub nicht anders und da hat sie keienrlei Zugriff auf Süßigkeiten. Es war schon bei der Beikosteinführung dramatisch, weil sie nichts aß. Kann aber sein, dass genau da mein Panikpunkt eingesetzt hat, weil alle anderen Babys einfach aßen und ich vom "Langzeitstillen" einfach noch nie etwas gehört hatte.
Beide Kinder waren nämlich erst mit 15 Monaten beikostreif, allein bei Mara war ich entspannt.
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Nuala
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von Nuala »

Bettina, dann bist du aber sehr wohl ein bisschen in einer "Schleife"... du hast die Beikosteinführung als dramatisch empfunden, es löste Panik in dir aus... das Problem ist dass das vielleicht immer wieder (unbewusst) mitschwingt: "Essen war halt schon immer irgendwie ein Problem - wieso sollte sich das ändern?"
Und du hast natürlich Recht: je älter die Kinder umso mehr wird das ein Selbstläufer. Bei einem Volksschulkind wird Mamas entspannte Einstellung alleine nicht mehr viel wirken, da ist bereits viel Prägung geschehen.
Keine Mutter tut das absichtlich oder böswillig!!! Auch meine Mutter hatte nur die besten Absichten! Aber es gestaltete sich anders als sie es vorausgeplant hat... das Bild festigte sich dann immer mehr. Und wurde dann zu meiner Geschichte.
Und so etwas zu ändern bedarf dann wirklich viel Kraft und Arbeit.
Ich denke so wie Julia: kein Kind kommt als schlechter Esser zur Welt, aber die Bedingungen sind manchmal schlecht... Es wäre ja auch blöd von der Natur eingerichtet wenn manche Menschen zu essenskompliziert wären. Früher gab es keine Alternativen und am Ablehnen vorhandener Nahrung ist bestimmt kein Kind früher gestorben...
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MaareMum
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Re: AW: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von MaareMum »

Ich muss jetzt nochmal zum ausgangspost zurück kommen. Ich hab alles gelesen und ich muss sagen, mir erschließt sich dieser ess-Druck auch nicht, wenn du noch so viel stillst.
Wenn du noch so viel stillst, sind Kuhmilch und Süßigkeiten (und erst recht zwangsernährung über Sonde) sicherlich nicht notwendig, damit dein Kind nicht verhungert. Ich vermutet mal, dass da die beratenden Ärzte nicht viel über stillen wissen, kann das sein?

Was mich stutzig gemacht hat ist, dass du schreibst, er hatte noch nie eine orale Phase.

Wenn das alles abgeklärt ist mit Neurologe, Logopäden und co und da keine medizinischen Probleme sind, würde ich auch versuchen, da den Druck für dich selber rauszubekommen. Leicht gesagt, ich weiß, aber ich glaube, dass jeglicher zwang beim essen (auch probieren müssen und an die Lippen zwingen) zu einer gestörten Einstellung zum essen führen können.


***kurz und knapp vom Handy***
Gruß, MaareMum
mit dem Großkind (2011) an der Hand und dem Kleinkind (2014) im Tuch
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Johana
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Re: AW: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von Johana »

Gut geschrieben Nuala :-) !
Hier finde ich meine Gedanken ganz gut in Worte gefasst.
Ebenso (wieder einmal) bei jusl ;)
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tania
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von tania »

wie ist es denn überhaupt zur milchschnitte gekommen? ich wäre nie im leben auf die idee gekommen, meinem kind milchschnitte (oder fruchtzwerge) anzubieten. genauso wie ich nicht glaube, dass zu einer ausgewogenen ernährung eines auch noch gestillten (!) kleinkindes kuhmilch gehört. mein kind hat in dem alter keinerlei mlchprodukte gegessen, nur gestillt (ansonsten brav alles durch die bank vom familientisch, aber der ist milchfrei wegen dem vater).

nimm den druck aus der geschichte. dein kind verhungert nicht, es wird gestillt. sollte es probleme geben grundsätzlich mit dem essen, schlucken, wasauchimmer, dann werdet ihr das angehen. toll, dass ihr das mit dem eisen erkannt und jetzt im griff habt.

aber milchschnitte geht einfach nicht. und fruchtzwerge auch nicht.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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Giraeffchen
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Re: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von Giraeffchen »

Meine Erfahrungen als Mutter eines Kindes mit einer orofazialen Dysfunktion sind die: Es wird unheimlich viel über das Thema 'Essen' definiert. Dieses blöde Spiel 'gute Mutter- schlechte Mutter' hängt sich sehr oft ja an Glaubensfragen auf, die so elementare Bereiche wie Essen oder Schlafen betreffen.
Kinder, die gut essen? Viel? Nicht mäkelig sind? Prima, gut erzogen, alles richtig gemacht.
Kinder, die würgen, wenn sie bestimmte Konsistenzen im Mund haben? Selektieren? Bestimmte Vorstellungen haben? Ja, da haben die Eltern sicher was falsch gemacht.
Zuviel Druck oder zuwenig, schlecht gekocht, unausgewogen ausgewählt... das ist beliebig verlängerbar. Aber der Fehler liegt bei den Eltern, klaro. Andere Kinder können das ja.
Das hat mich eine Zeitlang verletzt, obwohl ich rein rational wusste, dass es nicht stimmt. Obwohl ich beruflich bedingt schon um die Umstände und Zusammenhänge wusste. Aber so ein offenes oder halbverdecktes Bessermuttergetue, das hat mich anfangs getroffen. Zumal ich eben auch gar kein Interesse daran hatte, die mehr oder minder wohlmeinenden Ratschläge umzusetzen. Ich hielt nun mal nichts von Nase zuhalten, damit der Mund zum Löffel reinschieben aufgeht, ebenso wenig davon, ein Essen zehnmal wieder zu servieren- irgendwann wird er ja schon hungrig sein.

Und wer will nicht gerne die elementaren Bedürfnisse seines Kindes stillen und das gut und fehlerlos? Wie schnell man da an seine eigenen Grenzen kommen kann, wenn alles eigene Bemühen scheitert. Wie groß die Gefahr, dass man etwas zu essen gibt, was eigentlich nicht 'gut' ist, von dem man aber hofft, das Kind damit zum Essen zu bewegen, Freude am Essen zu wecken?

Das Konzept im Grazer Uniklinikum, wo vor allem sondenernährte Kinder essen lernen sollen, sieht z.B. vor allem einen selbstverständlichen Umgang mit dem Essen vor, ohne dabei in 'gutes' und 'schlechtes' Essen zu unterteilen, wenn ich mich recht erinnere. Zuerst geht es um die Freude am Essen, in allererster Linie.

Vielleicht gelingt es dir, dich im Kopf davon frei zu machen, dass sich gutes- Mutter- sein übers Essen definiert. Dann lässt automatisch der innere Druck nach und die Haltung zum Kind und der Situation wird entspannter.
Es stimmt, je weniger Gewese ums Essen, desto weniger Krisensituation.
Dass bei euch eine professionelle Begleitung absolut sinnvoll ist, liest sich heraus.

Ist da mal Diagnostik betrieben worden, ob es Überempfindlichkeiten gibt im Mundbereich?

Mein Kind, das mit 2 Jahren quasi von drei (feinstpürierten) Lebensmitteln und MuMi lebte, hat so nach und nach eine immer höhere Toleranzschwelle aufbauen können und auch, wenn er heute noch immer nicht alles essen kann, so hat sich sein Speiseplan doch arg erweitert, zum Glück.
Je selbstverständlicher wir damit umgingen, umso weniger Druck entstand (der entstand eben meist von außen, was wir zum Glück aber meist reflektiert abblocken konnten), desto mehr spürte er, dass Essen eben in erster Linie auch Freude und Genuss bedeutet. Und ist heute sehr froh, wenn er etwas Neues entdeckt hat zum Essen.
Liebe Grüße, GiraeffchenBild mit dem großen Knopf und dem Herbstwichtel


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"Es ist gefährlich,
zu lange zu schweigen.
Die Zunge verwelkt,
wenn man sie nicht gebraucht."

(Astrid Lindgren)
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greenie bird
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Re: AW: Kinder, die sich nur von einer Sache ernähren wollen

Beitrag von greenie bird »

Ich wollte es in etwa wie Tania beschreiben.

Und die Kinder in dem beschrieben Spital essen in aller Regel wirklich nichts (sind also zum Großteil sondiert). Ich habe nicht den Eindruck, das es bei Heidis Sohn aufgrund lebensbedrohlicher Unterernährung im Raum stand.

Ich hatte schon begonnen einen Beitrag zu verfassen, habe ihn dann aber nicht abgeschickt.

Wollte Dich, Heidi, aber noch wissen lassen- nachdem ich wegen der gleichen Problematik schon in Deinem Eisenmangel Thread dabei war, 1. Mein Sohn genau solche Werte hatte, wie bei Euch und 2. Er auch sehr lang Schluckbeschwerden hatte. Ich kam trotzdem nicht auf die Idee Milchschnitte anzubieten,damit das Kind ja "irgendwas" isst. Statt dessen lieber einen Rat von einer Still- und Ernährungsberaterin für Kleinkinder zu suchen. Genauso wie die Physiotherapie
Weiter zu führen.
Also bitte such Hilfe bei Experten für Euch beide.

Mein Sohn ist immernoch kein Held beim essen, aber ihm scheint das zu reichen. Sieht natürlich komisch aus neben seiner Schwester,die dünn ist und schon immer unglaubliche Mengen verdrückt hat. Bei ihr hat immer jeder gefragt ob sie den überhaupt isst. Ihm sieht man den "Sparmodus " nicht an und die Leute gingen bei ihm immer automatisch davon aus, dass er ja gut essen würde... so musste ich wenigstens da nicht ständig über das Essen reden.
Da ich ja aber noch ein Kind habe, habe ich auch nicht so viel Zeit für Extrawürste, es gibt was ich koche-ja, oft isst er nur einen Löffel davon oder auch nur trockene Kartoffeln oder Nudeln. Er würde auch lieber Süßes essen, das gibt es hier aber auch nur, wenn das richtige Essen in nennenswerten Mengen angenommen wurde.
Er mag auch Dinge, die ich vermutlich nie von selbst angeboten hätte- so wie Avocado...
Isst der denn auch allein? Löffel in den Mund gesteckt zu bekommen ging bei ihm eh nie- er musste (wollte/konnte) immer nur allein essen. Und irgendwann ging es dann auch besser mit dem Schlucken. Er kaut viel gewissenhafter als seine Schwester. Eine Zeit davor hat er das Essen immer in den Wangen gelagert. Ewigkeiten! Er wollte vermutlich essen, so wie wir es taten, aber bekam es nicht runter. Keine Ahnung warum.

Vielleicht war das Geschreibsel jetzt etwas konfus... aber ist ja auch schon spät.


Gesendet von meinem U9200
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

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