Ich konnte natürlich nicht an mich halten und habe sofort am zweiten Abend mit meinem Freund zu dem Thema gesprochen. Das Ergebnis war so ziemlich wie erwartet: nicht jetzt.
Leider mag er momentan überhaupt nicht über die Zukunft nachdenken und das Jetzt genießen. Ich dachte ich hätte mir einen verhältnismäßig guten Zeitpunkt ausgesucht, das Semester hat noch nicht begonnen und er schien soweit mit sich und der Welt zufrieden. Aber anscheinend stresst das zukünftige Studium auch jetzt schon.
Aber da ist auch ein überraschend guter Punkt. Ich glaube ich hatte schon geschrieben, dass sein Studiengang in ein paar Jahren ausläuft und wer bis dann seine Prüfung nicht hat... Dass das Druck macht dürfte wenig überraschen. Jedenfalls hat er einen Satz gesagt, der mich sehr überrascht und glücklich gemacht hat: Wenn die Deadline nicht wäre, ja dann hätte man jetzt tatsächlich drüber nachdenken können. Das hätte ich nicht gedacht.
Wir haben viel gesprochen und wenn er nicht grade sagte, dass er nicht so weit hin denken möchte, oder wie schwierig es ist, mit Kind irgendwo loszugehen, oder, dass es ihm wohl noch nötig sei, spontan irgendwo *hin* zu gehen (also nicht Freunde zu uns), dann hat er tatsächlich Verständnis für meine Lage gehabt. Er hat eingesehen, dass der Zeitpunkt im Studium für mich besser ist. Er hat sich (jedoch erst von seiner Mutter
Die zweite Nachricht, die mich äußerst positiv überrascht hat war eine Rückweisung/Abmilderung meiner Sorgen dazu, mein Kind zu "spät", d.h. mitten in der Assistenzarztzeit zu haben: Ob ich denn tatsächlich glaube er würde nicht sein Möglichstes zur Kinderbetreuung tun. Das sei doch gerade *der* Vorteil des Lehramtes, dass er vorhersehbare und "humane" Arbeitszeiten habe. Er könne doch als Vater ohne Probleme mit dem Stundenplankoordinator reden und seine Unterrichtsstunden so legen, dass sie zu meinen Diensten passten.
Die Deutlichkeit dieser Aussage hat mich sehr überrascht. Ich bin mit einem Hausmann als Vater aufgewachsen (gut, er ging abends arbeiten wenn meine Mutter zuhause war) und habe mir insgeheim oft etwas ähnliches gewünscht. Aber ich würde das niemals von ihm erwarten. Selbst Lehrer können sich in Arbeitsgruppen engagieren und somit sehr viel Zeit in der Schule verbringen. Und wenn ich ein wenig Karriere möchte habe ich kein Recht, ihm das abzusprechen. Ich bin glücklich und erleichtert, dass es für ihn selbstverständlich scheint, mindestens genauso zurückzustecken, wenn nicht sogar mehr. Es gibt mir tatsächlich etwas Ruhe.
Wir sind schließlich überein gekommen, dass er es jetzt nunmal nicht will und das ist so. Andererseits könnte er es sich gegen Ende des Studiums vielleicht vorstellen, wenn er die Sicherheit hat, durchziehen zu können und wenn das geregelte Einkommen nicht mehr sooo weit ist.
Man merkt es meinem Schreibstil sicherlich an, dass ich das ganze noch nicht vollständig sortiert und bewertet habe. Einerseits bin ich glücklich über und beruhigt durch die überraschenden o.g. Aussagen. Andererseits auch irgendwie traurig über die zu erwartenden Antworten. Auch über den Unwillen, zu viel über die Zukunft nachzudenken.
Einerseits bin ich ruhiger weil wir es besprochen haben und ich mehr weiß als vorher. Andererseits ob seiner Zugeständnisse auch ungeduldiger, weil... er wollte ja doch wenn die Dinge anders lägen. Die letzten zwei Tage habe ich mir wieder öfter vorgestellt, grade ein Kind im TT zu haben und übers Stillen geschwärmt.
Ich fühle mich wieder auf derselben Position wie zum Eingangsposting. Kinderlose: Wie haltet ihr das Warten aus?
Glücklicherweise ja. Dessen ist sich übrigens auch mein Freund im Klaren. O-Ton: "Du glaubst doch nicht wirklich, dass Mutti [= seine Mutter] es sich nehmen lassen würde, auf den Kleinen aufzupassen oder uns finanziell zu helfen" Seine Mutter ist halbtags arbeitende Hausfrau, also zeitlich gut ausgestattet. Meine Mutter arbeitet zwar voll, kann aber wenn sie nicht grade auf Dienstreise ist, auch von zu Hause aus arbeiten. Ich denke, da ist wirklich nicht das Problem.Luja hat geschrieben:Hättest du eigentlich Unterstützung von deiner Familie? Damit ist es bestimmt einfacher hinzukriegen, Kind und Studium unter einen Hut zu kriegen. Weil selbst wenn man einen Betreuungsplatz hat, ist es sicher angenehm, wenn sich jemand um das kranke Kind kümmern kann, falls man eine wichtige Prüfung hat oder so.
Bisi: es tut gut, deine Geschichte zu lesen, ich habe mich ebenfalls in dir wieder erkannt. Vor allem diese obsessive Beschäftigung...
Genau das denke ich mir auch häufig. Ich bin leicht ablenkbar und kann eigentlich nur im Lernraum (=absolute Stille, Reizfreiheit, keine Ablenkung) ordentlich lernen oder an den zwei bis drei Abenden vor Klausuren. Dann geht es allerdings auch gut. Aber raffe dich mal wenn viel Zeit ist auf, in den Lernraum zu gehen...bisi hat geschrieben:In der Lernzeit für's Examen fand ich es gut, einen Ausgleich zu haben. Vormittags hab ich konsequent gelernt und nachmittags war ich auf dem Spielplatz, im Schwimmbad, bei Freunden - was man eben so macht mit Kleinkind und hatte den Kopf frei für meine Tochter. Hätte ich den ganzen Tag zum Lernen gehabt, wären effektiv vermutlich auch nicht mehr konzentrierte Stunden dabei rumgekommen, nur ohne das Nachmittags"programm".
Nebenbei: Wir hatten jetzt unsere erste Informationsveranstaltung zur neuen AO (=Approbationsordnung). Wir sind der letzte Jahrgang, der regulär noch das Hammerexamen hätte. Sollten wir aber ein Semester schieben schreiben wir das 2. und 3. StEx wieder getrennt. Das hat mir gleich im Kopf eine ganze Kette losgesetzt: Ich wollte eh ein Semester schieben. Nun könnte ich es nutzen, für das schriftliche zu lernen. Und wenn nur noch das PJ und das mündliche vor mir liegen.... das könnte vielleicht ein guter Plan sein.
Ich werde mir alles noch viel durch den Kopf gehen lassen müssen... noch bin ich aufgewühlt.




