mal ganz provokativ

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miss_undercover
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von miss_undercover »

Trillian hat geschrieben:Die Infos zu deinem Interview finde ih sehr interessant.
Zum Ferbern: ich glaube, dass die Gründe, die er dafür anbringt vielleicht sogar okay sind, auch wenn ich es nicht gemacht hätte. Wo ich es mitbekommen habe, dass geferbert wurde, ging es aber nicht um Lastentragung und Ressourcenverteilung, sondern eher darum, dass die Eltern (oder Dritte?) meinten, es wäre aber mal an der Zeit, dass das Kind alleine schläft und es vielfach auch gar nicht um das Durchschlafen, sondern primär um die Einschlafbegleitung ging. Das kann ich aber nicht verstehen, wenn dies abends der Papa machen kann und sich einfach mit hinlegt. Find ich viel bequemer als den Einschlafkampf. Bei Alleinerziehenden oder beim 2./3. Kind mag das nochmal ander sein
Ich merke selbst, dass ich mit diesem Thema sehr ringe. Es gibt tatsächlich viele Eltern, die ihre Kinder ferbern, weil sie denken, sie tun ihnen damit was Gutes (fördern ihre Selbstständigkeit ...) oder weil sie schlicht keinen Bock auf Einschlafbegleitung haben. Da finde ich es ganz wichtig, Aufklärung zu betreiben. Viel schwieriger finde ich die Frage, was man tut, wenn Eltern wirklich am Limit sind. Wenn weder Familienbett noch das nächtliche Abstillen nach Gordon noch die sanften Methoden von E. Pantley den gewünschten Erfolg gebracht haben. Dann ist, dass muss man ganz klar sagen, ein Schlaflernprogramm ein schneller, relkativ zuverlässiger Weg, die Situation für die Eltern zu entlasten. Bei den meisten Babys, so habe ich mir sagen lassen, ist tatsächlich nach drei bis fünf Nächten abends Ruhe.

Mein Problem ist nun, dass ich denke: Für das Baby ist das Schreienlassen in beiden Situationen gleich schlimm - also egal, ob es aus Bequemlichkeit oder aus echter Not heraus passiert. Letztendlich ist es wohl ein Abwägen von Schmerz. Und natürlich darf auch die Tatsache nicht unberücksichtigt bleiben, dass Eltern, die fix und fertig sind und mit ihrem Baby in der Folge grob, agressiv und lieblos umgehen auch einen großen Schmerz bedeuten, vielleicht noch einen gravierenderen als ein Schlaflernprogramm.
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Verseau
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Verseau »

miss_undercover hat geschrieben:
Trillian hat geschrieben:Die Infos zu deinem Interview finde ih sehr interessant.
Zum Ferbern: ich glaube, dass die Gründe, die er dafür anbringt vielleicht sogar okay sind, auch wenn ich es nicht gemacht hätte. Wo ich es mitbekommen habe, dass geferbert wurde, ging es aber nicht um Lastentragung und Ressourcenverteilung, sondern eher darum, dass die Eltern (oder Dritte?) meinten, es wäre aber mal an der Zeit, dass das Kind alleine schläft und es vielfach auch gar nicht um das Durchschlafen, sondern primär um die Einschlafbegleitung ging. Das kann ich aber nicht verstehen, wenn dies abends der Papa machen kann und sich einfach mit hinlegt. Find ich viel bequemer als den Einschlafkampf. Bei Alleinerziehenden oder beim 2./3. Kind mag das nochmal ander sein
Ich merke selbst, dass ich mit diesem Thema sehr ringe. Es gibt tatsächlich viele Eltern, die ihre Kinder ferbern, weil sie denken, sie tun ihnen damit was Gutes (fördern ihre Selbstständigkeit ...) oder weil sie schlicht keinen Bock auf Einschlafbegleitung haben. Da finde ich es ganz wichtig, Aufklärung zu betreiben. Viel schwieriger finde ich die Frage, was man tut, wenn Eltern wirklich am Limit sind. Wenn weder Familienbett noch das nächtliche Abstillen nach Gordon noch die sanften Methoden von E. Pantley den gewünschten Erfolg gebracht haben. Dann ist, dass muss man ganz klar sagen, ein Schlaflernprogramm ein schneller, relkativ zuverlässiger Weg, die Situation für die Eltern zu entlasten. Bei den meisten Babys, so habe ich mir sagen lassen, ist tatsächlich nach drei bis fünf Nächten abends Ruhe.

Mein Problem ist nun, dass ich denke: Für das Baby ist das Schreienlassen in beiden Situationen gleich schlimm - also egal, ob es aus Bequemlichkeit oder aus echter Not heraus passiert. Letztendlich ist es wohl ein Abwägen von Schmerz. Und natürlich darf auch die Tatsache nicht unberücksichtigt bleiben, dass Eltern, die fix und fertig sind und mit ihrem Baby in der Folge grob, agressiv und lieblos umgehen auch einen großen Schmerz bedeuten, vielleicht noch einen gravierenderen als ein Schlaflernprogramm.
stimm ich dir voll zu.
als paul so schlimme nächte hatte, war ich auch sehr agressiv und sehr leicht reizbar.
das waren dann tagen, an denen ich ihn nicht getragen hab, sondern im kiwa durch die gegend schob, damit er schläft und ich mich setzen oder auch legen konnte.
er konnte zum glück auch dort ohne grßes theater einschlafen, solang ich in bewegung war.
ausserdem hab ich ihn an diesen tagen gerne hergegeben, also bei oma gelassen um mich auszuruhen.
das ging sonst nicht so leicht, weil ich ihn nicht loslassen wollte.

also ich hab versucht, ihn nicht spüren zu lassen, dass mama nicht gut drauf ist und ihn lieber abgegen, als gefahr zu laufen ihm im affekt irgendwie grob anzufassen oder so.
aber andere eltern lassen es die kinder deutlich spüren - leider.
da währe ein schlafprogramm vielleicht wirklich der letzte ausweg - aber kein allheilmittel für genervte eltern (die lieber etwas anderes machen, als sich um ihre kinder zu kümmern)
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Sibi
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Sibi »

miss_undercover hat geschrieben:Und natürlich darf auch die Tatsache nicht unberücksichtigt bleiben, dass Eltern, die fix und fertig sind und mit ihrem Baby in der Folge grob, agressiv und lieblos umgehen auch einen großen Schmerz bedeuten, vielleicht noch einen gravierenderen als ein Schlaflernprogramm.
Das finde ich einen wichtigen Aspekt - und den einzigen Grund, warum man so ein Programm in Erwägung ziehen sollte. Und so war es ja wohl auch ursprünglich von Ferber gedacht. Die meisten Eltern, die das machen, stehen aber eben nicht am Limit und nutzen das nicht als "letzten Ausweg", sondern sehen es als reguläres Erziehungsmittel an. Und das finde ich schrecklich.
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von miss_undercover »

Sibi hat geschrieben: Die meisten Eltern, die das machen, stehen aber eben nicht am Limit und nutzen das nicht als "letzten Ausweg", sondern sehen es als reguläres Erziehungsmittel an. Und das finde ich schrecklich.
Da stimme ich Dir voll zu. Für meine persönliche Arbeit bedeutet das einfach nur stets die Schwierigkeit, Texte zu verfassen, die ganz klar besagen, dass Ferbern eben kein reguläres Erziehungsmittel ist - aber gleichzeitig auch nicht den Weg zum letzten Notfallplan zu verbauen für Eltern, die so etwas wirklich brauchen, damit nicht Schlimmeres passiert.
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Trillian »

Sibi hat geschrieben: Das finde ich einen wichtigen Aspekt - und den einzigen Grund, warum man so ein Programm in Erwägung ziehen sollte. Und so war es ja wohl auch ursprünglich von Ferber gedacht. Die meisten Eltern, die das machen, stehen aber eben nicht am Limit und nutzen das nicht als "letzten Ausweg", sondern sehen es als reguläres Erziehungsmittel an. Und das finde ich schrecklich.
Das meinte ich auch. Danke, dass du es auf den Punkt gebracht hast
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von klimaforscherin »

miss_undercover, nochmal zu Renz-Polzer: er ist ja einer der Autoren von "Gesundheit für Kinder". Zwar ist das in erster Linie ein Gesundheitsbuch, aber es wird auch die Ferbermethode zum "Schlafenlernen" empfohlen, und zwar nicht nur in drohenden Burnoutsituationen der Eltern.
Wie passt das mit AP zusammen? Oder ist das auf dem Mist der anderen Autoren gewachsen?
Grüße
klimaforscherin
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miss_undercover
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von miss_undercover »

Hallo klimaforscherin,

ja, das ist mir in "Gesundheit für Kinder" auch aufgefallen. Mein Erklärungsversuch für mich selbst: Erstens ist das Buch schon deutlich älter und zweitens hat er es mit zwei anderen Autoren zusammen geschrieben. Ich vermute, dass er damals a) dazu noch keine so feste Position hatte wie heute und b) die anderen beiden Autoren vielleicht gesagt haben, dass sie das unbedingt drin haben wollen.

Aber danke für die Erinnerung daran, ich werde beim nächsten Telefongespräch mal nachfragen, wie er das unter einen Hut kriegt.

Ansonsten lese ich gerade die Druckfahne von "Menschenkinder" und bin begeistert! Ich darf hier leider noch nichts zitieren, aber er spricht sich so deutlich wie noch nie gegen Schlaflernprogramme aus. Auch sonst ist es sein AP-mäßigstes Buch bisher, würde ich sagen. Ich komme beim Lesen aus dem Nicken nicht heraus :mrgreen: (bin aber auch noch nicht durch).

Liebe Grüße
Nora
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von klimaforscherin »

Ich hoffe, der medizinische Teil des Buches ist aktuell. Deswegen und nicht wegen der Erziehungstipps hatte ich mir das Buch gekauft.
Grüße
klimaforscherin
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von miss_undercover »

Doch, ich denke schon, das sie den für die Neuauflage überarbeitet haben.
Lila
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Lila »

"gesundheit für kinder" ist mMn eines der besten gesundheitsbücher ... ich habe es vor sieben jahren gekauft und finde auch den schlafartikel absolut gut und AP angemessen für den rahmen des buches, für die welt in der wir leben, etc. es kann nicht jedes buch ein "sears" buch sein (mit denen ich z.b. fast nichts anfangen kann)
Lila mit zwei Kindern (*2003 und *2006)
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