Hallo,
also ich kann dazu nur sagen: Ich glaube, es ist das Alter. Also davon abgesehen, dass Eure Situation etwas haarig ist (wegen der Trennung hat sie vermutlich mehr zu verarbeiten als andere 5jährige) - soweit ich weiß, ist das das Alter, in dem die Kinder begreifen, was Verlust heißt. Viele Kinder bekommen in dem Alter das erste Mal Angst vor dem Tod, vor Abschieden etc - weil sie einfach erst jetzt verstehen können, was es bedeutet, wenn jemand weg ist. Sie haben etwas dazugelernt, sie haben jetzt mehr Überblick - aber das heißt eben auch: mehr Angst, mehr zu verarbeiten. Und wenn dann der Papa eben nicht immer da ist, dann spürt sie das durch diese neue Fähigkeit vermutlich besonders stark.
Ich bin kein Profi - das ist nur das, was ich mir so zusammenreime. Mein Großer ist zZt auch etwas schwieriger als sonst. Nach den Sommerferien war ich ganz stolz auf ihn: endlich war er selbstständiger, kein Stress mehr ums anziehen, er hat schwimmen und Radfahren gelernt, war selbstbewußt und hat sich viel zugetraut - es war alles viel einfacher für uns. Und dann ist seine Erzieherin schwanger geworden und war weg - von einem Tag auf den anderen. Das hat ihn wirklich mitgenommen, seitdem hatte er fast jede Nacht Albträume ("Verlustträume" - letzte Woche träumte er, wir wären vom Zug überfahren worden

), wir müssen wieder beim Anziehen helfen und er traut sich nicht alleine ins andere Stockwerk zu gehen.... und er ist eben auch viel weniger kooperativ, schnell frustriert, schreit und heult wie ein Baby, wenn was nicht so läuft wie er will, sagt zu allem erstmal nein und ist plötzlich eifersüchtig auf seinen Bruder (das ist ganz neu: nichtmal als er geboren wurde, war es für ihn irgendwie bedrohlich, er liebt ihn eigentlich sehr, bis vor kurzem haben wir noch nie gehört "ich will auch das haben, was der hat" oder sowas)
Ich denke, diese Sache ist jetzt genau in dem Moment passiert, als die Entwicklung bei ihm so losging - das Verstehen, was Verlust heißt. Da muß er jetzt durch, das muß er verarbeiten, damit er für spätere Situationen gewappnet ist. Ich kann ihm nur helfen, indem ich ihm Halt gebe, indem ich eben doch wieder mehr für ihn mache, weniger darauf bestehe, dass er was selber macht (das endet nämlich eh immer nur im Streit und dauert dann doppelt so lange), indem wir uns exclusiv Zeit nehmen für ihn (gut das Ferien sind). Soweit meine Theorie.
In der Praxis klappt das nicht immer: Ich kann Dich so gut verstehen - ich bin oft soooo genervt, weil ich einfach keine 2 Babys da haben will, wenn ich doch weiß, dass er es eigentlich kann. Weil ich mir denke: Wieso macht der mir jetzt absichtlich soooo einen Stress? Aber irgendwie hoffe ich, dass die "verschwundenen" Fähigkeiten, die Selbstständigkeit, Kooperationsbereitschaft etc wieder kommen, sobald diese Verarbeitungsphase durch ist. Ich habe schon oft gehört, dass Kinder ein paar Monate vor Einschulung plötzlich so viel reifer waren, als zuvor - ich denke, das kommt eben, wenn diese Phase der "Zickigkeit und Anhänglichkeit" vorbei ist - darauf warte ich täglich
Ich glaube nicht, dass mehr Strenge in dieser Situation zu mehr Erfolg führt. Ich fürchte sogar, mehr Strenge kann das ganze noch verschlimmern... jedenfalls habe ich das Gefühl, dass Situationen hier immer eskalieren, wenn wir genervt sind und "dann mal auf den Tisch hauen" - dann gehts erst richtig los, er lacht, nimmt uns nicht ernst, provoziert - wir ärgern uns noch mehr und irgendwann fällt uns nichts mehr gescheites ein außer irgendwelcher Drohungen (ich) oder Strafen (Mein Mann) und am Ende haben wir alle ein mieses Gefühl. Wenn ich aber über meinen Schatten springe und (meist nachdem ich ihm klargemacht habe, dass es so nicht geht - er soll schon wissen, wenn ich sauer bin) dann doch auf ihn eingehe, versuche, zu verstehen, versuche zu helfen - dann ist er meistens einsichtig und alles klappt relativ reibungslos (auch wenn es mit Streit begonnen hat).
Ich wünsche gute Nerven,
LG Muli