Hallo Kalli,
hier im Forum findest Du viele Postings, in denen es um die Steigerung der Milchmenge und die Rückkehr (oder das erstmalige Erreichen) zum Vollstillen geht. Stöbere ruhig mal mit diesen Suchbegriffen!
Darf ich die Fakten bei Euch noch mal zusammenfassen? Du schriebst:
hat bis zum Milcheinschuss eigentlich gut getrunken. Dann gabs nur noch Geschrei
Wie hast Du denn Milcheinschuss damals empfunden? Gaaaanz viel Milch, oder eher nicht? Wie ordnest Du das heute ein, dass es dann nur noch Geschrei gab?
ich hab mich wieder zum Stillhütchen überreden lassen. Madame hat dann immer weniger getrunken und immer mehr genuckelt.
Würdest Du im Nachhinein sagen: haben die Stillhütchen gegen das Geschrei "geholfen"? Stillhütchen bergen das Risiko, dass der Saugreiz, der als Nervenimpuls im Gerhirn ankommt, durch das Hütchenmaterial abgeschwächt wird. Im Hirn kommt also an: "Schwaches Saugen". Dementsprechend folgt eine schwächere Hormonausschüttung, die wiederum zu einer verringerten Milchproduktion führt.
Und so hat sie erst sehr viel abgenommen und dann nur langsamst wieder zu bis sie schließlich eine Woche überhaupt nix mehr zunahm und schon äußerst unrund wirkte.
Kannst Du hier Gewichtsdaten nachreichen? Das wäre
hilfreich, um die Situation besser einschätzen zu können.
Anfangs 5x täglich 80ml HA Pre,
Auch wenn mir noch das genaue Datum ("anfangs") fehlt: 400 ml tägliche Zufüttermenge ist in den ersten Lebenswochen SEHR VIEL. Reifgeborene, gesunde Babys trinken nach dem Milcheinschuss in den ersten Lebenwochen etwa 400-700 ml täglich. Für Frühgeborene wird ein täglicher Milchbedarf von ca 165 ml/kg Körpergewicht angenommen. Wenn Dein Baby zu der Zeit also etwa 2,5 bis 3 kg wog, ergeben sich ca. 400 - 500 ml tägliche Trinkmenge. Sprich: die 400 ml Zufüttermenge stellte wahrscheinlich etwa 80 - 95 % der Gesamttrinkmenge dar.
Das Problem dabei ist: Nach der Geburt gibt es ein gewisses Zeitfenster für einen physiologischen Stillstart (d.h. häugies und ausschließliches Stillen), der auch passieren muss, da dadurch letzte "Umbauten" am Brustgewebe stattfinden (sozusagen "Abschlussarbeiten" - die Umbauarbeiten haben mit Eintritt der Schwangerschaft begonnen), und bestimmte hormonelle Prozesse ineinandergreifen müssen. Wird dieser Prozess gestört, z.B. durch das Zufüttern hoher Mengen, kommt die Milchbildung dementsprechend nie richtig in Gang. Die Chance auf volles Stillen Wochen oder Monate später ist dann leider sehr gering, denn Brustdrüsen und Hormonhaushalt konnten sozusagen gar nicht voll ausgebildet werden.
Stillgrundsatz Nr.1 lautet ja bekanntlich "Die Nachfrage bestimmt das Angebot". Wird insb. in den ersten Wochen viel weniger als normal nachfragt (z.B. weil so viel zugefüttert wird, oder weil das Baby nicht intensiv genug/oft genug/lang genug saugen kann), fällt das Angebot, sprich: die Milchmenge entsprechend gering aus.
Ich hab dann wieder zu pumpen begonnen und eine der Mahlzeiten durch Muttermilch ersetzen können. Und jetzt kriegt sie nur noch 3x täglich Zusatz, 2x Brösel, 1x MuMi. Sie wirkt ganz in Ordnung, ist aber mal wieder sehr nervös.
Auch bei Eurer Vorgeschichte kann eine Steigerung der Milchmenge möglich sein. Die Reduktion von 5x80 ml auf 4x80ml ist ein Beispiel dafür. Zusätzliches Pumpen z.B. schafft ja zusätzliche Nachfrage, so dass wahrscheinlich entsprechend etwas mehr Milch produziert wird. Allerdings ist fraglich, ob noch wesentliche WEITERE Steigerungen möglich sind - Eure Vorgeschichte mit den sehr hohen Zufüttermengen rund um den Milcheinschuss machen das leider eher unwahrscheinlich. Die morgendliche Abpumpmenge im Bereich 30-60 ml unterstützt diese Einschätzung.
Was Du versuchen könntest, ist:
* Den Pumprhythmus hochfahren. Du solltest in 24 Stunden auf mindestens 10-12 "Nachfragen"

kommen, sprich: Stillen oder Pumpen oder beides. Ganz klar: dies ist eine ziemliche Herausforderung, insb. wenn noch mehr Kinder da sind, die noch viel Betreuung brauchen. Aber hohe Nachfrage ist unbedingte Voraussetzung für eine Steigerung der Milchproduktion.
* Nach med. Ursachen für die beiden Stillverläufe forschen. Möglich sind z.B. Fehlbildungen des Drüsengewebes, Hormonprobleme, Schilddrüsenunterfunktion, Untergewicht, PCOS/Diabetes,... - hier könnte eine ärztliche Abklärung lohnen. Vielen von solch med. Problemen betroffenen Frauen hilft das Wissen darüber, ihre als traurig erlebten Stillgeschichten akzeptieren und verarbeiten zu können.
* Medikamentöse Unterstützung erwägen. Es gibt Wirkstoffe, deren milchbildende Wirkung wissenschaftlich belegt ist, nämlich Domperidon und Bockshornkleesamen. Hier im Forum findest Du weitere Infos dazu.
Wichtig ist, während der Zeit, in der man versucht die Zufüttermenge zu verringern, die kindliche Gewichtsentwicklung sorgfältig im Auge zu behalten. Ausführliche Informationen dazu findest Du
hier.
Ich hoffe, diese ersten Hinweise helfen Dir weiter, Rückfragen immer gerne und LG
Julia