Halbgeordnete Gedanken zum Entrümpeln:
Hier im Forum habe ich Kondo, Clutterbug und Slob comes clean kennengerlernt. (Gibt es eigentlich keine deutschen bekannten Entrümpeler?)
Und so wie ich das verstehe, haben die 3 unterschiedliche Ansätze, die sich überraschend gut ergänzen.
Kondo:
Fokussiert sich sehr darauf, wie man sich entscheidet, was
behalten werden soll. Ausgehende von der Prämisse, dass alles weg kann, gibt sie Methoden an, wie man die Sachen erkennt, die man behalten möchte (oder muß). (Im Wesentlichen: "bereichert der Besitz dieses Gegenstandes mein Leben?")
Alle Dinge werden in einer gesamten Kategorie entschieden, es wird nicht nach Räumen/Schränken/Schrankfächern gearbeitet, und man muss immer alle Gegenstände der Kategorie gleichzeitig vor sich liegen haben. Alles soll dafür aus dem Schrank/Regal herausgenommen und ausgebreitet werden.
Es geht also, je nach Menge mit einer gewissen Grad an vorübergehender Unordnung einher, was gerade mit Kindern, wo man nie weiß wie lange man nun Zeit hat, ein Problem sein kann. Auch das Zusammensammeln und an einem Ort vereinen der Gegenstände kostet ggf. Zeit und Platz.
Die Reihenfolge der Kategorien ist vorgegeben, was Vor- und Nachteile hat. Es geht nicht darum, die Wohnung möglichst schnell in einen Gästetaugliche zu bekommen, sondern eine langfristige Veränderung zu erwirken
Zur Aufbewahrung sagt sie: "Aufrecht stehend wie Bücher statt Stapel" und "alle Dinge einer Kategorie am gleichen Ort"
Insgesamt ist die Methode stark formalisiert und wenig individuell. Der Prozess als soclher ist wichtig.
A Slob comes clean
Ist meiner Meinung nach eine perfekte Vorstufe zu Kondo, bzw. eine gute Methode, schnelle Ergebnisse zu bekommen, wenn das Haus wirklich extrem vollgerümpelt ist und man nicht einfach nur "zu viel Kram" hat
Entrümpelt wird nach Ort. Ein Schrankfach, eine Schublade, eine Ecke, ein Raum usw.
Alle Gegenstände bleiben dabei in dem Fach drin. Zuallererst wird Müll und "kann Offensichtlich weg ohne Nachzudenken" (sie nennt es "Duh") herausgenommen und entweder direkt in eine Mülltüte gesteckt oder in die "Spenden"-Tüte (das scheint so ein amerikanisches Ding zu sein, hier wird man ungeordneten Kram nicht so einfach als Spende los)
Danach nimmt man alle Gegenstände heraus, die nicht an diesen Ort gehören und bringt sie sofort und einzeln direkt dahin, wo sie hingehören. Es werde keine Stapel mit "muss ich noch wegräumen"-Sachen angelegt.
Dann wird entschieden, was weg kann. Sie hat dafür nur 2 Fragen: "Würde ich diesen Gegenstand hier suchen, wenn ich ihn brauche?" (Wenn nein, soll man ihn dahin bringen, wo man ihn suchen würde) und "Wenn ich diesen Gegenstand bräuchte, würde mir einfallen, dass ich ihn besitze?" (Wenn nein, weg damit, weil man es eh neu kaufen würde, wenn man es je braucht.)
Dann werden die Dinge, die bleiben, in dem Fach etwas sortiert. Ggf. fällt dabei auf, dass der Gegenstand an sich zwar nützlich ist, man ihn aber nicht 3x braucht.
Zusätzlich empfiehlt sie das "Container"-Prinzip, d.h. jede Sorte Dinge bekommt einen "Container" zugewiesen (Ein Schrankfach, eine Schublade, eine Kiste) und man kann nur soviel behalten, wie hinein passt. Ist der Container voll, und man möchte noch etwas Zusätzliches behalten, muss man einen Gegenstand heraus nehmen ("One in one out"). Auch das Haus/die Wohnung ist ein Container, das neben den Digen auch noch Platz für die Menschen und ihre Aktivitäten bieten muss, d.h. die Lösung ist nicht, einfach endlos Container zu kaufen

Abgesehen vom Container-Prinzip sagt sie wenig zum Thema "wie bewahre ich etwas auf"
Dadurch, dass beim Entrümpeln alles im Regal bleibt, kann es sein, dass man manche Gegenstände mehrfach in die Hand nimmt, und andere vielleicht gar nicht.
Man kann sofort anfangen, ohne erst ganze Kategorien zusammen sammeln zu müssen, und wenn man nur kurz Zeit hat oder unterbrochen wird, kann man jederzeit abbrechen, ohne Stapel oder ausgebreitete Dinge zu hinterlassen. Weil es keine festgelegte Reihenfolge gibt, kann man mit den Bereichen anfangen, die am Katastrophalsten sind, und/oder am ehesten von Besuchern gesehen werden, und damit schnelle Ergebnisse produzieren.
Insgesamt finde ich die Methode sehr Ergebnis-orientiert.
Clutterbug
Auch wenn sie Entrümpeln sehr empfiehlt, geht es bei ihr hauptsächlich darum, wie man die Sachen
aufbewahrt und Ordnung hält.
Es gibt 4 verschiedene "Organisations-Typen" (die Insekten), die alle unterschiedliche Lösung zur Aufbewahrung ihres Krams brauchen, damit sie den Kram sowohl finden als auch weg räumen können.
Braucht man eher offene oder geschlossene Aufbewahrung, eher grobe Kategorien oder detaillierte? Wie viel Aufwand darf das wegräumen machen? Wie viel das herausnehmen? Wo nutzt man die Dinge, und wo sollte man sie daher aufbewahren? Wie kombiniert man verschiedenen Ordnungstypen in einem Haushalt?
Was für Zeug liegt rum (homeless clutter, aspirational clutter, usw) und was muss man tun damit es nicht mehr rumliegt?
Konkrete Anweisungen zum Vorgehen beim Entrümpeln gibt sie nicht.
Ich finde die perfekte Reihenfolge:
1.) a slob comes clean
Sofortiger Start möglich, Fokus auf die Hot-Spots, das Haus sieht sofort sichtbar besser aus, entrümpeln in vielen kleinen Etappen ist möglich, ohne dass man Platz braucht um Sachen zwischen zu lagern oder zu sortieren. Es entsteht keinerlei Unordnung. Und Dinge werden "automatisch" in Kategorien zusammen getragen
Wenn man allgemein nicht unendlich viel Kram hat (oder ein Extrazimmer hat in dem man entrümpeln und zwischenlagern kann) und allgemein weiß wo man seinen Kram verstaut hat, kann man diesen Schritt auch einfach weglassen.
2.) Kondo
Intensive Auseinandersetzung mit jeder einzelnen Kategorie und jedem einzelnen Gegenstand. Wie viel habe ich davon, was davon bereichert mein Leben, was löst positive Emotionen aus, was negative? Umgang geschenkten Dingen, Anleitung zum "gehen lassen" von emotional aufgeladenen Gegenständen ("danken").
Wie soll meine Wohnung in Zukunft aussehen, wie will ich sie nutzen? (Vision statement). Was erfüllt derzeit eine Funktion, aber erfüllt mich nicht mit Freude, und sollte daher demnächst ersetzt werden?
3.) Clutterbug
Optimierung der Aufbewahrung der behaltenen Dinge bzw. der eigenen Aufbewahrungssystem, damit man Ordnung halten kann. Anpassung und Optimierung von Möbeln, Aufbewahrungsorten, usw an den eigenen Ordnungstyp
(Und als Schritt 4 dann vermutlich Flylady, damit der Haushalt auch sauber bleibt, aber das ist ein Feld wo ich keine Ahnung von habe)