Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

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Jana208
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Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Hallo liebes Forum,

ich hoffe, ich eröffne hier keinen Thread, den es schon 100mal gibt - ich habe aber tatsächlich aktuell nichts ähnliches gefunden.

Ich bin auf der Suche nach möglichst aktuellen, wissenschaftlichen Belegen/Studien pro Langzeitstillen, d.h. über 12 Monate hinaus.

Der Grund ist trivial: Der Vater eines gleichaltrigen Kindes wie meine Tochter (die beiden sind Sandkastenfreunde) negiert, dass Stillen über die von der WHO empfohlenen sechs Monate hinaus positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes hat. Wir kamen heute auf das Thema und ich (Nicht-Naturwissenschaftlerin, quasi halbwegs informierte Laiin) hab mal unüberlegt rausgehauen, dass es sehr wohl weiterhin positive Effekte für meine Tochter hat, dass ich sie auch mit über zwei Jahren noch stille, Abwehrkräfte stärke, dies das. Sein Sohn ist gleich alt, wurde acht Monate teilgestillt. Er ist Naturwissenschaftler (Dr. der Biologie, in der Pharmabranche tätig).

Ich habe ihm dann nur spontan einen Artikel von Stillkinder.de geschickt, der in der Tat etwas in die Jahre gekommen und m.E. auch bisschen ideologisch gefärbt ist (https://www.stillkinder.de/haeufige-fra ... eitstillen). War vermutlich dumm von mir, den hat er mir natürlich nach Strich und Faden zerlegt.

Meine Frage daher hier in die Runde: Hier gibt's ja nicht nur jede Menge Fachpersonen und Ärzt:innen (deren Kapazitäten will ich mit diesem Thema gar nicht belasten, hier gehts ja eigentlich nur stumpf um Rechthaberei), sondern auch genauso Naturwissenschaftler:innen, die mir hoffentlich beipflichten. Und vielleicht sogar fundiert was kennen, was man so einem Typen um die Ohren hauen kann.

Bin nämlich echt etwas genervt, er hat schon in der Vergangenheit öfter meinen Mann (statt mich, eh witzig!!) gefragt, ob wir nicht endlich mal abstillen und wann und L würde ja so an mir kleben (und er glaubt offenbar, abstillen würde da was bringen). Und gerade diese bescheuerte Haltung würde ich gern mit knallharter Wissenschaft kontern. Ich hab aber leider was mit Medien studiert und bin in dieser Art Diskussion leider echt unterlegen. 😩
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
Jana208
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Für alle, die sich durch die Textwüste gekämpft haben und vllt auch genervt von dieser Attitüde sind und gern noch mehr wissen wollen - das hier sind seine Kommentare zu dem Stillkinder-Artikel ab dem Punkt "Was spricht für langes Stillen":

Zu Punkt 3/4:
Lysozym in Eieern ist 1000 mal höher, hat erst mal gar keine Bedeutung. Antikörperkonzentration nützt nur insofern was, wenn sie dem Kind fehlen, in dem kontext könnte es die Ausbildung des immunsystems eher stören, weil die Bildung von Gedächtniszellen unterdrückt wird. Erhöhte AK Konzentrationen in Körperflüssigkeiten sind Indikatoren für Entzündungsreaktionen. Welche AK wird nicht etläutert.? IGg/IGf etc. Pp Es sind nicht alle Typen Magensäurefest.
Anekdotische Evidenz, dennoch der Punkt mit dem Brechdurchfall ist zugegeben naheliegend.

Zu Punkt 5:
! SUGGESTIV! Zu kurz ist zu kurz vs. WHO Vorgabe = weniger als 6 Monate.
Nach wissenschaftlicher Studienlage gibt es keinen signifikanten Vorteil und da sind Entwicklungsländer mit drin. Daher ja die 6 Monatsempfehlung. Und sagen die ja sogar selber 6 Monate. Kürzer als 6 Monate nirgend 12 oder 18 Monatsgrenze bei 40 Jahre alten Studien!
Studien fast alle vor 1990 warum wohl?

1990 wurde die allgemeine Influenza TYP B Impfung eingeführt!
Diabetes: Selektionsbias, Kinder, die über das stillen, signifikante Menge der Nahrung bekommen, werden natürlich weniger andere Nahrung zu sich nehmen, inklusive welcher mit mehr Zucker. - zudem fehlende Datenquelle.

MS Echt jetzt?
MS tritt 3-4 x häufiger bei Frauen auf das weißt auf genetische Disposition hin,
Auftreten der Erkrankung mit im Mittel 30 Jahre, da bräuchte es Langzeitstudien im irgendwie signifikant zu sein. Die will ich sehen. Auch hier Threshold < 7 M

Von kries 1999 ist ne Studie mit bayerischen Kindern.
Auffällig keine Soziologische Einordnung, Mütter, deren Kindern niemals gestillt worden sind, haben dreimal häufiger in der Schwangerschaft geraucht!
Differenz für Übergewicht NIE gestillt vs. Gestillt 2,8 % vs. 4,8 %.

Zitat aus der Meta Studie desselben Authors von 2004:
Since 2000, sixteen studies have been published with conflicting data regarding the potential protective effect of breast-feeding on childhood obesity.

Morros and Tlucac, Aussage wird dort nur zitiert.
Wichtig auch hier Breastfeeding vs. Ersatzmilch also die ersten Monate. In den 1990 igern vor der Impfung.
Nirgendwo ein Hinweis auf Korrektur des sozialen Bias.

In den Vereinigten Staaten füttern vor allem arbeitende Frauen hinzu, beziehungsweise still verfrüht ab, um wieder arbeiten zu gehen Infolgedessen gibt es einen Zusammenhang mit sozialem Status/ Bildung. Menschen mit höherer Bildung oder höherem Einkommen, ernähren sich auch grundsätzlich besser —> weniger Fettleibigkeit bei Wohlhabenden

Oddy 2009 war da schon spannender.
Bei Betrachtung der sozial kulturelle Faktoren ist auffällig dass 10% der Frauen mit kurzer Stillzeit jünger als 20 Jahren waren und 27% jünger als 24 vs. 3 und 14. mit einer Vergleichsstudie ein massiver Unterschied.
Raucher 47 vs 28 Bildung <12 Jahre 74 vs. 52

Eine Separation der sozialen Faktoren von der Stillzeit per se Ist nicht erkennbar. Oder anders ausgedrückt. Die Stillzeit ist ein Indikator für den sozialen Hintergrund.
Aber die finale Überraschung kam später : die Unterscheidung <6 Monate vs. Über 6 Monate. Ab 6 Monate und drüber gab es praktisch keine signifikanten Differenzen bei psychischen Parametern.

Trotz einem latenten Bias der Studie zeigte auch die das Optimum bei 6 Monaten mit viel Wohlwollen bis ca. 12 Monate danach kein Benefit erkennbar.

Zu Punk 6:
Der Sauginstinkt 😅 ist nicht dasselbe wie ein Trinkinstinkt. Das ist ein Autoregulationsmechanismus.
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Ich hoffe, er hat generell geschnallt, dass es ja so oder so mein Bier ist, wie lange ich hier stille und wie lange nicht. ABER ich würde natürlich trotzdem gern, wenn vorhanden, was substanziell positives pro Stillen haben - mehr als ein "es schadet ja nicht, also lass mich halt machen und nerv nicht". 😂😂
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Lösche Benutzer 7240 »

Also so ganz grundsätzlich: die WHO empfiehlt doch Stillen bis 2 Jahre, wie kommt ihr auf die 6 Monate? Ausschliessliches Stillen ohne Beikost? Erstmal die Begrifflichkeiten klären!
heckojam
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von heckojam »

Im Still-Lexikon gibt es einen Artikel mit dem Titel „Vorteile des längeren Stillens - eine Argumentationshilfe“. Da ist noch einiges an Literatur verzeichnet, was für dich hilfreich sein könnte.
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Jana208
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

@Carolina:
Genau da fängt es schon an. Er versteht ja ganz offensichtlich die WHO-Empfehlung so, dass man 6 Monate stillen soll (voll-/teil-, wer weiß das schon) und alles, was darüber hinausgeht - also die zwei Jahre - nur wegen der Entwicklungsländer so empfohlen würde, die "da ja mit drin seien".

Ich weiß, dass das Quatsch ist und die Empfehlung unverändert genauso auch für Industrieländer gilt, hab den Beleg bzw die Begründung dazu aber nicht wiedergefunden.
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

@heckojam: Super, da schau ich noch mal nach. Hatte ich eben schon mal kurz überflogen, ob ich dort was finde, war aber noch nicht tiefer eingestiegen.

Diese BA-Arbeit einer Hebamme fand ich auch noch hilfreich und hab ihm die dort gelisteten Studien um die Ohren gehauen. Vermutlich liest er die gerade.

https://digitalcollection.zhaw.ch/handle/11475/23689
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Und noch ein Aspekt von ihm:
"Aber ja medizinische Nachteile hat es sicher nicht. Wobei sich natürlich auch keiner der Punkte mit der hormonellen Regulation der Mutter auseinandersetzt. Da müsste eigentlich auch einiges rückkoppeln."

?!?!??!!?
Ich bin wie gesagt Laie und wollte jetzt nicht kommen mit "die Natur hats ja eigentlich so vorgesehen, dass man mehrere Jahre stillt, warum sollte es dann irgendwelche störenden Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben".

Aber ist doch auch so oder nicht?
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
Serafin
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Serafin »

Jo. Jahrmillionen haben Frauen jedes Kind mehrere Jahre gestillt. Schwanger sein und stillen und keinen! Zyklus haben ist das normale.

Und warum es sinnvoll sein soll einem Kind die Milch einef anderen Art zu geben, welche man vorher noch Mord kompliziert aufarbeiten muss damit sie überhaupt für ein Menschenbaby passt das würde ich mir Mal logisch erklären lassen.

Zudem: wenn ein Menschenkind mit einem Jahr nicht mehr stillen sollte, dann hätte die Mutter keine Milch und das Baby kein saugbedürfnis mehr.
kleiner Maulwurf 12/15
kleiner Schildkröterich 05/19
Jana208
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Re: Wissenschaftliche Belege für positive Auswirkungen von (Langzeit-)Stillen gesucht

Beitrag von Jana208 »

Leuchtet mir auch total ein, finde ich trotzdem als Argument nicht immer soooo stark, weil man damit jeglichen zivilisatorischen Fortschritt wegbügeln könnte, oder?
Jana mit Tochter L, *14.09.2021
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