@ Mau: doch, klar: es ist m.E. durchaus bekannt, dass "sein Kind in der Stadt großzuziehen" normalerweise eine Gefährdung seiner Gesundheit darstellt.Sommermama2017 hat geschrieben: 10.11.2022, 14:19Hm, doch, irgendwie schon ein bisschen.Mau hat geschrieben: 10.11.2022, 13:39 Noch ein Gedanke zum Thema:
Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, haben ein geringeres Risiko später Allergien zu entwickeln. Also ist es schädlich sein Kind in der Stadt großzuziehen? Würde Keiner so behaupten.
Dass es auf dem Land irgendwie gesünder ist, ist mir zb schon klar. Dass Feinstaub schadet, ist doch auch immer mal wieder Thema.
Ich kann es mir trotzdem nicht vorstellen, auf dem Land zu leben, viele Gründe. Als gesünder würde ich mein Leben in der Stadt aber wirklich nicht ansehen.
In Deutschland vielleicht nicht so krass, weil wir strenge Regeln zu Feinstaubbelastung, Fluglärm, Dieselfahrzeugen in Innenstädten etc. haben, aber auf einem globalen Level (auch in "westlichen Staaten") und vor allem auch geschichtlich gesehen (man denke nur an die Rachitis etc.), war und ist "Stadtleben = schädlich für die körperliche und mentale Gesundheit" ein recht klar benannter Zusammenhang:
Deutlich höheres Risiko für Atemwegserkrankungen, Asthma, Allergien, Herz- und Gefäßerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes, Übergewicht, eine ganze Reihe psychischer Erkrankungen (z.B. Angststörungen, Schizophrenie, Depression, ...), Krebs, (temporäre) Leistungs- und Intelligenzeinbußen, ...
In einer Stadt zu leben verringert die Lebenserwartung eines Menschen und macht ihn im Durchschnitt kränker.
Ursachen sind vor allem Schadstoffe (z.B. in der Luft), Schlafprobleme durch Lichtverschmutzung, Lärmstress, Hektik, Ozonbelastung (auch in "saubereren" Städten), in manchen Städten der Welt zusätzlich noch die "food deserts" (keine Supermärkte, Gemüseläden, ... nur Fast Food und Snacks), zu wenig Möglichkeiten, Wege zu Fuß/Fahrrad zurückzulegen (oder gleich so viel Smog, dass man beides prinzipiell vermeiden sollte), ...
Ich zitiere mal nur drei der ersten Treffer zu "living in cities harmful health" aus einer schnellen Websuche:
2017 haben Experten in "The Guardian" gewarnt, man solle morgens seine Kleinkinder und Babys in Städten nicht zu Fuß zur KiTa bringen (oder nicht zu Fuß mitnehmen, wenn man große Geschwister zur Schule bringt), und wenn der Fußweg nötig ist, solle man wenigstens den Kinderwagen mit einem filternden Stoffcover abdecken, um die Feinstaubbelastung des Babys/Kleinkindes zu mindern:
https://www.theguardian.com/environment ... nts-warned
BBC (08-2019): How city life affects your health and happinessA recent study has likened city air pollution to smoking a pack of cigarettes each day for 29 years. While the effect on our lungs is undoubtedly troubling, we should also be wary of what the air we breathe is doing to the rest of our bodies.
Business Insider (07-2015): Here are all the ways living in cities is horrible for you
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Zu sagen "auf dem Lande leben ist GESÜNDER" ist übrigens das gleiche falsche Framing wie "Stillen ist besser/gesünder":
Der Normalzustand des Menschen wäre "auf dem Land leben" und "gestillt werden".
Wenn von dieser normalgesunden Norm abgewichen wird, gibt es durchschnittlich für die betroffene Bevölkerung messbare gesundheitliche Nachteile - egal wie man es dreht und wendet.
Das sagt nichts über Individuen und man muss daraus selbstverständlich nicht ableiten, dass man deshalb nicht in Städten leben oder nicht Formulanahrung geben sollte/dürfte.
Aber die Aussage, dass beides gesundheitliche Nachteile mit sich bringt, ist nicht wegzureden.
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Es gab mal ein Faltblatt der AFS mit dem Namen "Stillen hat keine Vorteile", in dem das m.E. recht anschaulich erklärt wurde. Ich selbst fand es toll, habe aber persönlich MEHRFACH erlebt, dass Menschen aus weniger formulierungsbewussten Bildungsniveaus das ÜBERHAUPT nicht verstanden haben und letztlich nur "Stillen ist auch nicht besser als Flasche, das sagt sogar eine Stillberaterinnenorganisation - warum soll ich mir also den Stress machen?" daraus für sich mitgenommen haben (wenn sie überhaupt mehr als die Überschrift gelesen haben).
Deshalb war es - so richtig der Inhalt war - völlig über die Köpfe vieler Menschen hinweggeschrieben und sicherlich nicht das hilfreichste Faltblatt für "Norma Normalbürgerin".
Auf der Website von Utta Reich-Schottky (einer Stillfachfrau, die ich sehr schätze!) ist ein ähnlicher Text (ohne das Faltblattlayout) noch verlinkt:
Faltblatt: Stillen hat keine "Vorteile" (PDF Direktlink)
Wie eine Diskussion dazu außerhalb der SuT- oder Rabeneltern-Filterblase verläuft, kann man sich exemplarisch hier anschauen:
https://baby.gofeminin.de/forum/stillen ... e-fd844065
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