Ich mache mir gerade viele Gedanken um unseren Hund bzw. uns als Konstellation. Vor ein paar Seiten gab es hier ja mal das Thema in die Richtung „jede:r bekommt den Hund, der zu ihm/ihr passt“. Bei uns ist das definitiv nicht so
Sie ist ein sehr süßer Jack Russell Mischling (phänotypisch muss da auch eine frz Bulldogge mitgemischt haben. Genau wissen wir es nicht, da wir die Eltern nicht kennen). Sie ist seit etwas mehr als 2 Jahren bei uns, sie ist knapp 3 Jahre alt.
Sie ist vom Verhalten her ein typischer Terrier: sehr fröhlich, sehr lebendig, braucht deutliche Grenzen um nicht komplett ab zu drehen, sehr gelehrig und schlau.
Wir sind täglich mit ihr im Wald, wo sie auch Freilauf hat. 1x wöchentlich gehen wir zum agility, was sie sehr liebt, ich aber mit fortschreitender Schwangerschaft nicht durchziehen werde können. 1x wöchentlich haben wir einen festen Termin zum gemeinsamen Spazierengehen und Spielen mit anderen Hunden.
Leider habe ich das Gefühl, dass wir ihr 1. nicht mal ansatzweise gerecht werden (sie bräuchte noch viel mehr geistigen Input) und 2. unsere Familie nicht so gut mit ihr zusammen passt. S1 ist zum Beispiel motorisch unruhig (hat auch ADHS) und der Hund und er schaukeln sich da oft ziemlich hoch. Falls es ADHS bei Hunden gibt, hat unser Hund das auf jeden Fall auch
Ich empfinde es häufig als sehr anstrengend, dass sie zwar schnell lernt und weiß, was man von ihr erwartet, aber 0,0 Impulskontrolle hat. Sie weiß zum Beispiel genau, dass sie nicht vor mir aus der Haustür gehen darf. Trotzdem versucht sie es JEDES Mal, wenn wir spazieren gehen. Es reicht dann ein Blick von mir und sie geht sofort ein paar Schritte zurück, aber es ist auch nach zwei Jahren null automatisiert bei ihr. Wenn wir dann aus der Haustür raus sind, rast sie auch immer an der Leine los, ich hole sie zurück und dann kann sie auch vernünftig laufen. Aber sie testet einfach täglich, ob die gleichen Regeln immer noch gelten. Und ist von Natur aus so stürmisch und energiegeladen.
Sie geht zum Beispiel auch auf den Tisch, wenn da noch etwas zu Essen steht. Natürlich weiß sie, dass sie das nicht darf und würde es niemals machen, wenn jemand von uns im Raum ist. Aber sobald wir den Raum verlassen springt sie drauf. Wenn einer von uns es mitbekommt, flüchtet sie sofort unters Sofa, sie weiß ganz genau, was hier nicht erlaubt ist.
Man muss so extrem streng mit ihr sein und leider führt das auch immer wieder zu Spannungen zwischen mir und den Kindern, weil ich sie maßregeln muss, was sie alles nicht mit dem Hund dürfen. Das finde ich so schade.
Jetzt ist hier ab nächstem Jahr noch ein Baby und es graut mir vor dem Zusammenleben mit Hund. Ich weiß genau, dass ich das Baby nirgendwo auf einer Decke liegen lassen kann. Weil der Hund es komplett abschlecken wird/ sein Spielzeug klauen wird etc. Der Hund ist generell viel zu stürmisch mit Kindern, weil sie sich auch immer so wahnsinnig über Kinder und überhaupt jeden Besuch freut.
Auch das so ein Thema: wenn wir Besuch bekommen, rastet sie jedes Mal aus vor Freude, schleppt minutenlang Spielzeug ohne Ende an. Bei uns wissen mittlerWeile auch alle, dass der Hund erst begrüßt wird, wenn er sich beruhigt hat. Trotzdem finde ich diese Unruhe anstrengend.
Ich muss mal langsam zum Ende kommen

ich finde auch schade, dass man sie eigentlich nirgendwo mit hinnehmen kann, weil sie sofort anfängt rumzuwuseln, Sachen zu erbeuten, alle verrückt zu machen mit ihrer Unruhe. Bei mir auf der Arbeit ist es mittlerweile kein Problem mehr, da kennt sie es.
Jetzt war sie gerade 2 Wochen in der Ferienbetreuung bei einer Frau, die hauptberuflich Hunde betreut. Also zu ihren eigenen 2 Hunden nimmt sie noch bis zu 3 Hunde auf, die dann mit ihr im Haus wohnen. Und sie sagte, sie habe selten einen so unkomplizierten gut erzogenen Hund gehabt. Und ja, wenn ich mir E. in diesem Setting vorstelle, kann ich mir das sogar vorstellen. Da ist eben immer jemand zum Spielen da und wenn sie ausgelastet ist, kommt sie auch zur Ruhe. Sie orientiert sich sicher an den vorhandenen Hunden und zudem hat die Betreuerin auch Kapazitäten, sich noch viel mehr mit den Hunden zu beschäftigen.
Das hat mir sehr zu denken gegeben, ob es nicht besser für E. wäre, wenn sie ein anderes Umfeld hätte.
Ich freue mich, wenn jemand bis hier gelesen hat und vielleicht einen Gedanken dazu hat.