Wie werden wir die Windeln los?

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Kalimera
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Kalimera »

Danke für den Input :) Jetzt habe ich endlich Zeit, euch allen zu antworten!

Blauelagune, "einfach" ohne Windel in den Kindi zu schicken ist utopisch - wir kämpfen ohnehin schon jeden Morgen mit "ich will nicht in die Kita" ab dem Aufwachen. Hat nichts direkt mit der Kita zu tun, sondern mit dem Übergang von Zuhause inkl. Anziehen und zur Kita fahren, aber da noch ein "ohne Windel" zuzufügen, ist gerade nicht drin.

Er lässt es grundsätzlich erst gar nicht zu, ohne Windel zu sein.

Bluemä, da sagst du was. Natürlich muss ein Kind auch gesellschaftliche Normen lernen. Allerdings ist halt die Frage, wie und wie schnell. Muss das jetzt auf Teufel komm raus vor der Schule sein? Kann man dem eigenen Tempo des Kindes vertrauen (auch wenn es länger dauert als die Norm)? Gibt es auch Wege abseits der 2 - 4 jährigen trockenwerdenden Kinder? Wir haben noch dazu ja schon zwei richtig missglückte Weglassversuche. An wann wird das traumatisierend?

LinaJaSi & Traeumi, eure Beiträge gehen ja in dieselbe Richtung. Der Vergleich mit der Straße hinkt leider etwas, finde ich. Da geht es um Leben und Tod. Bei einer Windel nicht. Trotzdem verstehe ich, was gemeint ist. Ich tu mich aber schwer, dem großen Kind auf Augenhöhe und wertschätzend zu vermitteln, dass ich nicht mehr wickeln will, wenn ich im selben Augenblick den kleinen Bruder weiterwickle. Und dass es nicht gegen ihn geht, sondern für ihn - sowas versteht ein Kind in dem Alter doch nicht wirklich. Oder welches Kind sagt dann freiwillig "ok Mama, ich lass die Windel weg", wenn es die vorher unbedingt behalten wollte?

Kambly, danke dir für deinen Beitrag! Es tut gut hören, dass es auch anders laufen kann. Ich denke, sehr viel steht und fällt auch mit der Klassenleitung. Leider weiß man ja vorher nicht, an wen das Kind in der Schule Gerät.

Cecily, cool, dass es bei euch so schnell geklappt hat! Da musste vermutlich auch nur einmal der Knoten im Kopf platzen. Tatsächlich haben wir gestern daran rumüberlegt, ein windelfreies Wochenende anzubieten (aufzuzwingen 🙈). Heute hatte ich ein Gespräch mit ihm zb, wieviel die Windeln kosten und wieviel Geld wir sparen würden und dass da durchaus auch einer seiner größeren Wünsche drin wäre, wenn wir für ihn keine Windeln mehr kaufen müssen. Es hat dann in seinem Kopf gearbeitet und ich habe es erstmal dabei belassen. Mal gucken, was die Tage so von ihm zurückkommt, denn oft greift er so ein Thema dann von selbst wieder auf, wenn er genug Zeit hatte, darüber nachzudenken.

jesse80, genau davor habe ich eben auch Angst. 2 missglückte Versuche inkl. Einhalten, Einkoten etc und eh schon Probleme mit chronischer Verstopfung (ist unter Beobachtung und mit Macrogol gut im Griff) sind halt auch eine schwierige Ausgangssituation. Wie habt ihr weitergemacht? Bei uns geht es jetzt erstmal nur ums Pipi, wenn er fürs große weiterhin eine Windel haben möchte, wäre das für mich ok (für die Kita auch). Nur, beim letzten Versuch ohne Windel ist dieses "Angebot" in "ich muss mal kaka" den ganzen Tag über ausgeartet, evt auch aus Angst, dass vielleicht was kommt.
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jessy80
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von jessy80 »

Pippi war Tags und nachts zum Glück nie ein Problem. Und generell macht er halt nur zuhause groß. Von daher haben wir den Vorteil das es nur und als kernfamilie "belastet".
Und da ich dann in Ruhe mit dem mittleren Hausaufgaben machen kann, wenn sich der Mini in sein Zimmer zurück zieht ist der Leidensdruck noch nicht so hoch.

Am schönsten spielt er mit Pampi an...

Wir reden twar immer wieder sauber, aber zwingen ist keine Option.

Irgendwann wird es klick machen.
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Myeskathry
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Myeskathry »

Was für eine blöde, verfahrene Situation.
Der Kleine wird bald 2,5 Jahre? Kann er schon manchmal aufs Töpfchen machen? Es klingt für mich so, als müsstet ihr bei beiden Kindern ein windelfreies (vielleicht auch verlängertes) Wochenende machen, wenn ihr keine Diskussion wollt, wieso der Kleine die Windel bekommt und er nicht. Also “müsst“ ihr natürlich nicht. War nur ein Gedanke von mir. Keine Ahnung, ob es möglich wäre.
Wir hatten bei beiden Großen einen besonderen Krippenerzieher erwischt, der offenbar lieber eingepinkelte Kinder umgezogen hat als gewickelt. Der hat einfach vor dem zweiten Geburtstag mit uns besprochen, dass er die Windel weglassen will. Beim Ritter ging es dann sehr schnell mit trocken werden. Beim Möhrchen hat es etwas gedauert und phasenweise gab es bis zur Einschulung immer mal Unfälle. Aber keine Windeln mehr. Davon sind wir beim kleinen Edelmann noch weit entfernt und vielleicht blüht uns ja jetzt ein ähnliches Schicksal wie euch.... Ich glaube nicht, dass ihr als Eltern versagt habt. Ich wollte nur meinen Gedanken zur Verfügung stellen.
Liebe Grüße
Myeskathry mit Ritter (7/12), Möhrchen (7/14) und kleinem Edelmann (4/20) +🐈
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Myeskathry
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Myeskathry »

Achso, noch ein Gedanke, aber das handhabt ihr sicherlich eh so:
Bei uns darf natürlich auf Töpchen/Klo immer gespielt oder gelesen werden. Und wenn mein Kind gesellschaft braucht spiele ich auch mit oder lese etwas vor. Soll ja entspannt sein, wenn man sein Geschäft macht. Was spielt euer Großer denn gerne/ am liebsten? Vielleicht magst du dir ja mal sein Lieblingsspielzeug mit auf Toilette nehmen und ausgiebig damit spielen? Vielleicht einen Hocker als Tischchen neben das Klo stellen? Wir haben ein Fußbänkchen neben dem Töpfchen z.B.
Das Spielzeug lässt du dann ausversehen dort liegen. Vielleicht auch immer mal ein anderes spannendes Spielzeug. Dann ist es im Bad vielleicht plötzlich gemütlich und er bleibt da zufällig hängen....? Wenn er dann im Bad spielt und in die Windel macht kannst du ihm ja irgendwann anbieten, doch gleich auf den Topf/ das Klo zu gehen, wenn er eh schon daneben sitzt....?
Liebe Grüße
Myeskathry mit Ritter (7/12), Möhrchen (7/14) und kleinem Edelmann (4/20) +🐈
Caratra
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Caratra »

Ich finde es gut, dass du deinem Sohn noch Zeit geben möchtest und nichts erzwingen willst. Ich erzähl dir mal, wie es bei uns war.

Ich dachte immer, irgendwann kommt der Punkt bei den Kindern von ganz alleine, aber bei beiden Kindern musste ich den Anstoß geben. Allerdings waren beide Kinder damit einverstanden, in den Ferien mal zu Hause die Windel wegzulassen. Mein Sohn war zu diesem Zeitpunkt schon 5 ½, und wir haben wirklich mit stundenweisem Weglassen angefangen. Ich glaube, seine größte Angst war, dass etwas in die Hose gehen könnte, und er wollte deswegen immer eine Windel. Als das dann klappte, war er bereit, es auch mal unterwegs zu versuchen. (Mir war eigentlich schon vorher klar, dass es klappen müsste, denn schließlich hat er schon im Kindergarten seine Ausscheidungen kontrolliert, so dass er dort nicht gewickelt werden musste.) So zwei, drei Monate später war er dann bereit, es auch im Kindergarten ohne Windel zu probieren. Ich glaube, das war für ihn der größte Schritt.

Einen Monat später schlug mein Partner dann vor, auch nachts die Windel wegzulassen. Das war für mich zunächst ein großer Schritt. Ich hatte Angst vor vollgepinkelten Betten. Aber auch das klappte problemlos. So hatten wir es dann doch noch vor dem 6. Geburtstag geschafft, die Windel wegzulassen.

Mein Tochter war schon über 4, als wir das Windel weglassen mal probiert haben. (Es gab vorher schon einen blöden Spruch vom Kinderarzt, und dass sie für ein Mädchen schon spät dran wäre.) Das klappte zu Hause gleich schon so toll, so dass ich ihr für den Kindergarten nicht wieder eine Windel anziehen wollte. (Obwohl sie wirklich gerne eine gehabt hätte.) Da habe ich sie dann einfach mit einer Puppe bestochen, so dass das Thema Windel tagsüber innerhalb von zwei, drei Wochen erledigt war. Kurze Zeit später wollte sie dann auch nachts mal die Windel weglassen, was auch gleich geklappt hat.

Beide Kinder waren seitdem tagsüber komplett unfallfrei, und jeder hat nachts genau einmal ins Bett gepinkelt. (Das ist der Vorteil vom langen Tragen von Windeln.) Ich denke, wenn das Kind eigentlich schon alt genug ist, und es nur noch an irgendwelchen Ängsten o.ä. liegt, dann kann es ganz schnell gehen mit dem Windel loswerden. Und bis zur Einschulung habt ihr noch ein halbes Jahr Zeit. Du könntest jetzt noch 3, 4 Monate warten und dann vielleicht mit deinem Sohn besprechen, ob er vor dem Schulstart die Windel loswerden möchte oder nicht.
mit Winterhasen (2012) und Sommermaus (2016)
Traeumi
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Traeumi »

Nur kurz zu deiner Antwort - ich würde das auch nicht mit dem Straßenbeispiel vergleichen. Genauso wenig würde ich mich aber auf die Stufe stellen, ihn an diesem Punkt mit seinem kleinen Bruder zu vergleichen. Klar wird der gewickelt, so wie ihr ihn auch bisher (!) wickelt. Aber er ist ja nun auch ein paar Jahre älter als sein Bruder und wird auch in anderen Dingen (zB Mittagsschlaf, Bettgehzeit, Medienzeit, Essen, was auch immer) vermutlich anders behandelt. Das kann ja genauso für das Wickelthema gelten.
... mit (02/2015) & (12/2016) & (06/2022).
Lösche Benutzer 27440

Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Lösche Benutzer 27440 »

Klar passt das Straßenbeispiel nicht zu 100% und eigentlich geht es um etwas ganz anderes in eurer Situation. Das stimmt...
Aber ich denke, du verstehst meinen Gedanken dahinter.
Und ich stimme Traumi zu, dass es nicht das Beste Argument ist, dass der kleine Bruder noch gewickelt wird.
Das großes Kind ist (deutlich) älter und darf somit in meinen Augen anders behandelt werden als das Kleine. Das heißt ja nicht, dass du dein großes Kind in dem Moment weniger liebst.

Kann es sein, dass du einfach nicht weißt was du möchtest? Dass du zu unsicher bist, weil du (verständlicher weise), nichts falsch machen und dein Kind nicht negativ prägen möchtest?
Ich denke, das ist wie beim Abstillen. Wenn Frau/Mutter ganz genau weiß was sie möchte, dann klappt das Abstillen in der Regel problemloser als wenn die Frau noch immer den Gedanken im Kopf hat: "aber eigentlich möchte ich meinem Kind das nicht wegnehmen..."
Ich denke, dass so eine Unsicherheit sich auf das Kind überträgt und dann macht ein sensibles Kind einfach dicht und verweigert die Kooperation. Dazu kommt eben vielleicht noch eine natürliche Unsicherheit oder Angst vom Kind, dass etwas daneben gehen kann.

Allerdings dreht ihr euch im Kreis... dein Kind macht nur in die windel --> papa verärgert --> mama nervts auch --> die Situation spannt sich an --> Kind spürt den Druck und die Spannung und blockiert--> es wird versucht die Situation zu entschärfen--> Kind macht in die windel --> Eltern verärgert/genervt usw.

Und entweder entspannt ihr die Situation, indem ihr es schafft entspannt zu wickeln bis das Kind den nächsten Schritt macht, oder ihr müsst die Windel (evtl trotz Gebrüll und Wüten) abschaffen.

Gerade fällt mir ein/auf: ihr habt es (immer wieder) mit dem Belohnungssystem versucht erst ging es gut, aber er verlor bald das Interesse. Kann es sein, dass noch zu langwierig für ihn war? Könnt ihr nicht Mini-Kleine Ziele setzen?
Windelfreie Zeit einführen z.B. jeden Tag von 15-16 Uhr ist windelfreie Zeit. (Vielleicht auch der Kleine?)
Stellt einen Timer. Wenn Die Zeit abgelaufen ist und der Wecker klingelt, dann darf wieder die Windel an. Und diese windelfreie Zeit wird halt langsam verlängert. Wenn er in der Zeit muss, dann kann er halt aufs Klo gehen oder warten. Einhalten kann er ja, wenn ich mich recht erinnere...
In der windelfreie Zeit könnt ihr ja etwas schönes unternehmen lesen, kneten, Lego bauen usw.
Wenn es Erfolge in kleinen Schritten gibt, dann gibt das Selbstvertrauen für die nächsten größeren Schritte.
Und wenn es zu euch passt, dann verbindet ihr das mit einem Belohnungssystem, allerdings würd ich anfangs keine Punkte sammeln sondern eher mit Kleinigkeiten direkt belohnen, damit das Interesse bleibt.
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Jia
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Jia »

Als willensstarke Mutter mit zwei ebenso willensstarken Kinder würde ich euch raten, einen anderen Weg zu suchen. Nachdem jegliche Druckversuche gescheitert sind: wäre es für euch eine Option, bis zum Schulbeginn zu warten? Klar kommunizieren, dass es in der Schule keine Windel gibt, weil es da keine Erzieher:innen gibt, die wickeln. Alles andere ist ja irgendwie ein konstruiertes Szenario, denn letztlich ist der tiefere Grund, dass ihr nicht mehr wollt. Da prallt Wille auf Wille, und er wird sich durchsetzen, weil es sein Körper ist. In der Schule sind aber die Umstände anders, da ist Wickeln schlicht keine Möglichkeit mehr, nicht einfach ein Verweigerungsproblem. Dort gibt es weder das Personal noch die räumlichen Möglichkeiten, also ist auch für ihn offensichtlich, dass Windeln und Schule nicht zusammengehen. Und er kann es ja offentsichtlich, wenn er will. Das würde bedeuten, dass er seinen Willen kriegt, solange die Umstände passend sind. Und ab dem 1. Schultag gibt es keine Windel mehr, weil es dann nicht mehr geht, Punkt. Wenn er nicht bereit ist, eine Woche vorher zu üben, muss er es dann einfach selbst schaffen, ohne Vorlaufzeit.
Diese Herangehensweise mag nicht für alle funktionieren, aber bei uns wäre ich zu 99% sicher, dass die Umstellung von einem Tag auf den anderen klappt. Wir hatten das Problem in ähnlicher Form auch, zwar nicht so lange, aber es war auch eine Frage des Willens, ein Machtkampf. Wir haben es nicht eskalieren lassen, weil die Ansage der Grossen klar und knallhart war: "Wenn ich keine Windel mehr haben darf, dann mache ich eben in die Hose!" Und ich bin sehr sicher, dass sie das durchgezogen hätte, wenn nötig wochenlang. Deshalb war klar, dass wir es ohne Druck schaffen müssen, denn wir hätten den Kampf nicht gewinnen können und die Beziehung geschädigt. Äussere Zwänge sind deshalb in so einer verfahrenen Situation hilfreich, weil es dann auch fürs Kind klar ist, dass es situationsabhängig ist und nicht eine Frage des Durchsetzungsvermögens.
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Kambly »

Was sagt er selber eigendlich dazu? (Ich hoffe, ich habs nicht überlesen, hab nicht alles genau gelesen)
Wie stellt er sich das in der Schule vor? Könnte er das Wickeln selber handeln? Also dass du sagst, dass er Windeln tragen darf, er aber alles selber regeln muss? mit so Höschenwindeln sollte das doch gehen.
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Myeskathry
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Re: Wie werden wir die Windeln los?

Beitrag von Myeskathry »

Jia hat geschrieben: 11.02.2022, 10:07 Als willensstarke Mutter mit zwei ebenso willensstarken Kinder würde ich euch raten, einen anderen Weg zu suchen. Nachdem jegliche Druckversuche gescheitert sind: wäre es für euch eine Option, bis zum Schulbeginn zu warten? Klar kommunizieren, dass es in der Schule keine Windel gibt, weil es da keine Erzieher:innen gibt, die wickeln. Alles andere ist ja irgendwie ein konstruiertes Szenario, denn letztlich ist der tiefere Grund, dass ihr nicht mehr wollt. Da prallt Wille auf Wille, und er wird sich durchsetzen, weil es sein Körper ist. In der Schule sind aber die Umstände anders, da ist Wickeln schlicht keine Möglichkeit mehr, nicht einfach ein Verweigerungsproblem. Dort gibt es weder das Personal noch die räumlichen Möglichkeiten, also ist auch für ihn offensichtlich, dass Windeln und Schule nicht zusammengehen. Und er kann es ja offentsichtlich, wenn er will. Das würde bedeuten, dass er seinen Willen kriegt, solange die Umstände passend sind. Und ab dem 1. Schultag gibt es keine Windel mehr, weil es dann nicht mehr geht, Punkt. Wenn er nicht bereit ist, eine Woche vorher zu üben, muss er es dann einfach selbst schaffen, ohne Vorlaufzeit.
Diese Herangehensweise mag nicht für alle funktionieren, aber bei uns wäre ich zu 99% sicher, dass die Umstellung von einem Tag auf den anderen klappt. Wir hatten das Problem in ähnlicher Form auch, zwar nicht so lange, aber es war auch eine Frage des Willens, ein Machtkampf. Wir haben es nicht eskalieren lassen, weil die Ansage der Grossen klar und knallhart war: "Wenn ich keine Windel mehr haben darf, dann mache ich eben in die Hose!" Und ich bin sehr sicher, dass sie das durchgezogen hätte, wenn nötig wochenlang. Deshalb war klar, dass wir es ohne Druck schaffen müssen, denn wir hätten den Kampf nicht gewinnen können und die Beziehung geschädigt. Äussere Zwänge sind deshalb in so einer verfahrenen Situation hilfreich, weil es dann auch fürs Kind klar ist, dass es situationsabhängig ist und nicht eine Frage des Durchsetzungsvermögens.
Das kann ich mir wirklich gut vorstellen, dass es bei manchen Kindern so läuft. Vielleicht ist das tatsächlich das Sprungbrett.
Ich musste meinem Sohn auch klar kommunizieren, dass Schule vom Gesetz Pflicht ist. Punkt. Kein “wenn du nicht gehst passiert das und das.“ Alle Kinder gehen in die Schule, die am Stichtag so und so alt sind.

Wenn dein Mann über die Windeln stöhnt würde ich das an deiner Stelle ignorieren. Nicht bestärken, nicht drauf eingehen. Das wirst du nicht ändern können und wahrscheinlich strengt es deinen Sohn noch mehr an, wenn er am Rande mitbekommt, dass es bei Mama und Papa auch ständig Thema ist. Solange dein Mann nicht schreit und grob wird, natürlich...

Ansonsten war mir noch gekommen: Falls es deinem Sohn um die Exklusive Aufmerksamkeit ginge (es ist ja immer die Frage welches Konglomerat an persönlichen Gründen hat das Kind?) Dann würde ich bei einem Toilettengang extra viel Aufmerksamkeit schenken, Gesellschaft leisten, spielen, etc. Bei einer vollen Windel ganz in Ruhe fertig machen, was gerade dein Plan war. “Ich muss erst noch dies und jenes erledigen.“ und dann wortkarg und teilnahmslos, kurz und knapp die Windel wechseln.
Liebe Grüße
Myeskathry mit Ritter (7/12), Möhrchen (7/14) und kleinem Edelmann (4/20) +🐈
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