Freundebesuch und Medien

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Elena
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Elena »

Jamelek hat geschrieben: 11.01.2022, 19:09 Ich finde es aber interessant wie unterschiedlich der Medienbesitz so von Gegend zu Gegend wohl ist.
Ich kenne hier kein Kind [ Altersklasse 3. Klasse) ohne tablet, die meisten bereits mit Smartphon. Viele Kinder sogar mit Fernseher und Konsole im eigenen Zimmer.

Ich weiß nicht, ob das von der Region abhängig ist... bei meinen beiden großen Kindern hatten am Ende der vierten Klasse ALLE Jungs ein Smartphone und KEINS der Mädchen. Meine 13jährige hat bis heute kein Smartphone, sondern für Notfälle ein altes Handy der Oma, das meistens nicht aufgeladen ist. :oops: Ihre beiden besten Freundinnen haben halt auch keins und sie wüsste gar nicht, was sie außer telefonieren damit machen sollte. :lol: Interessant finde ich, dass die jüngere Schwester der einen Freundin ein Tablet hat, mit dem sie quasi verwachsen ist. Die beiden Schwestern sind aber auch komplett unterschiedlich in ihrer Art und ihren Interessen - da liegt das mit dem Tablet definitiv nicht am Elternhaus, sondern an der Nachfrage durch die Kinder.
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Mäusebaby
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Mäusebaby »

Meine Tochter hat mir heute berichtet, dass ihre Freundin aus dem Hort, 6 Jahre alt, zu Weihnachten ein Handy bekommen hat.
SmartWatch ist eine ganz normale Sache und kotzt mich ziemlich an, weil die Kinder einfach Fotos voneinander machen und verschicken.
Liebe Grüße,
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andallthatjazz
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von andallthatjazz »

Bönthi hat geschrieben: 11.01.2022, 16:55 Danke, so wie nido es schreibt, meinte ich es eigentlich auch. Ich habe einfach oft das Gefühl, dass Medien nicht als tatsächliche Spielmöglichkeiten gesehen und immer nur verteufelt werden. Und das kann ich eben einfach nicht nachvollziehen. Warum ist alleine passiv Hörspiel hören zum Beispiel besser, als mit Freunden bei Minecraft kreativ zu sein? Und warum ist es so unverständlich, dass der Freund dann auch ein Tablet mit zum Spielbesuch bringt?
Ich will hier keinesfalls dafür plädieren, dass alle Kinder uneingeschränkt Medien nutzen sollen, aber dass grade das gemeinsame Spielen von so vielen nicht als vollwertiges Hobby angesehen werden kann, finde ich dich immer wieder schade. Sicher gibt es da auch Kinder, die strikte Regeln brauchen. Aber oft habe ich das Gefühl, dass das nicht wirklich vom Kind abhängt gemacht wird, sondern weil im Kopf noch immer das negativ Bild von Spielekonsolen vorherrscht.
Und wie viele von euch gehen mit gutem Beispiel voran und schränken ihre eigene Medienzeit genau so ein, wie die ihrer Kinder? Wie viel Zeit habt ihr heute zum Beispiel schon hier im SuT verbracht?
Ich denke, das Problem an digitalen Medien gerade während der Hirnentwicklung in der Kindheit, ist dieses unnatürliche Missverhältnis aus Aktion und Reaktion. Du tippst ein paar Mal auf einen Bildschirm und hast ein Haus in Minecraft, das stabil ist. Du drückst eine Taste und rast über eine Autorennstrecke. In der Realität ist das nicht so. Ein Haus mit Bausteinen zu bauen, ist aufwendiger und schwieriger. Viele Dinge sind gar nicht möglich. Eine gewisse Einsturzgefahr und Frustrations obendrauf. Und mit dem Tretauto ein vergleichbare Geschwindigkeit aufzubauen, bei der auch noch ständig irgendwelche Belohnungseffekte aufploppen, naja, wohl eher nicht. Und unser Hirn sucht nach maximalen Ereignissen und Reizen, weil da die Glückshormonausschüttung am heftigsten ist. Viele Leute werden also von digitalen Medien angezogen wie die Motten vom Licht. Die Frustrationstoleranz und die Leistungsbereitschaft gegenüber den lahmen Erfolgen und den damit oft verbundenen nervigen Anstrengungen der Realität schwinden. Und das ist eben besonders für Kinder, die das alles eigentlich lernen sollen, ein Problem.
Wie viele Gegner digitaler Medien das allerdings so reflektieren oder eher einem "ist neu, fühlt sich bedenklich an" bzw. einer allgemeinen Stimmung erlegen sind, weiß ich nicht.
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Bönthi
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Bönthi »

Jamelek, bei euch klingt es so, als ob das gemeinsame Konsolenspiel bei Besuch besonders deshalb problematisch ist, weil dein Sohn und dieses andere Kind da überhaupt nicht harmonieren. Das ist natürlich schade, aber in dem Fall würde ich es wohl auch in irgendeiner Weise einschränken. Wenn die Kinder da so unterschiedlich ticken, ist das schon schwierig.
Und ich möchte auch noch mal ganz klar differenzieren zwischen passivem Konsum irgendwelcher Videos oder einfach nebeneinander herspielen im Gegensatz zu interaktivem Spiel, welches auch tolle soziale Komponenten hat. Grade zu Pandemiezeiten finde ich online gemeinsam (!!!) spielen eine wirklich tolle Möglichkeit für viele Kinder.
Und eine Smartwatch für eine 6jährige ist natürlich eine völlig andere Hausnummer. Insbesondere wenn es eben nicht entsprechend begleitet wird und die Medienkompetenz noch völlig fehlt und dann Blödsinn damit gemacht wird.
mit Zelli, dem kleinen Zellhaufen (02/20)
Elena
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Elena »

andallthatjazz hat geschrieben: 11.01.2022, 20:20
Bönthi hat geschrieben: 11.01.2022, 16:55 Danke, so wie nido es schreibt, meinte ich es eigentlich auch. Ich habe einfach oft das Gefühl, dass Medien nicht als tatsächliche Spielmöglichkeiten gesehen und immer nur verteufelt werden. Und das kann ich eben einfach nicht nachvollziehen. Warum ist alleine passiv Hörspiel hören zum Beispiel besser, als mit Freunden bei Minecraft kreativ zu sein? Und warum ist es so unverständlich, dass der Freund dann auch ein Tablet mit zum Spielbesuch bringt?
Ich will hier keinesfalls dafür plädieren, dass alle Kinder uneingeschränkt Medien nutzen sollen, aber dass grade das gemeinsame Spielen von so vielen nicht als vollwertiges Hobby angesehen werden kann, finde ich dich immer wieder schade. Sicher gibt es da auch Kinder, die strikte Regeln brauchen. Aber oft habe ich das Gefühl, dass das nicht wirklich vom Kind abhängt gemacht wird, sondern weil im Kopf noch immer das negativ Bild von Spielekonsolen vorherrscht.
Und wie viele von euch gehen mit gutem Beispiel voran und schränken ihre eigene Medienzeit genau so ein, wie die ihrer Kinder? Wie viel Zeit habt ihr heute zum Beispiel schon hier im SuT verbracht?
Ich denke, das Problem an digitalen Medien gerade während der Hirnentwicklung in der Kindheit, ist dieses unnatürliche Missverhältnis aus Aktion und Reaktion. Du tippst ein paar Mal auf einen Bildschirm und hast ein Haus in Minecraft, das stabil ist. Du drückst eine Taste und rast über eine Autorennstrecke. In der Realität ist das nicht so. Ein Haus mit Bausteinen zu bauen, ist aufwendiger und schwieriger. Viele Dinge sind gar nicht möglich. Eine gewisse Einsturzgefahr und Frustrations obendrauf. Und mit dem Tretauto ein vergleichbare Geschwindigkeit aufzubauen, bei der auch noch ständig irgendwelche Belohnungseffekte aufploppen, naja, wohl eher nicht. Und unser Hirn sucht nach maximalen Ereignissen und Reizen, weil da die Glückshormonausschüttung am heftigsten ist. Viele Leute werden also von digitalen Medien angezogen wie die Motten vom Licht. Die Frustrationstoleranz und die Leistungsbereitschaft gegenüber den lahmen Erfolgen und den damit oft verbundenen nervigen Anstrengungen der Realität schwinden. Und das ist eben besonders für Kinder, die das alles eigentlich lernen sollen, ein Problem.
Ich finde, das macht es ganz gut anschaulich. Es betrifft nicht jede Art von Gaming/Nutzung digitaler Medien und vor allem nicht gleich stark, ich würde deshalb auf jeden Fall auch differenzieren.
Wie viele Gegner digitaler Medien das allerdings so reflektieren oder eher einem "ist neu, fühlt sich bedenklich an" bzw. einer allgemeinen Stimmung erlegen sind, weiß ich nicht.
Gute Frage, ich bin definitiv nicht technikfeindlich, im Gegenteil, ich lebe quasi von technischen Innovationen :lol: und verfolge neue Entwicklung auf bestimmten technischen Gebieten auch sehr aktiv. Vielleicht bin ich bei "ist neu, also gut" auch besonders skeptisch. :lol:
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Mäusebaby
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Mäusebaby »

OT: Bei dir, Elena, frage ich mich immer, was du beruflich machst, aber jetzt hab ich’s: du arbeitest beim Patentamt oder Patentanwalt. 😄

Jamelek, bei uns ist es bei Minecraft genauso. Mein Neffe hat es uns gezeigt und meine Tochter und ich haben bei der Tierabschlachterei gleich das Interesse verloren, da war dann auch nichts mehr zu retten. Sie spielt am liebsten Rätsel-/Reparierspiele auf Tablett und Konsole, aber mit Freund:innen ebenfalls Rollenspiele. Ich habe den Eindruck, das ist aber gar nicht mehr so weit verbreitet. Sie kam auch schon von einem Spielbesuch, wo ferngesehen wurde. Ich finde das komisch. 🤷🏻‍♀️
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Elena »

Bingo. :lol:
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Seifenblasenfrau »

Ich finde die Diskussion spannend und möchte noch einen ganz neuen Punkt reinbringen: Wie mein Kind sich verhält, nachdem es 30 Minuten digitale Medien hatte und wie es sich verhält, wenn es 30 Minuten draußen gespielt hat. Das sind hier zwei verschiedene Welten und bildet auch zwei verschiedene Extreme ab. Und ich möchte schlicht nicht, dass mein Kind sich so verhält, weil ich es in direkter Nähe ausbade und das ihr und mir nicht gut tut. Und das erzählen ganz viele Eltern so oder so ähnlich. Bei uns sind digitale Medien auch nicht verboten, aber auch nicht zur Selbstregulierung überlassen, weil Medienersteller nun mal bewusst mit suchterzeugenden Elementen spielen, um maximalen Umsatz zu betreiben. Das haben durchschnittliche Kinder und auch sehr viele durchschnittliche Erwachsene nicht unter Kontrolle.
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Linda89
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Linda89 »

Ich finde, die Diskussion müsste man für verschiedene Altersklassen mehrfach führen. Ein Kindergarten Kind mache ich vor den Fernseher, um meine Ruhe zu haben.. Ein Grundschulkind kann schon ganz andere Sachen mit Medien machen. Ich finde es tatsächlich schade, dass meine Erstklässler kein Interesse an PC spielen hat, ganz anders als mein Sohn, und habe schon öfter versucht, ihr das nahe zu bringen.
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Sabina
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Re: Freundebesuch und Medien

Beitrag von Sabina »

Meine Kinder können alle ziemlich gut umschalten von Medien auf Normalbetrieb. Mein Sohn ist zwar etwas gereizter in der ersten halben Stunde nach dem Abschalten oder wenn der Medienkonsum in den Ferien überhand nimmt auch mal allgemein. Das hängt aber, so glaube ich, auch an der Müdigkeit. Meine Kids dürfen nämlich in den Ferien jeweils ab halb 8 am Morgen bis zum Frühstück (a.k.a. bis Mama aufsteht) an die Geräte. Da freut er sich jeden Tag so sehr darauf, dass er schon super früh aufwacht (um 6 h oder so), obwohl er am Abend zuvor bis weit in die Nacht noch auf war oder liest. Da ist die Gereiztheit also eher durch die Müdigkeit bedingt und irgendwie krieg ich es nicht anders hin. Nun ja, in fünf Wochen können wir wieder üben. 😄 Ansonsten wird hier nur am WE konsumiert. Da kommt das nicht so zum Tragen.

Ich kenne das Überdrehen nach Medienkonsum gar nicht. Im Gegenteil: wenn meine Jüngste mal unter der Woche irgendwas gucken durfte (entweder Oktonauten, Paw Patrol o.Ä. auf Netflix oder freie Wahl auf YT Kids, meist mehrere Folgen weil ich Termine habe, telefonieren muss oder so) spielt sie danach meist erstmal ganz ruhig, entspannt und ALLEINE in ihrem Zimmer. So als wäre sie gesättigt mit Aufregung und Action und braucht dann etwas Ruhe. Die Mittlere hatte das ähnlich.
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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