Trösten und beruhigen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Pharetrata
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Trösten und beruhigen

Beitrag von Pharetrata »

Hallo zusammen,

Viele nutzen das Stillen ja zur Beruhigung. Irgendwie scheint das bei uns nicht zu funktionieren 😔
(Mädchen, 11 Monate)

Gestern war es sogar so, dass - nachdem sie sich den Kopf angedotzt hat - sich bei mir nicht nur nicht beruhigt hat - mein Mann hat sie dann genommen - sondern sie hat, nachdem sie aufgehört hatte zu weinen und mein Mann sie mir wieder zurück gegeben hat, sogar wieder angefangen zu weinen 😭

Ich kümmere mich 24/7 um sie, sie schläft nachts in meinen Armen, wir tragen jeden Tag oft mehrere Stunden Tragetuch und wir sind sehr viel zusammen auf der Babydecke. Da mein Mann im Home-Office arbeitet bekommt er von ihr sehr viel mit uns ist immer da - ein Glück für uns alle 😍
Allerdings war es oft so, dass wenn sie - aus welchen Gründen auch immer - geweint hat (z. B. ist sie ein paar Mal weinend aus dem Schlaf in meinen Armen hochgeschreckt 😢), er kam und sie mir abgenommen hat. Wir hatten darüber auch gestritten, denn mir kam es vor, als würde sie mir weggenommen werden, besonders da sie ja bei mir auch angefangen hatte zu weinen. Er meinte, auch er sei Elternteil und wolle sie auch beruhigen und für sie da sein. Was ich ja auch verstand - schließlich sollen beide Elternteile zeigen, dass sie da sind. Aber nun habe ich irgendwie gestern das Gefühl bekommen, dass die Maus nun dahingehend konditioniert ist, dass Papa zum beruhigen da ist und ich sie ihm geben soll, bis sie sich wieder beruhigt hat.

Bitte sagt mir, dass ich mir das nur einbilden oder übertreibe (aber bitte höflich bleiben 😅)

Ich will wirklich nur das Beste für die Kleine und freilich ihre Unabhängigkeit fördern, aber dass sie wieder anfing zu weinen, sobald ich sie in den Arm nahm, hat mir doch weh getan.

Viele liebe Grüße
Pharetrata
Tempus fugit - Die Zeit vergeht soooo schnell!! 🥰
Mäusle 06/20 :tt_ruecken_2:
Serafin
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Serafin »

Na, bei Mama kann man ja dann doch noch die Löffel hängen lassen. Meine zwei Obermamakinder heulen bei mir immer noch nach, wenn Papa die erstmal beruhigt hat. Ich werde ganz klar vorgezogen beim trösten. Aber manchmal will halt der Gatte auch und sobald er die vom Arm lässt laufen sie zu mir und weinen wieder.
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kleiner Schildkröterich 05/19
Sommermama2017
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Sommermama2017 »

Stimmt, das Nachheulen kenne ich auch. auch wenn L aus Enttäuschung/Frust weint und sich bei Papa zusammenreißt und schon wieder ruhig war: wenn ich zum Trösten komme, lässt sie alles raus
Liebe Grüße von Sommermama mit L. 07/17 und A. 01/21
Montse
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Montse »

Liebe Pharetrata,

Ich kann gut verstehen, dass es dir weh tut, wenn sie sich besser durch ihren Papa trösten lässt. Das ist jetzt wahrscheinlich nicht das, was du hören willst, aber ich ich bin da sehr bei Jesper Juul und glaube, dass Kinder eine intuitive Bindung zu einem Elternteil haben können. Das hat nichts damit zu tun, wen sie mehr lieben oder auch mit wem sie mehr Zeit verbringen. Für mich klingt es so, dass dein Kind unheimlich gerne mit dir zusammen ist und aber den Papa will, wenn es getröstet werden möchte. Nochmals, dass dir das weh tut kann ich gut verstehen, aber ich glaube nicht dass das per se geändert werden muss.
Es ist doch total schön, dass er so für seine Tochter da sein kann und ihr euch beide so liebevoll um sie kümmern könnt.
Und vielleicht ist es auch einfach eine Phase und sie lässt sich bald auch wieder gut durch dich beruhigen.
Und wenn da Papa mal nicht da ist, schaffst du es doch bestimmt auch, sie zu beruhigen. Ihre Präferenz scheint einfach momentan zum Papa zu gehen, wenn " brenzlig" wird. Da musst du durch, ist meine Einschätzung.

Serafin und Sommermama waren schneller, ihre Einschätzung ist anders 😊
mit drei Töchtern: E (2018) 💚, M (2021) ❤️ und A (2025) 🧡
und vier kleinen ⭐
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Larala
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Larala »

Meine Tochter hat immer wieder Phasen, in denen sie entweder mich oder meinen Mann bevorzugt. Wenn sie sich von mir nicht trösten lassen will oder nach Papa weint, während sie bei mir ist, oder mich sogar wegschiebt, finde ich das ganz schön verletzend. Ich weiß, dass es meinem Mann ähnlich geht, wenn sie nur mich will. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass sie das selbst entscheiden darf. (Zumindest, wenn es möglich ist, manchmal geht es ja nicht anders, da muss sie dann mit dem in diesem Moment ungeliebten Elternteil vorlieb nehmen.) Ich versuch mich deshalb mich zusammenzureißen und meine Enttäuschung nicht zu zeigen. Ich will nämlich nicht, dass sie sich irgendwie schuldig fühlt oder denkt, sie wäre für mein Wohlbefinden verantwortlich. Ist sie nämlich nicht. Sie ist das Kind und ich die Erwachsene. Sie hat Anspruch auf meine Liebe und Zuwendung, aber ich habe keinen Anspruch auf ihre Liebe. Ihre Zuneigung und die Beziehung zu ihr ist ein Geschenk, dass sie mir freiwillig gibt, wenn sie möchte. Ich vertraue darauf, dass diese Momente, in denen sie ein Elternteil bevorzugt, eben nur Momente oder Phasen sind, und dass unsere Bindung zu ihr stark genug ist, dass sie immer wieder zurück kommt.
mit der Ritterin vom "Ni" 5/17
Lösche Benutzer 27615

Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Lösche Benutzer 27615 »

Ich habe dazu eine extreme Meinung: es gibt Kinder, die recht früh merken, wenn ein Elternteil die Nummer 1 sein will. Wenn praktisch um die Gunst des Kindes gebuhlt wird. Du willst sie trösten, dein Mann will sie trösten? Alles gut! Ich bin für überschwänglich trösten. Hin und her trösten, wenn nötig. Jeder darf trösten. Nur lass es dein Kind nicht merken, dass es dich verletzt, wenn es zu Papa will. Oder zu einer anderen Person (nach der Geburt meines zweiten Sohnes ist der Große sogar, wenn Papa nicht da war, zu meiner Schwester gelaufen, weil er sauer auf mich war, ich habe mir nichts anmerken lassen und nach einer Woche war der Spuk vorbei). Damit wird das Kind in eine Machtposition versetzt, mit der es nicht umgehen kann und für die es auch nicht zuständig ist.
Und sieh es so: wenn du nicht da bist und Papa mit ihr auf dem Spielplatz und sie tut sich weh - ist dich super, wenn wer da ist, der richtig gut trösten kann!
Polarfuchs
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Polarfuchs »

Hi Pharetrata,

ich stimme Larala ganz doll zu! Dein Kind ist ein eigenständiges Wesen und entwickelt immer mehr einen eigenen Kopf. Gerade Mädchen ;-)
Und natürlich sind wir verletzt, wenn das Kind einen in dem Moment ablehnt, aber wie Larala sagt, das Kind sollte sich nicht schuldig fühlen für das was wir fühlen und die Liebe deines Kindes ist freiwillig und wir sollten es nicht erwarten.
Die Bindung zu deiner Tochter und dir ist von dem was du schreibst sicher sehr groß, von daher würde ich mir an deiner Stelle keine großen Gedanken machen und schon gar nicht mit dem Mann darüber streiten ;-) ihr seid sicher beide tolle Eltern und habt eben aus Sicht eurer Tochter gerade unterschiedliche Qualitäten.

Ich glaube auch, dass es manchmal einfach Phasen gibt wo ein Elternteil für bestimmte Dinge lieber gewünscht ist - hier darf zB nur Papa zum Einschlafen mit ihr "Tanzen" das mag sie bei mir einfach nicht.
Unsere kleine ist zwar schon älter kommuniziert aber sehr klar wer ihr helfen soll und wer nicht (Windelwechseln: "Nein, Papa macht das!") - auch wenn sie sich weh getan hat und wir beide da sind entscheidet sie sich oft für Papa. Letztens hatten wir sogar die Situation, dass Papa gerade nicht da war sie aber ganz dringend mit Papa kuscheln wollte und 10 Minuten bitterlich geweint hat - mein Angebot, dass sie mit mir Kuscheln kann wurde mit noch schlimmerem weinen abgelehnt. Irgendwann hatte ich dann etwas gefunden mit dem ich sie beruhigen konnte. Aber genauso ist es auch anders herum, dass Mama dann doch gebraucht wird.
Das hat zwar jetzt nichts mit trösten zu tun, geht aber finde ich die gleiche Richtung der Entscheidungsfreiheit des Kindes: Meine Mutter sagt in manchen Situationen zu ihr "Da ist xxx aber traurig" weil sie etwas nicht möchte oder so. Da werde ich ganz fuchsig und sage immer "Nein H. es ist keiner traurig wenn du das nicht möchtest, das ist total okay."

Gibt deinem Kind die Freiheit zu entscheiden von wem es getröstet werden möchte oder bei wem sie auf dem Arm sein möchte - da müssen wir Erwachsenen auch manchmal akzeptieren, dass wir es gerade nicht sind.

Ich sehe gerade Solina in der Vorschau: Das mit der Machtposition finde ich richtig, es überfordert so ein kleines Kind auch einfach - es versteht die Trauer und Wut anderer Menschen noch gar nicht. Dafür empfehle ich übrigens "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn".
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Pharetrata
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Pharetrata »

Vielen Dank für eure Antworten 😘 jede einzelne hat mir sehr geholfen und meinen Blick auf "mein Problem" geweitet, was echt nötig war 😅

Ich hatte Angst, was hinter dem stecken könnte, das bewirkt hat, dass sie in meinen Armen wieder weint. Ob es nun daran liegt, dass sie lieber von Papa getröstet werden will oder dass sie bei mir alles rauslassen kann - das ist beides ok 😊

Ich hatte nur Angst, dass - wenn mein Mann sie weinend nahm - sie sich von mir im Stich oder weggegeben fühlt oder dass ich für sie kein sicherer Hafen darstellen würde.

Ach Leute, ich hab zuviel Erziehungsbücher über Bedürfnisorierentierung und Bindung gelesen 😅 und ja - ich bin ein typischer Fall davon, eigene Kindheitserfahrungen zu verarbeiten und ich arbeite auch daran, mich nicht von Ihnen leiten zu lassen. Nur meine "Verbissenheit" alles besser als meine Eltern usw. machen zu wollen, holt mich manchmal ein und die Gedanken kreisen dann wie ein Asgeier um mein "Problem".... Und meine Schulleiterin meinte zu mir, bevor ich in Mutterschutz ging, ich würde durch die Mutterschaft gelassener werden 🤦‍♀️
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Pirouge
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Pirouge »

Dass dein Mann sie dir "wegnimmt", wenn sie bei dir weint, finde ich komisch. Sie ist ja fast ein Jahr und kann sicher schon gut zeigen, was sie braucht. Könntest du mit ihm vereinbaren, dass das Elternteil, das mit dem Kind gerade ist, für die Emotion erstmal zuständig ist? Dass das andere Elternteil sich höchstens daneben setzt und still präsent ist? Wenn das Kind wechseln möchte, kann es das ja dann ganz einfach zeigen.

Es is ja nicht derjenige der bessere Tröster, bei dem das Kind am schnellsten aufhört zu weinen. Oft im Gegenteil - erst wo man sich wirklich geborgen fühlt, kann man ganz loslassen. Und ich finde es auch wichtig, dass man das Kind "ausweinen" lässt, also nicht dazwischengeht mit Ablenkung und so. Das klappt natürlich nicht so gut, wenn das andere Elternteil daneben unruhig ist und meint, das Kind schneller ruhig zu bekommen.

Und ja, so ein Kind stellt alles auf den Kopf - alle Prägungen, Ängste, Gewohnheiten Glaubenssätze werden sichtbar. EIne Freundin meinte mal, dass es verrückt ist, dass ihr die Leute alles über das Leben mit Baby erzählten - nur wie krass man sich mit sich selbst auseinandersetzt, hat ihr niemand gesagt.
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Kuriburi
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Re: Trösten und beruhigen

Beitrag von Kuriburi »

Pharetrata hat geschrieben: 17.05.2021, 11:49 Vielen Dank für eure Antworten 😘 jede einzelne hat mir sehr geholfen und meinen Blick auf "mein Problem" geweitet, was echt nötig war 😅

Ich hatte Angst, was hinter dem stecken könnte, das bewirkt hat, dass sie in meinen Armen wieder weint. Ob es nun daran liegt, dass sie lieber von Papa getröstet werden will oder dass sie bei mir alles rauslassen kann - das ist beides ok 😊

Ich hatte nur Angst, dass - wenn mein Mann sie weinend nahm - sie sich von mir im Stich oder weggegeben fühlt oder dass ich für sie kein sicherer Hafen darstellen würde.

Ach Leute, ich hab zuviel Erziehungsbücher über Bedürfnisorierentierung und Bindung gelesen 😅 und ja - ich bin ein typischer Fall davon, eigene Kindheitserfahrungen zu verarbeiten und ich arbeite auch daran, mich nicht von Ihnen leiten zu lassen. Nur meine "Verbissenheit" alles besser als meine Eltern usw. machen zu wollen, holt mich manchmal ein und die Gedanken kreisen dann wie ein Asgeier um mein "Problem".... Und meine Schulleiterin meinte zu mir, bevor ich in Mutterschutz ging, ich würde durch die Mutterschaft gelassener werden 🤦‍♀️
Du wirst in beruflichen Dingen gelassener werden. Ganz bestimmt! Weil es für dich jetzt noch etwas gibt, was unglaublich viel wichtiger ist als alles was auf der Arbeit passiert. Da bringt dich so schnell nichts mehr aus der Bahn. Ich denke damit wird sie recht haben. :)
Viele Grüße von Kuriburi mit Sohn (7/2016) und Sohn (09/2020)
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