Finde das Thema auch sehr spannend und möchte gern etwas dazu schreiben, auch wenn ich mir unserer Verteilung im Moment echt nicht glücklich bin.
Wir sind beide im Studium und im ersten Semester mit Kind haben wir beide unseren Stundenplan etwas reduziert, ich wesentlich stärker. Angebotene Hiwi-Stellen hatten wir beide während der Schwangerschaft ausgeschlagen, wobei das für mich selbstverständlich war, er war damit eher nicht so zufrieden, aber hat sich durch mein Bitten auch dazu entschieden. So hatten wir beide sehr viel Zeit zu Hause. Ich war für Sternschnuppi zu 80% zuständig, weil sie eigentlich ständig gestillt hatte als Neugeborenes und er hat den Haushalt bis auf ein paar Kleinigkeiten übernommen. Planung und Information war von Anfang mein Metier, das liegt nicht in seinem Interesse, aber alle Konzepte und Vorgaben, die ich für gut befinde, werden "akzeptiert" und "eingeübt".
Die Vorlesungszeit begann für mich dann am ihrem 11. Lebenstag und seit dem war ich zweimal wöchentlich für 90 min in der Uni und Sternschnuppi hat die Zeit eigentlich durchgängig bei ihrem Papa im Tuch verschnarcht

Dadurch war er auch sonst immer fit, wenn es um ihre Versorgung ging und hat sich selbstverständlich eingebracht, wenn ich platt war. Baby eingebunden, bisschen durchs Zimmer gelaufen, nebenbei am Handy Videos gestreamt etc.
Aber als die Schlafenszeit weniger und das Bedürfnis nach aktiver Zuwendung mehr wurde, ist er raus. Er will nicht richtig mit ihr spielen, redet nur sehr wenig mit ihr und mag halt lieber seinem Kram nachgehen. Für mich bedeutet das im Umkehrschluss, dass das alles an mir hängen bleibt und ich mein Kind da auch als sehr fordernd empfinde, über weite Strecken habe ich das Gefühl, dass das was sie braucht, von einem Mensch allein gar nicht zu leisten ist, sodass ich mich oft unter Druck und ungenügend finde. Aber er findet einfach keine Motivation, etwas zu ändern. Vor Corona habe ich das gut mit verschiedenen Kursaktivitäten ausgleichen können, aber das war ja nach kurzer Zeit nicht mehr möglich. Das führte auch dazu, dass ich von meinem Studium kaum etwas ohne weitere Hilfe von meiner Familie realisieren kann, da er sich nach fünf Minuten einfach nicht mehr um sie kümmert und sich zurück zieht, wenn sie weint oder sich in Gefahr bringt, ist ihm das egal und er tut nix. Er braucht einfach abrechenbare Ergebnisse, wenn er etwas macht, dass ihm keinen Spaß bringt. Einen beladen Wäscheständer, ein gedeckter Tisch mit gefüllten Tellern, ein aufgeräumter Boden. Kein Kind, dass nach 15min Spiel immer noch was will und nicht "fertig" ist

Sternschnuppi merkte dadurch natürlich auch, dass ich ihre einzige zuverlässige Bezugsperson bin und so schaukelte sich die Spirale aus Desinteresse seinerseits und Ablehnung ihrerseits immer weiter hoch. Es wurde immer mehr wir und er und alles, was für sie zu organisieren war, wurde von ihm behandelt, als wäre es für mich allein. Kinder auf dem Spielplatz treffen - du hängst ständig mit anderen rum (im Sandkasten); Kleidung kaufen in der nächsten Größe - du kaufst dir ständig neue Sachen (in Größe 68). Das ärgert mich sehr und das Konfliktpotenzial nervt mich ungemein.
Im nächsten Jahr wird er dann doch eine Hiwi-Stelle annehmen. Vielleicht macht ihn das zufriedener. Fremdbetreuung kann ich mir im Moment für mein Kind gar nicht vorstellen. Da stecke ich lieber noch eine Weile zurück im Studium.
Was mir wirklich Sorgen bereitet ist die Angst, dass mein Kind nicht ordentlich versorgt wird, wenn mit mir mal was wäre
