Film Elternschule im Kino

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Lösche Benutzer 3486

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

Von hier relativ wenig. Aus der Fachwelt hab ich die Stellungnahmen gelesen.

Ich finde es schwierig diesen Film unter pädagogischen Gesichtspunkten zu bewerten, weil es eindeutig um therapeutische Maßnahmen geht.

Pädagogisch geht das gar nicht. Das ist für mich unbestritten...
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thuri
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von thuri »

Nun eines der Hauptprobleme war ja, dass die Presse eben diese Unterscheidung Erziehung und Therapie nicht gemacht hat.

Und dazu kommt, dass eben auch therapeutisch die gezeigten Maßnahmen sehr umstritten sind. Was ebenfalls im Film nicht zugegeben würde.
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Linda81
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Linda81 »

Ja, die Fachwelt ist in großen Teilen mit den Maßnahmen auch nicht konform. Überhaupt nicht.
"Trennungstraining" kennt offensichtlich kein gängiges Lehrwerk der KJP. Ein Gelsenkirchener Eigengewächs.
Die Krankheitsbilder der Kinder fanden im Film glaube ich keine Erwähnung. Die Klinik wiederum hat offensichtlich ein und dasselbe Konzept für alle Kinder, die zu ihnen kommen. Spätestens das ist doch therapeutisch auch nicht mehr haltbar.

Ich finde es schwierig, da jetzt den Schluß zu ziehen, daß das therapeutisch (nicht pädagogisch, die Trennung an sich finde ich gut, danke!) sinnvoll sei.
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MamaMonster
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von MamaMonster »

Das erstaunt mich, gerade auch aus therapeutischer Sicht gibt es ja durchaus auch ziemlich kritische Stimmen, zum Beispiel von der dgkjp: http://www.dgkjp.de/aktuelles1/482-stel ... ternschule Es gab auch andere Stimmen von Fachverbänden, die das gezeigte Vorgehen aus therapeutischer Sicht für angemessen halten. Aber die ethische Komponente (nicht nur des Filmens sondern auch in der Therapie selbst) wird dort nebst bereits genannter Aspekte meist völlig ausser Acht gelassen.
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Lösche Benutzer 3486

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

Miffi hat geschrieben: 22.07.2019, 11:19
Frieher hat geschrieben: 22.07.2019, 10:13

Dein Beitrag hat mich ziemlich irritiert, wenn eine einzelne Soziologin etwas sagt, weiß ich gar nicht, warum das dazu veranlasst, über die ganze Soziologie herzuziehen? Ich, als Soziologen, kann das was sie gesagt hat so gar nicht unterschreiben. Ich denke auch, dass das für weite Teile der Soziologie gilt. Und auf einer Aussage einer Soziologen eine Diskussion über über verschiedene Fachrichtungen zu machen, halte ich für etwas weitergebracht.
Es tut mir leid, dass du dich da angegriffen gefühlt hast, Frieher. Wie geschrieben, war es nicht meine Absicht, die Soziologie als Disziplin anzugreifen. Wenn aber eine Disziplin (und der Aspekt der Kindzentrierung ist ein soziologischer Begriff, er kommt aus der Soziologie und es gibt zahlreiche soziologische Aufsätze dazu, das hat sich die Autorin ja nun nicht ausgedacht) die These vertritt, dass es a) eine zunehmende Kindzentrierung in Familien gibt und dass das b) schädlich ist, dann finde ich, hat man das Recht zu sagen: Nee, sorry, zumindest Teil b glaube ich nicht , gibt es da denn bitte Studien zu? Und da es eben nicht nur besagte Autorin ist, die diese These vertritt, richte ich meine Aussage eben explizit nicht nur auf sie. Sie schreibt da als Soziologie über eine in der Soziologie vertretene These.
Vielleicht fühle ich mich da auch etwas schnell angegriffen. Das kann gut möglich sein.

Da ich mich beruflich eher mit Familien und Kinder beschäftige, die für sich selber Hilfen in Anspruch nehmen müssen, kann ich dazu wenig sagen. Aus der Praxis der Kitas und Horte heraus kann ich allerdings berichten, dass Wohlstandsverwahrlosung ein immer größeres Problem wird. Wir erleben auch immer mehr Kinder, die Verhaltens oder regulationsgestört sind. Der Bereich der integrativen Hilfen merkt das sehr gut.
Als Soziologin habe ich dadurch auch meine Meinung zu, belegen kann ich sie nicht. Aber auch von juul meine ich in den letzten Jahren eine Trendwende zu, Eltern achtet auf eure Bedürfnisse, zu erkennen.

Letztlich bin ich da aber nicht dogmatisch, sondern denke, dass jede Familie ihren eigenen Weg finden soll. Mit Kindern als Sonne oder als Mond, das bleibt der Familie überlassen.

Ich glaube schon, dass familienpsychologie ein größer werdendes Feld ist. Die fehlenden normativen erziehungsvorstellungen überfordern zunehmend Eltern. Ein gutes bauchgefühl oder ein gesunder Menschenverstand ist nicht allen erziehenden eigen.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

MamaMonster hat geschrieben: 22.07.2019, 11:55 Das erstaunt mich, gerade auch aus therapeutischer Sicht gibt es ja durchaus auch ziemlich kritische Stimmen, zum Beispiel von der dgkjp: http://www.dgkjp.de/aktuelles1/482-stel ... ternschule Es gab auch andere Stimmen von Fachverbänden, die das gezeigte Vorgehen aus therapeutischer Sicht für angemessen halten. Aber die ethische Komponente (nicht nur des Filmens sondern auch in der Therapie selbst) wird dort nebst bereits genannter Aspekte meist völlig ausser Acht gelassen.
Auch da gibt es aber auch gegenstimmen. https://www.klinische-psychologie-psych ... 180811.pdf

Kein Fachgebiet, wo es kein fünf Meinungen zu einem Fachgebiet gibt. 🙄

Ich denke aber, dass das pädagogisch nicht bewertet werden kann. Einfach, weil Pädagogik hier nicht mehr greift.
Hier haben wir kranke Kinder und Kranke Eltern. Und was hier pädagogisch verworfen wurde, z.b. das Schlafen oder das Essen, ist im therapeutischen Rahmen gegebenenfalls vertretbar. Im pädagogischen würde ich das niemals so sehen.
Klar ist aber, dass diese Dinge, wie schlafen, essen, für die Familien hoch problematisch geworden sind. Deswegen kann man hier nicht mehr mit Pädagogik kommen, sondern mit Therapie. Und die Dinge systemisch anzugehen, halte ich für eine gute Lösung. Wenn das erstmal heißt Eltern und Kinder, die sich gegenseitig negativ bedingen und in einer zunehmend dysfunktionalen Beziehung zueinander sind, zu trennen, dann ist das schwierig und nicht schön, aber sicherlich besser als die Situation so zu belassen.

Ich kann das im Detail nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass ich diesen Film monatelang nicht gesehen habe, weil er so negativ beredet wurde und ich mir sicher war, dass ich das nicht durchstehen würde. Was ich jetzt aber gesehen habe, war nicht halb so schlimm, wie ich es mir durch die presse vorgestellt habe.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von MamaMonster »

Ich schrieb ja, dass es auch andere Stellungnahmen gibt, aber gerade das Beispiel finde ich typisch für das, was ich geschrieben habe: auf die ethische Komponente, die ja in jedem Fachgebiet dazu gehört, wird überhaupt nicht eingegangen. Auch sonst ist sie wesentlich undifferenzierter und oberflächlicher als die der dgkjp. Sie sagt eigentlich bloss aus, dass das Vorgehen der Klinik nicht per se schädlich sei und therapeutische Erfolge erzielen könne. Das widerspricht dann nicht der Aussage der dgkjp, die sagt, die Würde des Menschen sei auch in therapeutischem Setting zu wahren und das ist hier eben nicht gegeben. Auch dass es sinnvollere anerkannte Methoden gäbe, wird da gar nicht abgestritten. Auch da wäre mein Fazit klar: wenn es eine weniger invasive wirksame Methode (als zB Ernährung per Sonde) gibt, ist es verwerflich, nicht diese zu wählen. Das hat nichts mit einer pädagogischen Beurteilung zu tun.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von dingsda »

Frieher hat geschrieben: 22.07.2019, 10:13 Aber man muss sich vor Augen führen, dass es hier traumatisierte Kinder und deren oft traumatisierte Eltern waren, die hier ihren letzten Strohhalm ergriffen haben. Nachdem sie in vielen Therapien und anderen Hilfen gescheitert sind.
und wenn dem nicht so ist? gibt es irgendwelche anhaltspunkte außer die aussage von herrn langer und der klinik, dass das wirklich stimmt? die behaupten auch, dass die therapie zu 85-87% wirkt bei regulationsstörungen, neurodermitis, allergie und vielem mehr (die exakt gleiche therapie! für alle krankheiten!!!). belege für diese aussage fehlen.
gegen die aussage, dass es der letzte strohalm sei spricht wiederum, dass sie sie flyer für ihr programm verteilen und so für alle interessant machen:
http://bundesverband-allergie.de/wp-con ... dblatt.pdf

ich kann nur immer wieder empfehlen, die beiträge von renz polster dazu zu lesen. sehr ausführlich, mit viel hintergrundrecherche. ich will nicht glauben, dass jemand mit gesundem menschenverstand den film wirklich noch als "gut" bezeichnen kann, wenn man die hintergründe kennt.

das kann einfach nicht damit entschuldigt werden, dass es sich "therapie" nennt. es gibt gute therapie, die funktioniert und die ist nicht so.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von dingsda »

link vergessen:
https://www.kinder-verstehen.de/schlagw ... ernschule/

besonders interessant: der ursprung des behandlungskonzepts kommt aus der neugermanischen medizin!
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

Ich glaube, und das stört mich auch an renz polster, wir unterschiedliche standpunkte. Familien können zerstörerisch sein, Kindern geht es dort nicht immer gut. Meistens, weil es den Erwachsenen nicht gut geht. Diesen Familien ist mit ap nicht geholfen. Mir ist das ein bißchen zu sehr schön wetter reden.

Zur kritik bzgl. Der ethik. Da geb ich dir sowas von recht.
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