Film Elternschule im Kino

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Roter Drache
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Roter Drache »

Ich habe den Film im Fernsehen gesehen, nachts ziemlich müde. Ich wollte ihn ganz schauen, obwohl ich immer wieder dachte wie schrecklich das alles ist.
Sektenguru-Ton trifft es genau. Ich glaube, die Familien, die eine Therapie dort abgebrochen haben, wollten nicht gezeigt werden und die Mütter, die man sieht, waren nurnoch froh, ein anderes Leben führen zu können.
Viel von den Hintergründen der Kinder hat man ja nicht gezeigt. Das kleine Mädchen, das mit seinen Eltern nach Deutschland kam, und hier nicht mehr gegessen hat, tat mir so leid. Das war einer der wenigen Geschichten, die näher erläutert wurden. Ihre Symptome wurden behandelt, aber ihr Verlust, ihre Ängste nicht.

Meine Fazit zu der Doku, sie ist schlecht gemacht und der Schnitt soll suggerieren wie toll die Therapie ist( z.B. Durch Einblendung der Zeitungsartikel, Ende des Films mit dem dann doch entlastenden Vater).Klar, die Situation in den Familie wurde durch diese Therapie entschärft, Eltern beruhigt, aber was wird aus den Kindern, was ist mit ihren Seelen. Sehr einseitig die Doku. Ich kann keinem empfehlen diese Doku zu schauen.
Ich kenne 2 Familien persönlich, denen diese Klinik/ Abteilung empfohlen wurde- beide Familien haben einen weiten Bogen um diese Klinik gemacht, ich bin wirklich froh!!!!
ixcacienfuegos
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von ixcacienfuegos »

08u11 hat geschrieben: 05.07.2019, 09:37 Das was im Film gezeigt wird, sind doch aber ganz normale Kinder! - Zumindest wird aus dem Film raus bisher nicht klar, was bei denen so krank/besonders/anders ist.

Also, das kann ich jetzt nicht bestätigen. Das eine Mädchen bewirft ihre Mutter mit Besteck, beißt zu - normales Verhalten für eine 5jährige?
08u11 hat geschrieben: 05.07.2019, 09:37 Ein Baby das schlecht schläft und eine erschöpfte Mutter - ja, so ist das Leben.

Das Mädel schreit VIERZEHN Stunden am Tag!
08u11 hat geschrieben: 05.07.2019, 09:37 Ein Kleinkind, das nicht essen will - ja, das gibt es. Und dann wird von Stress geredet - ja, den Stress gibt es auch. Aber: den Stress machen doch nicht die Kinder, den machen wir uns doch selbst: warum muss das Baby durchschlafen? Warum muss ein 2jähriges ein bestimmtes Gemüse essen oder überhaupt etwas essen?
Der Junge ist massiv untergewichtig. Sie sagen bei einer Besprechung, dass er sowohl vom tatsächlichen als auch vom korrigierten Alter her ein Gewicht auf der 0. Perzentile hat. Bei der körperlichen Untersuchung sieht man, dass der Kerl nur Haut und Knochen ist. Deswegen muss das Kind was essen. Der trinkt ja zu Beginn auch nicht mal ne Milchflasche.

Versteht mich nicht falsch, ich fand es auch grausam. Aber dass die Kinder keine Probleme haben, das ist einfach nicht richtig.
Ein Kind, das dabei ist, hat starke Neurodermitis. Dadurch, dass er bei Stress kratzt, sind seine Eltern dazu übergegangen, einfach zu machen, was er will. Er kratzt ja dann weniger. Falscher Ausweg. Klar. Aber die Probleme, die die Eltern haben, entstehen ja auch aus zugrundeliegenden Problemen der Kinder.

Man müsste sie nur anders behandeln.
LG, ixca mit Minikind (*10/14) und Maikäferchen (* 05/18)
Lösche Benutzer 20900

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 20900 »

ixcacienfuegos hat geschrieben: 06.07.2019, 12:19
08u11 hat geschrieben: 05.07.2019, 09:37 Das was im Film gezeigt wird, sind doch aber ganz normale Kinder! - Zumindest wird aus dem Film raus bisher nicht klar, was bei denen so krank/besonders/anders ist.

Also, das kann ich jetzt nicht bestätigen. Das eine Mädchen bewirft ihre Mutter mit Besteck, beißt zu - normales Verhalten für eine 5jährige?
08u11 hat geschrieben: 05.07.2019, 09:37 Ein Baby das schlecht schläft und eine erschöpfte Mutter - ja, so ist das Leben.

Das Mädel schreit VIERZEHN Stunden am Tag!
08u11 hat geschrieben: 05.07.2019, 09:37 Ein Kleinkind, das nicht essen will - ja, das gibt es. Und dann wird von Stress geredet - ja, den Stress gibt es auch. Aber: den Stress machen doch nicht die Kinder, den machen wir uns doch selbst: warum muss das Baby durchschlafen? Warum muss ein 2jähriges ein bestimmtes Gemüse essen oder überhaupt etwas essen?
Der Junge ist massiv untergewichtig. Sie sagen bei einer Besprechung, dass er sowohl vom tatsächlichen als auch vom korrigierten Alter her ein Gewicht auf der 0. Perzentile hat. Bei der körperlichen Untersuchung sieht man, dass der Kerl nur Haut und Knochen ist. Deswegen muss das Kind was essen. Der trinkt ja zu Beginn auch nicht mal ne Milchflasche.

Versteht mich nicht falsch, ich fand es auch grausam. Aber dass die Kinder keine Probleme haben, das ist einfach nicht richtig.
Ein Kind, das dabei ist, hat starke Neurodermitis. Dadurch, dass er bei Stress kratzt, sind seine Eltern dazu übergegangen, einfach zu machen, was er will. Er kratzt ja dann weniger. Falscher Ausweg. Klar. Aber die Probleme, die die Eltern haben, entstehen ja auch aus zugrundeliegenden Problemen der Kinder.

Man müsste sie nur anders behandeln.
Genau das dachte ich mir auch! Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht, danke!
08u11
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von 08u11 »

Okay - das habe ich falsch ausgedrückt.
Was der Film mir suggeriert hat, war tatsächlich eben das: eigentlich wären das ganz normale Kinder, nur, weil die Eltern zu blöd sind und ihnen alles durchgehen lassen, haben sie jetzt Probleme. Deshalb müssen diese Eltern - und eigentlich müssten alle Eltern ...
Und mit ein klein bisschen Schlaf- und Essenstraining wäre das ganze ja gar kein Problem.

Faktisch haben die Kinder Probleme - ja, natürlich! Aber genau das kommt für mich im Film viel, viel zu wenig rüber. Das ist mal ein Nebensatz. Aber gerade das wäre ja interssant: wo kommen diese Probleme her und wie werden die behandelt? Dann wäre der Film wirklich spannend.

Im Film sehe ich ein Kleinkind, das Essen erbricht - und eine Mutter die darauf offensichtlich 'falsch' reagiert. Aber warum macht die Mutter das? - Der Film suggeriert: weil sie es halt nicht besser weiß. Aber warum ist das so? Da muss es doch tiefere Probleme geben. Die werden im Film aber nur mit einem Nebensatz erwähnt. Ich behaupte nicht, dass diese Kinder bzw. diese Familien keine Probleme haben, aber genau das wird mir im Film viel zu wenig gezeigt. Stattdessen wird auf den Symptomen herumgeritten.

Ja, es gibt 5jährige, die mal mit Besteck werfen - das ist nicht toll, aber auch kein Riesenproblem. Ja, es gibt Babys, die schlecht schlafen - hier genauso und ja, es gibt Kinder die nicht gut essen, die die Kinderarzt-Praxis zusammenschreien und bei der Untersuchung nicht mitmachen.
Aber ganz offensichtlich geht es im Film NICHT um solche Kinder. Genau den Punkt, wo das ganze in's krankhafte kippt, fände ich aber sehr spannend. Und auch dann stellt sich noch die Frage: ob die Behandlung so erfolgen muss oder ob es da auch Alternativen gibt.
Nina mit A. (11/2008), J. (03/2011), Minimaus (28/01/15), Babyzwerg (15/02/2019) und Weihnachtsengel im Herzen (Januar 2018, 10. Woche)
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von dingsda »

ixcacienfuegos hat geschrieben: 06.07.2019, 12:19 Also, das kann ich jetzt nicht bestätigen. Das eine Mädchen bewirft ihre Mutter mit Besteck, beißt zu - normales Verhalten für eine 5jährige?
Sie wurde von ihrer mutter komplett ignoriert. Das schmeißen mit besteck war ja erst nachdem sie erst geredet/gefragt hat, dann gejammert. Das hätte sogar mir noch passieren können, dass ich mit was werfe. Und das beißen kam sogar erst nachdem ihr die nahrung komplett verweigert wurde.

Zu den anderen Fällen kann ich nicht sagen, soweit bin ich noch nicht
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Plueschwuschel »

In so einer lieblosen, tristen und angespannten Atmosphäre würde ich vermutlich auch mit Besteck werfen. Wir sehen nur Ausschnitte, aber definitiv wird da KEINE Wohlfühlatmosphäre geschaffen, in der die Kinder sich auch mal wieder beruhigen können... wenn da Werfen und Verweigern aufhören, dann aus Resignation und Angst :(

Mich würde an Hintergründen besonders interessieren, was denn vor diesen Klinikaufenthalten bereits an Beratungen und Therapien erfolgt ist bei den gezeigten Fällen. Erfährt man darüber noch etwas?
Es scheint ja bei allen so die "letzte Chance" zu sein.

Und das gezeigte Video von dem Kind, das zum Anfang auf Knopfdruck erbricht, ist von 1992. Wird auch eines der aktuell gefilmten Kinder so gezeigt? :cry:

Ich weiß noch nicht, ob ich weitergucken mag - entschuldigt diese nervigen Fragen :oops:
Nur drei können einander in die Mitte nehmen: Schulkind E. (12/11), Kindergartenkind H. (07/17), Baby P. (03/19)

und Sternenkind Jannis (07/10)
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 20900 »

08u11 hat geschrieben: 06.07.2019, 13:31 Okay - das habe ich falsch ausgedrückt.
Was der Film mir suggeriert hat, war tatsächlich eben das: eigentlich wären das ganz normale Kinder, nur, weil die Eltern zu blöd sind und ihnen alles durchgehen lassen, haben sie jetzt Probleme. Deshalb müssen diese Eltern - und eigentlich müssten alle Eltern ...
Und mit ein klein bisschen Schlaf- und Essenstraining wäre das ganze ja gar kein Problem.

Faktisch haben die Kinder Probleme - ja, natürlich! Aber genau das kommt für mich im Film viel, viel zu wenig rüber. Das ist mal ein Nebensatz. Aber gerade das wäre ja interssant: wo kommen diese Probleme her und wie werden die behandelt? Dann wäre der Film wirklich spannend.

Im Film sehe ich ein Kleinkind, das Essen erbricht - und eine Mutter die darauf offensichtlich 'falsch' reagiert. Aber warum macht die Mutter das? - Der Film suggeriert: weil sie es halt nicht besser weiß. Aber warum ist das so? Da muss es doch tiefere Probleme geben. Die werden im Film aber nur mit einem Nebensatz erwähnt. Ich behaupte nicht, dass diese Kinder bzw. diese Familien keine Probleme haben, aber genau das wird mir im Film viel zu wenig gezeigt. Stattdessen wird auf den Symptomen herumgeritten.

Ja, es gibt 5jährige, die mal mit Besteck werfen - das ist nicht toll, aber auch kein Riesenproblem. Ja, es gibt Babys, die schlecht schlafen - hier genauso und ja, es gibt Kinder die nicht gut essen, die die Kinderarzt-Praxis zusammenschreien und bei der Untersuchung nicht mitmachen.
Aber ganz offensichtlich geht es im Film NICHT um solche Kinder. Genau den Punkt, wo das ganze in's krankhafte kippt, fände ich aber sehr spannend. Und auch dann stellt sich noch die Frage: ob die Behandlung so erfolgen muss oder ob es da auch Alternativen gibt.
Danke fürs ausführen, dann hab ich dich total falsch verstanden!
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Kalimera »

Ich finde den Film sehr schwierig. Dass in einer Klinik keine normalen Erziehungsmethoden genutzt werden, sollte doch von Anfang an klar sein. Gerade wenn diese Klinik und Methoden der allerletzte Ausweg (!) sind zur Alternative Kinderheim.

Grundsätzlich fand ich die Ausführungen zum Kindesverhalten beim Elternunterricht ok. Die Spirale aus Forderung und Spannung zb oder wie das Kind bei einer Trennung reagiert. Die abgeleiteten Schlüsse und Verhaltenswege allerdings, naja.

So wie ich das verstanden habe, hat diese Klinik nur das Gesamtkonzept von Trennungs-, Ess- und Schlaftherapie und alle Kinder dort müssen alles drei gleichzeitig durchlaufen? Egal, was genau das Problem ist, da laut Klinikleitung immer alles zusammenhängt? Schwierig - diese Gebiete sind ja einzeln schon schwer anzugehen und dort wird das Kind mal eben von heute auf morgen mit allen drei Bereichen konfrontiert.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von 08u11 »

knorzelporz hat geschrieben: 06.07.2019, 14:21
08u11 hat geschrieben: 06.07.2019, 13:31 Okay - das habe ich falsch ausgedrückt.
Was der Film mir suggeriert hat, war tatsächlich eben das: eigentlich wären das ganz normale Kinder, nur, weil die Eltern zu blöd sind und ihnen alles durchgehen lassen, haben sie jetzt Probleme. Deshalb müssen diese Eltern - und eigentlich müssten alle Eltern ...
Und mit ein klein bisschen Schlaf- und Essenstraining wäre das ganze ja gar kein Problem.

Faktisch haben die Kinder Probleme - ja, natürlich! Aber genau das kommt für mich im Film viel, viel zu wenig rüber. Das ist mal ein Nebensatz. Aber gerade das wäre ja interssant: wo kommen diese Probleme her und wie werden die behandelt? Dann wäre der Film wirklich spannend.

Im Film sehe ich ein Kleinkind, das Essen erbricht - und eine Mutter die darauf offensichtlich 'falsch' reagiert. Aber warum macht die Mutter das? - Der Film suggeriert: weil sie es halt nicht besser weiß. Aber warum ist das so? Da muss es doch tiefere Probleme geben. Die werden im Film aber nur mit einem Nebensatz erwähnt. Ich behaupte nicht, dass diese Kinder bzw. diese Familien keine Probleme haben, aber genau das wird mir im Film viel zu wenig gezeigt. Stattdessen wird auf den Symptomen herumgeritten.

Ja, es gibt 5jährige, die mal mit Besteck werfen - das ist nicht toll, aber auch kein Riesenproblem. Ja, es gibt Babys, die schlecht schlafen - hier genauso und ja, es gibt Kinder die nicht gut essen, die die Kinderarzt-Praxis zusammenschreien und bei der Untersuchung nicht mitmachen.
Aber ganz offensichtlich geht es im Film NICHT um solche Kinder. Genau den Punkt, wo das ganze in's krankhafte kippt, fände ich aber sehr spannend. Und auch dann stellt sich noch die Frage: ob die Behandlung so erfolgen muss oder ob es da auch Alternativen gibt.
Danke fürs ausführen, dann hab ich dich total falsch verstanden!
Ich hatte mich ja tatsächlich auch sehr verkürzt/unglücklich ausgedrückt. Daher: kein Problem.

Tatsächlich hatte ich die Problematik dahinter ja schon verstanden. Allerdings: und das ist es was mich bei dem Film als Film so beunruhigt: viele der positiv-Kritiker ja nicht oder sie haben es bewusst ignoriert. Denn wie sonst käme man auf: 'Ein Muss für alle Eltern' oder auch auf die Filmkritik die ich Anfang der Woche immerhin in Deutschlandfunk-Kultur gehört habe: Da würden die Ärzte und Pfleger endlich mal die Arbeit machen, die von laschen Eltern verweigert werde :evil: Ähm nein - genau das nicht: hier geht es um kranke Kinder und verzweifelte Eltern, die dringend einen Ausweg brauchen.
Nina mit A. (11/2008), J. (03/2011), Minimaus (28/01/15), Babyzwerg (15/02/2019) und Weihnachtsengel im Herzen (Januar 2018, 10. Woche)
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Pelufer
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Pelufer »

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ ... 65367.html

Den Ansatz, dass der passende Rahmen geschaffen werden muss um überhaupt zu erklären wie solche "Erziehungsmethoden" eine Berechtigung bekommen können, ist meiner Meinung nach sehr richtig.
Räuberhauptmann *5/13, Zaubermaus *4/16, Sternenprinzessin *+9.8.2019
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