Zööö hat geschrieben: 11.03.2018, 13:49
Also dass du tatsächlich Dinge isst die du gar nicht magst entsetzt mich schon etwas. Probieren meinetwegen, aber was essen was man eklig finde finde ich total seltsam.
Hm, im ernst? Ich finde das gehört essentiell zu guten benehmen wenn man eingeladen ist.
Klar, bei Menschen die gute Freunde sind und bei denen ich öfter esse, zwinge ich mich nicht irgendwas zu essen was ich gar nicht mag.
Aber wenn ich bei entfernten Bekannten eingeladen bin, bei offiziellen Anlässen, etc. finde ich aber es gehört zum guten Ton, und mir ist das dann ähnlich wichtig wie Yelma.
Wenn jemand sich viel Arbeit gemacht hat für mich zu kochen, dann ist es ein Zeichen meiner Wertschätzung für den anderen wenn ich nicht anfange rumzumosern, oder im Essen rumzustochern. Klar hat Ekel einen Sinn. Er soll mich vor Sachen schützen, die nicht gut für mich sind. Ich bin aber ein aufgeklärter Mensch und weiß, dass ich von einem Fischfilet im Jahr vermutlich weder sterbenkrank werde, noch sonst nachteilige Folgen haben werde.
Als ich meine jetzige Schwiegermutter zum aller ersten Mal besucht habe, ich kannte sie vorher nicht, gab es Fisch. Ich mag keinen gekochten Fisch. Ich finde ihn sogar ziemlich grässlich.
Und ich habe ihn trotzdem gegessen. Ich möchte nämlich einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Mein Mann hat ihr dann bei der nächsten Einladung vorsichtig gesteckt, dass ich eigentlich keinen Fisch esse, und seit dem kocht sie auch keinen mehr wenn ich komme.
Ich finde, hier wird manchmal etwas zu stark das Wohl des Individuums betont, im gesamten Forum. Es ist aber eben auch wichtig sich in bestimmten Situationen in einer Gesellschaft angepasst verhalten zu können, sonst bekommt man später Probleme.
Zu Hause ist das natürlich etwas anderes. Weder erwarte ich von meiner dreijährigen Dankbarkeit dafür, dass ich für sie koche, noch erwarte ich dass sie immer alles isst, was ich ihr vorsetze.
Aber ich möchte schon, dass eine gewisse Wertschätzung für das Essen an sich entwickelt wird. Und dazu gehört auch, dass ich nicht jeden Tag eine halb volle Schüssel total matschiges Müsli wegschmeißen muss weil sie nicht mehr will. Deshalb kommuniziere ich klar, dass ich erwarte dass sie nächstes Mal erstmal weniger nimmt. Und erinnere beim nächsten Mal daran und greife unter Umständen ein.
ICH fühle mich übrigens schlecht, wenn an meinem Gekochten nur rumgemosert wird. Mir geht es da wie Yelma. Und ich finde das super anstrengend wenn meine Cousins hier sind (zwischen 14 und 20 Jahre alt), und JEDER irgendwas auszusetzen hat. Ich finde das dann schon respektlos, wenn ich vorher stundenlang in der Küche gestanden habe.
Jeder Mensch hat eine Auswahl Lebensmittel, dir er wirklich gar nicht essen kann. Nach solchen Dingen erkundige ich mich auch vorher, wenn ich gäste habe. Bei mir sind das zum Beispiel Bananen und gekochter Fisch. Bei meiner Tochter Rosinen und rohe Tomaten. Mein Mann verabscheut Auberginen.
Das kann ich akzeptieren, das muss hier auch nicht jedes Mal aufs neue probiert werden.
Alles andere, vor allem neue, kann man ja mal vorsichtig testen. Und wenn nicht schon der Geruch Übelkeit hervorruft kann man auch mal nen Löffel davon essen. Wer dann nicht mehr will, muss sich ja keinen Nachschlag nehmen.
(Und wenn ich den Teller für jemand anderen gefüllt habe, erwarte ich auch nicht dass der leer gegessen wird).
Und wer dann wirklich noch großen Hunger hat und sich mit dem Essen gar nicht anfreunden kann, kann eine Banane oder ein Brot haben und hat dann beim nächsten Mal mit dem Essen mehr glück.
Ich finde, dass die hier oft angeführte freie Auswahl nicht funktioniert. Zumindest nicht bei den Lebensmitteln die wir jeden Tag zur verfügung haben. Ich glaube nicht, dass diese "instinktive ernährung" bei einem Kleinkind noch funktioniert wenn hoch verarbeitete Lebensmittel wie weiße Nudeln oder Fruchtjoghurt, oder Lebensmittel mit raffiniertem Zucker, geschmacksverstärkern, etc. vorhanden sind.
Klar versuche ich, auf ungesunde Lebenmittel mit vielen dieser Stoffe zu verzichten, aber ganz funktioniert das nicht, und ich möchte da auch nicht dogmatisch werden. Deshalb ist es MEINE Verantwortung, dass meine Tochter alle Nährstoffe bekommt, die sie braucht. Diese Verantwortung kann und will ich nicht auf eine dreijährige abwälzen. Wenn es nach ihr ginge gäbe es zu jeder Mahlzeit Toast mit Nutella oder Nudeln und zur Nachspeise bitte Milchreis. Wenn ich die Wahl zwischen Schokopudding und Brokkoli habe schmeckt mir auch der Pudding besser. Gesünder ist der für mich aber nicht. Dafür braucht man ein rationales Verständnis, und das hat ein kleines Kind nicht.