Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Moderatoren: Toony, Momolina

Benutzeravatar
PaleFire
alter SuT-Hase
Beiträge: 2024
Registriert: 27.04.2013, 08:30

Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von PaleFire »

Darf ich mal kurz ein bisschen jammern?

Meine Kinder hätten am liebsten 24 Stunden am Tag (ok nicht ganz, irgendwann schlafen sie ja auch mal ;-)) Dauerbespaßung durch uns Eltern. Am liebsten ein Elternteil pro Kind. Gerade die Große spielt nie, also wirklich niiiiiieee, alleine. Also nicht mal 5 Minuten. Die Kleine vielleicht mal 10 Minuten wenn sie gut drauf ist. Gerade sind ja Ferien und da ist das so anstrengend. Wenn ich die Große höre "wer spielt mit mir" könnte ich innerlich schon an die Decke gehen...was ja dann auch doof für die Kinder ist.

Das klingt jetzt ziemlich herzlos - klar spielen wir mit den Mädels, auch gerne und viel. Wir beschäftigen uns auch sonst viel mit ihnen, gehen raus, kochen zusammen, lesen vor...aber wenn dann das erste, SEKUNDEN nachdem wir von einem langen Ausflug wieder zuhause sind, ist "wer spielt mit mir", (vor Schuhe ausgezogen sind oder man sonst richtig angekommen ist), dann setzt's bei mir echt aus...

Miteinander spielen sie auch quasi nicht bzw da gibt es nach 5 Sekunden Streit...

Ist das Typsache? Wird das irgendwann besser? Können wir irgendwas tun, um sie im alleine oder miteinander-spielen zu unterstützen? Ich verlange ja gar nicht stundenlanges vertieftes Playmobilspiel oder so, aber mal ne Viertelstunde wäre schon nett. Als Pause für uns Eltern oder damit man wenigstens mal kurz was im Haushalt machen kann ohne ständig in Beschlag genommen zu werden...das muss doch möglich sein mit Kindern, die 5 und fast 2 sind?!
mit großem 11/2012 und kleinem 02/2016 Mädchen
Carlotta
alter SuT-Hase
Beiträge: 2197
Registriert: 10.04.2012, 17:31

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Carlotta »

Huhu! Ich befürchte es ist Typsache. Meine Große ist genauso. Sie spielt nie alleine, selbst wenn sie was bastelt oder so soll man am liebsten direkt daneben sitzen und kommentieren, die schere reichen oder oder. Sie räumt auch lieber mit mit auf als alleine was zu tun. Der kleine ist ganz anders. Ich bin fasziniert dass es tatsächlich Kinder gibt die mit Spielsachen wie Playmobil oder Flugzeug oder so spielen. Alleine! Unsere Rettung ist dass beide wirklich auch sehr toll miteinander spielen. Vielleicht wird es besser? Wobei meine das auch wirklich früh gemacht haben. Auch wenn andere Kinder da sind spielt sie große toll. Sie ist einfach ein komplettes gruppenkind. Hat Vorteile, aber eben auch Nachteile, va. Da ich gerne mal Ruhe hätte.
Aber ich werde teilweise unnachgiebiger. Brauche ich eine Auszeit oder es muss was erledigt werden muss sie da durch. Notfalls nölt sie halt, aber sie ist das sechs. Da verlange ich das.
Carlotta mit Räubertochter 2/12 und kleinem Schatz 12/14

Don't let perfect be the enemy of good!
Benutzeravatar
Sabina
Miss SuTiversum
Beiträge: 13823
Registriert: 13.01.2012, 11:34
Kontaktdaten:

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Sabina »

Ich glaube das ist einerseits das Alter und andererseits auch Typsache. Mein Grosser sitzt durchaus 2-3 h alleine im Zimmer und spielt, werkelt etc. Die Mittlere (in 3 Wochen 5) ist wie deine Grosse: die Taschen vom Einkauf noch in den Händen, die Schuhe noch ab, heult sie schon los, dass niiiiiiemand mit ihr spielt. Dabei gibt es mittlerweile Tage, an denen sie und der Grosse sehr intensiv miteinander spielen. Wenn er aber nicht mehr mag, spielt sie nur sehr, sehr ungern alleine sondern will sofort mit mir oder dem Papa spielen. Und ja: das nervt! Ganz gewaltig nervt das! Ich bin keine Spielmama! Ich baue gern mal Lego oder mache ein Brettspiel. Aber ich mag nicht zum 1000. Mal Bibi&Tina, Prinzessin, Elsa oder was auch immer spielen.

Rational gesehen muss Ich aber eingestehen, dass das Rollenspiel eine ihrer grössten Stärken ist. Sie ist sehr sozial, immer im Kontakt mit ihren Mitmenschen, sehr emotional mitfühlend. All das bin ich nicht. Ich bin wie mein Grosser: gern alleine.

Nun hoffe ich also, dass es über die Jahre besser wird, die Kleinste wieder eher nach mir kommt, ich noch möglichst oft viel Geduld aufbringen kann für ein gemeinsames Spiel und versuche die positiven Seiten der Spiellust der Mittleren zu sehen.

Gemeinsames Spielen zwischen Geschwistern hat hier übrigens erst mit ca. 6 und 3 Jahren begonnen.

Als Pause für euch wäre es vielleicht möglich jeweils nach dem Mittagessen eine ‚Zimmerstunde‘ einzuführen? Anfangs vielleicht 15, später 30 Minuten im Zimmer ein Hörspiel hören? Das hat hier lange geklappt. Töchterchen ist einfach überhaupt nicht interessiert an Playmo, Duplo etc. deshalb war das irgendwann nichts mehr. Sie will immer nur verkleiden und Rollenspiele machen...
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

👦🏼2010
👧🏼2013
👧🏼2017
Benutzeravatar
PaleFire
alter SuT-Hase
Beiträge: 2024
Registriert: 27.04.2013, 08:30

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von PaleFire »

Danke für Eure Erfahrungen und "schön", dass man nicht allein ist. 😉

In vielem erkenne ich gerade die Große wieder, z.B. im Rollenspielen, das tut sie auch wahnsinnig gerne und mich macht es ebenso wahnsinnig. :oops: da hat sie vielleicht einfach auch ein bisschen Pech, dass unsere Spielinteressen so weit auseinander liegen und die Kleine ist für wirkliches Rollenspiel natürlich noch zu klein.

Zusammen spielen: würde die Kleine liebend gerne, aber auch da gehen die Interessen wohl noch zu weit auseinander und außerdem haben beide immer sehr genaue Vorstellungen, was und wie gespielt werden soll, das geht dann oft schief. Da muss ich meistens dabei sein und eng begleiten, also quasi auch wieder "mitspielen".

Als ob sie hier mitgelesen hätte, hat sich die Große vor dem Mittagessen eine halbe Stunde alleine ins Kinderzimmer verzogen und Kapla gebaut. :shock: :D

Was es glaube ich auch schwierig macht, ist dass Spielen oder das zusammen spielen von der Großen auch extrem als Zuwendung gesehen wird bzw. wenn ich nicht mitspielen, fühlt sie sich glaube ich total zurückgewiesen und nimmt das sehr persönlich. Das macht es halt noch schwerer, nein zu sagen bzw. standhaft zu bleiben...
mit großem 11/2012 und kleinem 02/2016 Mädchen
Benutzeravatar
Kinsale
ModTeam-Trageberatung
Beiträge: 7558
Registriert: 26.10.2010, 19:12

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Kinsale »

Ich bin auch kein Rollenspieler, mache ich nicht. Meine beiden spielen zum Glück gerne zusammen, ich spiele aber nur mit, wenn ich zumindest ein bisschen Lust und Zeit habe.

Die persönliche Betroffenheits-Schiene bestätigst du vielleicht auch ein bisschen, wenn sie auf die Art dann immer Mitspieler hat?

Ich finde das auch wichtig, dass sie lernen, dass andere Leute andere Bedürfnisse haben. Und Langeweile finde ich auch wichtig. Daraus entstehen oft die tollsten Spiele, Ideen, Bauwerke, Basteleien.
Wenn ich z.B. eine halbe Stunde zum Kaffee trinken brauche, bin ich danach manchmal überhaupt nicht mehr gefragt- bis dahin hat sich dann oft was ergeben.

Ich kann euch nur Mut machen, Langeweile und damit einhergehende Launen eine Zeit lang einfach auszuhalten.
Wie lange das dann funktioniert ist Typsache und stundenlanges alleine spielen lässt sich bestimmt nicht antrainieren. Aber eine halbe Stunde Rücksichtnahme ohne Motzarien kann man schon erwarten, finde ich.
Benutzeravatar
Kinsale
ModTeam-Trageberatung
Beiträge: 7558
Registriert: 26.10.2010, 19:12

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Kinsale »

Ergänzung: Lesen war hier die Lösung aller Langeweileprobleme 😉.
Benutzeravatar
Nelly2012
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 975
Registriert: 11.08.2013, 10:15

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Nelly2012 »

Ich habe neulich bei Juul gelesen, dass man das positiv konnotieren soll, wenn die Kinder Langeweile haben („Das ist dochschön, dass dir langweilig ist, ich bin gespannt, was dir einfällt.“). Das hat bei mir total den Durchbruch gebracht, ich sage das jetzt wortwörtlich zu meiner Großen mit dem Zusatz, dass ich jetzt nicht kann / will und sie sich selbst beschäftigen muss.
Was denke ich wichtig ist ist, dass du dich nicht für die Langeweile deiner Großen verantwortlich fühlen darfst.
Langeweile kann ja auch echt produktiv sein, wennman sie zulässt.
Liebe Grüße,

Nelly mit ihren drei Mädels (2012, 2016 und 9/2019)
Benutzeravatar
Sabina
Miss SuTiversum
Beiträge: 13823
Registriert: 13.01.2012, 11:34
Kontaktdaten:

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Sabina »

Bei uns ist nicht die Langeweile das Problem. Die kennen beide Grossen und die lass ich sie auch aushalten. Es sind wirklich die unterschiedlichen Bedürfnisse, die aufeinander prallen. Gerade jetzt: Sohn will alleine sein, ich bin am Stillen und Töchterchen ist todunglücklich weil niemand mit ihr Schule spielen will. Und das kann ich so gut verstehen. Ihr ist ja nicht langweilig aber sie möchte in Kontakt sein mit jemandem. Sie braucht für ihre Spiele jemanden, der mitspielt. Rollenspiele sind auf Dauer alleine einfach nicht lustig. Mittlerweile hat sie schon haufenweise imaginäre Kumpanen...aber dass sie das Bedürfnis hat MIT jemandem zu spielen kann ich sehr gut verstehen.

Einem Kind, dem langweilig ist zu sagen ‚da musst du jetzt durch‘ ist etwas komplett anderes als das Kind immer wieder zurückzustossen weil man nicht mit ihm seine Ideen spielen mag.
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

👦🏼2010
👧🏼2013
👧🏼2017
Benutzeravatar
Kinsale
ModTeam-Trageberatung
Beiträge: 7558
Registriert: 26.10.2010, 19:12

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Kinsale »

Ne, finde ich nicht. Der Wunsch mit dir zu spielen drückt ja auch aus, keine Idee zu haben, die man alleine spielen kann bzw. die Zeit überbrücken, bis jemand Zeit und Lust dazu hat. Klar kann man alleine Schule spielen. Oder eben was anderes.
Das Problem sehe ich eher darin, sich dann auf etwas zu versteifen, was jetzt eben nicht geht, weil andere Menschen andere Bedürfnisse (Geschwister) bzw. Pflichten (du) haben. Das ist doch kein Zurück stoßen, das ist das Leben.
Ich denke, da kommt es auch ein bisschen drauf an, wie man das vermittelt. Wenn man da stark mitleidet, dann kommt beim Kind vielleicht auch an, dass es total schlimm ist, grade nicht spielen zu können was man will?
Maja
SuT-Legende
Beiträge: 8590
Registriert: 18.10.2004, 22:40
Wohnort: NRW

Re: Kinder spielen nicht alleine und nicht miteinander

Beitrag von Maja »

Es ist Typsache, aber auch Gewohnheitssache. Meine Große war schon im Kleinkindalter eine gute Allein-Spielerin, die Mittlere das komplette Gegenteil. Allerdings hatten wir uns schon so schön daran gewöhnt, dass wir keine langweiligen Kinderrollenspiele mitmachen müssen :oops: dass sich hier auch für sie demnach seltenst ein Erwachsener zum Mitspielen gefunden hat. Ich habe das einfach nicht gemacht. Wahrscheinlich habe ich seinerzeit durchaus auch öfter sowas uneinfühlsames wie "Nein, dazu habe ich keine Lust" gesagt :oops:
Allerdings habe ich recht schnell dafür gesorgt, dass wir Spielzeug im Haus hatten, woran ich auch Freude habe. Mit Duplo oder danach Lego große Bauwerke errichten, Kugelbahnen bauen, Puzzle, Sortierkästen - dafür habe ich den Haushalt bereitwilliger liegenlassen, und siehe da, wenn man 10-15 Minuten konzentriert mitgespielt hat, spielten die Kinder oft alleine weiter, wenn ich mich der Wäsche oder Küche zuwenden musste oder wollte (aber keineswegs, wenn ich stattdessen lesen oder Tee trinken wollte, oder gar sinnlos auf dem Sofa sitzen - da haben meine Kinder bis heute feine Antennen für :lol: )
Wer sich zu sehr langweilt, während ich arbeite, muss/darf helfen. Das ist bei 5-jährigen tendenziell etwas nervig, ja, aber andererseits, mit der Zeit werden die Kinder dann schon schnell nützlich. Oder gehen sich woanders langweilen.

Den Juul-Satz habe ich auch übernommen :lol: und den Blick auf die Uhr, und er hat Recht, akute Langeweile dauert ca. 20 Minuten, danach hört das Genöle eigentlich spätestens auf, und falls nicht, ist es doch eher müdepipihunger als Langeweile.

Bis heute ist es so, dass die Große sich gern allein beschäftigt, die Mittlere aber lieber zumindest in meiner Nähe ist. Dafür spielt sie dann sogar mal mit der kleinen Schwester, die auch eher gesellig ist, aber für die mir bei drei Kindern tatsächlich auch objektiv oft die Zeit zum Mitspielen fehlt.

Übrigens ist auch eine (Paten-)Oma echt Gold wert, die sich geduldig stundenlang Puppenkuchen servieren lässt...
2004/2006/2014
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“