Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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luna24
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von luna24 »

Maja ich könnte mir gut vorstellen, dass es genau so ist. Was eben auch mal wieder zeigt, es geht weniger um das was als um das wie.
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soda
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von soda »

Also ich kann mir nicht vorstellen, dass (irgend-???)jemand hier propagieren möchte, dass selbstaufopfernde Eltern bessere Eltern sind oder dass man jedes durch Studien belegte (das kann ich eh schon nicht mehr hören, wofür man alles Studien braucht) Optimum bis zur Perfektion selbst umsetzen muß, auch wenn es persönliche Verleugnung voraussetzt.

Aber ganz ehrlich glaube ich, dass Maja richtig liegt. Man MUSS manche Dinge einfach schlucken im Leben. Es geht doch nicht anders. Ich kann doch nicht immerzu nach einer Lösung suchen oder besser noch: verlangen, die mich nicht belastet oder wo alle Last bei den anderen liegt. Das geht doch jedem Menschen so. Damit muss man einfach klarkommen.

Aufklärung, welche Verhaltensweisen wünschenswert sind, oder auch normative Strukturen sind in einer Gesellschaftsform, wie wir sie gewählt haben, notwendig. Auf welche Bereiche sich das erstrecken darf, ist verhandelbar! Darum gut, dass wir drüber sprechen.
Wenn Menschen sich unter Druck gesetzt fühlen, weil sie eine Norm nicht erfüllen (können? wollen???), dann spielen unterschiedliche Gefühle eine Rolle. Z. B. Versagt zu haben, Schuld, Scham, schlechtes Gewissen, Angst.
Ich kenne (wie gesagt aus meinem beruflichen Kontext in der Hausarztpraxis mit regem Durchsatz an Schwangeren und Säuglingen) keine einzige Frau, die freiwillig nicht stillt und deswegen ein schlechtes Gewissen hat. Keine.
Alle, die primär abstillen oder früh abstillen, haben ihre Gründe und rechtfertigen sich nie. Da wird für mich kein Druck sichtbar.
Anders sieht es bei denen aus, die unfreiwillig abstillen oder nicht gestillt haben. Die empfinden Schuld, Angst, Scham, es nicht geschafft zu haben. Da kann man aber ansetzen. NUR leider ist es so, dass viele diesen Weg nicht gehen wollen. Viel häufiger erlebe ich, dass die Mütter Hilfe ablehnen, als dass sie bereit wären, (Achtung Keule:) sich da durch zu arbeiten. Da existiert also auch kein Druck. Höchstens andersrum. Vom Umfeld oder vom Kinderarzt oder von den Freundinnen, die von glücklichen Flaschenkindern berichten und davon, dass man über die innere Traurigkeit schon hinweg kommt.
Wo ist denn dann DA die Selbstfürsorge?
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soda
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von soda »

PS:
Frauen, die unfreiwillig länger als ein paar Wochen stillen, haben sich mir noch gar nicht gezeigt. Die haben dann einfach abgestillt.
(Ein "Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und abstillen" zähle ich nicht mit. Konjunktive sind lösbare Probleme. Entweder man tut es, oder man lässt es.)
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Lösche Benutzer 22277

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 22277 »

Es hat meiner Meinung nach extrem viel mit dem Umfeld zu tun, wie sehr das Handeln von Eltern oder Müttern be- und verurteilt wird.
Ich wohne in einer Großstadt, in meinem näheren Umfeld habe ich Mütter, die recht tolerant und weltoffen sind. Einmal die Woche treffe ich mich mit einer Gruppe von Müttern, die teils sehr unterschiedlich an Dinge heran gehen. Eine hat nur wenige Wochen gestillt und ihrer eigenen Aussage nach keinen Nerv gehabt, für die Stillbeziehung zu kämpfen. Das wird genau so akzeptiert wie mein Plan, länger als zum ersten Geburtstag meiner Tochter zu stillen.
Mir selbst sind die so genannten "Mommy Wars" bisher nicht im echten Leben begegnet, nur im Internet.
Ich vermute, dass es in einer größeren Stadt leichter ist, sich ein Umfeld aktiv auszusuchen, das die eigene Linie bestätigt. So gibt es hier in Frankfurt eine AP-Facebook-Gruppe. In ländlichen Regionen ist man meiner Meinung nach viel mehr darauf angewiesen, mit den Leuten klar zu kommen, die nun mal in der Nähe leben.

Mich würde sehr interessieren, wie sich Wohnort, soziales Milieu und Bildungsstand darauf auswirken, wie stark Mütter oder generell Eltern sich gemaßregelt fühlen.
nido56
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von nido56 »

Raya hat geschrieben:Es hat meiner Meinung nach extrem viel mit dem Umfeld zu tun, wie sehr das Handeln von Eltern oder Müttern be- und verurteilt wird.
Ich wohne in einer Großstadt, in meinem näheren Umfeld habe ich Mütter, die recht tolerant und weltoffen sind. Einmal die Woche treffe ich mich mit einer Gruppe von Müttern, die teils sehr unterschiedlich an Dinge heran gehen. Eine hat nur wenige Wochen gestillt und ihrer eigenen Aussage nach keinen Nerv gehabt, für die Stillbeziehung zu kämpfen. Das wird genau so akzeptiert wie mein Plan, länger als zum ersten Geburtstag meiner Tochter zu stillen.
Mir selbst sind die so genannten "Mommy Wars" bisher nicht im echten Leben begegnet, nur im Internet.
Ich vermute, dass es in einer größeren Stadt leichter ist, sich ein Umfeld aktiv auszusuchen, das die eigene Linie bestätigt. So gibt es hier in Frankfurt eine AP-Facebook-Gruppe. In ländlichen Regionen ist man meiner Meinung nach viel mehr darauf angewiesen, mit den Leuten klar zu kommen, die nun mal in der Nähe leben.

Mich würde sehr interessieren, wie sich Wohnort, soziales Milieu und Bildungsstand darauf auswirken, wie stark Mütter oder generell Eltern sich gemaßregelt fühlen.
Das sehe ich auch so. Hier auch. Ebenfalls Grosstadt. Ich habe eine super Gruppe von tollen Muettern, die alle sehr unterschiedlich sind. Da werden alle Entscheidungen akzeptiert. Das hat mir sehr geholfen. In Alltag treffe ich natuerlich auch Leute, die es anders machen als ich UND ihren (abwertenden) Kommentar dazu loswerden muessen. Aber der Austausch mit "meiner" Muettergruppe hat mich immer gestaerkt. Nicht, weil die es alle genauso machen wie ich, sondern weil sie mir das Gefuehl gegeben haben, dass wir es alle eigentlich gut machen, jede auf ihre Weise.
nido mit dem Piraten (01/2012)
luna24
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von luna24 »

Großstadt -Land macht sicher einen großen Unterschied.ABER: ich lebe auch in der Großstadt und hätte aus meiner Erfahrung nach heraus auch gesagt, hier kann sich jeder das Umfeld suchen, das zu ihm passt, viel Toleranz, keine Mummy-Wars, Mutterolympiaden. Jetzt habe ich aber kürzlich über eine Freundin von einer Mutter erfahren, die dieser Druck wirklich bis in die Depression getrieben hat, und es hat sich herausgestellt, dass sie in den selben Kreisen/Unterstützungsnetzwerken unterwegs war/ist wie ich. Und das gleiche höre ich eben immer wieder auch von Erziehungsberatungsstellen, etc. Und ich denke, das, wie wir selbst aufgewachsen sind, welche emotionalen Erfahrungen wir gemacht haben, spielt auch eine große Rolle,wie empfänglich wir für Druck und Verunsicherung sind. Und da wiederum spielt glaube ich in vielen Fällen in D schon die unaufgearbeitete Nazi-Vergangenheit mit rein. Weshalb auf der Ebene von Aufklärung und Prävention hier Dinge vielleicht auch nicht genau so funktionieren, wie z.B. In skandinavischen Ländern.
Maja
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Maja »

miss_undercover hat geschrieben:Es geht dabei denke ich um den Unterschied 'dauerhaft' versus 'momentan'. Klar kann mein Baby zufrieden sein, wenn ich mal einen schlechten Tag habe. Zwinge ich mich hingegen über Monate mit einem schlechten Gefühl und gegen meinen eigentlichen Wunsch zum Stillen, tue ich damit auch meinem Baby nicht unbedingt einen Gefallen.
Das mit dem "dauerhaft" vs. "momentan" ist aber leider auch andersrum so, wenn man die Abstillgründe differenziert betrachtet. Häufig ist Stillen nämlich gar nicht das eigentliche Problem und Abstillen damit auch nicht die eigentliche Lösung. Es gibt zahlreiche Konstellationen, in denen die Stillprobleme ein Symptom sind, das ich über die Flasche vorerst beseitigen kann, die die Mutter aber mit unbarmherziger Wucht später wieder einholen werden. Das heißt, das eigentliche Problem muss eben trotzdem noch gelöst werden - es dauert nur noch länger, bis der Mutter geholfen wird, und jenachdem wie lange es dauert, summieren sich beim Baby statistische "Nachteile" eben auf.
Als Beispiele:

- Die Mutter möchte nicht stillen, weil sie ein Riesenproblem mit körperlicher Nähe hat --> Flasche geben bessert das Ganze vorerst, aber insgesamt ist tatsächlich schwierig, Babys und Kleinkinder gesund großzuziehen, wenn man körperliche Nähe kaum erträgt und demnach weitestgehend vermeidet (dazu gibt es auch ausreichende Forschungsergebnisse).

- Die Mutter möchte auf Flasche umstellen, weil das die einzige Möglichkeit ist, dass der Vater auch mal was tut --> für den Moment eine Entlastung, aber was passiert denn nach der Flaschenzeit? Wird der reizende Herr Vater sich ein neues Rosinchen picken, oder steht die Mutter dann ganz alleine da, weil sich die mangelnde Hilfe zementiert hat? Dann haben wir eine dauerhaft unglückliche Mutter und nach o.g. Logik auch ein unglückliches Kind.

- Die Mutter stillt ab, damit das Kind durchschläft --> kann funktionieren, kann aber auch schiefgehen, und dann haben wir eine lose-lose-Situation mit den gesundheitlichen Nachteilen fürs Kind und den logistischen Nachteilen für die Mutter (nachts Flaschen kochen etc.) Auch hier: Mutter erst Recht unglücklich.

- Das Kind hat massive Stillprobleme, saugt nicht richtig, schreit immer, alles ist furchtbar --> hier bringt die Flasche zunächst die ersehnte Entlastung, aber sollten die Stillprobleme daran liegen, dass organische Ursachen beim Kind vorliegen (Mundfunktionen, Muskelfunktionen, Blockaden, minimale Hirnschäden), und da ja nun endlich "Ruhe" herrscht, bleibt jegliche Diagnostik und Therapie aus, führt das später zu all den bekannten und unbekannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen vom harmlosen Lispeln bis hin zu schweren sozialen und Entwicklungsstörungen, die viel therapiehartnäckiger sind als wenn man sie direkt im Säuglingsalter behandelt hätte.

- Die Mutter stillt auf massiven Druck von Oma und anderer Familie hat --> zunächst zieht wieder Frieden ein, vielleicht sind sogar wirklich alle ganz glücklich damit, aber die Verwandtschaft, die sich hier schon durchsetzen konnte, kommt voraussichtlich mit immer neuen Ansprüchen, Erwartungen, Forderungen, vielleicht auch welchen, deren gesundheitliche oder sonstige Auswirkungen auf das Kind negativer sind als nur das Abstillen, und es wird immer schwieriger für die Mutter, Grenzen zu setzen. Irgendwann wird die Mutter auch darüber unglücklich werden, und es wäre alles nicht so weit gekommen, wenn sie schon ganz am Anfang Hilfe gehabt hätte ihre Grenzen zu verteidigen und Verantwortung zu übernehmen.

- Die Mutter findet es im Grund unzumutbar, für einen anderen Menschen auch nur einen Milimeter zurückzustecken, also z.B. abends nicht mehr auszugehen weil das Baby gestillt werden will oder fürs Stillen auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten, und erwartet, dass Elternschaft völlig verlust- und verzichtfrei möglich ist, wenn man sich von dem ökolinksversifften stillmafiösen AP-Quatsch fernhält --> sie wird hart auf dem Boden der Realität aufschlagen, und braucht für eine gelingende Mutter-Kind-Beziehung definitiv eine ganz andere Unterstützung und Hilfe als ein großzügiges gesellschaftliches Agreement, dass Stillen optional ist und die Selbstfürsorge der Mutter jederzeit erste oder gar einzige Priorität ist.

Man sollte auch die mütterliche Intuition nicht unterschätzen. So manche Mutter, die ein furchtbar schlechtes Gefühl beim oder nach dem Abstillen hat, obwohl es kurzfristig eine hilfreiche Lösung war, mag auch spüren, dass da ein weiter bestehendes Grundproblem darauf lauert, an anderer Stelle wieder zuzubeißen. Aber da der Mutter hier in D einfach viel zu wenig Hilfssysteme zur Verfügung stehen, ist es individuell leichter und kurzfristig gesellschaftlich "billiger" das schlechte Gefühl mit "Stilldruck und Mütter-Bashing" zu labeln. Blöderweise würden sich diese Mütter aber auch dann nicht besser fühlen, wenn Flaschenfütterung die Norm wäre, denn dann hätten sich die Grundprobleme eben an irgendwas anderem kondensiert.
2004/2006/2014
Serafin
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Registriert: 08.07.2014, 17:03

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Serafin »

Ich denke, Maja hat da schon Recht. Wie viele erzählem einem denn, dass man nach der Geburt so weiterleben kann wie bisher? Gibt man das Kind halt zur Oma und mit dem tollen Breifläschchen schäfts halt durch. Oder man lässts halt schreien, denn mit sechs Monaten braucht ein Kind ja keine Nahrung mehr Nachts.
Mir wurde ja schon von meiner Schwägerin gesagt, wie blöd ich denn bin, dass cih mein Kind jeden Abend ins Bett bringe, sie hat ihre da einfach in dem Alter schreien lassen und dann haben sie druchgeschlafen.

Menschenkinder sind eben so, wie sie sind. Sie brauchen Nähe, Fürsorge, Liebe und Nahrung. Und Stillen ist die von der Natur vorgesehene Variante.
Es ist einfach so, wenn ein Kind auf die Welt kommt, dann dreht sich erst mal alles um diesen neuen Menschen. man muss sich ihm anpassen. Klar würde ich lieber durchschlafen und hätte keine Trotzanfälle, aber es ist einfach so. Es gehört dazu.

Ein deutlich ehrlicheres Bild, wie Kinder sind, würde denke ich auch sehr helfen. Nicht nur in Bezug aufs Stillen.
kleiner Maulwurf 12/15
kleiner Schildkröterich 05/19
Lösche Benutzer 3486

Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

Maja hat geschrieben:
miss_undercover hat geschrieben:Es geht dabei denke ich um den Unterschied 'dauerhaft' versus 'momentan'. Klar kann mein Baby zufrieden sein, wenn ich mal einen schlechten Tag habe. Zwinge ich mich hingegen über Monate mit einem schlechten Gefühl und gegen meinen eigentlichen Wunsch zum Stillen, tue ich damit auch meinem Baby nicht unbedingt einen Gefallen.
Das mit dem "dauerhaft" vs. "momentan" ist aber leider auch andersrum so, wenn man die Abstillgründe differenziert betrachtet. Häufig ist Stillen nämlich gar nicht das eigentliche Problem und Abstillen damit auch nicht die eigentliche Lösung. Es gibt zahlreiche Konstellationen, in denen die Stillprobleme ein Symptom sind, das ich über die Flasche vorerst beseitigen kann, die die Mutter aber mit unbarmherziger Wucht später wieder einholen werden. Das heißt, das eigentliche Problem muss eben trotzdem noch gelöst werden - es dauert nur noch länger, bis der Mutter geholfen wird, und jenachdem wie lange es dauert, summieren sich beim Baby statistische "Nachteile" eben auf.
Als Beispiele:

- Die Mutter möchte nicht stillen, weil sie ein Riesenproblem mit körperlicher Nähe hat --> Flasche geben bessert das Ganze vorerst, aber insgesamt ist tatsächlich schwierig, Babys und Kleinkinder gesund großzuziehen, wenn man körperliche Nähe kaum erträgt und demnach weitestgehend vermeidet (dazu gibt es auch ausreichende Forschungsergebnisse).

- Die Mutter möchte auf Flasche umstellen, weil das die einzige Möglichkeit ist, dass der Vater auch mal was tut --> für den Moment eine Entlastung, aber was passiert denn nach der Flaschenzeit? Wird der reizende Herr Vater sich ein neues Rosinchen picken, oder steht die Mutter dann ganz alleine da, weil sich die mangelnde Hilfe zementiert hat? Dann haben wir eine dauerhaft unglückliche Mutter und nach o.g. Logik auch ein unglückliches Kind.

- Die Mutter stillt ab, damit das Kind durchschläft --> kann funktionieren, kann aber auch schiefgehen, und dann haben wir eine lose-lose-Situation mit den gesundheitlichen Nachteilen fürs Kind und den logistischen Nachteilen für die Mutter (nachts Flaschen kochen etc.) Auch hier: Mutter erst Recht unglücklich.

- Das Kind hat massive Stillprobleme, saugt nicht richtig, schreit immer, alles ist furchtbar --> hier bringt die Flasche zunächst die ersehnte Entlastung, aber sollten die Stillprobleme daran liegen, dass organische Ursachen beim Kind vorliegen (Mundfunktionen, Muskelfunktionen, Blockaden, minimale Hirnschäden), und da ja nun endlich "Ruhe" herrscht, bleibt jegliche Diagnostik und Therapie aus, führt das später zu all den bekannten und unbekannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen vom harmlosen Lispeln bis hin zu schweren sozialen und Entwicklungsstörungen, die viel therapiehartnäckiger sind als wenn man sie direkt im Säuglingsalter behandelt hätte.

- Die Mutter stillt auf massiven Druck von Oma und anderer Familie hat --> zunächst zieht wieder Frieden ein, vielleicht sind sogar wirklich alle ganz glücklich damit, aber die Verwandtschaft, die sich hier schon durchsetzen konnte, kommt voraussichtlich mit immer neuen Ansprüchen, Erwartungen, Forderungen, vielleicht auch welchen, deren gesundheitliche oder sonstige Auswirkungen auf das Kind negativer sind als nur das Abstillen, und es wird immer schwieriger für die Mutter, Grenzen zu setzen. Irgendwann wird die Mutter auch darüber unglücklich werden, und es wäre alles nicht so weit gekommen, wenn sie schon ganz am Anfang Hilfe gehabt hätte ihre Grenzen zu verteidigen und Verantwortung zu übernehmen.

- Die Mutter findet es im Grund unzumutbar, für einen anderen Menschen auch nur einen Milimeter zurückzustecken, also z.B. abends nicht mehr auszugehen weil das Baby gestillt werden will oder fürs Stillen auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten, und erwartet, dass Elternschaft völlig verlust- und verzichtfrei möglich ist, wenn man sich von dem ökolinksversifften stillmafiösen AP-Quatsch fernhält --> sie wird hart auf dem Boden der Realität aufschlagen, und braucht für eine gelingende Mutter-Kind-Beziehung definitiv eine ganz andere Unterstützung und Hilfe als ein großzügiges gesellschaftliches Agreement, dass Stillen optional ist und die Selbstfürsorge der Mutter jederzeit erste oder gar einzige Priorität ist.

Man sollte auch die mütterliche Intuition nicht unterschätzen. So manche Mutter, die ein furchtbar schlechtes Gefühl beim oder nach dem Abstillen hat, obwohl es kurzfristig eine hilfreiche Lösung war, mag auch spüren, dass da ein weiter bestehendes Grundproblem darauf lauert, an anderer Stelle wieder zuzubeißen. Aber da der Mutter hier in D einfach viel zu wenig Hilfssysteme zur Verfügung stehen, ist es individuell leichter und kurzfristig gesellschaftlich "billiger" das schlechte Gefühl mit "Stilldruck und Mütter-Bashing" zu labeln. Blöderweise würden sich diese Mütter aber auch dann nicht besser fühlen, wenn Flaschenfütterung die Norm wäre, denn dann hätten sich die Grundprobleme eben an irgendwas anderem kondensiert.
Ich seh das in der tst sehr viel liberaler. Ich kann viele Gründe nicht zu stillen nicht nachvollziehen. Aber für mich gibt es in dieset beziehung keine dichotomie, sondern unendlich viele grautöne. Das empfinde ich nicht als Rückzug in eine Beliebigkeit, die das kindeswohl der harmonie opfert, sondern eher als einen respekt vor sehr unterschiedlichen lebensverläufen.

Nehmen wir die hier zitierten frauen. Deswegen hab ich deinen Beitrag zitiert, maja. Das sind für mich allesamt arme würtschen. Ich würde gern ihre Köpfchen heben, ihnen zeigen, was sie gut machen und ihnen nicht noch einen nackenschlag geben, in denen ich Ihnen fehlende Liebe und aufopferung unterstelle. Das wird ihnen nicht helfen. Alle sind sicher die beste mutter für ihr kund und selbst die tollste pflege-mutter kann die Beziehung schwer ersetzen. Die meisten Mütter wollen das beste für ihr kind, bringen nur ganz unterschiedliche Ressourcen mit.

Irgendwie sehe ich durch den verlauf den threads bestätigt, was nora im Artikel nachgezeichnet hat.
miss_undercover
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Re: Artikel von Nora Imlau in der Zeit über den Druck zu Stillen

Beitrag von miss_undercover »

Friher, Du nimmst mir die Worte aus dem Mund [emoji1]

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