Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

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Marlio
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Re: AW: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Marlio »

Oha Tutti das sind ja noch anstrengendere Nächte als bei uns, kein Wunder dass du keine Kapazität hast das zu ändern. Bei mir steht und fällt auch so viel durch guten bzw schlechten Schlaf...

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Unser Blubberchen kam am 26.11.12 zur Welt - "Wir lieben Dich weit inniger, als Licht und Luft und Freiheit!"

Wenn ein Kind...
-kritisiert wird, lernt es zu verurteilen. -angefeindet wird, lernt es zu kämpfen. -verspottet wird, lernt es schüchtern zu sein. -beschämt wird, lernt es sich schuldig zu fühlen.
-verstanden und toleriert wird, lernt es geduldig zu sein. -ermutigt wird, lernt es sich selbst zu vertrauen. -gelobt wird, lernt es sich selbst zu schätzen. -gerecht behandelt wird, lernt es gerecht zu sein. -geborgen lebt, lernt es zu vertrauen. -anerkannt wird, lernt es sich selbst zu mögen. -in Freundschaft angenommen wird, lernt es in der Welt Liebe zu finden.
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Tutti
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Tutti »

Irgendwie scheint mein Körper sich darauf tatsächlich eingestellt zu haben. Ich bin zumindest tagsüber nicht übermäßig schlapp und müde. Ist mir allerdings auch ein Rätsel ;)
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Schnuddelbuddel
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo ihr Lieben,

danke für soviele Antworten.

Madaya, natürlich gibt es auch hier Dinge die er nicht darf oder die nicht gehen, das bleibt nicht aus und da ertragen wir seine Wut und Traurigkeit auch aber gerade deswegen fällt es mir dann schwer zusätzlich noch Dinge zu verbieten oder nicht zuzulassen die eigentlich möglich wären wenn ich meine Bedürfnisse etwas hinten anstelle.

Da er so sensibel und empfindlich ist hab ich auch oft einfach Angst schaden in seiner kleinen Seele anzurichten, z.B. wenn ich ihn abstille oder er allein bei Papa bleiben soll obwohl er nicht will etc. Nun hatte er ja leider auch das Trennungstrauma das noch nicht völlig ausgestanden ist und das hat auch nochmal gezeigt wie empfindlich er in dieser Hinsicht ist.

Aber klar hast du recht. Aufopfern ist kein Weg. Ich muss mich in bestimmten Bereichen besser abgrenzen.

Danke dir.

Judica, das Zitst von Herrn Juul ist sehr interessant, das ist mal ein Ansatz den ich noch nicht kannte und worüber ich noch nachdenken werde.

Ich lese das so oft, wie wichtig es ist den Kindern zu zeigen das man auch Grenzen hat aber ich finde das wirklich schwer die eigenen Grenzen zu finden. Manchmal wird es mir in einer bestimmten Situation bewusst und da klappt es dann und wenn ich einmal beschlossen habe wie ich handeln will klappt es auch gut und ich kann seinem Frust begleiten aber so im Alltag fällt es mir schwer. Das ist sicher auch Übungssache und da werde ich mich mal dran machen.

Danke.

Marlio, danke für deine Mühe und die ausführliche Antwort.

Ja da sind unsere Söhne wirklich sehr ähnlich. Meiner könnte mich wohl auch den ganzen Tag beschäftigen.

Ich merke ganz doll den Unterschied weil ich ja schon einen fast 10-jährigen großen Sohn hier habe und der ist vom Charakter zwar ähnlich in Sachen sensibel und macht sich viele Gedanken aber er ist nicht ansatzweise so bedürfnisstark und anstrengend. Er war schon als Baby absolut pflegeleicht und nun stand ich beim zweiten Kind wirklich doof da und fühle mich wie eine Erstlingsmutter weil alles so anders ist.

Das mit dem spielen ist hier haargenauso mit dem Papa. Dem wird dann befohlen wie er was zu tun hat. Ich selbst spiele eigentlich nur ganz selten mit ihm und wenn dann setze ich mich nur dazu. Das hat er auch schon gut raus und fragt mich selten.
Ich glaub der Papa muss auch mal anfangen seine Grenzen abzustecken.

Ich habe letztens in einem Ratgeber (war es Juul?!?) gelesen das es in dem Alter oft Sinn macht zwei Dinge anzubieten. Dann haben die Kinder das Gefühl das sie selbst entscheiden dürfen aber trotzdem kommt man selbst zum Ziel.
Das klappt hier erstaunlich gut.

Ja da hast du recht. Ein gewisses Maß an Frustration müssen sie schon aushalten lernen.
Das Brustzubbeln gab es hier auch aber das kann ich gar nicht haben, da konnte ich dann auch gut konsequent durchgreifen und dann war das Thema bald vergessen. Ab und zu klappt es hier also auch :-)

Genau, ich finde das bewusste Erkennen ist auch ganz wichtig. So lernt man dann wo die eigenen Grenzen liegen. Bei mir war es letzte Woche als der Kleine von mir durch den riesen Supermarkt getragen werden wollte. Papa durfte nicht und weil ich einfach keine Lust auf Drama hatte hab ich ihn die ganze Zeit getragen. Das war so eine Situation wo ich gemerkt habe das es über meine Grenzen ging. Da weiß ich nun Bescheid.

Ich danke dir für deine Mühe und du hast mir viele Ansätze aufgezeigt wo ich nochmal genauer drüber nachdenken werde.

Nido, ja da sind unsere Söhne sehr ähnlich.

Danke für deinen Tipp. Ich glaube auch das es wichtig ist erstmal irgendwo anzufangen und nicht zuviel auf einmal zu ändern.

Ich habe mir überlegt das ich wieder darauf achten werde ihn nur im Bett zu stillen, das hat schonmal gut geklappt aber da gab es nun immer mal Ausnahmen durch sein Trennungstrauma. Und danach werde ich mal damit anfangen ihn weniger zu tragen in der Wohnung. Für unterwegs hatte ich mal nach einem günstigen Sling geschaut.

Tutti, das hört sich wirklich anstrengend an aber da hat das in der Spielgruppe ja wirklich gut geklappt. Da muss man natürlich durchhalten wenn andere drumrum sind.

Ich drück euch die Daumen das du bald mehr schlaf bekommst. Hier gibt es ja plötzlich seit er so 2,5 ist zumindest ab und an mal eine durchgeschlafene Nacht.

Liebe Grüße
Schnuddelbuddel
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo ihr,

ich merke momentan das dieser Thread mich eher verwirrt hat statt meine Gedanken zu entwirren.
Nun denke ich immer in vielen Situationen ob ich ihm sein Bedürfnis oder seinen Wunsch nun gerade erfüllen soll oder nicht oder ob das gegen mein Bedürfnis geht oder nicht usw. Ich hab ein schlechtes Gewissen das ich ihm zuviel entgegenkomme vielleicht und es nicht merke aber auf der anderen Seite gibt es hier natürlich regeln und Grenzen die er einhalten muss und es ist ja nicht so das er uns hier unterm Pantoffel hat. Er ist auch mal frustig weil er was nicht darf und ich benenne und begleite ihn darin. Das bleibt ja nicht aus und ich dachte immer so ist es richtig. Das steht doch so in den Ratgebern, man soll die Kinder nicht zuviel einschränken und auch mal ausprobieren lassen und nicht zuviel verbieten weil das normale Zusammenleben schon von sich aus viele Einschränkungen mit sich bringt. Hmm...

Ich weiß ja auch gar nicht wie selbstständig so ein Dreijähriger sein sollte. Gestern wollte er gern alles allein machen und er hat es geschafft mit nur minimaler Hilfe sich allein den Schlafanzug aus und seine komplette Kleidung anzuziehen. Er kann den Tisch decken und versucht öfter mal sein Brot selbst zu schmieren. Er ist zwar oft bequem und gibt schnell auf wenn es nicht klappt und gibt Papa sein Messer damit er schmiert aber er versucht es zumindest und dann wird es sicher immer besser klappen. Seit neuestem zieht er auch seine Schuhe selbst an.

Meine Umwelt verwirrt dann nochmal zusätzlich. Mein Freund und mein Schwiegervater sind der Meinung der Kleine wäre viiiel zu anhänglich und es ist nicht normal das er so an mir hängt und das er mit Papa aufm Spielplatz immer zusammen spielen will und keine zwei Meter von ihm weg geht. Andererseits wenn ich mit ihm draussen bin zieht er manchmal mit dem Bruder oder auch mit Freunden vom Bruder (das sind dann alles 10-jährige) los und ich höre dann nur von weitem wie sie spielen.
Schwiegervater hat eh wenig empathie für Kinder und meint ich müsse ihn zwingen und Druck machen wenn er immer so ängstlich ist. Das wird er meinem Freund sicher auch so einreden.
Schwiegermutter ist da eher auf meiner Seite aber die hat ihr schreiendes Baby damals auch in die Küche geschoben weil Schwiegervater in Ruhe schlafen wollte.

Meine Mutter hingegen findet das die kleinen Kinder viel zu früh groß und selbstständig sein müssen. Sie sagt der Zwerg ist noch so klein und völlig normal.
Nun ist meine Mutter auch ein guter Ratgeber für mich. Sie ist nah am Thema mit vier Kindern, wovon zwei ähnlich waren wie mein Sohn und mein jüngster Bruder ist auch erst 15 Jahre alt. Meine Eltern haben die gleiche Einstellung zu Kindern und haben mir die Bedürfnisorientiertheit vorgelebt wobei meine Mutter schon immer ein wenig ihre Bedürfnisse hinten angestellt hat.
Sie sagt das kommt alles noch und das der Kleine z.B. noch sein ganzes Leben lang alleine in seinem Bett schlafen wird und ich mir da über die paar Jahre die ich daneben liege keinen Kopf machen soll. Das ist jetzt nur eine kurze Zeit wo sie so klein sind und bald sind sie dann groß und selbstständig.

Irgendwie hat sie doch auch recht oder?

Nachdenkliche Grüße
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Lotti
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Lotti »

Liebe Schnuddelbuddel,

ich seh das so dass Du gerade zwei verschiedene Paar Schuhe miteinander vermischst: Auf der einen Seite die Selbstständigkeit Deines Kleinkindes, die Du nicht einschränken möchtet. Also wie Du schreibst, ausprobieren lassen (alleine anziehen, Tisch decken usw.) und nicht zuviel verbieten. Das war aber nicht das, worüber Du Dich im Eingangspost beklagt hast. Da ging es darum, dass DEINE Grenzen übertreten werden, wenn Du einschlafbegleiten "musst" oder ihn nachts tragen "musst". Oder inwiefern werden Deine Grenzen verletzt, wenn er sich alleine anzieht? Das verstehe ich nicht so ganz ehrlich gesagt...

Du schreibst sinngemäß, dass Du Deine Grenzen erst mal wieder finden musst. Das kann ich nachvollziehen nach drei Jahr der permanenten unterdrückung dieser Bedürfnisse. Aber ich fand schon, dass Du in dem Eingangspost recht deutlich ausgedrückt hast, wo genau der Schuh drückt bei Dir. Wenn Du diesen Post liest, wird das doch schon recht deutlich. Genau das musst Du auch Deinem Kind vermitteln. Und nur darum geht es. Es geht nicht darum, dass er sich nicht alleine anziehen soll - das hat doch hier auch niemand geschrieben?! Sondern darum, bei sich zu sein und seine Grenzen klar zu benennen. Ich muss Dir ehrlich sagen, ich antworte meiner Tochter durchaus mal mit "Weil ich keine Lust dazu habe" oder "Weil ich das jetzt nicht möchte". Einfach weil es in dem Moment so ist. Natürlich erfülle ich ihr gerne Wünsche und gehe fast immer auf sie ein, aber es gibt eben auch Situationen, wo ich klar Nein sage, und sei es, weil ich mal 10 Minuten in Ruhe suten will. Und sie akzeptiert es.
Deinen Schwiegervater würde ich reden lassen und freundlich dazu lächeln. Meine Tochter ist auch in der Öffentlichkeit schüchtern bis sehr schüchtern und zuhause bzw. mit vertrauten Personen total anders. Ich glaube, das ist in dem Alter ganz normal.
S. mit Töchtern (März 2012 und Dezember 2015)
Schnuddelbuddel
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo Lotti,

danke für deine Antwort. Du hast recht es ist etwas durcheinander.

Vielleicht liegt es daran das mein Eingangspost aus der Situation entstand das mir während unserer missglückten Eingewöhnung gesagt wurde ich wäre Schuld das es nicht klappt weil der Kleine zu unselbstständig ist und er denkt er braucht mich für alles und er könne deswegen nicht ohne mich bleiben. Was natürlich recht ungünstig war weil der Kleine natürlich in der Ausnahmesituation der Eingewöhnung wollte das ich Dinge für ihn tue (nase abwischen z.B.) die ich sonst nicht mache.

Dann kam mein Freund als es dann darum ging den Zwerg abzumelden und meinte das es nicht gut ist wenn er weiter bei mir zu Hause ist weil er eben eine zu enge Bindung hat.

Dann kam dazu das durch sein Trennungstrauma die Loslösung quasi wochenlang nicht mehr vorhanden war und er 24h an mir klebte. Das hat mich dann inklusive einer schlechten Alleinschlafphase kalt erwischt und mir wurde alles zuviel.

Daher habe ich mir dann die Frage gestellt ob es stimmt und der Kleine noch zu sehr von mir abhängig und zu unselbstständig ist. Du hast recht ich habe dann zuviel davon gesprochen was mich an dieser Abhängigkeit so nervt.

Natürlich hat niemand gesagt er dürfte sich nicht allein anziehen, ich wollte damit nur ausdrücken das er nicht so unfähig und völlig hilflos ist wie mir hier in meiner Umgebung alle weismachen wollen. Nur will das niemand so recht sehen, sondern es wird dann geschaut was er vll noch nicht selbst macht und wo er Hilfe fordert.

Ich entschuldige mich das alles so wirr geworden ist, es musste nur mal raus weil ich gerade gestern so ein Gespräch mit Schwiegervater hatte.

Ja, das mit meinen Grenzen ist immernoch etwas kompliziert für mich aber dadurch das ich meiner Mutter ja schon irgendwie rechtgeben musste, hab ich das dann von dem Standpunkt aus gesehen und nun wo ich ein paar Abende Zeit für mich hatte weil er besser schlief sah alles nicht mehr so dramatisch aus.

Ich glaub ich habe alles zu sehr schwarz-weiß gesehen. Es gibt nicht nur, ich muss egoistisch sein oder völlige Selbstaufgabe. Ich muss für uns einen Mittelweg finden, denk ich. Das ist mir jetzt beim schreiben klar geworden.

Danke das du trotzdem geantwortet hast, das hat mir gezeigt das ich wieder einiges durcheinander geworfen habe.

Da ist man seit bald 10 Jahren Mutter und trotzdem gibt es ständig was neues zu lernen.
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Lotti
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Lotti »

Hey, vielleicht hab ich auch einfach nicht alles richtig gelesen :D
Ist doch schön, wenn nach ein paar besseren Abenden und Nächten alles nicht mehr ganz so dramatisch aussieht.

Meine Tochter fordert durchaus auch Hilfe ein bei Sachen, die sie eigentlich kann. Ein gutes Beispiel ist Treppen steigen. Ich weiß genau, dass sie das ganz alleine kann, sogar "freihändig". Sie will aber immer an die Hand genommen werden und das mache ich gerne, weil ich ihr meine Unterstützung und Sicherheit geben will. Was ich aber in aller Regel nicht mache, ist sie zu tragen. Meist habe ich eine große Tasche und eine Einkaufstüte, dann geht das eh nicht. Oder ich sage ihr eben ganz klar, ich will Dich nicht tragen und ich weiß dass Du es kannst. Das Handhalten ist dann der Kompromiss, mit dem wir beide leben können. Mein Freund hingegen trägt sie fast immer, wenn sie es einfordert. Ich finde das zwar nicht toll, aber Töchterlein ist offensichtlich in der Lage, das zu differenzieren: Von mir fordert sie es nicht ein, weil sie weiß dass ich es nicht mache :D Kinder sind da also durchaus auch flexibel.
Und in diesem Zusammenhang ist dann die Klarheit ganz wichtig, von der Tutti geschrieben hat. Bei der Treppensache bin ich klar und mein Kind weiß, woran sie ist. Daher liegt da auch kaum ein Konfliktpotential (mehr). Die ersten Tage, als ich sagte nun kannst Du aber alleine die Treppe steigen (so mit 18 Monaten? Weiß ich schon nicht mehr...) gab es natürlich auch Frust bei ihr. Da sind wir aber durch und seitdem ist das (mit kleinen Ausnahmen, wenn sie sehr müde ist...) kaum noch ein Thema. Wenn sie aber z.B. sehr müde ist, trage ich sie gerne hoch, weil ich ihr zeigen will dass ich dann für sie da bin. Ich bleibe also nicht auf Teufel komm raus hart, nur um meine Prinzipien nicht zu verletzen. Hätte die "Grundregel" aber so nicht durchgesetzt und würde sie heute immer noch in den zweiten Stock schleppen, ich bin mir sicher dass ich jedesmal innerlich kochen würde. DAS kann es ja dann auch nicht sein. Wie hier viele Vorschreiberinnen schon sagten, nicht gegen die eigenen Bedürfnisse handeln, zumindest nicht dauerhaft - ich glaube das staut einfach zu viel Frust auf...
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Kattirina
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Kattirina »

Mein Kind ist z.T. auch so, mit 3 1/4. Einschlafen nur mit Stillen, schon immer - bis ich es vor ein paar Wochen zum 1. Mal ausprobiert habe, um die Zeit wegzugehen (es gab einen wichtigen Anlass), und dann hat es auch ohne mich geklappt. Aber wenn ich da bin, würde es nicht anders gehen als mit Brust. Ich finde das super gemütlich und es geht hier auch ziemlich flott, deshalb genieße ich die Zeit bewusst als Entspannung, oder lasse gedämpftes Licht an und lese beim Einschlafstillen, so bin ich nicht genervt.

Du schreibst, Mittagschlaf muss auch mit Brust sein, aber abends schläft das Kind nicht, wenn es müde ist. Vielleicht ist es an der Zeit, den Mittagschlaf wegzulassen? Ich hätte so gern noch ewig Mittagschlaf gemacht, aber mit 3 ging es dann nicht mehr wegen Kindergarten (dort würde das Kind nie schlafen). Inzwischen bin ich aber meistens froh, dass wir keinen Mittagschlaf mehr machen, obwohl mein Kind abends schon früh sehr müde und sehr weinerlich ist. Aber es schläft dann einfach abends besser ein, schneller, und dann gleich tiefer, und ich habe den Eindruck, dass mein Kind insgesamt erholter ist, wenn es seinen Schlafbedarf in einem Stück deckt, als wenn es die gleiche Summe an Stunden auf Mittagschlaf und Nachtschlaf verteilt geschlafen hat.

Das mit dem Nicht-aufs-Klo-gehen-Können kenne ich auch. Wenn das Kind tief schläft, kein Problem, aber sonst muss es mit bzw. weint sehr stark. Seit der Mittagschlaf weg ist, schläft es öfter mal tief, sodass das nicht mehr so das Problem ist. Je nach Dringlichkeit habe ich dann eben abgewartet, bis der Kinderatem auf Tiefschlaf hindeutete, oder auch das Kind mit Nachtlicht in der Hand mit ins Bad geschleppt. Da es dann aber auch oft geweint hat, und der Klogang so komplizierter war, habe ich manchmal, wenn ich keine Lust auf Mitschleppen hatte, kurzen Prozess gemacht, das Kind dann eben kurz weinen gelassen, schnell auf Klo, und schnell wieder zurück - nach einer Minute mit Brust war das Ganze gleich vergessen. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass es auf ein so kleines Kind wirklich beängstigend wirken kann, wenn es im (Halb)Schlaf völlig umnebelt und völlig im Dunkeln mitbekommt, wie die Mama auf einmal aufsteht und vom Kind wegläuft. Das Kind kann sich dann wegen extremer Müdigkeit vielleicht gerade überhaupt nicht orientieren und hat einfach nur Angst. Deswegen ist mir eigentlich das Mitnehmen lieber.

Du schreibst von dem KiGa-Trauma. Wir hatten auch einen harten Fehlversuch. Vielleicht würde ich es bei uns nicht Trauma nennen, aber sicherlich Drama. Ich finde, nach einem Trauma kann man damit rechnen, dass das Kind sich irgendwie anders verhält. "Mehr wie ein Baby" kommt mir wie eine der normalsten Reaktionen der Welt auf so etwas vor. Ich möchte wirklich nicht Deinen Leidensdruck runter spielen oder in die Richtung drängen, Dich noch mehr "aufzuopfern". Es klingt für mich nur so, als ob das Kind nach dieser Erfahrung eben völlig natürlicherweise ganz viel Nähe braucht.

Bei uns war der Eingewöhnungsprozess nicht ganz leicht und so richtig ist mein Kind (nach 3 Monaten) immer noch nicht in der KiGa-Mama-geht-arbeiten-Situation angekommen. Es will zum Beispiel auch fast permanent auf dem Arm getragen werden - keine Tragehilfe. "Ich bin so erschöpft, ich kann gar nicht mehr laufen! Keinen einzigen Schritt!" Das gilt z.Z. Manchmal schaffe ich das nicht, dann gibt's hier auch Tuttis Entweder-Oder. Wir unternehmen deshalb auch bewusst ganz wenig, bzw. immer nur in der Nähe - aber das geht natürlich nicht, wenn noch größere Kinder da sind. Sonst trage ich mein Kind selber unheimlich gern auf dem Arm, deshalb mache ich es dann so oft und so viel es eben geht.

Ich stelle mir dann vor, wie schön es für mein Kind ist, dieses totale Geborgensein zu erfahren (Brust und Arm), wie es sich dabei auch im übertragenen Sinne "getragen" fühlt mit all der Last vom KiGa-Alltag und dem Trennungsstress. Wie es sich bei mir fallenlassen kann, wie ich es auffangen kann. Ich bin so froh darüber, dass das Kind seine Bedürfnisse so äußern kann, und dass ich sie ihm meistens erfüllen kann. Ich stelle mir auch vor, wie es im Kind aussieht, wenn es die gefühlte Last von der ganzen Lebensumstellung alleine tragen müsste. Irgendwo muss doch der Druck raus. Seine Ängste, seine Sorgen, seine negativen Erfahrungen. Besser so, als über Umwege. Ich habe keine Ahnung, ob man da wirklich einen Zusammenhang herstellen kann, aber trotz unseres stressigen letzten Jahres mit den ganzen neuen Erfahrungen war mein Kind bis auf Schnupfen nicht ein einziges Mal krank!

Daraus ziehe ich dann wiederum eine Menge Kraft. Dass ich mich eben um ein gesundes Kind kümmere, und nicht mit Bronchitis und Magen-Darm zu kämpfen habe.

Im übrigen habe ich mal irgendwo gelesen, dass Kinder um den 3. Geburtstag herum wieder eine "Baby-Phase" haben sollen. Mein Kind wollte z.B. um den 3. Geburtstag herum zum ersten Mal in seinem Leben gefüttert werden... So á la Oje ich wachse. Weil sie irgendwie merken, dass sie jetzt schon sehr "groß" sind, und sich lieber nochmal durch babyhaftes Verhalten der absoluten Unterstützung durch die Mama versichern wollen. Hat das noch jemand gehört?
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Kattirina »

Mit "Das gilt z.Z."

war gemeint:

Das gilt z.Z. sogar in der Wohnung: Manchmal will das Kind nicht mal von der Badtür bis zum Klo laufen!

Noch schöner: Kind läuft allein voraus, erinnert sich dann aber plötzlich daran, dass es ja zu erschöpft zum Laufen ist, und getragen werden muss. Wenn ich dann komme, um es ab jetzt weiter zu tragen, wird es wütend (auf sich selbst, schätze ich, für seinen Lauf-"Fehler" ;-)). Anstatt sich aber ab dort, wo es schon hingelaufen war, tragen zu lassen, LÄUFT es wieder zurück zum Ausgangspunkt (um seinen Fehler sozusagen zu korrigieren), und bricht dann dort bühnenreif zusammen, um sich von Anfang an tragen zu lassen :D.
Kattirina mit Sommersohn 2011
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Re: AW: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo Kattirina,

danke. Du sprichst mir aus dem Herzen und unsere Kinder scheinen zudem recht ähnlich.

Ich glaube auch das die traumatische Kitaerfahrung eine Regression ausgelöst hat. Die Entwicklung hat einen Rückschritt gemacht und die Loslösung von mir war kurzzeitig ja auch komplett weg aber das wird ja alles zum Glück wieder besser momentan.

Letztens hat er auch mal zwei Tage keinen Mittagsschlaf gemacht und schlief dann plötzlich abends ganz schnell ein. Ich dachte mir dann auch das es vll an der Zeit ist ohne mittags zu schlafen. Am Tag drauf wollte er dann aber gern ins Bett mittags und schlief wie immer seine zwei Stunden und abends schlief er aber weiterhin flott ein. Bei uns ist das irgendwie phasenweise. Mal braucht er ewig und dann wieder geht es ganz schnell, unabhängig vom Tagschlaf. Sehr komisch :-) durch das stillen liegt er ja auch ganz still, egal wie lange es dauert und ich lese am Handy.
Mittags ist es auch sehr unterschiedlich. Mal ruft er mich nach einer Stunde und will noch ne Stunde stillen und dann schläft er wieder zwei Stunden allein und ich muss ihn aufwecken.

Letzte Nacht hat er auch wieder durchgeschlafen von 21 uhr bis 6.15 Uhr heut früh. Vor dem Kitastart hatten wir das öfter aber seitdem braucht er mich wahrscheinlich nachts einfach wieder mehr.
Stören tut mich nur wenn ich abends nichtmal 1-2 Stunden für mich sein kann und er so schnell wieder aufwacht. Nachts war es hier gott sei dank schon immer recht gut weil ich beim stillen einfach weiterschlafe.

Das mit der Babyphase um den dritten Geburtstag ist interessant. Gehört habe ich das noch nicht bisher.

Lieben Gruß
Antworten

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