Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

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Schnuddelbuddel
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Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo,

unser kleiner Sohn ist vor einer Woche drei Jahre alt geworden und wenn ich andere Gleichaltrige so sehe oder von ihnen höre, kommt es mir so vor als wäre unser Sohn noch ziemlich abhängig von uns und einfach noch so Baby.

Er stillt noch ordentlich zum Beispiel, tagsüber habe ich es reduziert aber wenn er Frust oder sich weh getan hat, dann fordert er es stark ein.

Ein Thema was mich langsam ziemlich nervt ist das Schlafen. Er ist noch nie ohne Stillen eingeschlafen. Ich liege also jeden Abend bei ihm im Bett und es kann durchaus auch mal zwei Stunden dauern bis er endlich schläft, obwohl er selbst entschieden hat ins Bett zu gehen und auch müde ist.
Dann schläft er unterschiedlich. Mal nur eine Stunde, mal schläft er selten durch bis morgens und mal ruft oder weint er nachts. Aktuell ist es meist so 1,5 Stunden die ich für mich habe und er weint dann oft wenn ich mich gerade 10 min in mein Bett gelegt habe.

Er will dann wieder gestillt werden und ich muss dann auch die restliche Nacht bei ihm liegen. Wenn ich nachts mal auf Klo muss gibt es furchtbares Geschrei und ich muss ihn mitnehmen.

Mittags muss auch gestillt werden, oft schläft er dann eine Stunde und dann muss ich noch eine Stunde bei ihm liegen und er schläft mit Brust im Mund damit er einigermaßen ausgeschlafen ist.

Dann will er noch oft getragen werden aber nur auf dem Arm. Wenn er aufwacht muss ich ihn ins Wohnzimmer tragen und auch wenn wir unterwegs sind fordert er es oft ein.

Trocken ist er auch noch nicht aber da denke ich das noch Zeit ist und er kann es ansich schon. Er kann sich nur von der Windel nicht so recht trennen.

Vielleicht ist ein Grund das er immernoch mit mir zu Hause ist. Wir hatten versucht ihn Ende August in der Kita einzugewöhnen aber er tat sich schwer und es lief dort nicht so optimal. Nach drei Wochen hatte er ein Trennungstrauma und wir haben ihn abgemeldet.

Wenn ich etwas verweigere, also stillen oder tragen oder auch irgendwas, dann gibt es furchtbares Drama. Ich habe schon immer ein Problem mit seiner fordernden Art die er hat seit er zur Welt kam. Ich habe mich damit arrangiert indem ich seine Bedürfnisse meist erfülle und mich zurückstelle. Ich habe schon Auszeiten wenn der Papa hier ist, anders wäre das nicht machbar aber natürlich hängt er auch viel an mir.

Nun ist die Frage ob wir etwas ändern sollen?
Bisher dachte ich das ich einfach durchhalte bis er sich von selbst abstillt oder durchschläft und ich eben mal durchatmen kann wenn er in der Kita ist aber nun ist er ja erstmal weiterhin bei mir zu Hause und hängt mir quasi 24 h am Rockzipfel und weint und tobt hier um mich rum.

Der große Bruder ist auch oft genervt von ihm weil einfach kaum etwas in Ruhe möglich ist. Beim spielen wütet er ständig und bei den Hausaufgaben stört er.
Er flüchtet sich dann zu den Großeltern und hat dort seine Ruhe.

Ich hab mir beim Kleinen mit meiner Bedürfnisorientiertheit wohl selbst mein Leben schwer gemacht aber ich kann eben nicht anders.
Und nun? Hat jemand Tipps oder Erfahrungen?

Danke fürs Lesen, das hilft schonmal.

Liebe Grüße
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Lotti
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Lotti »

Hallo Schnuddelbuddel, das klingt aber echt anstrengend!
Was mir beim Lesen aufgefallen ist: Du schreibst immer ich muss. Ich muss bei ihm liegen, ich muss ihn rumtragen....ich würde mich an Deiner Stelle ganz ehrlich fragen: Muss ich das wirklich?
Ich hab vielleicht leicht reden, aber ich finde dass ein dreijähriges Kind verstehen kann, dass Mama auch Bedürfnisse hat. Ich denke nicht, dass bedürfnisorientiert handeln bedeutet, dass Du allerhand machen "musst", was Dich stresst und was Du eigentlich nicht machen willst (mir gutem Recht!). Was soll denn Dein Kind daraus lernen, dass seine Bedürfnisse grundsätzlich über Deinen stehen?
S. mit Töchtern (März 2012 und Dezember 2015)
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Tutti
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Tutti »

Ich stimme da Lotti absolut. Bedürfnisorient bedeutet nicht, dass du all seine Bedürfnisse ERFÜLLEN musst. Es heißt, dass du sie anerkennen und verstehen und auch verbalisieren kannst.
Du hast auch Bedürfnisse. Du hast Grenzen. Und zu denen solltest du stehen.
Allerdings wirst du seinen Ärger, das 'Drama' ertragen müssen während der Umstellung.
Als ich meine Tochter tagsüber abgestillt habe, als ich mich geweigert habe sie auf dem Arm zu tragen, weil es zu schwer wurde, da hat sie sich so geärgert! Völlig zu Recht. Ich habe immer gesagt "Ich will tagsüber nicht Stillen!"
Also es ganz klar benannt, wie es ist und nicht gesagt "Du brauchst das tagsüber nicht mehr" oÄ.
Es geht also nicht darum, die Bedürfnisse alle zu erfüllen. Es muss allen damit gut gehen... Meiner Tochter helfen ganz klare und verlässliche Regeln übrigens. Also nicht mal das Stillen verweigern und es mal zulassen. Das steigert ihren Frust und ist für sie auch nicht nachvollziehbar. Also sie braucht immer Klarheit. Sowas wie "Ich möchte nur noch Zuhause Stillen /Ich stille dich nur noch zum Schlafen /Entweder du läufst selber oder ich trage dich im Sling" etc.
Und dann den Frust aushalten.
Ihn also in seinem Ärger verstehen und ihm seine Wut und seinem Ärger zu gestehen und es eben aushalten.
Bei klaren, verlässlichen Abmachungen wird der Frust schnell verschwinden.
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E (05/12)
R (07/16)
Schnuddelbuddel
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo,

oh schon zwei Antworten. Danke sehr.

Liebe Lotti, bei deinem ersten Satz musste ich fast weinen. Ja, es ist alles so anstrengend hier und es tut gut das mal zu hören.

Ich weiß einfach gar nicht mehr welche Bedürfnisse ich habe. Als der Kleine zur Welt kam und so ein furchtbar unglückliches Baby war habe ich lange gebraucht um damit zurecht zu kommen und dann hab ich einfach Schadensbegrenzung betrieben indem ich nichts mehr getan habe außer mich um dieses Baby zu kümmern und vielleicht noch so nebenbei ein wenig um den Großen.

Es wurde natürlich besser aber ich habe wohl den Ausstieg verpasst.

Ich muss ihn natürlich nicht stillen und tragen bzw. muss ich irgendwie doch weil ich ihn schwer unglücklich sehen kann und gerade bei den zwei Themen ist er dann oft wirklich verzweifelt.
Ich frage mich dann wer mehr leidet und das ist in meinen Augen natürlich immer das Kind. Zudem macht mich das ständige Geheule wirklich sehr schnell wütend und zermürbt weil er eben auch so im Alltag schon oft weint ohne das es zu ändern ist.

Ja das bekommt er bisher wohl wirklich falsch vermittelt, also das seine Bedürfnisse wichtiger sind. Ich habe das von meiner Mutter auch nur so erlebt und mache das wohl nach.

Ich danke dir für die Anregungen und werde da noch weiter drüber nachdenken.

Liebe Tutti, auch dir vielen Dank für deine Mühe.

Ja um Drama komme ich wohl nicht herum. Ich bin mir manchmal nicht so recht sicher wo meine Grenzen liegen wenn ich ehrlich bin.
Dann denke ich das er doch noch klein ist und ich vielleicht einfach zu bequem aber immer passt das sicher nicht und er ist es gewöhnt das er meist bekommt was er möchte.

Danke für deinen Tipp mit dem klar benennen, das ist hier bestimmt auch hilfreich.

Ich sollte wirklich anfangen nur noch das zu machen was für mich auch in Ordnung ist. Ich werde das mal versuchen denk ich.

Mit dem Stillen muss ich mir mal überlegen wie das grundsätzlich okay ist. Bezüglich des Schlafens muss ich auch mal sehen, es wäre so toll wenn ich abends einfach immer mal ein paar Stunden für mich hätte.
Wie ist denn das bei euch? Stillst du das Maikäfermädchen in den Schlaf? Und wie schläft sie dann?

Liebe Grüße
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Madaya »

Weißt du, in dem Alter wird aus vielem ein Drama. Die kleinen wollen ihren Willen.
Auch wenn du es gut meinst, tust du ihm keinen gefallen, wenn du ihm seinen Willen immer gewährst!
Er möchte sich von dir abgrenzen.
Und er ist alt genug, um Worte zu verstehen.
Erkläre ihm, dass du möchtest, dass er zb im bett bleibt. Dass du das nicht böse meinst, sondern weil nachts schlafenszeit ist.

Eine gute Mutter ist nicht die, die sich aufopfert, sondern die, die klar ihre Wünsche formuliert!

Ich wünsche euch das beste :)
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Mijoco »

Schnuddelbuddel hat geschrieben:Ich habe mich damit arrangiert indem ich seine Bedürfnisse meist erfülle und mich zurückstelle.
Das ist genau der Punkt, an dem du meiner Ansicht nach dringend etwas ändern solltest. Und ja, er wird da sicher seinen Frust lautstark kundtun. Aber er ist drei Jahre alt und kann das dann auch aushalten, wenn du ihn liebevoll darin begleitest.
Jesper Juul hat bei einer Veranstaltung in Stuttgart mal so schön gesagt, dass die Kinder mehr einfordern als sie wirklich brauchen und es daher völlig ok ist, wenn sie auch mal zurückstecken müssen. Ich finde es ganz wichtig, dass man auch die eigene Grenzen wahrt. Das sind eben genau die Grenzen, die Kinder tatsächlich brauchen.
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Marlio »

Hallo liebe Schnuddelbuddel,

die Beschreibung deines Sohnes kommt mir sehr bekannt vor. Ich hab auch so ein Exemplar zu Hause. Eher unzufrieden (wacht immer noch meistens heulend auf, egal ob mittags oder morgens), sehr bedürfnisstark und dabei auch noch sehr willensstark. D.h. er will ständig etwas und er weiß auch ständig was er will. Er kann mich locker den ganzen Tag damit beschäftigen, dass ich das tue was er will. Und mir ging es wie Dir, ich finde es extrem schwer den Punkt zu finden, an dem es nicht mehr ein akutes Bedürfnis ist. Ich finde auch heute noch dass es als Baby richtig und wichtig war, viele Dinge zu erfüllen, vermutlich hab ich manches aber zu prompt gemacht, wodurch er einfach nie gelernt hat zu warten. Bei vielen Kindern ist das sicher kein Problem, die sind von sich aus nicht so ungeduldig - meiner aber schon (nun gut, da muss ich mich wohl feste an meine Nase fassen und gar nicht fragen woher er das hat).

Ich war lange extrem unsicher, wie ich mit diesen Forderungen umgehen kann und möchte. Jetzt wird er bald 2, versteht viel mehr und brauch vieles nicht mehr so dringlich. Ich bin für mich selber zu der Überzeugung gekommen, dass es auch für ihn selbst wichtig ist, eine gewisse Frustrationstoleranz zu bekommen. Denn wenn er nichts bis wenig aushält, haben alle Parteien nur Stress. Er bekommt Stress weil es nicht so oder so schnell läuft wie er möchte, ich bekomme Stress weil mich das Geschrei stresst und das widerum beeinträchtigt unseren Tag. Außerdem rutsche ich dann in so ein "funktionieren" rein und merke manchmal wie ich innerlich abschalte. Das kann ja dann auch nicht Sinn und Zweck sein. Also hab ich gewisse Dinge eingedämmt und verändert... langsam, bzw. bin noch immer dabei - wobei sowas ja immer ein dynamischer Prozess ist!

Was ich z.B. festgestellt habe: Wenn er mit mir spielen will und ich kann/möchte nicht und bin darin Konsequent, dann dauert das natürlich seine Zeit, aber irgendwann spielt er dann alleine und das wirklich toll. Wenn ich mit ihm mit spiele, dann spielt er weniger selber, als das er mir sagt was ic h machen soll (z.B. mit dem Schraubenzieher schrauben... er schraubt dann nicht selber sondern sagt mir wo ich schrauben soll... alle 5 Sekunden wo anders). Letztes Wochenende habe ich das erste Mal meinen Mann mit ihm zum Mittagsschlaf geschickt und bin auch trotz furchtbarem Geheule nicht zu ihnen rein (und mein Mann hat mich zum Glück auch nicht geholt). Es hat 10 Minuten gedauert, dann hat er geschlafen - und er war nicht alleine sondern sein Papa war bei ihm! Klar war es eine neue Situation und er fand das nicht gut, aber Abends kann er ja auch ohne mich im Buggy einschlafen, also BRAUCH er mich ja nicht mehr zwingend um schlafen zu können - er möchte es aber natürlich gerne so haben.

Was mir auch noch aufgefallen ist in letzter Zeit, mein Mann frägt ihn viel. Man muss dazu sagen, dass L. schon lange sehr gut spricht, also zumindest so dass er alles sagen kann was er will, was dazu geführt hat, dass man viel Rücksicht auf seine Meinung genommen hat, einfach weil er in der Lage war sie auszudrücken und auch immer sehr deutlich war, was er jetzt will oder nicht will. Aber das nimmt jetzt einfach Dimensionen an, die man nicht mehr leisten kann bzw. will... Wenn man ihn lassen würde, dann würde er beim Essen sämtliches Besteck durchprobieren (nur mal als Beispiel). Große Gabel, kleine Gabel, Plastikgabel - und dann kämen die Löffel dran. Sowas geht einfach nicht, da kommt keine Mensch mehr dazu in Ruhe zu essen. Ich achte mittlerweile sehr darauf dass ich bei Dingen die ich wichtig finde nicht Frage, sondern sage was ich möchte. Als Beispiel ich frage ihn nicht ob er Hunger hat, sondern ich sage ihm dass wir jetzt essen und uns dazu an den Tisch setzen. Wenn er dann am Tisch keinen Hunger hat, dann muss er natürlich nichts essen, das ist klar! Aber ich diskutiere da nicht im Vorfeld mit ihm rum und biete ihm lauter Dinge an (Hast Du hunger? Möchtest Du ein Brot oder eine Banane? Willst Du ein Butterbrot oder Wurst drauf...etc.). Wenn er sitzt und das Butterbrot nicht möchte sondern lieber eine Banane, dann ist das ok.

Wenn man das jetzt liest hört es sich vielleicht streng an. Das ist es aber absolut nicht. Wir sind gerade dabei, unseren Weg zu finden, so das alle gut damit zurecht kommen und auch für L. etwas dabei raus springt, er entspannter ist und einfach auch mal ein negatives Gefühl aushalten kann ohne gleich in völliges Drama zu verfallen. Dazu müssen und mussten wir aber auch schon genug Drama aushalten und oft genug knicke ich dann auch ein, bzw. entscheide dass es in dem Moment nicht passt. Übrigens ist das Stillen bei uns gerade kein so großes Thema, dafür aber das Brustzubbeln während dem Schnullern. Dazu hab ich noch keine eindeutige Haltung gefunden und ertrage da oft über meine Grenzen hinaus. Mein erster Schritt ist, das bewusst zu erkennen, das es gerade über meine Grenze geht und ich eigentlich so gar keinen Bock darauf hab.

Ich hab Dir jetzt sehr ausführlich geschrieben, einfach weil ich mich so sehr gut in Deine Situation versetzen kann und es mir so schwer viel, einen Ansatzpunkt zu finden. Vielleicht ist irgendwo ein Punkt für Dich dabei oder es hilft Dir, wie mir, die Erkenntnis, dass man seinem Kind mit ständiger und prompter Wunscherfüllung im Endeffekt keinen Dienst erweist. Ein Kind will und soll ja auch unabhängiger von der Mutter werden (können), dabei sollte man es unterstützen. Und dazu gehört in manchen Fällen wohl auch, sein Kind vor eine kleine Herausforderung zu setzen und die dann gemeinsam zu überwinden. Hach, so reflektiert geschrieben hört sich das alles einfach wunderbar an... im Alltag fühlt sich das aber meistens ganz und garnicht so an :mrgreen:

Liebe Grüße!
Unser Blubberchen kam am 26.11.12 zur Welt - "Wir lieben Dich weit inniger, als Licht und Luft und Freiheit!"

Wenn ein Kind...
-kritisiert wird, lernt es zu verurteilen. -angefeindet wird, lernt es zu kämpfen. -verspottet wird, lernt es schüchtern zu sein. -beschämt wird, lernt es sich schuldig zu fühlen.
-verstanden und toleriert wird, lernt es geduldig zu sein. -ermutigt wird, lernt es sich selbst zu vertrauen. -gelobt wird, lernt es sich selbst zu schätzen. -gerecht behandelt wird, lernt es gerecht zu sein. -geborgen lebt, lernt es zu vertrauen. -anerkannt wird, lernt es sich selbst zu mögen. -in Freundschaft angenommen wird, lernt es in der Welt Liebe zu finden.
(Text über dem Eingang einer tibetischen Schule)
nido56
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von nido56 »

Hallo,

ein bisschen erinnert mich das an meinen Sohn, seit Geburt ein anspruchsvolles Kind, das sich als Baby nie hat ablegen lassen, nachts alle halbe bis alle 2 Stunden stillen wollte und bis heute massiv Aufmerksamkeit fordert. Da ich schon sehr frueh wieder in den Beruf zurueckgekehrt bin, bin ich ziemlich bald an meine Grenzen gestossen. Mit 18 Monaten habe ich ihn nachts abgestillt, weil er noch immer sehr haeufig und sehr zappelig gestillt und mich damit immer richtig aufgeweckt hat (als kleines Baby war das kein Problem, da konnte ich beim Stillen weiterdoesen). Mit 2 Jahren habe ich dann ganz abgestillt, weil er sich nicht auf Kompromisse wie "nur morgens und abends im Bett" einlassen wollte und das Stillen auch immer sehr vehement eingefordert hat. Damir habe ich mich einfach nicht mehr wohlgefuehlt.

Vor dem Abstillen hatte ich ziemliche Angst, aber im Endeffekt hat er nur die ersten 2 Tage heftig protestiert und es dann ziemlich schnell akzeptiert. So grosse Kinder verstehen ja auch schon viel. Manchmal koennen wir den Kindern ruhig mehr zutrauen!

Er ist noch immer kein einfaches Kind und sicherlich auch noch weniger selbstaendig als viele andere Kinder in seinem Alter, aber ich habe inzwischen begriffen, dass er durchaus in der Lage ist, zu lernen, dass er sich auch manchmal auf MEINE Beduerfnisse einstellen muss.

Ich wuerde mir an Deiner Stelle ueberlegen, was Dich besonders stoert und dringend veraendert werden muss. Nicht alles auf einmal veraendern, sondern wirklich ganz konkrete Dinge (z.B. nicht mehr ausser Hauses stillen oder mit Papa ins Bett gehen). Das wuerde ich ihm dann klar und deutlich kommunizieren und seine Wut und Traurigkeit dann aushalten.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Tutti
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Tutti »

Ich schließe mich Nidos letztem Absatz an. So würde ich es auch vorschlagen.
Und ich kann deine Gedankengänge so gut nachvollziehen.... Ich habe mein Bedürfnisse am Anfang auch immer zurück gestellt. Bei Babys klar. Sie war auch Bedürfnisstark.
Aber weißt du, was der Clou ist? Es geht ihr BESSER mit den neuen Abmachungen. Beispiel : Wir waren jeden Montag vormittags in einer Spielgruppe. Sie ist eher ein sensibler Typ und die Gruppe war für sie recht fordernd und aufregend. Deswegen hat sie, ungelogen, alle fünf Minuten gestillt. Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag hab ich ihr morgens gesagt, dass ich sie heute in der Spielgruppe nicht Stillen werde. Erst wieder Zuhause. Das sagte ich immer wieder. Es dauerte drei Wochen, also drei Treffen lang, bis sie nicht mehr schrie und weinte und stark protestierte in der Spielgruppe. Und dann ab dem vierten Mal hatte sie sich andere Werkzeuge zurecht gelegt und spielte so engagiert und konzentriert, wie noch NIE zuvor in der Spielgruppe. Dass sie nicht ständig die Option hatte zu Stillen, tat ihr und ihrem Spiel sehr gut. Und ja, die Umstellung war echt ätzend ;)
Ich habe Ihre Gefühle, ihren Ärger nie begatellisiert, sie begleitet. Und wir haben beide davon profitiert.

Hab Mut zu dir und deinen Grenzen zu stehen. Das macht dich in keinster Weise zu einer schlechteren oder unliebevollere Mutter.

Ach und noch zu deinen Fragen :Ich stille sie in den Schlaf. Sonst nicht. Nur zum Schlafen. Ich weiß recht sicher, dass sie noch nicht dazu bereit wäre, das los zu lassen. Und das ist ok. Noch ;)
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Re: Dreijähriger ist noch zu sehr(?) Baby

Beitrag von Tutti »

Hups, eine deiner Fragen vergessen : Sie schläft scheiße ;) Immer schon. Stillt alle zwei Stunden. Länger hab ich in den letzten zwei einhalb Jahren nie geschlafen ;)
Aber ICH habe grade weder Kraft noch Kapazität das an zu packen.
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