ich komme gerade von etwa einstündigem Schlafen-gehen-versuchen. Der Papa hat mich gerade abgelöst und liegt jetzt bei dem Kleinen.
Dass es extrem frustrierend ist, muss ich, denke ich, keinem erklären.
Er tut mir so leid, und ich weiß einfach nicht, was er hat. Gestern nachmittag hatten wir auch so eine Episode, das war das erste Mal.
Ich habe alles probiert, was mir einfiel, er will nicht nuckeln, er will nicht stillen, er will nicht getragen werden, er will nicht neben mir liegen, er muss nicht aufs Klo (abhalten hab ich nur einmal ganz am Anfang probiert, danach war er mir zu aufgewühlt), er will nicht gewiegt werden, singen hilft nicht (das hat ihn noch nie ins Träumeland befördert, weil er dann viel zu fasziniert ist davon und man nie aufhören dürfte), Zahnfleisch massieren hilft nicht, ... Irgendwann hatte ich das Gefühl, er schreit nur noch, weil er so viel schreien musste. Und keiner ihn versteht. Das tut so unheimlich weh...
Wir machen jeden Tag das Gleiche, wenn ich merke er ist müde (quengelt ein wenig, kleine Augen, müde, das übliche halt), gehen wir nach oben, dunkeln gemeinsam den Raum ab, ich rede ruhig und "bärig" mit ihm und lege ihn in die Wiege (sofern er keinen Hunger hat, und nicht gestillt werden möchte). Er wird ein Weilchen gewiegt und schläft. Ich wiege noch weiter, bis ich wirklich sicher bin, dass er schläft (meist erkenne ich das an einem sehr speziellen Seufzer) und gehe runter. Ganz selten wacht er nach fünf Minuten nochmal auf und ich wiege ihn wieder, das war bisher sehr unklompiziert. Gestern und heute aber konnte er dann nicht mehr einschlafen. Er gähnt zwar, aber er kann einfach nicht aufhören zu schreien. Probiere ich nach ein paar Minuten etwas anderes aus, hält er kurz inne und ich denke schon, er erholt und entspannt sich, und dann gehts wieder los. Als ich mich dann mit ihm ins große Bett gelegt habe (in dem wir nachts zu dritt schlafen) und ihm die Brust angeboten habe, hat es wieder so ausgesehen, als würde es, aber nein. Er hat ruhiger geatmet und geseufzt und dann habe ich den Fehler gemacht, mein Bein etwas anders hinzulegen, und -zack- ist er wieder am Brüllen.
Das Ganze mag für Schreibabymütter sehr mild klingen, es war ja "nur" eine Stunde und auch erst das zweite Mal, vielleicht bin ich einfach überempfindlich. Aber nachdem er soetwas die letzten dreieinhalb Monate nie gemacht hat, möchte ich verstehen. Ich weiß ja nicht, was er alles aufnimmt und wie er es verarbeiten muss, aber es ist so schrecklich, wenn er um Hilfe ruft, und ich nichts, gar nichts tun kann.
Mein Freund hat ihn ab und an gepuckt, weil er dann länger schlafen kann (er schrickt sonst manchmal nach einer viertel oder halben Stunde hoch und ist putzmunter) - das hat uns die Hebamme gezeigt und ich habe nicht sehr viel davon gehalten. Ich kann jetzt gut nachvollziehen, ab welchem Punkt Eltern das tun, und ich verstehe auch meinen Freund, wenn er sagt "wenn es ihm Geborgenheit gibt und er dadurch länger schlafen kann...". Ich habs heute versucht, aber Fehlanzeige.
Ja, soeben hat sich die kleine Raupe beruhigt und nuckelt müde an seinen Händen.
Es ist so schade, dass er im Hellen nicht mehr schlafen kann, das war so nett, ihn hier bei uns zu haben, ihm beim Schlafen zuzusehen...
Machen wir irgendetwas grundlegend falsch?
Meine Mutter war gestern hier und hat das Ganze mitbekommen und gemeint "Das ist aber ganz blöd, weil wenn er lernt, dass er aus der Wiege geholt wird, wenn er lange genug schreit, dann macht er das immer." Sie hat es nicht direkt gesagt, aber die logische Schlussfolgerung wäre "Lasst ihn schreien, dann weiß er, dass er schlafen muss, auch allein".
Vielleicht ist ja hier jemand, dem es ähnlich erging, und der irgendwie einen wärmeren, lebensbejahenden Vorschlag für unsere Situation hat... Ich hoffe es...
Bis dahin alles Liebe



