Mütter stillen oft nicht

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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LiJu
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von LiJu »

Stillen hat leider auch im Vergleich zu Pulver- oder Gläschennahrung so wenig Lobby. Ich glaube auch, dass viele Frauen oft schlecht bis gar nicht beraten werden wenn Probleme beim Stillen auftreten. Leider werden viele Mütter heute von Ärztinnen beraten, die selber nicht oder nur kurz gestillt haben und auch veraltete Ansichten zum Thema stillen vertreten. Ich find das sehr schade!
Wenn ein Baby abends unruhig ist hat es Bauchweh weil die Stillmama was falsches gegessen hat und wird nicht satt weil zu wenig Milch da ist. Also raten viele Kinderärzte und leider auch manche Hebammen zu einer Flasche Pre am Abend. Außerdem schlafen die Kinder dann ja auch angeblich sofort durch :roll: Oft fangen damit die Stillprobleme an und plötzlich wird aus dem Stillkind ein Flaschenkind :shock: jedenfal :tt_ruecken_1: ls konnte ich diesen Weg in meinem Umfeld häufiger beobachten.
Ich kenne auch einige Frauen, die nicht stillen weil sie unabhängiger sein wollen. Ich glaube aber, dass auch da ganz viel Einfluss von außen kommt. Wir leben eben in einer Leistungsgesellschaft und da soll auch eine junge Mutter trotz Baby noch abends am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und am besten auch noch ein paar Stunden arbeiten. Stillen scheint da im Weg zu sein :(
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LiJu
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von LiJu »

Huch, da ist ein :tt_ruecken_1: in meinen Text gehüpft. Der sollte da eigentlich nicht sein. Sorry :oops:
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annikki
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von annikki »

ich habe meinen großen auch nur 3 monate gestillt. stillen pumpen zufüttern - drei monate. warum? unerkannte halsblockaden beim kind, verbunden mit schmerzen beim anlegen, nicht -mehr zur-mama-wollen. ich hatte eine riesen depression. die hebamme riet zum abstillen. es lief eine menge schief, was sicher dazu beitrug, dass ich meinen sohn nicht stillen konnte.

bei meiner kleinen wußte ich, was ich zu tun hatte. ich habe nur die ersten tage zufüttern müssen, es dann aber zum vollstillen geschafft. was ich aber von den hebammen hörte, egal ob im kh oder von meiner nachsorgehebi, die frage: "was wollen sie: vollstillen oder nicht?" danach wurde entschieden, wieviel hilfe einem zu teil wurde. ich habe aber auch bemerkt, dass bei den hebammen, und gerade auch bei den jungen, der vier-stunden-rythmus immer noch in den köpfen schwirrt. stillt man häufiger, bringt das schon mal ihre pläne zu fall und man bekommt einen rüffel.
zum anderen haben viele hebammen überhaupt keine vorstellung von der größe eines neugeborenenmagens. man braucht in den ersten tagen keine 20ml milch für eine mahlzeit, um den kleinen mini satt zu bekommen. es reicht auch weniger. meine nachsorgehebi hatte immer murmeln mit, um einem die größe zu verdeutlichen. das beruhigt doch sehr, wenn man meint zu wenig milch zu haben.

aber es stimmt schon, bei einigen nicht stillenden müttern ist es auch bequemlichkeit. da können die omis auch mal mit dem kind spazieren gehen, die schieben dann eben schnell die flaschen in den wagen, wenn das kleine weint. alles viel entspannender, als wenn man immer beim kind sein muss.

aber auch nicht gestillte kinder werden groß und werden geliebt. das sollte man nicht vergessen. ich habe auch viel nicht-verständnis geerntet, weil ich meinen großen nicht gestillt habe. viel wurde das mit nicht-lieben gleichgesetzt. so ist es nicht! ddas sollte man immer im hinterkopf behalten.
Liebe Grüße Anni

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nido56
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von nido56 »

Ich denke, es ist klar, dass in unserem Kulturkreis viel Muetter schnell aufhoeren zu stillen, weil es Probleme gibt und sie keine fachgerchte Unterstuetzung zu deren Ueberwindung erhalten. Was mich so wundert, ist das gehaeufte Auftreten all dieser Probleme. Meine Freundinnen haben eigentlich alle mindestens 6 Monate voll gestillt, aber bei praktisch keiner war der Stillbeginn problemlos (auf jeden Fall nicht beim ersten Kind). Alle hatten erstmal zu kaempfen mit wunden Brustwarzen oder Anlegeproblemen oder zuwenig Milch.

Treten in anderen Kulturen diese Probleme gar nicht erst auf? Wenn das so ist, warum? Weil wir beim ersten Kind schon zu alt sind? Weil unsere Kinder selten natuerlich geboren werden und wir deshalb keinen guten Stillstart haben? Oder was? Oder gibt es solche Probleme ueberall auf der Welt, aber andere Frauen gehen damit gelassener um und haben Muetter, Tanten, weise Frauen etc., die sie unterstuetzen?
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Nema
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von Nema »

Ich kenne hier auch ganz viele Fälle, wo es schlechte Beratung war, bzw. wo die Hebamme schlicht "zu wenig Milch" diagnostiziert hat. Das finde ich insbesondere dann schade, wenn die Mütter wahnsinnig gerne gestillt hätten.

Ich kenne aber auch einen Fall, in dem die Mutter nicht stillen wollte und es also gar nicht erst angefangen hat. Das ist gesellschaftlich total verpönt und sie musste sich eine Menge anhören. Wenn man anfängt und es nach 3 Wochen "nicht mehr reicht", ist für die meisten Leute die Welt in Ordnung denn die Mutter hat sich ja bemüht. Mir persönlich ist es sehr wichtig mein Kind zu stillen aber ich finde dieses Verhalten der Umwelt wirklich seltsam. Es ist schließlich eine von 10000 Entscheidungen einer Mutter und auch wenn es mit Bequemlichkeit zu tun hat, ist es doch okay. Es ist ja keine Kindesmisshandlung die Flasche zu geben. Ich würde mir sehr wünschen, dass man für alle Lebensentwürfe da toleranter ist. Die gleichen Menschen, die nichtstillende Mütter verurteilen, reden dann nämlich auch über LZS Mütter.

Nido, sehe Dich gerade in der Vorschau. Also ich kenne eigentlich auch niemanden, der am Anfang nicht wenigstens mit wunden Brustwarzen zu kämpfen hatte. Ich vermute, dass es das überall gibt und die Frauen das aber vielleicht vorher wissen oder schon bei anderen Müttern mitbekommen haben. Und man darf auch nicht vergessen, dass häufig gerade in ärmeren Ländern gar nicht mehr so viel gestillt wird wie wir glauben. Also wenn es sich eine Mutter z.B. in Mexiko leisten kann ihrem Kind Pulvernahrung zu geben, so wird sie das mit hoher Wahrscheinlichkeit tun. Stillen tun dann eher die wirklich armen Mütter oder die Mütter aus sehr gebildeten Schichten.
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von jusl »

Treten in anderen Kulturen diese Probleme gar nicht erst auf? Wenn das so ist, warum? Weil wir beim ersten Kind schon zu alt sind? Weil unsere Kinder selten natuerlich geboren werden und wir deshalb keinen guten Stillstart haben? Oder was? Oder gibt es solche Probleme ueberall auf der Welt, aber andere Frauen gehen damit gelassener um und haben Muetter, Tanten, weise Frauen etc., die sie unterstuetzen?
Da stellst Du interessante Fragen.
(Vorweg: Ich hatte tatsächlich KEINERLEI Stillprobleme (Schmerzen, wunde BW, Stau - NIX!..), weder beim ersten Kind noch bei den folgenden - und ich weiß, dass ich damit kein Einzelfall bin. ;-))

Ich kenne leider keine Publikationen dazu, also zu der Frage etwa, ob Frauen aus Norwegen oder Japan und Argentinien genauso häufig wunde BW zu Beginn der Stillzeit haben wie Frauen aus Deutschland.
Aber wenn ich mal raten sollte, dann sind für mich zwei Aspekte vorherrschend:

1. Stillen ist zwar biologisch angelegtes, aber dennoch ERLERNTES Verhalten. Und bei Dingen, die erst gelernt werden müssen, machen Menschen normalerweise zunächst mehr oder weniger viele Fehler, einfach weil Wissen und Übung fehlen. Die Frage ist, ob dieser Lernprozess wirklich erst mit der Geburt des ersten eigenen Kindes beginnen muss (viele Frauen hatten bis dahin NOCH NIE ein Baby im Arm!..), wie hierzulande üblich, oder ob Mädchen7Frauen nicht "von Kindheit an" das Stillen lernen können sollten: Durch Beobachtung, Nachahmung, Vorbilder in der Familie, Teilhabe am Alltagserleben anderer stillender Frauen...

2. Die Umstände, unter denen eine Frau Schwangerschaft und Geburt erlebt, beeinflusst maßgeblich die Stillzeit, zumindest auf jeden Fall den Stillstart; das ist gut untersucht. In der Betreuung rund um Schwangerschaft und Geburt gibt es bei uns noch reichlich Verbesserungspotenzial, insb. in Hinblick auf die derzeitige Pathologisierung und Problematisierung, die seit einigen Jahrzehnten "modern" ist. Von "ganz selbstverständlich stillen/gebären/..." sind wir weit entfernt. Nach reibungslosen Hausgeburten ist meines Wissens nach die Quote an Stillproblemen deutlich geringer, auch bei Erstgebärenden. Also: es liegt mit Sicherheit nicht nur an den Frauen selbst, sondern auch am "System".

Intessantes Thema jedenfalls! :D

LG
Julia
nido56
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von nido56 »

Danke fuer Deine Einschaetzung als Profi :-)

Ich stimme mit Dir ueberein, dass es schwierig ist, Stillen und allgemein "Babyaufzucht" zu lernen, wenn man vor der Geburt des eigenen Kindes praktisch nie direkten Kontakt mit Babys hatte. Bei meinen Freundinnen sehe ich auch klar, dass das Stillen beim zweiten oder dritten oft besser klappt als beim ersten. Die Uebung macht also viel aus.

Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass wir in einer Kultur leben, in der wir gewoehnt sind, alles mit Hilfe der Technik kontrollieren zu koennen. Etwas so "Elementares" wie das Stillen verunsichert uns, glaube ich oft.
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Kekks
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von Kekks »

nido56 hat geschrieben:Ich frage mich oft, ob mein etwas trinkschwacher Winzling, der die ersten Wochen zugefuettert werden musste, weil er nicht kraeftig genug gesaugt hat und bei mir die Milch nur sehr, sehr schleppend kam, in einer anderen Kultur oder Zeit einfach gestorben waere, oder ob ich irgednwas haette anders machen koennen, um diesen schwierigen Start zu verbessern. Wenn er z.B. nach der Geburt nicht sofort Glukose bekommen haette, weil er so leicht und etwas unterzuckert war und sich nicht gleich anlegen liess, waere er dann irgendwann doch von selbst an die Brust gegangen und alles waere anders gelaufen?
Wie leicht war denn dein Baby? Mein erstes war auch sehr leicht - fast eine Frühgeburt. Wir hatten eine anstrengende Geburt und sie trank erst nach 24h, weil sie vorher zu müde war. Dann kam noch eine starke Gelbsucht dazu. Mit stillen ist es bei uns aber gut gelaufen.
Ein sattes Baby saugt nicht so stark, wie eines, was eben zugefüttert wurde. Daher kam vielleicht der Anschein, dass er trinkschwach sei?!?
Kekks
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von Kekks »

@ Stillberater:
Meine Beiden hatten etwa 1-2 Wochen nach der Geburt stark zugebissen - immer am Beginn der Stillmahlzeit. Wund wurde ich aber nicht. Es tat halt nur weh. Ich hab hier gelesen, dass es auch schmerzfrei geht. Was hatte ich den falsch gemacht?
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Isabella
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Re: Mütter stillen oft nicht

Beitrag von Isabella »

Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass Flaschenmilch und Zubehör leicht verfügbar und auch leistbar ist. Ich denke, wenn man vielleicht irgendwo im Ghetto lebt überlegt man sich 10x, ob man wegen wunder Burstwarzen wirklich aufgibt (wobei die wenigsten, die ich kenne, "nur" offene Brustwarzen hatten). Aber vermutlich probiert man halt trotz dem x.ten Milchstau alles, wenn man weder Geld noch sauberes Wasser hat... aber Belege habe ich dazu keine, ist nur eine Vermutung.
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