Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

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Zierbanane
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von Zierbanane »

Kate hat geschrieben:Zierbanane, wie willst du denn nächstes Mal reagieren?
Ich würde der Gastgeberin nett sagen, dass mein Sohn seinen Wunsch freundlich geäußert hat und, dass dies genügen muss.
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bienenmeister
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von bienenmeister »

Elena hat geschrieben:
Sandküste hat geschrieben:Je nach Alter des Kindes finde ich auch ein "Ich will ein Brot" höflich und angebracht. Es ist nun mal reiner Ausdruck dessen, was es gerne will. Meine Schwiegereltern kommen dann immer "Wie heißt das? Ich MÖCHTE BITTE! Gewollt wir hier nichts" - da könnte ich jedes Mal wahnsinnig werden. FÜr mich ist ein "ich will ein Brot" eben genauso eine Aussage wie "ich bin müde".
Ich hatte diese Woche mit der Großen (4 Jahre) ein paar nette Gespräche zum Thema. Sie macht sich gerade selber ziemlich Gedanken darüber, was höflich und freundlich ist und was nicht. Sie möchte abends, das ich ihr vorlesen und möchte das höflich formulieren. Sie sagt dann neuerdings "Du darfst mir vorlesen, Mama". :mrgreen: Ich habe ihr erklärt, dass "Du darfst" eine Erlaubnis ist und nicht heißt, dass sie sich das von mir wünscht. Wir haben dann zusammen Formulierungen überlegt, die freundlich sind. Und sie kam von selber darauf, ob es "besser" ist, unfreundlich "bitte" zu sagen oder freundlich ohne "bitte" um etwas zu bitten. Sie war sich da nicht so sicher.

Ich finde es wichtig im Kopf zu behalten, dass es bei so kleinen Kindern nie böser Wille oder Undankbarkeit sind, die dazu führen, dass eine Bitte wie eine Forderung ausfällt. Manchmal können sie sich einfach nicht so ausdrücken, wie sie wollen, oder sie sind wirklich gerade müde/mit den Gedanken woanders/sehr hungrig etc. Das sind dann Fälle, wo man nach meinem Empfinden FREUNDLICH darauf hinweisen kann, wie man sich höflicher ausdrücken könnte.
Danke!
Gaby hat geschrieben:
Sandküste hat geschrieben:So kenne ich das nicht - laufe ich durch die Schule, grüße ich die Lehrer, die ich kenne und die Erzieher natürlich auch. Die, die ich nicht kenne, kann ich nicht grüßen 8)
Interessant, wie unterschiedlich die Gepflogenheiten sind. Ich grüße in der Schule und im Kiga tatsächlich alle Lehrer, Erzieher und Eltern, die ich treffe, egal ob ich sie kenne oder nicht. Hier auf dem Land ist es auch üblich, jeden zu grüßen, der einem entgegenkommt, auch wenn man ihn nicht kennt. Ist mir natürlich schon klar, dass das in der Stadt in der vollen Fußgängerzone anders ist. 8)
An der Schule an der ich Abitur gemacht habe, waren zur Zeit meines Jahrgangs 1500 Schüler :lol: Ich war froh wenn ich das richtige Klassenzimmer gefunden habe 8)
mit Äffchen (02/2012) und Sommerhoffnung (07/2015)
Tragen für Fortgeschrittene: Heute mal ohne Tuch!

.... lost in translation ....
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LaLeMi
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von LaLeMi »

Danke, Elena ! Absolut ! Und das erreicht man wahrscheinlich weniger durch ein hingerotztes, wütendes "Man sagt Bitte !!!"

Ja, zierbanane, das sehe ich ganz genauso. Gute Antwort, finde ich.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Kate
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von Kate »

Danke :mrgreen: , Zierbanane. Mir gefällt die Antwort auch.

Meine ersten Gedanken dazu: Damit nimmt man wohl tatsächlich Wind aus den Segeln, denn - abgesehen davon, dass es ja Spaß zu machen scheint, andere Kinder zu erziehen - geht es den Menschen, die sich daran stören, vermutlich um den vermeintlich fehlenden Respekt und dass dem nicht so ist, ist damit klargestellt.

Gleichzeitig ist das Kind geschützt, ihm ist der Rücken gestärkt.
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Elena
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Re: Anerzogenes

Beitrag von Elena »

Zierbanane hat geschrieben:
Kate hat geschrieben:Zierbanane, wie willst du denn nächstes Mal reagieren?
Ich würde der Gastgeberin nett sagen, dass mein Sohn seinen Wunsch freundlich geäußert hat und, dass dies genügen muss.
Die Reaktion finde ich auch ganz gut, andererseits habe ich Schwierigkeiten damit, mich in jeder Situation vor mein Kind zu stellen. Weil ich denke, das Kind muss sehen, dass andere Menschen Dinge anders sehen als ich - und es muss sich irgendwann selbst ein eigenes Urteil bilden, was eine angemessene Reaktion ist und was nicht. Und es muss damit klarkommen, von Fremden (oder auch Bekannten :? ) unfreundlich angemacht zu werden, ohne dass jemand dazwischen springt. Spätestens im Schulalter finde ich es wichtig, dass das Kind auch selbst entscheiden kann, ob und wie es jemandem die Stirn bietet und wann es Dinge auf sich beruhen lässt. Denn spätestens in der Schule wird es mit ungerechten Lehrern und Ähnlichem konfrontiert und muss einen vernünftigen Umgang damit lernen.

Deshalb bin ich da etwas im Zwiespalt. Wenn ich aber in der konkreten Situation dabei bin, so wie du, finde ich eine Reaktion wie deine vorgeschlagene absolut angebracht. Ich würde vielleicht ähnlich antworten und freundlich darauf hinweisen, dass der Wunsch in einem freundlichen Ton geäußert war und ihr keinen gesteigerten Wert auf leere Formeln legt.
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Lösche Benutzer 1828

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Gaby hat geschrieben:
Sandküste hat geschrieben:So kenne ich das nicht - laufe ich durch die Schule, grüße ich die Lehrer, die ich kenne und die Erzieher natürlich auch. Die, die ich nicht kenne, kann ich nicht grüßen 8)
Interessant, wie unterschiedlich die Gepflogenheiten sind. Ich grüße in der Schule und im Kiga tatsächlich alle Lehrer, Erzieher und Eltern, die ich treffe, egal ob ich sie kenne oder nicht. Hier auf dem Land ist es auch üblich, jeden zu grüßen, der einem entgegenkommt, auch wenn man ihn nicht kennt. Ist mir natürlich schon klar, dass das in der Stadt in der vollen Fußgängerzone anders ist. 8)
Im KiGa gruesse ich auch jeden - ist ja nur mit 24 Kindern und daher klein.
Asonsten: ich glaube in Berlin wuerden sie dich wegsperren, wenn du jeden gruesst, den du triffst 8)
Und du solltst genug Wasser gegen den trockenen mund mitnehmen :mrgreen:

Ach - auf dem dorf meiner schwiegereltern gruesst auch jeder jeden. Da tue ich das dann auch. Aber da treffe ich dann 2-3 leute und nicht 100erte.
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LaLeMi
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von LaLeMi »

Naja, das "Treffen" würde ich in jedem Fall danach bemessen, wieviele Menschen mir halt gerade so entgegenkommen. Ist das einer in Berlin auf irgendeinem Flur, grüße ich ihn auch.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Gaby
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von Gaby »

Sandküste hat geschrieben:
Gaby hat geschrieben:
Sandküste hat geschrieben:So kenne ich das nicht - laufe ich durch die Schule, grüße ich die Lehrer, die ich kenne und die Erzieher natürlich auch. Die, die ich nicht kenne, kann ich nicht grüßen 8)
Interessant, wie unterschiedlich die Gepflogenheiten sind. Ich grüße in der Schule und im Kiga tatsächlich alle Lehrer, Erzieher und Eltern, die ich treffe, egal ob ich sie kenne oder nicht. Hier auf dem Land ist es auch üblich, jeden zu grüßen, der einem entgegenkommt, auch wenn man ihn nicht kennt. Ist mir natürlich schon klar, dass das in der Stadt in der vollen Fußgängerzone anders ist. 8)
Im KiGa gruesse ich auch jeden - ist ja nur mit 24 Kindern und daher klein.
Asonsten: ich glaube in Berlin wuerden sie dich wegsperren, wenn du jeden gruesst, den du triffst 8)
Und du solltst genug Wasser gegen den trockenen mund mitnehmen :mrgreen:

Ach - auf dem dorf meiner schwiegereltern gruesst auch jeder jeden. Da tue ich das dann auch. Aber da treffe ich dann 2-3 leute und nicht 100erte.
Ist mir schon klar :wink: !

Ich treffe hier auch eher 2-3 Leute als hunderte! Und keine Angst, in der Stadt grüße ich auch nicht jeden, sondern freue mich über die Anonymität :) ! Hat ja auch was für sich.
mit 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Häng dein Herz an eine wackelnde Welt und dann wunderst du dich dass es runterfällt (Judith Holofernes).
Lösche Benutzer 1828

Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Diese Woche in einem kleinen Geschäft.
Es ging nicht ums Bedanken, sondern um eine Entschuldigung.
Wir kamen herein, da redete Mutter sehr laut und bestimmt auf das Kind ein, dieses war ca. 3 Jahre alt. "Nun sag Entschuldigung, SOFORT, geh hin und ENTSCHULDIGE DICH bei der Frau - sonst muss ich dich zu Hause bestrafen! Dann bist Du selber schuld" - so ging es eine ganze Weile. Furchtbar, so schlimm. Ich habe überlegt, etwas zu sagen, aber irgendwie als Unbeteiligte kam mir das dann auch komisch vor.
Bin ich selber diejenige, bei der sich die Kinder entschuldigen sollen, dann sage ich dem Kind schon, dass es in Ordnung ist usw und spreche dann mit dem Kind selber.
Wortgewitter
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Re: Anerzogenes "Bitte" und "Danke"

Beitrag von Wortgewitter »

Ich werde nie vergessen, wie eine (damalige) Freundin von mir ihre ca 2,5-Jährige gezwungen hat, sich bei meinem Sohn zu entschuldigen. Die Kleine sollte auf einem Stuhl still sitzen, bis sie sich entschuldigt. Und sie hat gar nicht verstanden, was sie tun sollte und bitterlich geweint :? mein Sohn hat irgendwann mitgeweint und immer 'Entschuldigung' zu IHR gesagt, weil er verstanden hatte, was sie tun sollte und er die Situation nicht mehr ertrug.
Ich bin dann gegangen. Das war in meinen Augen wirklich grausam. Die Kleine wurde ununterbrochen unter Druck gesetzt, während sie da auf diesem blöden Stuhl saß, mit 'Du darfst nie wieder mit anderen Kindern spielen' und 'keiner mag Dich, wenn Du Dich nicht entschuldigst'... Es war furchtbar.

Später habe ich mit der Mutter gesprochen, sie ist ganz überzeugt von der Methode und vertritt das innerlich auch so. Das musste ich natürlich auch respektieren, aber es hat die Freundschaft beendet.
Wortgewitter mit Groß (5/09) und Klein (11/11) und Winzigklein (8/15)
und zwei **

ClauWi Trageberaterin (GK 5/2012, MK 6/2013)

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte Dich wiegen und kleinsingen,
und Dich begleiten, schlafaus und schlafein...
R.M. Rilke
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