Dialekt oder hochdeutsch?

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Uinonah
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Uinonah »

Also BErlinerisch find ich ja toll!
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Kirschquark
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Kirschquark »

ich spreche hochdeutsch mit meinem Kind. Und mit meinem Mann. Und eigentlich mit allen. Was unter anderem daran liegt, dass ich eigentlich keinen eigenen Dialekt habe. Als kleines Kind habe ich im Kindergarten "berlinert", nach dem Umzug das Mainzer Gruseldeutsch (Rheinhessisch) aber verweigert ;) und auch der Weg durchs Leben hat wenig Dialektanhaftungen mit sich gebracht. Das hiesige, eher rheinisch gefärbte Eifler Platt ist etwas äh... unverständlich. Aber irgendwie schon auch schön. Ich kanns nur nicht. Mein Kind allerdings sagt Dinge wie "St. Machtin, Spocht, Gachten etc. und "singt" bisweilen auch. Außerdem arbeiten wir am sch-ch-Unterschied :roll: Isch ist kein Wort.... auch wenn ich es in letzter Zeit in den "Freunde-Büchern" mehrfach gelesen habe ("Isch wüschne Dir...")
Aber das ist nur ein kleiner Einschlag, den ich mit etwas Mühe inzwischen auch hinbekomme, um mich nicht mehr ganz so fremd in der Eifel zu fühlen. Der Gatte als "Ahrweiler Jung" spricht...öhm ja... jedenfalls kein Hochdeutsch, aber einen eher milden Dialekt. Kind und Gatte sind Holer, ich bin Nehmer.
Der einzige Dialekt, den ich spreche, ist saarländisch. Sozusagen meine Muttersprache, obwohl meine Mutter als Germanistin hochdeutsch spricht. Aber da ein großer Teil der Familie dort lebt(e), war ich eben auch oft dort....

meine andere Hälfte ist schwäbisch, das kann ich aber nur leidlich verstehen - mein Vater spricht, bis auf die Zeitangaben, ebenfalls hochdeutsch. Meine Großeltern haben auch immer "der Butter" und auch "der Radio" gesagt.... aber nach etlichen Jahren in der Nähe von Hamburg war das schwäbisch weniger "urig" geworden, auch wenn sie dann wieder auf der Zollernalb lebten.
Angora hat geschrieben: (übrigens ist das doch toll, dass alle saarländischen Mädchennamen mit s anfangen. Sangora.... Usw ;-))
ich liebe ja hier im Forum den Nick sTanja :mrgreen:

Was man mir defintiv nie anhört ist mein Geburtstort Trier. Aber ich wurde von "Eingeborenen" schon mal Westfälischer oder Niedersächsischer Herkunft verdächtigt.
LG
Hannah
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Darla
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Darla »

Kirschquark hat geschrieben:Außerdem arbeiten wir am sch-ch-Unterschied
Das ist der, wie mein Mann immer so schön sagt: "Eifeler-ch-Defekt" :wink:
Bei uns ist es die "Milsch". Sagt von uns keiner, kommt wahrscheinlich aus dem Kindergarten.
Mein Mann ist Hesse, das hört man auch nach Jahren der "Ausgewandertseins" noch. Meine moselfränkische Einfärbung ist zwar vorhanden, richtigen Dialekt beherrsche ich aber keinen.
Ich war eigentich immer der Meinung gutes Hochdeutsch zu sprechen, bis wir von hier weggezogen sind...Da sagte dann auf der Arbeit jemand zu mir (mit hochgezogener Augenbraue): "Wo kommen SIE denn her??!" :oops: :lol:
Ich hab dann aufgehört ein Holer zu sein... :lol:
Viele Grüße von Darla mit
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kleineRaupeN
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von kleineRaupeN »

Kirschquark hat geschrieben: Was man mir defintiv nie anhört ist mein Geburtstort Trier. Aber ich wurde von "Eingeborenen" schon mal Westfälischer oder Niedersächsischer Herkunft verdächtigt.
Geht mir genauso. Sprachlich bin ich also irgendwie heimatlos :lol: (ist im Französischen aber auch so, dass man meinen leichten Akzent nur sehr selten als deutsch erkennt...)
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Kirschquark
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Kirschquark »

Darla hat geschrieben:
Kirschquark hat geschrieben:Außerdem arbeiten wir am sch-ch-Unterschied
Das ist der, wie mein Mann immer so schön sagt: "Eifeler-ch-Defekt" :wink:
Bei uns ist es die "Milsch".
ja, wobei die Saarländer das auch nicht unbedingt können. Der Nachname meiner Großeltern endete auf sch und sie wurden immer und ständig mit ch geschrieben, ich hatte sogar mal eine Diskussion mit einem Krankenhausmitarbeiter, der mir klarmachen wollte, dass mein Opa weder in diesem KRankenhaus liegt noch jemals gelegen hätte, nur weil er automatisch aus dem sch ein ch gemacht hatte.

Die arme Milch hieß eine Zeit lang Mülsch. Kam auch aus der KiTa, die direkt neben der Kürsche liegt.
LG
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Maryam+Leo
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Maryam+Leo »

Uinonah hat geschrieben:Also BErlinerisch find ich ja toll!

och nööööö. Mir hängt das arg zu den Ohren raus muss ich zugeben, es klingt auch gleich immer irgendwie so nach Gosse hab ich das Gefühl.
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Angora

Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Angora »

Kirschquark hat geschrieben:
Darla hat geschrieben:
Kirschquark hat geschrieben:Außerdem arbeiten wir am sch-ch-Unterschied
Das ist der, wie mein Mann immer so schön sagt: "Eifeler-ch-Defekt" :wink:
Bei uns ist es die "Milsch".
ja, wobei die Saarländer das auch nicht unbedingt können. Der Nachname meiner Großeltern endete auf sch und sie wurden immer und ständig mit ch geschrieben, ich hatte sogar mal eine Diskussion mit einem Krankenhausmitarbeiter, der mir klarmachen wollte, dass mein Opa weder in diesem KRankenhaus liegt noch jemals gelegen hätte, nur weil er automatisch aus dem sch ein ch gemacht hatte.

Die arme Milch hieß eine Zeit lang Mülsch. Kam auch aus der KiTa, die direkt neben der Kürsche liegt.

Hahaaa, unser Lieblingswort hier ist Frichmilsch :mrgreen: Und jaaaa.... ich wohnte mal in der Kirschenstraße, ähm, die hieß so wegen der drei umliegenden Gotteshäuser, aber das kann halt känn Saalänner rischdisch saan. Tja, so isses.

Och, ich mag sächsisch auch total, kanns dank vieler Freunde damals im Studium sogar passabel mitreden und kann damit stets meine Freunde hier erheitern, was mir nur gar nicht gefällt, ist urbayrisch, liegt allerdings einfach auch nur daran, dass ich mir dann jedesmal nen Untertitel wünsch, weil ich die Herrschaften nicht verstehe! Die haben ja jedes zweite Wort so umgemodelt, dass man es nicht versteht....
Oh, was ich übrigens auch gar nicht leiden mag, ist wenn der Kindspapa (der ja e waschechter Wackes ist ;-)) platt schwätzt, da rollen sich mir die Fußnägel hoch, es ist an Grausamkeit nicht zu überbieten (ich hab ihm ja schon verboten, deutsch mit dem Kind zu reden, damit der Kleine da nix falsches aufschnappt :oops: )
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Giraeffchen
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Giraeffchen »

Darla hat geschrieben: Ich war eigentich immer der Meinung gutes Hochdeutsch zu sprechen, bis wir von hier weggezogen sind...Da sagte dann auf der Arbeit jemand zu mir (mit hochgezogener Augenbraue): "Wo kommen SIE denn her??!" :oops: :lol:
:lol:

Ich (auch mit moselfränkischen Sprachwurzeln :lol: ) mag wirklich eigentlich alle Dialekte gerne hören. Als Kind habe ich mir immer gewünscht, bayerisch sprechen zu können, weil mir das im Urlaub so gefallen hat. Hab ich aber nie nachsprechen können. *hust*
Aber so für sich gesehen hat jeder Dialekt irgendetwas, in meinen Ohren, etwas heimatliches, gemütliches.

Wir sprechen hochdeutsch mit Streifen :lol: , meint, mit leicht regional gefärbtem Einschlag. 'Platt' verstehe ich gut, kann aber nicht mehr alles so sprechen, wie meine Eltern das noch konnten. Schade, mir tut das ein bisschen leid, wenn es ausstirbt. Vielleicht ist es aber auch nur eine Veränderung der Sprache, weil sich eben alles im Leben irgendwie immer wandelt, auch die Sprache?
Liebe Grüße, GiraeffchenBild mit dem großen Knopf und dem Herbstwichtel


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"Es ist gefährlich,
zu lange zu schweigen.
Die Zunge verwelkt,
wenn man sie nicht gebraucht."

(Astrid Lindgren)
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Mohnblume
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Mohnblume »

Maryam+Leo hat geschrieben:
Uinonah hat geschrieben:Also BErlinerisch find ich ja toll!

och nööööö. Mir hängt das arg zu den Ohren raus muss ich zugeben, es klingt auch gleich immer irgendwie so nach Gosse hab ich das Gefühl.
das ist total interessant, hab neulich erst wieder mal den Wikipedia-Artikel über Berlinerisch gelesen und da wird auch ausgeführt, dass das Berlinern mittlerweile vom Dialekt zum Soziolekt mutiert ist. Will heißen, breit berlinern ist ein Zeichen "niedriger Bildung" bzw. "niedriger sozialer Schicht" (jetzt mal ganz wertfrei). Früher war es das gar nicht, sondern einfach die normale Sprache der Berliner ;-) so wie schwäbisch ja eigentlich die normale Sprache der Schwaben ist (da schwäbeln ja sogar Anwälte, Ärzte und Politiker ;-) ).

Ich muss auch sagen, seit ich in Berlin wohne... richtig breit berlinern hör ich hier nur Handwerker, Busfahrer, Krankenschwestern etc.
mit dem Großen (01/10) und dem Kleinen (07/13)
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Mohnblume
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Mohnblume »

Nachtrag: das soll jetzt bitte nicht die Busfahrer, Handwerker und Krankenschwestern diskreditieren, reine Alltagsbeobachtung meinerseits ;-)
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