Dialekt oder hochdeutsch?

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Matilda'sMama
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Matilda'sMama »

Hier.
Wir sprechen auch pfälzisch.

Mein Mann und ich sind damit groß geworden.
Alle im Dorf sprachen wie wir, im Kindergarten, in der Schule, überall sprach man Dialekt.

Ich selbst fühle mich sehr unwohl, wenn ich aus Höflichkeit ins Hochdeutsche wechsle.
Da bin ich mir selbst fremd, muss auch ab und an überlegen und bin einfach viel gehemmter im sozialen Kontakt.

An der Uni hat es mich genervt - weil ich mich abkämpfen musste und es sich dennoch nie richtig angefühlt hat - , als Hausfrau stört es mich nicht und eigentlich mag ich unseren Dialekt.
Natürlich bringt der Dialekt Nachteile was den beruflichen Werdegang angeht, verzichten würde ich aber auch nicht wollen - hier spricht man halt so.

Mit unseren Kindern sprechen wir genau so, wie wir denken: im Dialekt
Ich finde es doch ein wenig lächerlich, wenn Eltern mit breitestem Slang :lol: und gestakstem Hochdeutsch mit ihren Kindern kommunizieren.
Unauthentisch halt und distanziert *brrrr*

Die Erzieherinnen im Kiga meiner Tochter sprechen Hochdeutsch (meine Tochter kommuniziert dort dennoch im Dialekt), wobei in den meisten Kindergärten und Schulen Dialekt gesprochen wird.

Und sowieso finde ich es meist ziemlich witzig, wenn Pfälzer aus der tiefsten Pfalz Hochdeutsch sprechen.
Den meisten Pfälzern hört man es halt einfach an, wo sie herkommen.
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Tobis Mama
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Tobis Mama »

Dialekt, auch wenn er klingt wie "Baure uff'm Doorf".

Ich bin mit Rhoihessisch groß geworden, musste ich bald umstellen uff pälzisch, habe aber schon im Kindergarten als kleine Prinzessin lieber hochdeutsch gesprochen.
Naja, nach der Schule bin ich 8 Jahre ins absolute Hochdeutsche gewechselt, kann heute hochdeutsch mit "nordischen" Elementen (Teilnehmerin in meinem Erste Hilfe Kurs: Ach, sie kommen aber aus Norddeutschland, das hört man Ihnen an. Ich: Jo, do hab ich halt ä paar Johr gewohnt, awwer eichentlich bin ich schunn aus de Palz. Teilnehmerin: :shock: :shock: :shock: ), aber eben auch Dialekt.

Bei uns zu Hause ist es auf Grund der Herkunft meines Mannes (Ostwestfalen) reines Hochdeutsch, die Kinder kennen Dialekt aus dem Kindergarten unn vunn de Oma (Dort spricht die Mama natürlich auch pälzisch.), die werden als zweisprachig groß. ;)

Und ehrlich??? Ich beneide euch, dass ihr einfach Dialekt losbrabbeln könnt. Ja, ich kann das auch, aber ich habe nach 8 Jahren die totale Sprachbarriere im Kopf: Muss ich mit dem jetzt Hochdeutsch sprechen? Ist das dann elitär? Sollte ich lieber Dialekt reden?
Meine Familie macht mir das nicht leichter, da ich die einzige bin, die studiert hat, bin ich eh quasi schon immer "was besseres", die finden das schon zum :roll: , wenn ich mit meinem Mann spreche. Hallo??? Der versteht den Dialekt zwar blendend (und darf ihn nicht benutzen, das ist genau so schlimm "wie wenn" ;) än Pälzer oofangt hochdeitsch zu redde), aber seit wir uns kennen, sprechen wir hochdeutsch miteinander.

Ich freu mich jetzt schon auf meine zukünftige Nachbarin, mit der ist es seit wir uns kennen pälzisch, die anderen Nachbarn sind aber alle wieder "Hochdeutsche". :roll: Ärztliche Kollegen meines Mannes: hochdeutsch. Kollegen aus dem Rettungsdienst: meist pälzisch. Mädels, ich find das total schwer...

Also, liebe Nina, bleib beim Dialekt. Ich würde nur auf eines achten (Und ja, ich kann mich einfach nicht zurückhalten, ich muss ihn rauslassen, den liebgemeinten Hieb gegen das benachbarte Bundesland...): Solang' doi Mädel kää "es ..." is, is doch alles paletti. ;-)

Dodruff en Schoppe Schorle Mädels, odda en Gliehwoi! Prost!
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Tobis Mama
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Tobis Mama »

Matilda'sMama hat geschrieben: Ich finde es doch ein wenig lächerlich, wenn Eltern mit breitestem Slang :lol: und gestakstem Hochdeutsch mit ihren Kindern kommunizieren.
Unauthentisch halt und distanziert *brrrr*
Meine Schwester hat genau das von meiner Mutter erwartet: O-Ton: Spresch mit dem Kind bitte hochdeutsch. Ja, "spresch", denn nein, auch sie kann es nicht astrein, erwartet es aber von meinen Eltern, die es noch nie konnten. :roll:

Die haben es am Anfang bei meinem Mann versucht, es war das einzige, was wir ihnen wirklich austreiben mussten. Ich konnte es echt nicht hören, es klang so fürchterlich. Und meinem Mann war der sichtliche Aufwand und die Anstrengung einfach unangenehm, denn er verstand den Dialekt und wenn was unklar war - so ganz am Anfang unserer Beziehung und dann in schwierigen Situationen (mit angetrunkenen Freunden uff de Kerwe) - dann hatte er ja mich. :mrgreen:
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Whity

Re: AW: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Whity »

Danke für eure zahlreichen Beiträge, es dürfen gerne noch weitere folgen :smile:

Und Nicole, auch wenn du mich jetzt nieeeeee mehr sehen magst .... bei uns ist sie ne es :mrgreen:

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lunchen78
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von lunchen78 »

Uff die Bääm, die Pälzer kumme! :D

Wir reden Hochdeutsch untereinander und mit den Kindern, obwohl wir beide Pfälzer sind ( ich weiß aber ehrlich gesagt, nichtmal warum...). Allerdings find ich es schwierig, weil wir jetzt seit 4 Jahren in Bayern wohnen. Den Dialekt versteh ich zwar immer besser, spreche ihn aber nicht, die Kinder schon einzelne Wörter.

Wenn ich allerdings unter Pfälzern oder Saarländern bin, versteht mich kein Bayer mehr. Ich kann's also noch, gell Nina?!


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Tobis Mama
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Re: AW: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Tobis Mama »

Whity hat geschrieben:
Und Nicole, auch wenn du mich jetzt nieeeeee mehr sehen magst .... bei uns ist sie ne es :mrgreen:
Tja, des war's dann wohl. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Nee, ihr habt ja die optimale Entschuldigung. es iss halt die Hinnerpalz, ich kumm halt aus de Vorderpalz. Awwer falls es Saarland emol noofroocht, ICH tät eich abgewwe and die. ;)

Und jetzt "im Ernst": Als ich nach 8 Jahren Küste hierher in die Hinnerpalz (Perle der Westpfalz oder wie umschreibt man das schön???) gezogen bin, sagte eine Schulfreundin von mir: "Och Nicole, jetzt wohnst du nach 8 Jahren so nah, dass ich dich leichter besuchen könnte, aber verbessert hast du dich nicht.".
Ach, ich mag sie, die kleinen, lokalen Rivalitäten. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
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lunchen78
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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von lunchen78 »

Tobis Mama hat geschrieben:
Meine Schwester hat genau das von meiner Mutter erwartet: O-Ton: Spresch mit dem Kind bitte hochdeutsch.
Das ist wirklich ein Problem. Ich wurde vor 2 Jahren von meinem Sohn schon zurechtgewiesen, als wir morgens an der Kirche vorbei sind. "Mama, eine KirSCHe ist doch was zum Essen, da kann man nicht reingehen. DAS ist eine KirCHe" Äh, ja, schäm.


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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Mohnblume »

Ha des isch jo hier als wie dehääm :-D

Ich bin da auch in einer ganz komischen Situation: selbst absolut hochdeutsch aufgewachsen, zwar in Karlsruhe geboren und mit 5 in die Südpfalz gezogen - aber meine Eltern waren beide zugezogen, kommen aus ganz verschiedenen Ecken Deutschlands, haben sich in Bayern kennengelernt und sind dann im Südwesten hängengeblieben.
Meine Mama hat immer nur Hochdeutsch gesprochen, mein Papa - ursprünglich aus dem Westerwald - ist mit breitem Dialekt aufgewachsen, hat das dann aber in Ausbildung und Studium komplett abgelegt.
Meine Schwester und ich haben nie Dialekt gesprochen, obwohl viele Klassenkameraden und sogar Lehrer gepfälzert haben. Ich höre Pfälzisch sehr gern, da es halt schon nach Heimat klingt, versteh auch absolut alles, kann es selber zwar ganz gut "emulieren", würde mir aber total komisch vorkommen und ein echter Pälzer hört das nach ner Weile schon dass des net mei Muddersprooch isch ;-)

ich bin auch der Meinung man sollte seine authentische Sprache mit dem Kind sprechen. Wenn man trotzdem zB hochdeutsche Bücher vorliest und dann in der Schule spätestens kommt ja das Hochdeutsch von alleine.

Wobei ich schon ganz froh bin, hier in Berlin "incognito" zu sein - mit Dialekt hat man hier halt sofort das Provinz-Etikett ;-)


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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von lunchen78 »

Tobis Mama hat geschrieben:
Whity hat geschrieben: Ach, ich mag sie, die kleinen, lokalen Rivalitäten. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
:mrgreen: :mrgreen:




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Re: Dialekt oder hochdeutsch?

Beitrag von Tobis Mama »

Mohnblume hat geschrieben:
Wobei ich schon ganz froh bin, hier in Berlin "incognito" zu sein - mit Dialekt hat man hier halt sofort das Provinz-Etikett ;-)
Ja, ich versteck' mich auch gerne. ;-) Aber ich schocke die Leute viel lieber. Wenn sie mich beispielsweise nur "hochdeutsch" kenne, das seit zwei, drei Jahren und dann treffen sie mich auf einmal, während ich mit meiner Mutter telefoniere. Ach, die Gesichter, die mag ich. Ich hätte Fotos für ne Ausstellung machen sollen. :lol:
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