Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Schnuddelbuddel
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Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo,

mein Sohn wird jetzt im Oktober 1 Jahr alt. Bisher hat er immer Gläschen gegessen mittags und dann nachmittags von unserer warmen Mahlzeit gekostet. Morgens isst er schon Brot und nachmittags (wenn er mag) Obst-Getreide-Brei + abends Milchbrei oder Brot. Zusätzlich stille ich ihn noch nach Bedarf, das ist meist tagsüber 1-3x und dann abends und nachts.

Nun möchte ich ihn gern mit einem Jahr ganz an die Familienkost gewöhnen und die Gläschen weglassen, nur frage ich mich ob dann auch sichergestellt ist das er alle Nährstoffe bekommt die er braucht? In den Gläschen ist ja doch von allem die richtige Menge drin und von der Familienkost isst er auch insgesamt weniger. Oder ist das wegen dem stillen völlig egal und er bekommt die restlichen Nährstoffe dann über die Muttermilch?

Dann essen wir sehr wenig Fleisch, höchstens mal Geflügel oder Rinderhack aber eher selten, das wird sicherlich auch ein Problem aber da werd ich mal schauen wegen Hülsenfrüchten. Fleisch kann er ja auch gar nicht kauen ohne Backenzähne, denk ich.

Wie macht ihr das? Seid ihr da eher entspannt und kocht ganz normal was ihr eben immer esst? Ach nee, das zweite Kind und man steht doch wieder da und weiß nix :wink:
jusl
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von jusl »

Hallo Schnuddelbuddel,

Deinem Posting scheint die Annahme zu Grunde zu liegen, dass Gläschenkost MEHR Nährstoffe enthält als normale Familienkost. ;-) Dies ist jedoch mit Sicherheit nicht der Fall.
Gläschenkost sind Konserven (auch wenn Glas anstatt Blech drumherum ist). Um den Konserveninhalt jahrelang haltbar machen zu können, ist hohes Erhitzen notwendig. Dieser Vorgang verringert den Gehalt an Nährstoffen erheblich. Außerdem ist der durchschnittliche Fettgehalt von Gläschen zu gering (deshalb sollte Gläschenkost grundsätzlich Fett zugegeben werden), und der Fleischanteil in Fleischgläschen zu gering, als dass man damit ersthaft mit "Hier ist wertvolles Fleisch drin!" werben könnte.

Mit abwechslungsreicher Frischkost am Familientisch ist ein Baby - auch bei geringerer Verzehrmenge! - hinsichtlich der Nährstoffdichte besser versorgt. (Die höhere Verzehrmenge bei Industriekost kommt vermutlich gerade durch die geringere Nährstoffdichte zustande; davon muss es halt mehr essen, um an die gleiche Menge Vitamine und Mineralstoffe zu kommen).
Du kannst also völlig bedenkenlos jederzeit auf Frischkost umstellen.
Fleisch kann er ja auch gar nicht kauen ohne Backenzähne, denk ich.
Doch, Kinder können auch mit den Schneidezähnen kauen. Und gehacktes Fleisch wie Frikadellen ist sowieso problemlos.

LG
Julia
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Hoppetosse
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von Hoppetosse »

Julia hat ja eigentlich schon alles geschrieben, deswegen füge ich nur ein 'mach Dir keinen Stress' hinterher.
Solange Eure Familienkost halbwegs ausgewogen und frisch ist, was soll da schiefgehen?
Gut, ich sehe diesbezüglich vieles vielleicht zu entspannt, aber bin bisher auch noch nicht eines Besseren belehrt worden.
Zwergie ist 9 Monate, hat 2 Zähne und isst morgens Obst und Brot mit Butter, zwischendrin Knabberkram wie Obst und Knäcke, mittags mit mir (eben in kleinen Stücken oder etwas weicher gekocht), nachmittags mal dies, mal jenes, abends Brei (ist der einzige, dem er mag) und es wird nach Bedarf gestillt. Fleisch gibt es gar nicht, ab und an Fisch...


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Schnuddelbuddel
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von Schnuddelbuddel »

Hallo ihr Zwei,

danke für eure Antworten.

jusl, ich dachte tatsächlich das in den Gläschen genau die Menge an Nährstoffen drin ist die ein Baby im entsprechenden Alter benötigt weil ja auch manche Vitamine noch zusätzlich hinzugefügt sind. Deine Bemerkung zum Thema Konserve finde ich aber wirklich einleuchtend und das hatte ich so noch nicht betrachtet. Das mit dem Fett hatte ich auch schon gehört und gebe daher in jede Mahlzeit noch 1 Teelöffel Beikostöl von Alnatura hinzu.

Dann bin ich ja beruhigt das er dann auch mit weniger von der Familienkost gut versorgt ist, denn wir kochen eigentlich schon meist frisch und eher gemüselastig. Die Mengen die von den Gläschenherstellern vorgegeben werden schafft der Kleine sowieso nichtmal ansatzweise. Ein halbes Glas ist das höchste mittags.

Ich danke dir für deine aufschlussreiche Antwort :)

Liebe Hoppetosse, da hast du wohl recht, warum auch immer ich so unentspannt bin... den Großen hab ich ja auch groß bekommen und er lebt noch :mrgreen:

Achtest du dann darauf das er das Eisen woanders her bekommt wenn er kein Fleisch isst? Das Stillen soll ja auch nicht unbedingt ausreichend sein bezüglich der Eisenzufuhr... meine Kinderärztin macht mich da immer ganz wuschig. Aber ich habe grad was gelesen das man Fleisch auch ganz weich kochen kann, vielleicht mag er das ja 1 oder 2x die Woche essen.

Danke für deine Schilderung. Ich seh schon, man braucht diese ganzen Babylebensmittel eigentlich gar nicht aber irgendwie denk ich immer das ich da sicher sein kann das die Qualität stimmt und so, hach.
jusl
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von jusl »

weil ja auch manche Vitamine noch zusätzlich hinzugefügt sind
Zugefügt wird eigentlich nur: in Obstgläschen Vitamin C (damit das Obst nicht braun wird (Oxidation) und damit nach dem Einkochen überhaupt(!) wieder Vitamin C drin ist) und in Getreideerzeugnissen Vitamin B1 (gesetztlich vorgegeben).
Ich danke dir für deine aufschlussreiche Antwort :)
Gern geschehen. ;-)
Ich seh schon, man braucht diese ganzen Babylebensmittel eigentlich gar nicht aber irgendwie denk ich immer das ich da sicher sein kann das die Qualität stimmt und so, hach.
Das ist sehr verständlich, so wie Dir geht es da sehr vielen Müttern. Das allgemeine Vertrauen in diesen Industriezweig ist sehr hoch. Die Werbung zeigt gesunde, propere Babys, die bei Sonnenschein über grüne Wiesen hüpfen... aber die Realität sieht mitunter anders aus. Man denke z.B. an den großen Gläschenskandal mit potenziell erbgutschädigender Dichtungsmasse aus den Deckeln, die sich im Gläscheninhalt nachwiesen ließ (Semicarbazid). Einige Hersteller stellten daraufhin auf Esbo um, ein Weichmacher, der sich später allerdings ebenfalls im Gläscheninhalt nachweisen ließ, lecker. Auch noch nicht lang her: das 3-MCPD-Problem (3-MCPD-Fettsäureester (können Veränderungen an der Niere und Tumore verursachen) wurden in vielen künstlichen Säuglingsmilchen gefunden und entsprechend auch in "Gute-Nacht"-Gläschen usw. - dafür gibt's bislang auch keine Lösung, da diese Fettsäureester angeblich unvermeidlich bei der Herstellung entstehen).
Da schmier ich meinem Baby doch lieber ein Brot und lass es mal von meinem Apfel abbeißen. ;-)

LG
Julia
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von Hoppetosse »

Naja, dadurch dass wir selbst auch kein Fleisch essen, achte ich ohnehin darauf, dass wir immer mal wieder etwas essen, was als eisenhaltig gilt. Nicht, dass ich da sehr akribisch bin, aber wenn zB die Überlegung ist, etwas mit Linsen oder Kartoffeln zu kochen, dann entscheide ich mich eher für Linsen.
Wenn ich das Gefühl habe, dass für Zwergie in letzter Zeit zu wenig Eisenhaltiges gab, dann mache ich ihm zB Obstpüree mit eingeweichten Hirseflocken, das liebt er eh.

Am Anfang habe ich brav überall Hirse oder Haferflocken reingeworfen, bis ich mich gefragt habe, welche Eisenmengen denn tatsächlich in einem Kind landen, dass einen Teelöffel Rindfleischmampe am Tag bekommt... Seitdem bin ich zwar aufmerksam aber nicht nervös bzgl der Eisenfrage.

Ich achte einfach auf Abwechslung, Vielseitigkeit und Frische (alles soweit, wie es stressfrei praktikabel ist), das muss reichen.




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Heidi555
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von Heidi555 »

Das ist sehr verständlich, so wie Dir geht es da sehr vielen Müttern. Das allgemeine Vertrauen in diesen Industriezweig ist sehr hoch. Die Werbung zeigt gesunde, propere Babys, die bei Sonnenschein über grüne Wiesen hüpfen... aber die Realität sieht mitunter anders aus. Man denke z.B. an den großen Gläschenskandal mit potenziell erbgutschädigender Dichtungsmasse aus den Deckeln, die sich im Gläscheninhalt nachwiesen ließ (Semicarbazid). Einige Hersteller stellten daraufhin auf Esbo um, ein Weichmacher, der sich später allerdings ebenfalls im Gläscheninhalt nachweisen ließ, lecker. Auch noch nicht lang her: das 3-MCPD-Problem (3-MCPD-Fettsäureester (können Veränderungen an der Niere und Tumore verursachen) wurden in vielen künstlichen Säuglingsmilchen gefunden und entsprechend auch in "Gute-Nacht"-Gläschen usw. - dafür gibt's bislang auch keine Lösung, da diese Fettsäureester angeblich unvermeidlich bei der Herstellung entstehen).
Da schmier ich meinem Baby doch lieber ein Brot und lass es mal von meinem Apfel abbeißen.

LG
Julia
Gilt das auch für die "Gute Nacht" Breie (zum Bsp H*pp Hafer Apfel), die man mit Wasser anrührt?
jusl
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Re: Nährstoffbedarf decken durch Familienkost?

Beitrag von jusl »

Meinst Du das 3-MCPD-Fettsäurenproblem? Das entsteht bei der Herstellung und Verarbeitung von Milchpulver. Entsprechend gilt dies auch für Breie, die Milchpulver enthalten (und deswegen nur mit Wasser angerührt werden). Milchfreie Breie sind damit meines Wissens nach nicht belastet.

LG
Julia
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