"Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwanger?"

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youtee
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von youtee »

Ich antworte ganz oft auf solche Sachen (also, bei den "Bösen"), daß ich es nicht weiß. Das wurde bis jetzt immer sehr gut akzeptiert.
Wenn ich von bösen Taten höre, denke ich eigentlich auch meistens an den Menschen, der die Tat ausgeübt hat - was ihm wohl passiert ist, wie es dazu kam, daß es eben so weit gekommen ist. Aaaaaber, so erkläre ich es meinen Kindern nicht. Zugegeben, es wird wenig in der Richtung gefragt. Ich erzähle auch nicht vom "Bösen", und wie es gemieden werden sollte - bis jetzt war es noch nicht nötig. Aber ich möchte lieber, daß meine Kinder ihre eigene, von Innnen kommenden Vorsicht - die ja die Fragen vielleicht auch ausdrücken - bewahren und möchte ihnen kein Mitleid für die Täter eintrichtern. Ich denke, die Kinder machen sich sowieso ihre eigenen, passenden Gedanken dazu.
ClauWi Trageberaterin, MK 06/12
Lösche Benutzer 1828

Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

youtee - stimmt, das trifft es.
Ich konnte das jetzt gerade nicht so ausdrücken.
Wir hatten z.B. letztens aufgrund eines Filmes eine Diskussion über den 2. Weltkrieg und A.H. - da habe ich auch nur sagen können "Ich weiß es einfach nicht" - nie im Leben hätte ich da sagen können oder wollen "Ja, ihm ist da sicherlich in seinem Leben etwas schreckliches zugestoßen, nur darum hat er so gehandelt".
glockenblümchen
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von glockenblümchen »

Ja, ich finde es auch wichtig, manchmal zu sagen, dass man es einfach auch nicht weißt. Das verhindert, dass Kinder denken, Erwachsene seien allwissend!
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blueberry
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von blueberry »

Sorry, das Kleingedruckte ist jetzt eigentlich etwas off topic, weil ich so natürlich meinem kleinen Kind noch nicht antworten würde. Nur weil ich gefragt wurde:

Nein, ich wollte nichts entschuldigen oder verharmlosen! Etwas - zumindest ansatzweise - versuchen zu erklären oder zu verstehen, wie es dazu gekommen ist, heißt doch noch lange nicht, dass ich es gutheiße oder entschuldige!

Böse Taten sind böse. Aber ist ein Mensch deshalb böse? Was heißt das überhaupt? Ist böse, wer Böses tut? Wie böse muss das Getane sein, damit es den ganzen Menschen als böse qualifiziert? Oder hängt es davon ab, wie oft jemand etwas Böses tut? Muss er selbst aktiv anderen Böses antun oder reicht es, wenn er es verursacht? Willentlich? Oder nur wissentlich? Oder nur billigend in Kauf nimmt? Ist das Motiv entscheidend? Reicht Egoismus und eigener Vorteil? Perfide Ideologie? Oder pure Lust am Quälen? Mitläufertum und Nicht-Auffallen-Wollen? Angst? Versehen - obwohl man eigentlich Gutes tun wollte und Böses verursachte? Gedankenlosigkeit und Ignoranz? Macht es einen Unterschied, ob man es allein tut oder die Gemeinschaft/Gesellschaft, in der man lebt dafür verantwortlich ist?

Die meisten Menschen nehmen mehr oder minder wissentlich täglich relativ viel Böses und Grausames in Kauf, das anderen Menschen (und Tieren) widerfährt, ohne etwas dagegen zu tun - oder gar, indem sie es durch ihren Lebensstil direkt oder indirekt verursachen. Das fängt bei der Art an, wie wir unser Geld anlegen und wen wir damit unterstützen oder ob wir beim 5 EUR Schnäppchen-Shirt zugreifen, obwohl das vielleicht ein Mädchen in Bangladesh genäht hat, das dafür quasi in einem Zustand der Leibeigenschaft in einem stickigen Raum 14 Stunden am Tag schuftet...

Es gibt genügend Leute, die versucht haben, quasi komplett verantwortungsvoll zu leben ohne anderen Leid zuzufügen, sei es direkt oder indirekt. Und auch solche modernen "Erlösungsversuche" kommen doch immer wieder zu dem Schluss, dass wir nicht "schuldfrei" leben können. Soweit so gut bzw. schlecht. Jeder tut also Böses - und als Gemeinschaften nehmen wir letztlich immer wieder den Kriegs-/Hungertod vieler Menschen auf uns. Was uns wieder zu den Fragen im zweiten Absatz führen würde: ab wann machen diese Taten einen ganzen Menschen "böse"?

Das ist glaube ich ein endloses Feld und irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass es auf dem ganzen Gebiet des Bösen, das Menschen sich gegenseitig antun, keine klaren Grenzen gibt, sondern immer nur graduelle Abstufungen. Ich stelle es mir ein bisschen vor wie Prozentsätze von guten und schlechten Taten in der Handlungsbilanz jedes einzelnen.

Vielleicht gibt es Menschen, die überhaupt nichts Gutes mehr tun, in denen jeder Keim von Liebe und liebevollem Handeln tot ist. Die nichtmal mehr für ihre eigenen Kinder, ihre eigene Frau Liebe empfinden. Vielleicht nichtmal mehr für sich selbst. Die nichts mehr aus guten Motiven heraus tun, denen jedes Unrechtsempfinden und alle Reuefähigkeit fehlt. Und da kann ich mir eben irgendwie nicht vorstellen, dass diese Menschen nicht aus irgendeinem Grund so sind: vielleicht aus völliger Verzweiflung heraus, aus völliger Hoffnungslosigkeit, aus tiefem Selbsthass heraus - wodurch auch immer sowas dann ausgelöst wurde (widerfahrene Grausamkeit und Trauma, Geisteskrankheit, menschenunwürdige Lebensumstände, ...).

Solche Menschen kann man dann wohl als böse bezeichnen. Ich finde es aber sehr schwierig, solch ein Urteil zu fällen und würde mich selbst darum wohl immer auf die Verurteilung der Taten als böse Taten zurückziehen wollen, ohne den Menschen als ganzes zu beurteilen.



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Zur eigentlichen Frage:

Warum nun - grundsätzlich gefragt - Menschen böse Dinge tun (denn darauf läuft die Frage des Kindes ja wahrscheinlich hinaus), das ist in der Tat nicht zu beantworten. Ich weiß es nicht. Das ist eben die berühmte Theodizee-Frage, die Menschen schon seit Menschengedenken beschäftigt. Wahrscheinlich ist es das Ehrlichste, dem Kind genau das zu sagen: dass da schon viele Menschen drüber nachgedacht haben, dass wir es aber nicht wissen und dass es sehr schlimm und traurig ist, wenn Menschen schlimmes widerfährt :( und wir eben nur versuchen können, so achtsam wie möglich miteinander umzugehen und einander um Verzeihung zu bitten, wenn uns das nicht gelungen ist.
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blueberry
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von blueberry »

Falsch formuliert: die Theodizee-Frage ist eher, warum Gott zulässt, dass Menschen Schlimmes widerfährt, obwohl doch Gott die Menschen liebt und will, dass es allen gut geht - und ich wollte sagen, dass letztlich darauf die Frage hinausläuft (denn die bösen Taten von Menschen sind dazu ja nur ein Teil der Ursache). Verschrieben. :oops:
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von asujakin »

Ich danke dir für deinen Beitrag, das kleingedruckte kann ich fast komplett unterschreiben, vor allem der Punkt, dass wir in der westlichen Gesellschaft durch unser TÄGLICHES Verhalten so viel Leid und Tod verursachen, viele auch noch völlig aufgeklärt darüber sind und es dennoch in Kauf nehmen, weil das Leid zu weit weg ist oder einen gar nicht selbst betrifft etc. Aber alles in allem ganz ganz tolles Posting, danke!
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blueberry
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von blueberry »

Ui, Danke asu! :oops:
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Re: "Warum sind manche Menschen böse", "Wie wird man schwang

Beitrag von Kikra »

Danke für die vielen Antworten, und dass ihr eure Gedanken dazu geschrieben habt und wie ihr euch damit auseinandersetzt.

Entschuldigt meine späte Reaktion, aber ich hatte die letzten Tage keine Zeit hier nachzulesen.

Wenn ich meinem Großen eine Gegenfrage stelle, bekomme ich meist Antworten wie "Ich weiss nicht, deswegen frag ich ja" . Wenn ich ihn dann bitte darüber nachzudenken, ist er meist genervt.
blueberry hat geschrieben:
Wahrscheinlich ist es das Ehrlichste, dem Kind genau das zu sagen: dass da schon viele Menschen drüber nachgedacht haben, dass wir es aber nicht wissen und dass es sehr schlimm und traurig ist, wenn Menschen schlimmes widerfährt :( und wir eben nur versuchen können, so achtsam wie möglich miteinander umzugehen und einander um Verzeihung zu bitten, wenn uns das nicht gelungen ist.
So ähnlich hab ich es auch schon erklärt. Es beschäftigt ihn aber immer wieder. Gut zu wissen, dass meine Ansätze doch nicht so verkehrt sind ;-)
Dumm nur, dass mein Sohn allem immer GANZ genau auf den Grund gehen muss :wink:
Liebe Grüße von mir


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