antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

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asujakin
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Re: antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

Beitrag von asujakin »

Seerose ich verstehe was du meinst. Ich habe meiner Mutter wohl Mitten in der Pupertät gesagt ich würde mir Regeln WÜNSCHEN. Sie hält mir das jetzt vor, weil mein Sohn ja "anscheinend" keine bekommt.

Der Unterschied war damals bei unserer Art von "MITEINANDER" aber, dass auch schlichtweg die Gemeinschaft und das Interesse und der Respekt gefehlt hat. Hätte sie mehr das Gespräch mit mir gesucht, sich mehr mit mir beschäftigt, Dinge unternommen, mehr versucht heraus zu finden wer ICH eigentlich bin wäre das Gefühl sicher ein anderes gewesen. Ich hatte mich immer gefühlt wie "Interessiert sie doch eh nich wer ich bin und was ich mache, also darf ich machen was ich will". In unserem Fall waren die fehlenden Grenzen sicherlich auch ein Zeitfaktor. Meine Mutter musste sich somit einfach weniger mit mir "beschäftigen".

Ich kam auch auf doofe Ideen damals...wollte Aufmerksamkeit, NEGATIVE in dem Fall. Ja, ich hab das regelrecht gesucht in der späten Kindheit/frühen Jugend, deshalb verstehe ich deine Worte sehr gut.

Ich sehe das mit meinem Sohn momentan aber dennoch TOTAL anders. Einfach weil das Interesse an ihm als Mensch da ist, es eine Gemeinschaft ist und kein "mach doch was du willst". Gut, hier ist es auch kein "laissez-faire" sondern eben größtenteils "unerzogen" aber dennoch. Für meinen Sohn muss ich keine "Respektsperson" sein indem ich ihm Dinge vorgebe. Er respektiert mich, weil ich fair bin, weil ich ehrlich bin und vor allen Dingen ihm und anderen Menschen mit Respekt begegne (egal wie alt sie sind). Ich merke durchaus, dass er sich nach mir orientiert, ganz klar ;)

Aber "antiauthoritär" kann halt leider auch einfach aus mangelndem Interesse oder fehlender Bemühungen entstehen. Das sollte nicht Sinn der Sache sein
Sibi
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Re: antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

Beitrag von Sibi »

Seerose, mich würden konkrete Bsp. interessieren - wie Dein Vater dich gleichberechtigt behandelt hat und Du meinst, dadurch sei der Respekt verloren gegangen oder es hätte Dir nicht gut getan.

Ich habe wie Asu auch meine Zweifel, ob sich Kinder Grenzen wünschen, oder einfach nur echte, stetige Anteilnahme, verbunden mit echten Reaktionen der Eltern. Auch wenn ich etwas nicht verbiete, muss ich es nicht gut finden. Ich kann es völlig daneben finden und das auch deutlich kund tun, ohne das Kind zu bestrafen, wenn es das trotzdem tut.

Das Problem mit "gleichberechtigt" ist, dass damit eigentlich auch "gleichverantwortlich" verbunden ist. Ich bin auch der Meinung, dass Kinder nicht die gleiche Verantwortung haben sollten wie Eltern. Ich mag daher Juuls Begriff der "Gleichwürdigkeit". Bedürfnisse, Wünsche, Emotionen der Kinder sind genauso wichtig wie die der Erwachsenen. Das heißt noch nicht, dass sie immer und gleich erfüllt werden oder können. Aber sie sind ernst zu nehmen und nicht grundlos oder aus fadenscheinigen Gründen abzulehnen.
Sibi
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Re: antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

Beitrag von Sibi »

Zum Respekt: Ich strebe an, eine Autorität für mein Kind zu sein, Vertrauen, Sicherheit und Schutz zu bieten, ohne meine Übermacht (die ich habe) zu missbrauchen. Wo dieser Missbrauch anfängt, ist sicher ein sehr individuelles Empfinden. Auch daher bin ich nicht "anti-autoritär", weil fast jeder Mensch Autoritäten sucht - häufig ja auf ganz verschiedenen Gebieten. Die größten Autoritäten können ja z. b. Trainer sein oder ältere Kinder, die den gleichen Sport/das gleiche Hobby machen. ;)
Zu hoffen ist nur, dass man ihnen nicht gedankenlos hinterherläuft, sondern dabei immer noch der Kopf angeschaltet bleibt. übersetzt: Ich hoffe, mein Kind vertraut mir und macht i. d. R. was ich ihm sage, in der Erfahrung, dass es einen guten Grund dafür gibt. Aber ich habe kein problem damit, hinterfragt zu werden, ob das, was ich gerade will, wirklich sinnvoll ist und hinterfrage das auch regelmäßig selbst und vermeide es, mich auf Machtkämpfe einzulassen.
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Re: antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

Beitrag von Seerose »

Asu, ich hab das wirklich nur rückblickend in Bezug auf mich geschrieben. Dies soll keine Wertung und Bewertung sein auf heutige Erziehungsstile, daß ich da nichts 100%iges unterschreiben kann oder womöglich allumfassende Ratschläge habe. Ich denke nämlich auch, daß nicht jeder Erziehungsstil zu einem paßt, weder zu jedem Kind noch zu jedem Erwachsenen, und sei er noch so toll.

Bei mir war es eigentlich sogar umgekehrt, was die Zeit für mich betraf. Ich war 7 Jahre Einzelkind und meine Eltern hatten alle Zeit der Welt sich mit mir zu beschäftigen und haben tatsächlich aus Überzeugung die antiautoritäre Masche gewählt, da sie beide den autoritären Stil ihrer Kindheit total verachtet hatten. Zu Recht natürlich, aber irgendwie haben sie es nicht hinbekommen (zumindest aus meiner Sicht) es wesentlich besser zu machen. Es war gut gemeint, aber was dabei herausgekommen ist, war eben weniger gut.

Witzigerweise habe ich als Kind extrem gemerkt, daß meine Eltern alles anders machen als die anderen Eltern. Und komischerweise hab ich mich trotz der Freiheiten die ich hatte damit nicht wohl gefühlt. Ich hatte mir sogar gewünscht mal Stubenarrest wie die anderen alle als Strafe zu bekommen, warum weiß der Geier... Womöglich weil ich es irgendwie schick fand und eben so sein wollte wie die anderen. (Das altbekannte Thema:) Ich erinnere mich, daß ich einmal meine Mutter fragte, warum ich denn nie Stubenarrest bekäme... :lol: Sie meinte nur, daß es ein totaler Blödsinn sei, sie von solchen Strafen nichts halten würde und sie sowieso der Meinung ist, daß es gut ist so viel wie möglich an der frischen Luft zu sein. :lol:
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Re: antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

Beitrag von Seerose »

Sibi hat geschrieben:Seerose, mich würden konkrete Bsp. interessieren - wie Dein Vater dich gleichberechtigt behandelt hat und Du meinst, dadurch sei der Respekt verloren gegangen oder es hätte Dir nicht gut getan.
Hmmm, nein, so würd ich das nicht ausdrücken. Also, ich meinte einerseits haben meine Eltern immer versucht mich gleichberechtigt zu behandeln und andererseits habe ich eben keinen Respekt vor ihnen gehabt. Ich kann nicht behaupten, daß es "dadurch" passiert ist, nur vermuten.

Puhh, Beispiele, hmmm, also im Vergleich zu den anderen Eltern damals haben sich meine Eltern eben nie als Autoritätspersonen durchgesetzt wenn sie etwas von mir verlangt hatten. Sie waren immer bereit mit mir darüber zu diskutieren und auch meine Wünsche dementsprechend zu respektieren. Ich wollte mit 4 Jahren z. B. mal alleine in den Urlaub fahren, das hatte ich ihnen so gesagt und dann hatten sie sich mit mir an einen Tisch gesetzt und dieses mit mir erörtert. Ich hab meine Argumente dafür aufgezeigt und 3 Wochen später durfte ich 6 Wochen alleine in ein Kindererholungsheim fahren. Hmmm, ich weiß im Nachhinein nicht ob das wirklich nötig gewesen wäre... Klar, ich war glücklich, mein Wunsch ist erfüllt worden, ich war nach dieser Reise noch selbstständiger als vorher, aber muß man einem 4jährigen Kind solch einen Wunsch wirklich sofort erfüllen?
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antiautoritär-wie gestaltet sich das Zusammenleben?

Beitrag von ApplePie »

Bei deinem Text U. muss ich an den Satz von Juul denken "Kinder sind gleichwürdig aber nicht gleichberechtigt."


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