der vernachlässigte tragling

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LeMiss
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der vernachlässigte tragling

Beitrag von LeMiss »

ich bin als tragende mutter von vier kindern und trageberaterin ja schon mit vielen bedenken und vorurteilen aus dem umfeld konfrontiert worden. die meisten davon gingen in die richtung "kind wird verwöhnt".
heute allerdings wehte der wind aus einer anderen richtung und ich bin etwas nachdenklich geworden.

folgende "eckdaten": tragling ist 3 wochen alt, voll gestillt, familiengebettet und tragling. er wohnt praktisch im tuch :oops:
unser ablauf ist so, dass er im tuch schläft, er wird nach bedarf gestillt, wenn er wach ist, wird er "bespaßt" bzw liegt bei uns auf der couch, etc.
sobald er müde und knatschig wird binde ich ihn wieder ein wo er selig vor sich hin schlummert. seine wachphasen sind jetzt noch sehr kurz, er ist ja noch ganz klein.
ich versuche auch nicht ihn "alleine" schlafen zu lassen, weil ich weiß, dass er nicht alleine liegen mag und ich "schunkle" ihn auch nicht am arm herum und sitze dann mit schlafendem kind auf der couch, weil ich einfach die hände frei brauche für die drei geschwister und haushalt.

heute wurde ich damit konfrontiert, dass ich es mir leicht machen würde und mich nicht richtig mit dem baby beschäftige. ich würde mir nicht die mühe machen ihm zeit zu schenken, weil ich ihn mehr oder weniger mit dem tuch abfertige. ich beachte sein schlafmuster nicht, etc.
und es wäre nicht gut für ihn soviel zeit im tuch zu verbringen.

jetzt bin ich doch etwas nachdenklich ..... gibt es ein "zuviel" im tuch? wie weit geht bedürfnisorientierung, etc. ?

würd mich sehr über eure gedanken dazu freuen.
Das Einzige, dass uns vom Affen unterscheidet, ist die Langeweile.
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posy
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von posy »

Meine Liebe, ich verstehe, dass einen solche Kommentare aus der Bahn werfen können. Du bist emotional noch leicht verwundbar und fast noch im Babymoon.

Aber ich finde, du gibst deinem Baby jetzt genau das, was es braucht, Deine Nähe. Und zwar so oft wie möglich - obwohl da noch drei große Geschwister sind, die dich auch brauchen. In den ersten Wochen schlafen die Kleinen ja wirklich noch viel.

Will sagen: Dein Kind ist ja nicht "abgeschoben" auf den Rücken. Und schon gar nicht vernachlässigt.

Natürlich widmet man sich einem Geschwisterkind nicht mehr so intensiv wie dem ersten Kind. Aber du wirst dir deine Zeit auch für Deinen Jüngsten nehmen, wenn es an der Zeit ist.
Liebe Grüße von Nina mit dem großen (05/07), dem mittleren (10/09) und dem kleinen Tragling (2/2013)
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fennek4
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von fennek4 »

:shock: das man auf solche ideen kommt... so ganz nah an der mama ist doch aller-allerbeste für ein baby. davon bin ich überzeugt! das wir, tragemamis, uns das leicht machen, das stimmt aber auch irgentwie. nur nicht im schlechten sinne, sondern im allerschönsten!
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Roana
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Roana »

Also Ich find das quatsch.
Jemand schrieb hier mal was von "psychologischer Frühgeburt" das fand ich recht einleuchtend, vielleicht mag das nochmal jemand erklären.

Meine Maus hat die ersten drei Monate auch nur im Tuch gelebt, und ich denke ich konnte nix besseres machen, vorallem da sie eben nicht mehr das erste Kind war und es noch einen Bruder gab der auch beschäftigt werden wollte.
Sie war dadurch doch immer dabei, und gerade schlafen ist doch so unendlich wichtig für die Entwicklung. Was gibt es da besseres als bei Mama oder Papa zu schlafen?
Vertraue darauf das euer Tragling dir zeigen wird wenn er mehr braucht, weil das wird er ganz sicher.
Als meine Maus ca. 3 Monate alt war, war es wie ein erneutes Erwachen. Schlagartig wurden die Wachphasen immer länger und somit auch die Zeiten in denen wir uns mit ihr bewusst beschäftig haben, eben weil sie es eingefordert hat.
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kasimira
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von kasimira »

ICh denke auch, dass du deinem Kind das Beste gibst. Wie solltest du dich denn mit einem 3 Wochen alten Baby beschäftigen? ICh denke, dass du tust ja auch beim Wickeln und beim Stillen.
und wie Posy schon schrieb, um ein Geschwisterkind kann sich eben nicht mehr so intensiv kümmern.
liebe Grüße,
kasimira
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Keelis
hat viel zu erzählen
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Keelis »

Ich weiß nicht. Ich halte das für Blödsinn. Es ist doch normal das man dem ersten Kind die meiste Aufmerksamkeit zu Teil werden lässt.
Jedes weitere läuft mit, je nach dem wie viel Aufmerksamkeit es fordert. Ich finde mit tragen wirst du dem wichtigstem Grundbedürfnis deines Babys nach Nähe und Wärme gerecht. Viel mehr wollte mein Sohn bisher auch nicht und er ist derzeit Einzelkind :wink:
Vermutlich würdest du deinem Baby auch nicht mehr Aufmerksamkeit schenken wenn er irgendwo im Bettchen läge oder?
Ich erlebe es jedenfalls immer wieder, das die Zweitkinder von Nicht Trageeltern neben dem üblichen stillen oder füttern, wickeln und dem ab und zu mal duzi, duzi nicht weiter bespaßt werden. Vor allem die nicht die sich nicht großartig melden.
Also, lasse dich nicht verunsichern, genieße eure erste Kuschelzeit im Tuch. Wenn du irgendwann mal wirklich spürst dein Baby braucht dich mehr, wirst du dir die Zeit schon nehmen. Da bin ich mir sicher.
"Wer glaubt gut genug zu sein, hat aufgehört besser zu werden"

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Clauwi GK 05/2012 & MK 07/2012
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Sibi
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Sibi »

LeMiss hat geschrieben: heute wurde ich damit konfrontiert, dass ich es mir leicht machen würde und mich nicht richtig mit dem baby beschäftige. ich würde mir nicht die mühe machen ihm zeit zu schenken, weil ich ihn mehr oder weniger mit dem tuch abfertige. ich beachte sein schlafmuster nicht, etc.
und es wäre nicht gut für ihn soviel zeit im tuch zu verbringen.
Das baby ist noch nicht mal ein Monat - wie soll man sich denn mit dem beschäftigen? Meine Tochter wollte in der Zeit nur Stillen und Körperkontakt. Selbst Ansprache war ihr sooo egal.

Der Umgang mit Kindern ist hier traditionell stark verbal, aber gleichzeitig körperlich eher distanziert. Ich habe anfangs wenig mit meinem Kind gesprochen (weil es so gar nicht reagiert hat, wenn ich es doch tat), aber viel Körperkontakt gehabt. Im Laufe der Zeit hat sich das Verhältnis gewandelt - inzwischen rede ich sehr viel mit ihr, während sie neben mir her watschelt. :lol: Ich denke, das ist der Schlüssel, zu erkennen wann welches Kind was braucht. Ich habe es mir auch einfach gemacht - warum sollte ich es mir schwerer machen als notwendig? Das ist doch kein Argument.
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novi
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von novi »

Ich habe mir da auch schon Gedanken gemacht. Der Grund war, dass unser Midi erst mit 18 Monaten mit dem Laufen anfing, weil er eine schwache Rückenmuskulatur hatte.
Naja, der "Mini" war jetzt nicht weniger im Tuch und hat dann heute mit noch nicht 13 Monaten seine ersten Schritte hingelegt.
Manchmal habe ich ihm gegenüber ja auch ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er immer "nur" im Tuch dabei war. Aber, er war/ist eben d a b e i.
Wenn er mitmischen möchte, so hat er das von Beginn an gezeigt, auch schon mit wenigen Monaten.

Die Kinder im Tuch lernen ja beständig, weil sie einfach dabei sind. Sie können selbst entscheiden, wann sie Anreize von aussen aufnehmen oder eben nicht. Ich finde, sie sind dadurch mehr dabei als Kinder, die eben "normal" eher abgelegt werden.

Darüber hinaus fordern die Kinder die Aufmerksamkeit ja auch ein, wenn sie sie brauchen.

Dennoch habe ich dann und wann auch diese Stimme im hinterkopf, aber ich denke, ich kann sie beruhigen ;-)

Dein Kind ist 3 Wochen alt. Das ist ganz sicherlich nochmal eine andere Situation. Mehr Sicherheit und Bindung als ein ständiges Dabeisein kann man einem Säugling doch kaum noch vermitteln ? Mehr noch: Bei unserer Großen (als Erstlingsmama) dachte ich ständig, das Kind braucht Aufmerksamkeit. Im Nachhinein habe ich dann gemerkt, dass ich mein armes Baby manchmal ganz schön gestresst habe. :oops:

Was ich sagen will: Mach weiter so, Dein Kind zeigt Dir, was es braucht.
Sonnige Grüsse, novi
mit Maxi (10/2007), Midi (10/2009) und Mini (04/2011)
Elena
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Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Elena »

Jetzt, wo ich ein zweites Kind habe und aufwachsen sehe, erlebe ich, wie schön und natürlich es für ein Kind ist, einfach "dabei" zu sein in der Familie. Für mich fühlt es sich viel natürlicher an, wenn die Kleine einfach mit dabei ist, mit der Großen beim Einkaufen, bei Freunden, im Garten, als es damals mit der Großen war: Mama allein mit Baby zuhause, höchstens mal in irgendwelchen komischen Babygruppen...

Dem Kind Zeit schenken - was bedeutet denn das bei einem Neugeborenen??? Ich schließe mich den andern an: Stillen und kuscheln, egal ob im Tuch oder so auf dem Sofa. Wenn man das Kind dabei hat und aufmerksam ist, merkt man doch, wenn es Interesse an etwas zeigt. Darauf geht man dann ein. Außerdem erlebt das Baby im Tuch ja auch so einiges: Deine Bewegungen, deine Wärme, verschiedene Stimmungen, Wind und Wetter, Geräusche... da ist doch eigentlich immer was los. :D Und wenn dir das nicht reicht, kannst du in ein paar Wochen immer noch über Babyschwimmen nachdenken. :wink:

Abgesehen davon halte ich eine 1:1-Bespaßung, wie ich sie hier oft bei wohlhabenden Großstadt-Müttern ab Mitte 30 erlebe, für eher pathologisch. :oops:
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Lösche Benutzer 9067

Re: der vernachlässigte tragling

Beitrag von Lösche Benutzer 9067 »

Wie mans macht, so ists verkehrt... Ich habe zwar keine Erfahrung mit mehreren Kinderm, möchte dir aber eine ((())) dalassen. Und ich glaube zu verstehen, was der/die Sprechende meinte, du setzt dich zuwenig mit dem Kind auseinander. Dabei hat doch so ein kleines Wesen noch fast keine anderen Bedürfnisse als bei Mama zu sein. Es braucht die Mama und kein abgeschottetes Zimmerchen, um zu schlafen...

(und apropos pathologischer 1:1 Bespassung, mir fiel im Mutterschaftsurlaub schon mal die Decke auf den Kopf...)
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