Könntet ihr schlachten?

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Lavinia
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Lavinia »

Maja hat geschrieben:
Lavinia hat geschrieben:Ich finds toll, wenn jmd. auf Fleisch verzichten kann. Ich könnte es nicht. So ein Steak vom Grill ist doch einmalig! Und auch mein Mann hätte da wohl längst die Flucht ergriffen. Die Kinder werden eh im Kiga bzw. Krippe versorgt und da gibts ja auch Fleisch.
Jeder KANN auf die Dinge verzichten, auf die er verzichten will. Sorry, aber das ist doch Deine Entscheidung, wenn Dir das Steak gut schmeckt, es dann zu essen - Du könntest Dir auch Fetakäse oder Maiskolben auf den Grill legen, aber das willst Du eben nicht. Das ist doch kein innerer Zwang, dass man etwas isst, was man eigentlich nicht essen will.
Und glücklicherweise haben viele Vegetarierinnen einen Partner, der an seiner Frau so viele Eigenschaften wertschätzt, dass er sie nicht verlassen muss nur weil sie keine Steaks isst :wink:

ja, ich meinte, dass ich nicht auf Fleisch verzichten WILL :wink: Mein mann würde mich auch gewiss nicht verlassen, wenn ich keines mehr essen würde, aber ich sähe hier dann wohl ganz schön alt aus. Und gerade an den Fesstagen immer nur die Beilagen zu essen - nö, da hätte ich keine Lust drauf.

Lavinia
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feuerdrache
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von feuerdrache »

Mich stört hier in dieser Diskussion, dass es wieder auf "Vegetarier sind die besseren Menschen" hinausläuft. Leider ist das definitiv nicht der Fall. Nicht weil jemand Vegetarier ist, ist er automatisch lieber, besser, menschlicher ect.

Auch ist es nicht möglich, auf allen Flächen die ich mit "Tieren bewirtschafte" (hier mal mit Fachjargon um mich schmeissend, für Weidehaltung, oder auch Gras abmähen um es zu verfüttern) menschliche Nahrung anzubauen.

Mal im Klartext: auf den Almen, den sauren Wiesen den Grenzertragsflächen kann ich nichts anbauen wie zB Gemüse, und auch Getreide liefert hier keinen Ertrag mehr. Dort wo es nur mehr 500mm Niederschlag im Jahr gibt, da ist es kaum mehr möglich Gemüse in größeren Mengen zu pflanzen. Ab gewissen Sehhöhen sowieso. Natürlich kann jetzt jemand erwidern, dass man diese Flächen auch nicht bewirtschaften muss, der Natur zurückgeben sollte. Nun, diese Flächen gehören jemanden, ein Bewirtschaftungsverbot ist klare Enteignung. Jeder Wohnungsbesitzer würde laut schreiend vor den Kadi ziehen, wenn er nicht mehr in seine Wohnung darf, weil da Fledermäuse nisten sollen oder ein seltener Käfer oder was weiß ich. Nur mit uns Bauern kann man das ja machen. Wenn ich Almen und die Wiesen nicht mehr mähe, verwildern sie, nach einiger Zeit kommt der Wald zurück. Die Landschaft verändert sich. Aus ist es mit den meisten Schipisten, Wanderzielen. Gut, das könnte mir als Nicht Schifahrer und Nichtwanderer egal sein. Aber es verschwinden dann auch typische Trockenwiesen mit ziemlicher seltener Tier und Pfalnzenwelt. Die sich einfach nur durch regelmäßigen Schnitt oder Beweidung erhalten hat. Gut, wer braucht schon das Baumwollgras. Oder die Pracht- und Federnelken. WEnn ich dort doch mähe, wohin dann mit dem Grasschnitt. Der schmeckt nicht, auch wenn ich ihn als Spinat koche oder mit Essig und Öl anmache. Der ist nur durch das Tier verwertbar (Schafe und Kühe sind Wiederkäuer und können damit das Gras fressen und verwerten, Klugscheiss modus aus)

Und die WElt rette ich mit "Nicht Fleisch Essen" auch nicht. Das Ersatzprodukt Tofu ist ja auch so ein nicht notwendiges Luxusprodukt. wer schon mal selbst Tofu oder Seitan gemacht hat, weiß wie extrem zeit- energie und materialaufwändig die ganze Sache ist. Aber was tun? Sicher, da bin ich ganz bei Euch, ist eine Reduktion des Fleischkonsums auf max. 2 Mahlzeiten die Woche eine ganz klare und richtige Sache. Aber man muss auch für sich selbst überlegen, ob es der richtige Weg ist, dann importiertes Gemüse, Obst und Erdbeeren im Winter zu essen. Das sind für mich auch so derartige Luxusprodukte, die echt nicht notwendig sind.

Das Vorbild, das wir der Welt liefern ist armselig. Alles muss WEißmehl sein, Weizen, das lernen schon die kleinen Kinder irgendwo in Arfika. anstelle der dort heimischen, und mit dem dortigen Klima und Wasserangebot wachsenden Pflanzen wie Hirse, Maiok und was auch immer, muss Weizen angebaut, gespritzt werden. Die großen Firmen schreien nach gentechnisch veränderten Pflanzen, anstelle es mal mit gescheiter Zucht zu probieren. Es muss alles zum Weltmarktniveau (vom Bauern) produziert werden. Anstelle von 40% des Einkommens, wie in den 70er Jahren, geben wir nur mehr etwa 15% des Einkommens für Essen aus. Trotzdem ist es allen zu teuer. Hauptsache der Urlaub in Nord Ost irgendwas ist drin.

Sorry, ich ärger mich gewaltig. Es werden hier alle Bauern als böse fleischproduzierende Monster in einen Topf geworfen. Da fühle ich mich mit unseren 45 Mutterschafen angegriffen. Auch wenn niemand schreibt: "Feuerdrache ist....."

Die industrielle Tierhaltung ist auch mir ein Dorn im Auge. Ich versuche aber auch den WEg dorthin zu verstehen. Die Bauern die es so machen, haben sich ja nur die ganz normale Wirtschaft zum Vorbild genommen,. haben gemacht, dass was die meisten von uns machen. Sich das Leben etwas einfacher. Wollten auch ein gewisses Einkommen haben.

Ich verstehe jeden der Fleisch isst, ich esse es selsbt gerne. Es schmeckt mir. Ganz klar lerne ich meinen Kindern Achtung vor den Geschöpfen, Rücksicht auf die Umwelt und die NAtur. Aus diesem Grund essen wir keinen Seefisch, obwohl er lecker wäre. Keine Shrimps, keine Muscheln.
Aber ich respektiere auch Menschen die kein Fleisch essen, versuche nicht sie vom Fleischkonsum zu überzeugen. Nur errwarte ich mir dasselbe auch umgekehrt und kein irgendwie suggerieren dass wir die schlechteren Menschen sind.
Maja
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Maja »

Lavinia hat geschrieben:
Maja hat geschrieben:
Lavinia hat geschrieben:Ich finds toll, wenn jmd. auf Fleisch verzichten kann. Ich könnte es nicht. So ein Steak vom Grill ist doch einmalig! Und auch mein Mann hätte da wohl längst die Flucht ergriffen. Die Kinder werden eh im Kiga bzw. Krippe versorgt und da gibts ja auch Fleisch.
Jeder KANN auf die Dinge verzichten, auf die er verzichten will. Sorry, aber das ist doch Deine Entscheidung, wenn Dir das Steak gut schmeckt, es dann zu essen - Du könntest Dir auch Fetakäse oder Maiskolben auf den Grill legen, aber das willst Du eben nicht. Das ist doch kein innerer Zwang, dass man etwas isst, was man eigentlich nicht essen will.
Und glücklicherweise haben viele Vegetarierinnen einen Partner, der an seiner Frau so viele Eigenschaften wertschätzt, dass er sie nicht verlassen muss nur weil sie keine Steaks isst :wink:

ja, ich meinte, dass ich nicht auf Fleisch verzichten WILL :wink: Mein mann würde mich auch gewiss nicht verlassen, wenn ich keines mehr essen würde, aber ich sähe hier dann wohl ganz schön alt aus. Und gerade an den Fesstagen immer nur die Beilagen zu essen - nö, da hätte ich keine Lust drauf.

Lavinia
Ok, so sieht das schon anders aus, Du hattest geschrieben Du könntest nicht auf Fleisch verzichten, und das habe ich angezweifelt :wink:
Aber ehrlich gesagt, die Vegetarier, die nur Beilagen essen, sind echt selbst Schuld - entweder können sie keine Kochbücher lesen oder sie haben rücksichtslos kochende Verwandte :wink: Es gibt sooooo leckere vegetarische Gerichte, definitiv genauso viele wie leckere Fleischgerichte.
(Und es gibt langweilige und fade vegetarische Gerichte - ebenso wie geschmacksarme und öde Fleischgerichte.)
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Lavinia »

ich wusste nicht, dass hier direkt jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird :-) Umgangssprachlich sagt man doch oft "ich könnte das nicht", wenn man meint "ich würde das nicht wollen", oder? Es war also eher ein Kommunikationsproblem
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Maja »

feuerdrache hat geschrieben: Aber ich respektiere auch Menschen die kein Fleisch essen, versuche nicht sie vom Fleischkonsum zu überzeugen. Nur errwarte ich mir dasselbe auch umgekehrt und kein irgendwie suggerieren dass wir die schlechteren Menschen sind.
Ich finde nicht, dass irgendjemand zum naturbewussteren Menschen wird nur aufgrund seiner Ernährung - was nützt zum Beispiel die superbewussteste vegane Rohkosternährung, wenn man auf der anderen Seite drei Flugreisen nach Südostasien im Jahr unternimmt... oder Vegetarier die dann Klamotten von kik tragen... oder jemand der konsequent Müll vermeidet, nur mit ÖPNV fährt, nur minimal Strom verbraucht, aber dafür jeden Tag seine Schweinshaxe und Bodenhaltungseier mit literweise Milch runterspült... alles irgendwie inkonsequent, oder?

Jeder muss selbst wissen, wo er es verantworten kann, dass andere Lebewesen und die Natur als Ganzes für den eigenen Lebensstil leidet, geschädigt wird, zurückstecken muss. So ziemlich alle Menschen sind an irgendeiner Stelle "inkonsequent". Ich finde es nur wichtig, dass man sich immer mal wieder wirklich klarmacht, welchen Preis der eigene Lebensstil an anderer Stelle hat. Und ob man das so vor sich selbst und seinen Kindern vertreten kann. Es löst nicht alle Probleme dieser Welt, wenn auf einmal keiner mehr Fleisch ist - und ebenfalls löst es nicht alle Probleme, wenn sich auf einmal keiner mehr ins Flugzeug setzt. Aber es würde eine Menge Probleme lösen, wenn jeder einzelne für sich bewusster mit Lebewesen und natürlichen Ressourcen umgeht.
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Maja »

Lavinia hat geschrieben:ich wusste nicht, dass hier direkt jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird :-) Umgangssprachlich sagt man doch oft "ich könnte das nicht", wenn man meint "ich würde das nicht wollen", oder? Es war also eher ein Kommunikationsproblem
Ja, es ist eine Kommunikationssache, aber eine wesentliche - das Unterbewusstsein lässt sich da prima beeinflussen :D Es hilft in jeder Hinsicht, auch umgangssprachlich drauf zu achten, ob man etwas nicht kann - oder nicht will - oder vielleicht nicht darf, nicht sollte, etc. Das löst manches Problem.
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von (ka) »

feuerdrache toller post! i like.
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Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Lola85 »

(ka) hat geschrieben:feuerdrache toller post! i like.
dito!
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von Giraeffchen »

Maja hat geschrieben:
Jeder muss selbst wissen, wo er es verantworten kann, dass andere Lebewesen und die Natur als Ganzes für den eigenen Lebensstil leidet, geschädigt wird, zurückstecken muss. So ziemlich alle Menschen sind an irgendeiner Stelle "inkonsequent". Ich finde es nur wichtig, dass man sich immer mal wieder wirklich klarmacht, welchen Preis der eigene Lebensstil an anderer Stelle hat. Und ob man das so vor sich selbst und seinen Kindern vertreten kann. Es löst nicht alle Probleme dieser Welt, wenn auf einmal keiner mehr Fleisch ist - und ebenfalls löst es nicht alle Probleme, wenn sich auf einmal keiner mehr ins Flugzeug setzt. Aber es würde eine Menge Probleme lösen, wenn jeder einzelne für sich bewusster mit Lebewesen und natürlichen Ressourcen umgeht.
Danke, Maja.
So sehe ich es auch.
Liebe Grüße, GiraeffchenBild mit dem großen Knopf und dem Herbstwichtel


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"Es ist gefährlich,
zu lange zu schweigen.
Die Zunge verwelkt,
wenn man sie nicht gebraucht."

(Astrid Lindgren)
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Re: Könntet ihr schlachten?

Beitrag von BEcKa »

feuerdrache hat geschrieben:Mal im Klartext: auf den Almen, den sauren Wiesen den Grenzertragsflächen kann ich nichts anbauen wie zB Gemüse, und auch Getreide liefert hier keinen Ertrag mehr. Dort wo es nur mehr 500mm Niederschlag im Jahr gibt, da ist es kaum mehr möglich Gemüse in größeren Mengen zu pflanzen. Ab gewissen Sehhöhen sowieso.
Wie schön wäre die Welt, wenn die Tiere, die Menschen essen tatsächlich NUR in solch idyllischer Umgebung gehalten werden würden! Das Problem ist die MASSE und unter anderem die unfassbar grausamen Haltungsbedingungen und die wirtschaftlichen Subventionen in Europa, die Menschen anderer Länder in den Ruin treiben.

WO steht eigentlich, dass Vegetarier nicht die die besseren Menschen sind ? :D (ich fände das schön, wenn es so wäre...)
Und wo steht, dass jeder der Vegetarier ist, rückhaltlos Luxusprodukte verzehrt und gedankenlos Flugreisen macht? Ich schließe mich Maja an, allein Vegetarismus ist auch keine Lösung, aber als guter Anfang geht es mit Sicherheit locker durch!


Wir alle haben IMMER eine Wahl, die wir treffen und den Preis den wir für diese Wahl bezahlen. Ob das nun Vegetarismus, Ökostrom, Bioerzeugung oder oder oder oder ist. Und bei all diesen ENtscheidungen gibt - je nachdem aus welcher Perspektive amn es betrachtet - auch ein besser oder schlechter.


Warum Du Dich angegriffen fühlst, feuerdrache, kannst Du nur selbst ergründen, auch warum Du DIch plötzlich als schlechteren Menschen oder fleischproduzierendes Monster wahrgenommen wahrnimmst - es könnte jedoch unter Umständen ein kleines bißchen damit zu tun haben, dass es DIr eben, trotz der eventuell besten Haltungsbedingungen Deiner Schafe eben doch einen STich gibt, wenn es an der Zeit ist, die Lämmer zu ermorden.

Nochmal meine Frage: Wieso maßen wir uns das Recht an, Tiere als Eigentum zu betrachten - Sklaverei ist ja auch verboten. Warum gibt es Menschen, die Tiere als "weniger wert" betrachten?
Liebe Grüße
Becka
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und ein Bild- Dich trag ich bei mir, bis der Vorhang fällt...



Nolle in causa est, non posse praetenditur
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