mal ganz provokativ

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bienenmeister
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von bienenmeister »

Emmal J. hat geschrieben:
bienenmeister hat geschrieben:[Ich bin 87 in der DDR geboren, auch mit 6 Monaten Krippe, früh sauber. Und bin frech wie Bolle :mrgreen:

Frech....andere würden es vielleicht Schutzpanzer nennen, nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.
Aber bist Du auch zufrieden, geduldig, optimistisch? Fühlst Du Dich wohl? Du in Dir drin, nicht diese Bollerfassade, die Du darstellst?
Bollerfassade ??

Stell dir vor, es gibt glückliche und gesunde Menschen! Ach wie schön...
mit Äffchen (02/2012) und Sommerhoffnung (07/2015)
Tragen für Fortgeschrittene: Heute mal ohne Tuch!

.... lost in translation ....
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Zierbanane
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mal ganz provokativ

Beitrag von Zierbanane »

Mir ist es ein Anliegen noch einmal zu sagen, dass nicht jedes Kind, was in der DDR groß wurde Probleme hat. Ich habe keine. *g* Nee, das meine ich ernst.
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greenie bird
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von greenie bird »

ich glaub nicht, dass es ein 'DDR' Ding ist
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

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Verseau
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Verseau »

Emmal J. hat geschrieben:
Verseau hat geschrieben:achja, an selbstvertrauen mangelte es mir bis ich meinen mann kennen gelernt hab ;-)
hab mich nicht mal getraut im geschäft nach anderen größen zu fragen oder so.

ich bin 86 in der DDR geboren, das sagt glaub ich ziemlich viel aus, oder?
mit 6monaten in die krippe, zum sauber werden auf den topf gesetzt und mit nem gürtel am laufstall fixiert, ferbern ect.pp

Ehrlich, da muß man doch weinen, wenn man sowas über sich selbst schreibt, oder? :|
ja, ich hatte tränen in den augen als ich das geschrieben hab...


Emmal J. hat geschrieben: Meine Kinder sind geAPt und meine Tageskinder überwiegend geDDRt. Und der Unterschied ist sooo enorm. In der Aufnahmefähigkeit, im Körperbewußtsein, in der Frustrationstoleranz, im Selbstbewußtsein, in der Lebensfreude!!!
Wir haben heute die Recoursen, daß unsere Kinder das Leben so auskosten können. Dafür können wir nur dankbar sein.


glg!
das merk ich hier auch.
paul hat einen jungen im kiga, der ist soooo schnell frustriert und wird dann agressiv.
er geht selber vor die tür um sich abzureagieren, ich weiß aber nicht ob das von den erziehern so gefordert wurde oder ob er es von sich aus macht.

dann ist hier noch einer, dem sogar fremdes eigentum egal ist.
der vater hat ihn zur strafe in den keller gesperrt und geschlagen...
die kleine schwester hat mit nem jahr ganz böse nen schlag auf die finger bekommen, weil sie ne kerze betrachten hat und auf das "leg das hin!"
ihre vaters nicht reagiert hat.
mein sohn war damals 9monate alt und ist in tränen ausgebrochen bei dieser situation.

das ist nur ein kleiner einblick.
wir haben mit diesen leuten seit einem jahr keinen kontakt mehr, unter anderem, wegen ihrer erziehungsmethoden
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Emmal J. »

DDR nahm ich jetzt mal als Synonym für Schreien lassen, ferbern, Top´ftraining, nach Uhrzeit füttern ect.

Ist schon klar, daß es das nicht in der ganzen DDR gab und daß es das davon ab auch noch ganz wo anders gab. Ich fand die Überleitung ganz gut, da in meinem Post die DDR Praktiken zitietr waren.....
Gebt mir ein besseres Wort


...


glg
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Verseau
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Verseau »

zierbanane: schön :D

emma j. das wollte ich auch gerade schreiben ;-)
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miss_undercover
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von miss_undercover »

Sibi hat geschrieben:Miss_Undercover,
mal eine persönliche Frage zu dem Telefonat mit Renz-Polster. Ich hatte bei dem Buch schon den Eindruck, dass er persönlich doch sehr zum AP neigt. Als Wissenschaftler kann er ja auch andere Arten des Umgangs mit Kindern beschreiben und es ist nur seriös, wenn er das auch tut. Aber gefühlsmäßig schien er mir doch eher ein Vertreter von AP zu sein. Oder bilde ich mir das nur ein?
Hallo Sibi,

ich habe schon öfter das Glück gehabt, mit HRP telefonieren zu dürfen für Interviews und ich denke, dass er schon persönlich viele Ansätze vertritt und auch bei seinen eigenen Kindern umgesetzt hat, die so in Richtung AP und Natural Parenting gehen. So war er beispielsweise ganz begeistert, dass ich meine beiden Töchter zu Hause zur Welt gebracht habe, seine Frau und er hätten ja bei ihren Kindern mit Hausgeburten auch so gute Erfahrungen gemacht. Seine Frau ist Mütterpflegerin von Beruf und scheint sich extrem gut Babys und ihren Bedürfnissen auszukennen, und nach allem was er so erzählt hat wurden die gemeinsamen Kinder gestillt und getragen und durften bei den Eltern schlafen. Allerdings betont HRP dabei eben immer, dass Eltern das nicht den Kindern zuliebe tun sollten, wenn es sich für sie falsch anfühlt, sondern nur, wenn es ihnen auch selbst damit gut gehe. Das sei eben ein Teil des evolutionären Pakets: Dass Kinder von ihren Eltern das bekommen, was diese gut leisten können. Er betont, dass der Alltag mit Babys und Kindern eben nur sehr viel leichter und unkomplizierter würde, wenn Eltern ihre Kinder "artgerecht" groß werden lassen. Insofern können sich Eltern zwar für den nicht so bedürfnisorientierten Weg entscheiden - dürfen sich dann aber auch nicht beschweren wenn sie mehr Scherereien haben, etwa Kämpfe wenn's ums Einschlafen geht.

Allerdings ist HRP auch knallharter Realist, der den Mythos vom "ganz natürlichen Umgang" mit Babys als solchen benennt und glasklar sagt, dass wir als moderne Eltern keine Chance haben, unsere Babys wie Steinzeitbabys zu behandeln, selbst wenn wir es versuchen. Denn all das Stillen, Tragen, gemeinsame Schlafen etc, das gut und wertvoll ist, kann nicht ersetzen, was die ursprünglichen Babys hatten: Das Aufwachsen in einer Gemeinschaft, die sich gemeinsam dafür verantwortlich fühlt, dieses Kind groß zu ziehen. Der Knackpunkt, so hat er mir erklärt, sei, dass all diese bedürfnisorientierten Betreuungspraktiken eigentlich nicht darauf ausgelegt wären, von ein oder zwei Bezugspersonen geschultert zu werden. Sondern darauf, dass eine ganze Großfamilie ein Kind trägt, stillt, wiegt und am Körper schlafen lässt. Wenn moderne Eltern nun versuchen, dies auf eigene Faust zu imitieren, dabei aber fast auf sich allein gestellt sind, endet das schnell in Überforderung und Burn Out - weil es eben irre anstrengend ist, IMMER zu tragen, zu stillen, nachts geweckt zu werden, und all das mehr oder weniger allein stemmen zu müssen. Deshalb wirbt er nicht für die "reine Lehre", nciht dafür, so steinzeitmäßig wie möglich mit unseren Kindern umzugehen, sondern für einen Kompromiss: So viel Natürlichkeit und entwicklungsgerechtes Denken, wie wir unter unseren heutigen modernen Lebensbedingungen eben tragen können, und soviel "Zumuntungen" wie nötig, damit auch wir Eltern da unbeschadet durchgehen.

Die Zunge fusselig diskutiert habe ich mir im Gespräch mit ihm beim Thema Ferbern. Er kennt und benennt alle Argumente dagegen und hätte das selbst bei seinen Kindern nie gemacht. Er sagt, dass es für Stillkinder eine untragbare Zumutung sei, weil diese so daran gewöhnt seien, immer genau das zu bekommen, was sie brauchen - inklusive Nähe zu Mama. Für nicht gestillte Kinder aber erachtet er das kontrollierte Schreienlassen durchaus für einen legitimen Weg - wenn andere Alternativen nicht die gewünschte Entlastung bringen. Sein Argument: Es geht in einer Familie immer um Ressourcen, um das Aushandeln davon, wer wie viel geben kann. Wenn Eltern nun nach einem halben Jahr Schlafmangel total erschöpft sind kann es gut und legitim sein, ihr Bedürfnis nach Schlaf über das Bedürfnis des Babys nach nächtlicher Nähe zu stellen. Er bezweifelt nicht, dass das Baby dabei wirklcih verzweifelt ist und leidet, sagt aber, dass es Situationen gibt, in denen eben auch das Baby mal den Preis bezahlen muss dafür, dass der Familienfrieden wieder ins Lot kommt. So funktioniere die Evolution: Jeder ist mal dran, Zumutungen auszuteilen und einzustecken.

Wer aber mein Interview mit ihm im ELTERN Sonderheft "Mein Baby" gelesen hat (in dem auch die Tragefotostrecke, die ich zusammen mit Alex mit vielen Frauen hier aus dem Forum gemacht hatte, drin ist), sieht, dass sein Verständnis von Schlaf und Schlafbegleitung EIGENTLICH genau das ist, was hier auch vertreten wird. Er setzt es nur nicht absolut.

Liebe Grüße
Nora
Trillian
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Trillian »

Die Infos zu deinem Interview finde ih sehr interessant.
Zum Ferbern: ich glaube, dass die Gründe, die er dafür anbringt vielleicht sogar okay sind, auch wenn ich es nicht gemacht hätte. Wo ich es mitbekommen habe, dass geferbert wurde, ging es aber nicht um Lastentragung und Ressourcenverteilung, sondern eher darum, dass die Eltern (oder Dritte?) meinten, es wäre aber mal an der Zeit, dass das Kind alleine schläft und es vielfach auch gar nicht um das Durchschlafen, sondern primär um die Einschlafbegleitung ging. Das kann ich aber nicht verstehen, wenn dies abends der Papa machen kann und sich einfach mit hinlegt. Find ich viel bequemer als den Einschlafkampf. Bei Alleinerziehenden oder beim 2./3. Kind mag das nochmal ander sein
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Kate
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Kate »

Emmal J. hat geschrieben:
... Meine Kinder sind geAPt ...
Im Zeitalter von "Apps" eine wirklich coole, einprägsame Wortkreation, Emma!
„Wenn wir einfach schon ganz früh erfahren dürfen, dass wir sind und dass wir, weil wir sind, gut sind, ich glaube, das kann eine Gesellschaft wirklich grundlegend verändern.“ (Alexandra)
Sibi
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Sibi »

Miss_Undercover,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
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