mal ganz provokativ

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Steff
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Steff »

Ich habe beim ersten Kind gemerkt, dass meine Instinkte völlig konträr waren zu dem was ich gelernt hatte und von dem ich zuvor dachte, dass es richtig sei (Kind muss im anderen Zimmer schlafen, Kind viel ablegen, schreien lassen, etc.).

Ich nehme gerne unsere engsten Verwandten, die Primaten als Vorbild und Beispiel. Die sind völlig losgelöst von kulturellem Hintergrund und Traditionen. Dort werden die Babys getragen, haben quasi Dauerzugang zur Brust und schlafen kuschelnd mit Mama und nicht auf dem benachbarten Baum.
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Lösche Benutzer 1828

Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Steff hat geschrieben:Ich habe beim ersten Kind gemerkt, dass meine Instinkte völlig konträr waren zu dem was ich gelernt hatte und von dem ich zuvor dachte, dass es richtig sei (Kind muss im anderen Zimmer schlafen, Kind viel ablegen, schreien lassen, etc.).

Ich nehme gerne unsere engsten Verwandten, die Primaten als Vorbild und Beispiel. Die sind völlig losgelöst von kulturellem Hintergrund und Traditionen. Dort werden die Babys getragen, haben quasi Dauerzugang zur Brust und schlafen kuschelnd mit Mama und nicht auf dem benachbarten Baum.
genauso war das bei mir auch - Kinderzimmer eingerichtet, Babybett aufgestellt, Kinderwagen stand bereit, Stubenwagen auch........und als ich ihn das erste Mal hielt, fühlte, sah, roch, da konnte ich es nicht mehr, ihn weglegen, ihn allein lassen, das fühlte sich so falsch an....und er ließ es auch nicht zu

Die Affen nehme ich auch gerne als "Vorbild" - auch wenn das von vielen nicht gerne gehört wird ;-)
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Drachenblut
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Drachenblut »

Naja, ich kann die TS schon verstehen.

Selbst im Tierreich wird ja nicht unbedingt zimperlich mit dem Nachwuchs umgegangen. Klar wird da getragen und bei Mama geschlafen, aber das Babyäffchen bekommt auch mal nen Klaps.

@TS: Kennst Du das Buch von Herbert Renz-Polster? Da zeigt er ziemlich deutlich auf, welches Verhalten evolutionär bedingt ist, warum "wir" heute anders damit umgehen, welches Verhalten erlernt ist. Das fand ich sehr interessant.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen: Bei meinen Großen hab ich es so gemacht, wie ich es kannte. Völlig gegen meine Intuition. Das war sehr anstrengend für uns. Die Zeit konnte ich nicht sehr genießen.
Bei dem Kleinen mache ich es so, wie es sich für mich gut anfühlt. Dadurch haben wir es leichter und schöner.

Ob es "richtig" ist, weiß ich nicht. Es kommt wahrscheinlich auch darauf an, welche Ansprüche man hat. Will man, dass sein Kind mal Manager wird? Dann mach ich es wahrscheinlich falsch. Will ich, dass mein Kind sich angenommen fühlt? Dann lieg ich wohl relativ richtig.
LG Drachenblut mit ihrer 3köpfigen Brut :-)

Erfahrungen sind wie Apfelkuchen:
am besten selbstgemacht!


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Sakura
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Sakura »

Drachenblut hat geschrieben:Es kommt wahrscheinlich auch darauf an, welche Ansprüche man hat. Will man, dass sein Kind mal Manager wird? Dann mach ich es wahrscheinlich falsch.
*lach*
ein manager wird (und vor allem bleibt!!!) man nur und ausschließlich, wenn man eine starke persönlichkeit hat. gesundes selbstvertrauen. ausstrahlung. optimismus. frustrationstoleranz. stressresistenz. gute menschenkenntnis. soziale kompetenz.

also alles eigenschaften, die durch AP gestützt werden. ich glaube, unsere kinder haben die besten chancen, manager zu werden :mrgreen:
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
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Drachenblut
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AW: mal ganz provokativ

Beitrag von Drachenblut »

Örks, das will ich gar nicht =/. Aber wenn man es so sieht, wie du: okay, dan eben Manager =). Hauptsache glücklich =)


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inmediasres
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von inmediasres »

Liebe Sakura,

oje, es tut mir leid, deine Welt so erschüttert zu haben, daher erst mal ein Trostpflaster: :wink:

„Bei jeder wahren Mutter wird ferner der Gedanke von großem Gewicht seyn, daß durch die eigne Ernährung des Kindes das Band der Liebe und Zuneigung zwischen ihr und dem Kinde auf das innigste geknüpft, die Abwendung der kindlichen Liebe von der Mutter zur Amme vermieden, der oft nachtheilige Einfluß der Amme auf die körperliche und geistige Natur des Kindes, auf die Sitten, Neigungen und Charakter desselben verhindert, und das körperliche Gedeihen und selbst die Erziehung des Kindes unendlich erleichtert wird.“ Menke 1832

„Sind Mutter und Kind gesund, so daß die erste hinlängliche Fülle an Milch, und das Kind Bedürfniß und Kraft zum Trinken hat, so kommt das Geschäft des Stillens leicht in die gehörige Ordnung, die Mutter richtet sich nach dem natürlichen Bedürfniß des Kindes, und läßt es, so oft es will, sich satt trinken." Menke 1832

"Wir verließen den im ersten Schlummer liegenden Säugling an der Seite der Mutter, denn dort findet derselbe in der ersten Zeit seine beste Stelle; er befindet sich behaglich in der Nähe der Mutter, der die Natur nicht umsonst eine erhöhte Wärme und reichlichen Schweiß gegeben hat. Es ist dem Neugeborenen in dieser Brutwärme wohl und dort schlummert er sanft und ungestört, bis das Nahrungsbedürfniß ihn weckt.“ von Ammon 1854


Ich bin der Meinung, unsere Instinkte können nicht falsch sein. Den Instinkt, ein weinendes Baby zu trösten, haben eigentlich alle Mütter. Das kann nicht falsch sein.

Wenn ich in meinen alten Erziehungsratgebern lese und dort steht, "die Mutter muss sich überwinden, ihr Kind schreien zu lassen" oder "die Mutter darf nicht den weit verbreiteten Fehler begehen, das Kind bei jedem Laut herumzutragen" (und das steht da!), dann lese ich in erster Linie daraus, dass es durchaus nicht üblich war, die Kinder schreien zu lassen. Das kam im großen Maß erst mit Erfindung der Pädagogik.

Man muss sich allerdings davor hüten, zu verallgemeinern. Es war vorher garantiert nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Und der Umgang mit den Kindern war von Region zu Region höchst unterschiedlich. Das zeigen ja schon allein die unterschiedlichen Stillquoten und Sterberaten.

Die Erziehungsziele waren früher einfach andere. Will ich ein Kind, das sich gut einfügen kann? Will ich ein Kind, dass sich nicht unterbuttern lässt? Will ich ein Kind, das nicht stört? Ich, denke, man wusste damals schon sehr genau, was man tat. Der springende Punkt dabei ist jedoch, dass man es eigentlich immer für das Kind tat. Das Kind sollte es leicht haben im (späteren) Leben und dafür musste es gewisse Dinge lernen. Und so hart das klingt, aber was richtig oder falsch ist, liegt im Auge des Betrachters.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich für meinen Teil bin überzeugt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle AP machen würden.

LG
Karin
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Zierbanane
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Zierbanane »

Wenn ich mich hier auf den Boden schmeiße, schreie und heule, dann wirkt das auf meinen Mann unzufrieden. :lol: Und genau so ist es bei einem weinenden und schreienden Kind. Tu ich alles um dem entgegenzuwirken, dann ist das das Richtige.

Säuglingsmilch gab es ganz früher nicht. Da gabs nur Mutters Brust und später feste Nahrung.

Daher weiß ich, dass das, was ich mache, richtig ist.
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WiLada
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von WiLada »

Ich habe nur deinen Beitrag gelesen Sakura.

Was ich sagen möchte...mein Baby schläft nicht im Familienbett, wird nicht getragen, nach Bedarf gestillt, weil ich damit irgendein Volk nachahme! Ich mache es so, weil ich intuitiv merke, dass es ihm gut tut. Jeder Mensch weiß von sich aus, dass weinen bedeutet es geht dem Kind nicht gut, also tue ich das, was es beruhigt.
Ich finde es wird viel zu viel nach diesen ganzen Ratgebern geschaut. Klar so ein Stillratgeber was die Technik angeht ist sicher nicht verkehrt, aber von der Häufigkeit her usw sollte man sich mehr auf sein Gefühl verlassen - mal versuchen alles andere auszublenden.

Auch in die alternative Richtung orientieren sich die Eltern meiner Meinung nach oft zu sehr nach irgendwelchen Psychologen oder sonstwem - wozu?

Ich brauche kein Buch, dass mir sagt ich soll mein Kind nicht loben. Wenn ich mein Kind loben will in einer bestimmten Situation, dann tue ich das aus dem Herzen heraus. Wichtig ist, dass man es ernst meint.

Es gibt nicht DIE Methode. Jedes Kind und jede Mutter ist anders - ich verurteile niemanden. Man sollte versuchen seinen eigenen Weg zu gehen und dabei sowohl die Bedüfnisse des Kindes, als auch die der Mutter nicht ignorieren.
Jede gesunde Mutter kann es nicht ertragen ihr Kind nach der Geburt einfach abzugeben und hören zu müssen wie es stundenlang alleine weinen muss.
Das ist unser Instinkt, der geht nicht einfach verloren, man überblendet ihn nur mit äußeren Einflüssen.

Mütter, die ferbern, sitzen meist weinend im Nebenraum. Das ist doch ein Zeichen, dass es nicht naturgemäß sein kann, dass es falsch ist in der Situation das Kind allein zu lassen.
Manchmal denke ich mir, schmeißt all die Ratgeber weg, schließt die Ohren bei "gutgemeinten Tipps" und macht es einfach so, wie euer Herz es euch sagt.

Es ist kein Argument zu sagen "Stoffis sind besser, die Afrikaner machen das auch so" man könnte ja auch sagen "Mülltrennung ist Schwachsinn, die Afrikaner machen das auch nicht"....Nur weil jemand anderes etwas macht, heißt es nicht, dass es automatisch besser oder schlechter ist.
Mit Herzlichkeit(10), Heiterkeit(8), Sonnenschein(2) , Geschwisterchen (6/21) , und einem kleinen Sternchen (10SW 2017)
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Steff
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Steff »

Stichwort: artgerechte Haltung, bzw. artgerechte Behandlung ;)

Da wird im Zoo das Gorilla-Baby-Waise mit abgepumpter gespendeter Frauenmilch gefüttert, aber das Baby von nebenan kriegt Beba Hipp Alete und Co.

Ich finde es erschreckend wie wenig der Großteil der Bevölkerung über die Aufzucht der Jungen der eigenen Spezies weiß.
Instinkte scheinen mir bei vielen Müttern aus dem Bekanntenkreis total verschütt gegangen.
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Sahara
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Re: mal ganz provokativ

Beitrag von Sahara »

Das Verhältnis zu meiner Mutter ist nicht das Beste. Ich weiss nicht, wie es sein sollte, weil mir logischerweise der Vergleich fehlt, aber es ist ein Verhältnis, was ich mir für meine Kinder nicht wünsche. Man respektiert sich, man trinkt mal einen Kaffee, redet über Tagesaktuelles.
Aber nah ist man sich nicht. Gefühlsneutral....Gleichgültig.
Und seit ich selbst Mutter bin, wird die Kluft zwischen uns grösser. Ich war mal ihr Kind. Aber mehr auch nicht.
Ich wurde geboren im KH und danach eine Woche im Babyzimmer gelassen. Ich wurde nur 4 Wochen gestillt. Nicht getragen. Ich schlief allein in einem Zimmer. Ich wurde geferbert. Tagsüber war ich die meiste Zeit im Laufgitter. Mit 8 Wochen war ich in der Krippe.
Mit 18 bin ich ausgezogen.
In der Generation meiner Mutter wurden Babys eben so behandelt, vielleicht kann ich ihr das nicht vorwerfen.
Was ich vorwerfe, ist, dass nichts, aber auch gar nichts hinterfragt wurde. Es wurde alles so angenommen, gemacht und getan wie man es von der eigenen Mutter gehört hat. Wie es alle gemacht haben. Es gab kein http://www.SuT.de. Und keine Stillberatung.
Man ging schnell wieder arbeiten in dieser Planwirtschaft der DDR.
Aber wo waren die Gefühle ? Wo war die Kompetenz einer Mutter ? Das Löwenherz? Der Mut, es anders zu machen, weil es sich richtig anfühlt?
Das kann und will ich nicht begreifen.
Ich weiss nicht, ob unser Verhältnis besser wäre, wenn ich gestillt/getragen/familiengebettet geworden wäre. Vielleicht ist das zu hoch gegriffen.
Aber die einzige Gemeinsamkeit die wir haben, ist, das wir Mütter sind.
Und unsere Meinungen übers Muttersein gehen so verdammt weit auseinander, dass wir uns wahrscheinlich nie nah fühlen werden.
Wir erziehen nicht - wir leben zusammen.
Familienbett heisst, wenn dein Baby dir nachts unbewusst über den Arm streicht.
Du bekommst Gänsehaut davon...und deckst euch beide zu. Sahara 2011
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