Adé, du schnöder Brei!

Was kommt nach dem Vollstillen?

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MadameMim
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Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von MadameMim »

Huhu! :)

Wir haben hier seit ein paar Tagen ein Problemchen mit unserem Kleinen und der Esserei. Er mag keinen Brei mehr essen, vor allem nicht Obst / Obst-Getreide aus dem Gläschen. Erst aß er davon weniger, jetzt ist nach zwei Löffeln Schluss und er motzt mich an, wenn ich ihm nochmal einen anbiete. ;) Gemüse-Kartoffel-Brei mag er noch ganz gern, aber er isst ihn nicht mehr mit dem gleichen Appetit wie noch vor zwei Wochen (er ist totaler Gemüsefan und hat immer gute 250g zu Mittag gegessen).

Dafür liebt er es, selbst fingerfood zu essen oder Nudeln / Kartoffel- und Gemüsestückchen von uns zu bekommen. Das ist ja grundsätzlich kein Problem, aaaaaber ich weiß nicht, wie es sich in der Praxis umsetzen lässt, dass er nur noch Stückchen isst. Bisher hat er morgens gestillt, dann haben wir 30-45 Minuten später gefrühstückt, dabei hat er immer etwa ein 3/4 Gläschen Fruchtmus mit etwas Mandelmus gemischt weggehauen, dazu Reismilch getrunken und ab und an, wenn wir welche gegessen haben, noch 1/4 Avocado und ein paar Hirsekringel. Mittags dann eben um die 250g Gemüse-Kartoffel-Brei (meist Brokkoli, Kürbis, Zucchini), nachmittags 1/2 bis 3/4 Gläschen Obst-Getreide und abends Hirsebrei mit Reismilch und etwas Obst drin, etwa 200g. Zwischendurch natürlich immer mal Stillen. ;)

Wie soll ich es schaffen, diese Mengen mit Fingerfood zu ersetzen? WAS soll ich ihm geben? Mittagessen ist ja noch relativ einfach, aber beim Frühstück fällt mir schon nichts mehr ein. Ich kann ihm wohl kaum schon Brot oder Toast mit... ja, mit was eigentlich... geben. Die letzten zwei Tage hat er nach Verweigerung des Breis morgens Baby-Dinkelzwieback in die Hand gedrückt bekommen zu seiner Reismilch, da er sonst die Sirene spielt, wenn er uns essen sieht. Aber da er zur Verstopfung neigt und Zwieback auch keinen sonderlich hohen Nährwert hat, kommt das auf Dauer nicht in Frage.

Da er gestern einen enorm langen Nachmittagsschlaf gehalten hat, hat er gegen 17.30h zwar widerstrebend Getreide-Obst-Brei gegessen, aber als es dann gegen viertel vor sieben Vollkornnudeln mit Gemüsesauce gab, ist er fast ausgerastet und hat bestimmt 200g verputzt. Und vorher noch Aprikosenstückchen und Heidelbeeren. ;)

Sprich: Er liebt es, zu kauen und zu erkunden, und ich will ihm das ja auch ermöglichen, aber gleichzeitig mache ich mir Sorgen, ob das mit der Nährstoffmenge dann noch hinkommt, da er ja zum Essen natürlich länger braucht und vermutlich tendenziell weniger isst. Er ist zwar kein schlankes Kind, aber seit Wochen stagniert sein Gewicht, weil er so mobil ist, da will ich jetzt nicht noch nachhelfen, wenn ihr versteht. :D

Habt ihr Tipps? Her damit!
Lösche Benutzer 6804

Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von Lösche Benutzer 6804 »

Hmm... Ich würde mal sagen, entweder er isst dann doch mehr (bzw. gleich viel wie vorher vom Brei) oder er stillt einfach wieder ein bisschen mehr... ;)
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Karinke
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Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von Karinke »

Schau mal, diese Antwort hier ist von Jusel aus diesem Thread:
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 6&t=133012
Mal abgesehen von diesem konkreten Fall, sondern ganz allgemein: sehr junge Babys können feste Nahrung kaum verwerten (Sprich: Was oben rein geht, kommt unten mehr oder weniger SO auch wieder heraus; davon kann man sich oft mit einem Blick in die Windel leicht selbst überzeugen.)

Wenn sehr früh Beikost gefüttert wird bei gleichzeitiger Verringerung der angebotenen Milchmenge (also Brei als klassische Anstattkost), dann leuchtet unmittelbar ein, wieso diese Säuglinge scheinbar riesige Mengen Brei verputzen: Sie brauchen sehr große Mengen, um auf annähernd die gleiche Nährstoffversorgung wie vorher zu kommen! Anstatt Milch muss dann die doppelte oder dreifache Menge Brei her um das Baby zu sättigen (und die Mama freut sich darüber, dass das Baby so schön isst ).

Und genau dazu passend: zu früh eingeführte Beikost kann zu zu geringer Gewichtszunahme führen. Manche Babys schaffen diese großen Mengen nämlich einfach nicht. Das bedeutet: "verringertes Milchangebot plus wenig Beikost" ist eine ungünstige Kombination. Dann schon lieber "verringertes Milchangebot plus viel Beikost". Zweifellos am empfehlenswertesten ist natürlich die Kombi "weiterhin uneingeschränktes Milchangebot plus Beikost nach den Vorlieben des Babys" - denn hierbei sind Mangelversorgung oder ungünstige Essgewohnheiten ausgeschlossen, und der Entwicklungsstand des Kindes findet angemessen Berücksichtigung.

LG
Julia
Vielleicht entlastet dich das ein wenig...
Er wird sich nehmen, was er braucht
Vielleicht meldet sich jusel selber noch zu wort.

LG - schöne Sunntig
Karinke
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MadameMim
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Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von MadameMim »

Danke euch für die Antworten!

Wir haben allerdings mit dem Brei erst so mit 8-9 Monaten wirklich angefangen, als er ganz deutlich signalisiert hat, dass er tatsächlich essen will. Vorher, als er anfing, sehr reges Interesse an Essen zu zeigen, haben wir ihm schon immer wieder was angeboten und ihn essen lassen, soviel er mag (er zeigt ziemlich deutlich, wenn er keine Lust mehr hat), ihn das Essen erkunden lassen etc., aber bis vor 2-3 Monaten haben wir keine Mahlzeit ersetzt, sondern nur ergänzt. Irgendwann setzte ziemlich plötzlich der Hunger ein, so schien uns, und er mampfte ganz viel und mit großer Freude.

Mir leuchtet ein, was Jusel schrieb, allerdings finde ich es nicht so einfach, "weiterhin uneingeschränktes Milchangebot plus Beikost nach den Vorlieben des Babys" zu praktizieren. Ich muss meinen Sohn schon fragen, ob er Milch möchte, von alleine kommt er eigentlich nicht wirklich an, erst wenn der Hunger WIRKLICH groß ist, teilt er sich mit. Bis dahin ist er meist zu beschäftigt, scheint mir. Nur selten kommt er mal angekrabbelt und zieht mein Oberteil runter. ;) Sprich: Ich habe keine Ahnung, wieviel er stillen würde, wenn er selbst bestimmen könnte. Wenn er jetzt stillt, hat er maximal 1,5 Stunden später schon wieder Hunger ohne Ende. Entweder meine Milchmenge ist durch das eingeschränkte Stillen geringer oder er verwertet die Flüssigmahlzeiten so schnell? Wasser biete ich ihm zwischendurch immer an, aber das lehnt er meist ab, Durst kann es also nicht sein.

UND ich weiß eben nicht, was ich ihm anbieten kann, was er selber kauen kann. Das ist eigentlich mein größtes Problem. :)
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MelCel
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Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von MelCel »

Obst selber essen: Da geht prima Banane, auch in größeren Mengen. Für alles andere: Mein Sohn war früh (so mit 7 Monaten) ein feinpüriert-verweigerer. Alles musste stückig sein. Und mit 10 Monaten hat er eigentlich schon relativ normal bei uns mitgegessen (ich war nämlich am Anfang eine Gläschen-Mami, die wollt er dann aber ganz eindeutig nicht mehr). Mit einer Mischung aus selber-essen und gefüttert werden. Und warum soll er denn kein Brot essen? Das find ich die eine der praktischsten Mahlzeiten zum selber-essen. Brot schmieren, kleine Stückchen schneiden, hinstellen.
10 Monate ist doch gar nicht mehr so klein! Das macht er schon!
Mel mit Schnupsi (12/09)
jusl
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Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von jusl »

Hallo MadameMim,

ich kann Dich nur ermutigen: Überlass die Essensaufnahme VOLLSTÄNDIG Deinem Baby. Die "Verantwortung" dafür liegt bei IHM, genauso wie die "Verantwortung"fürs Atmen, Pipimachen und alle sonstigen Vegetativfunktionen. Dein Job dabei ist eigentlich ganz einfach:
* Biete ihm häufig Stillen an (denn Muttermilch soll ausdrücklich Hauptnahrungsmittel für mindestens 1 Jahr sein).
* Biete ihm zusätzlich dazu feste Sachen an, was er halt mag, Brei oder Fingerfood - ganz egal. Einfach zu Deinen eigenen Essenszeiten.
* Mach Dir um die MENGE keinerlei Gedanken. Der Bedarf nämlich SCHWANKT - es ist ganz normal dass Babys mit z.B. 6-9 Monaten viel Festes essen, und mit 10-15 Monaten nur noch ganz wenig - das liegt im Wesentlichen am ersten großen Wachstumsstop, der typischerweise in diesem Alter stattfindet. Kinder essen viel, weil sie gerade wachsen (nicht umgekehrt!), und Wachstum findet normalerweise in Schüben statt. Ist gerade Wachstumspause, wird nur noch wenig gegessen (und das ist genau richtig so!). Beim nächsten Schub wird er wieder viel essen, davon kann jede Mutter mit pubertierenden Söhnen ein Liedchen singen - bei diesem letzten Wachstumsschub nämlich fressen einem die Kinder wirklich die Haare vom Kopf.
Sprich: Ich habe keine Ahnung, wieviel er stillen würde, wenn er selbst bestimmen könnte.
Frag ihn doch einfach! ;-) Ein freundliches Angebot, welches er ganz nach Bedarf annehmen oder ablehen kann - DAS ist Stillen nach Bedarf.
allerdings finde ich es nicht so einfach, "weiterhin uneingeschränktes Milchangebot plus Beikost nach den Vorlieben des Babys" zu praktizieren.
Glaub mir, DAS ist unterm Strich die EINFACHSTE aller Ernährungsvarianten. Grund: hierbei kann man nichts falsch machen. ;-) Denn hier kannst Du sicher sein, dass Dein Baby GENAU RICHTIG ernährt wird. Die Angabe hingegen "200 g Gemüse-Kartoffelbrei" mag für einige Babys durchaus passen - für viele aber eben nicht. Dein Baby bringt diese Kompetenzen mit, sie sind ihm angeboren. Also keine Sorge. :D

LG
Julia
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miramisu
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Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von miramisu »

*nurschnellabosetz*
Liebe Grüße von Miramisu und den Schätzen

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MadameMim
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Re: Adé, du schnöder Brei!

Beitrag von MadameMim »

Danke für eure Antworten!

@MelCel: Von Banane bekommt er leider ziemlich festen Stuhl, das stört ihn total. :/ Aber danke für die Ermutigung! Habe es heute morgen gleich umgesetzt. :D

@Jusl: Auch die tausend Dank, dein Posting hat mir sehr geholfen. Seit gestern frage ich ihn einfach häufiger, und wenn er will, kommt er an, freut sich und zuppelt an meinem Oberteil (so süß). Seit zwei Tagen hat er auch drauf, abzulehnen, wenn er etwas nicht essen mag, er schüttelt dann einfach mit dem Kopf. Wenn ich es wage, es vorsichtshalber nochmal anzubieten (war mir ja am Anfang nicht ganz sicher, er schüttelt zu verschiedenen Gelegenheiten mit dem Kopf ;)); schlägt er den Löffel weg. :D

Er hat gestern fest entschieden, dass er keinen Brei mehr essen möchte. Leider möchte er auch nicht die Übergangsvariante essen, die ich ihm anbiete... das war gestern Gemüsepüree mit Nudeln bzw. Kartoffeln, also was zum Kauen, aber leicht verdauliches Gemüse. Er wollte auf jeden Fall das, was wir essen, nur hatte ich das recht gut gewürzt und musste erstmal von den Kartoffelwürfeln die Gewürze entfernen. Den Blumenkohl hatte ich in weiser Voraussicht ohne Salz gedünstet, den hat er auch weggemampft wie nix. Heute morgen musste ich ihm einen halben Vollkorntoast mit Sonnenblumenkernaufstrich geben. Und einen halben Fruchtriegel. Und Hirsekringel. Und Reismilch. Und das, obwohl er vorher gestillt hatte... und hinterher hat er wieder gestillt. Und die ganze Nacht über hat er quasi dauergestillt. Abgefahren. :D Ich WEISS ja, dass er gerade einen Wachstumsschub hat, geistig UND körperlich. Deshalb schläft er auch so übelst schlecht. Man kann also sagen, dass er durchaus große Mengen verdrückt, nur mag er eben keinen Brei mehr. Ist okay für mich, dann koche ich jetzt einfach für ihn mit und würze nur ganz leicht, wir würzen dann nach.

Ich muss leider zugeben, dass man verunsichert wird mit der Beikost. Klar, wenn ein Baby sehr früh unbedingt Essen probieren will, kann ich ihm das nicht am Stück geben. Unser Lütt hätte sich ständig schlimm verschluckt, er hat nur Fingerchen voll Brei oder zerdrücktem Obst bekommen, um zu testen, wie ihm das gefällt. Aber irgendwann kriegt man die Kurve nicht richtig, dann bürgert sich ein, dass das Kind zu relativ festen Zeiten soundso viel Brei isst. Ich finde es gut, wie du es schreibst, wenn das auch mit mehr Stillen verbunden ist. Häufiger und länger.

Einmal mehr der Beweis, wie sehr man durch gesellschaftlichen Druck oftmals das Vertrauen in die Kompetenz der Kinder, der Natur und von sich selbst verliert.
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