Sehr interessante Diskussion, ich möchte gerne mal ein paar Punkte aufgreifen, zu denen mir beim Lesen spontan etwas eingefallen ist. (Und was im Nachhinein total lang wurde

)
Maren hat geschrieben:Das Problem ist ja, wenn sie sitzen bleiben oder so, dann darf ich mir das Geheule anhören und ich gebe zu, dass ich mir ein "Selbst Schuld" doch sehr verkneifen müsste...
Grundsätzlich, in einem System, in dem die Kinder die Verantwortung für den schulischen Erfolg übertragen bekommen habe, ist der Gedanke "selber schuld" meiner Meinung nach nicht so verkehrt. Er darf halt dem Kind nicht schadenfroh entgegen geschmettert werden. Aber ist nicht das Sitzenbleiben (vorrausgesetzt intellektuel bestehen keine Schwierigkeiten) ein sehr gutes Beispiel für logische Konsequenz?
Und: oft höre ich von Eltern, wenn es um den Zeitpunkt der Einschulung geht "das eine Jahr Kindergarten gönnen wir ihm/ihr noch". Warum wäre es dann (aus Elternsicht) so schlimm, wenn das Kind eine Klasse wiederholt?
Ob ich selbst cool genug sein werde, das so mit meinen Kindern durchzuziehen, weiß ich nicht genau, nehme ich mir aber fest vor...
Das Muli hat geschrieben:Ich habe mich in der Schule leicht getan mit Lernen, hatte immer einigermaßen akzeptable Noten. Hatte genug Ehrgeiz, um mich wenn nötig auch mal hinzusetzen (aber nicht gerne, sondern weils sein mußte) Aber Lernen hat mir nie richtig Spass gemacht, noch heute habe ich es als "unangenehme Anstrengung" abgespeichert. Hausaufgaben hätte ich vermutlich selten freiwillig gemacht. Hoffentlich kann ich diese Erfahrung meinen Kindern ersparen...
Ja, so ähnlich war es bei mir auch. Wobei ich von meiner Mutter ab Gymnasium eigentlich die Verantwort ganz gut übertragen bekommen habe (aus meiner heutigen Sicht), aber ich war vermutlich "passend" dafür und gut genug ins System integriert. So gut, dass ich mich in der fünften Klasse so sehr reingestresst habe (ohne aktives Zutun meiner Mutter!), dass ich krank wurde. Als ich dann kapiert habe, dass zuviel Anstrenung krank macht, habe ich es lockere angehen lassen

.Ich habe mich selbst über gute Noten sehr gefreut, fand mittelmäßige aber auch nicht schlimm. Hausaufgaben habe ich bei weitem nicht immer selbst gemacht, ohne dass es meine Leistung groß beeinträchtig hätte.
Belohnt wurde ich manchmal von meiner Oma für gute Noten, meine Mutter nahm sie freudig hin (und erwartete sie unterschwellig auch ein wenig, aber das übte keinen negativ erinnerlichten Druck aus). Beim Zeugnisgeld kann ich mich aber schon gar nicht mehr erinnern, ob die guten Noten gezählt wurden oder es einfach pauschal ein kleines Geld gab. Ich habe mich drüber gefreut, aber unterm Jahr beispielsweise beim Lernen nie dran gedacht, dazu war es diese Belohnung einfach zu unwichtig. Ich bin heute noch meiner Mutter dankbar, dass sie mich hat machen lassen und ich beispielsweise die Nachmittage vor den Schulaufgaben selbst entscheiden durfte, ob ich zu den Pferden (wink zu Johana) oder an den Schreibtisch wollte. Was sie gemacht hätte, wenn ich schlecht gewesen wäre in der Schule, weiß ich allerdings nicht... Und ja, manchmal hätte ich mir so sehr gewünscht, dass mich meine Mutter Vokabeln abhört, hat sie nie gemacht. Und mein Mann stöhnt heute noch drüber, dass seine Mutter ihn ständig abgehört hat

Man hat es nicht leicht als Eltern
Mein Bruder war beispielsweise stinkefaul und schlecht, meine Mutter hat ziemlich viel versucht ihn zu motivieren, vermutlich aus dem Gedanken, der hier schon oft geäußert wurde "ich weiß, dass er es besser kann". Irgendwann hat sie dann quasi aufgegeben bzw. ihm die Verantwortung zurück gegeben. Eine Klasse hat er dann wiederholt und ein sehr mäßiges Abitur geschrieben. Und nun hat er ein super Examen hingelegt und promoviert, weil er es selbst möchte!!!
Die Aussagen, dass schlechte Schüler, bei denen sich die Eltern "nicht genug" kümmern, am sozialen Rand landen werden finde ich ganz schrecklich, und ich glaube kaum, dass nur die Schule für die Zukunft eines Menschen verantwortlich ist. Da gibt es bestimmt noch ganz andere, viel entscheidendere Faktoren. Wenn Erwachsenen sich gewünscht hätten, dass die Eltern sich mehr um den schulischen Erfolg des Kindes hätten kümmern sollen, höre ich eher heraus, dass diese Menschen sich allgemein (emotional) von den Eltern vernachlässigt gefühlt haben.
Ich schließe mich also denen an, die sagen, Schule wird überbewertet! Wir haben hier ein so durchlässiges System, wenn mein Kind wirklich nicht lernen will und irgendetwas nicht schafft, dann hat es später, wenn es sich selbst dazu entschieden hat, immer noch genug Möglichkeiten.
Johana, wie läuft es denn bei Euch in der Grundschule konkret ab? Fragst Du nach, ob Hausaufgaben auf sind? Motivierst und forderst Du auf, sie zu machen und überlässt aber die letztendliche Entscheidung Deinen Kindern? Gibt es eine feste Hausaufgaben-Zeit? Oder geschieht wirklich alles alles auf die Initiative Deiner Kinder und Du sprichst von Dir aus das Thema Hausaufgaben nie an? Ich habe ja ab nächsten Jahr auch ein Schulkind zuhause, es interessiert mich wirklich sehr.
hazelnut hat geschrieben:Meine Ausbildungsstelle habe ich nur bekommen, weil in Bayern die Leistungskursfächer doppelt gerechnet wurden und die das in Hamburg nicht wußten und so beeindruckt waren von 15 Punkten und 14 Punkten.

Das war einfach nur pures Glück. Das hätte auch anders laufen können...
Belohnungen für Entwicklungsschritte mag ich auch nicht, auch wenn ich es nicht immer schaffe meine Freude über gewisse Entwicklungen nicht lautstark zu formulieren und mein nun ein wenig größeres Kind glücklich anzustrahlen. Zeugnisgeld werde ich in der Grundschule auf jeden Fall verhindern, wenn die Kinder dann mal jugendlich sind und die Großeltern sollten das Bedürfnis haben, ihnen Geld zuzustecken, fände ich das nicht so schlimm.
Johana hat geschrieben:Und das Ausbleiben einer Belohnung ist und bleibt eine Strafe. Meine Meinung
Logisch betrachtet magst Du recht haben. Aber ob Kinder das wirklich so empfinden, da bin ich mir nicht sicher.
Ich bin mir gedanklich auch nicht ganz sicher, wie ich "Anreize schaffen" (im Sinne kleiner Belohnungen) bewerten soll. Aber bis jetzt kommen wir sehr gut ohne aus. Und bis ich mir sicher bin, wird es sicher keine geben.
Ach, außer manchmal ganz kleinen Bestechungen

: Kind wehrt sich mit allen Mitteln im Auto angeschnallt zu werden. Manchmal habe ich ein Gummibärchen versprochen, wenn es dann angeschnallt drin sitzt. Und auch Arztbesuche sind bei uns eine Ausnahme.