"gibt es einen stillzwang?"

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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cocotte
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von cocotte »

Ich finde den Artikel jetzt nicht komplett schrecklich, aber er ist schon sehr pro Flasche geschrieben. Bzw. stellt er die "Nachteile des Stillens" so heraus. Also, grundsätzlich ist ja klar, dass jede Frau frei über ihren Körper entscheiden können sollte. Und es ist bestimmt nicht von Erfolg gekrönt, eine Frau vom Stillen überzeugen zu wollen, die das für sich schon entschieden hat und es komplett ablehnt.
Aber Artikel wie dieser sind nun nicht gerade das, was ich unter einer Ermutigung zum Stillen für werdende Erstlingsmamas verstehe.
Seerose hat geschrieben:Da gerät gerade etwas ganz gewaltig aus dem Ruder...

Wie hier schon geschrieben wurde, sehr befremdlich. :shock: :?

"Demnächst" wird wohl diskutiert werden, ob man sein Baby eher im eigenen Bauch, in einem "Leihbauch" oder im "Kunstbauch" austrägt, Vor- und Nachteile dürften bekannt sein. :?

Seufz, schöne, neue Welt.... :roll: :roll: :roll:
Hier kann ich aber absolut unterschreiben.
Dazu passt auch mein Entsetzen, als ich letztens in nem Babykatalog vom hiesigen Babyfachmarkt solche Babyfone mit LCD-Bildschirm zum Überwachen gesehen habe. Super, dazu noch so ein Angelcare-Teil, ein Luftbefeuchter - tagsüber kommt das Kind in die elektrische Babywippe und am besten erfinden die von der Babynahrungsindustrie irgendwann mal noch nen Fütter-Roboter, dann kann ich mein Baby vollautomatisch pflegen lassen, weil das ja am aller-aller-besten ist.

Aber zurück zum Stillen: Warum wird denn das Stillen nicht zuerst und überhaupt als das Selbstverständlichste angesehen???
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
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Hilde Domin
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kruemelkekschen
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von kruemelkekschen »

Leider scheinen aber viele Mütter so zu denken wie es in dem Artikel steht. So erlebe ich es zumindest in meinem näheren Umfeld. Es werden genau die "Argumente" vorgebracht. Ich sage dann, dass ich noch nie eine Brustentzündung oder wunde Brustwarzen hatte und dass wir auch keinen Bilderbuchstillstart hatten. Wir haben nur nicht direkt aufgegeben. Ich krieg dann zu hören, dass sie ja dann auch gestillt hätten, wenn das bei Ihnen so problemlos gegangen wäre.
Naja, ich finde es gut, schön und wichtig, wenn Mütter ihre Kinder stillen. Aber man sollte es auch respektieren, wenn eine Frau nicht stillen möchte oder kann. Sie muss ja dann nicht direkt eine schlechte Mutter sein.
Und ich finde es auch sehr schade, dass Stillen scheinbar nicht mehr als Selbstverständlich angesehen wird.
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Seerose
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von Seerose »

Vielleicht ist das auch wieder so'n Generationending. Ich hatte offene, blutige, vereiterte Brustwarzen und der KV kauft damals die ganze Apotheke auf, also alles was sie an Stillhütchen oder ähnlichen Dingen dahatten, da ich nur noch rumheulte vor Schmerzen. Nur, ich kam überhaupt nicht auf die Idee mit dem Stillen aufzuhören, also wirklich, es kam mir gar nicht in den Sinn. Gut, aber ich gebe zu, ich bin äußerst hart im Nehmen und vielleicht hätte jemand anderes nicht so lange durchgehalten, was ja auch in Ordnung ist.

Und jetzt wegen ner Mastitis aufzuhören mit Stillen ist ja äußerst kontraproduktiv. Aber ich gebe auch da zu, es ist nichts schmerzhafter als ein knapp 2jähriges Kind mit ner schweren Mastitis zu stillen.

Das Problem ist wohl tatsächlich die Diskussion heutzutage, also daß es nun überhaupt so weit kommt, daß man darüber diskutieren muß. :? Statt sich von vorneherein überhaupt keine Gedanken zu machen und erstmal den natürlichen Weg einzuschreiten. Das verlockt wohl geradezu, wenn das allerkleinste Problem auftaucht, mit dem Stillen aufzuhören.

Na ja, und die Steigerung von alledem ist dann ein "Stillzwang". :?
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Liebe Grüße,
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Feleni
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von Feleni »

naja, wie war denn der Trend, als die Babynahrungsindustrie ihr Milchpulver gepusht hat?
Alle sind auf den Zug aufgesprungen damals. War doch so gut und so praktisch.

Das ist noch in den Köpfen drin. Das Stillen wurde "vergessen" und nun kann kaum noch ein Familienmitglied ein nachkommendes unterstützen, weil eben kein Familienwissen zum Stillen da ist.
Daher ist man froh, auf die altbekannten Milchpülverchen zurückgreifen zu können und gibt halt auf, wenn erste Schwierigkeiten auftreten.

Und wie ich schon mal schrieb: ich hab mich bei J. blauäugig drauf verlassen, daß mir im KKH schon gezeigt wird, wie das geht. Haha...
Dem war nicht wirklich so. Das Anlegen wurde mir nicht gezeigt (nur Kind und Brust angedockt, dazu musste ich immer klingeln...), am 2. Tag sollte ich pumpen (hab nicht gestillt, weiß nicht, was mein Kind bekam den Tag)
Und dann die Hebi, die mir im ersten Entwicklungsschub a) Hilffe ich wachse empfahl und b) sagte, ich hätte wohl nicht genug Milch, solle zufüttern.

Es muß aus den Köpfen raus, daß Milchpulver "normal" ist. Stillen ist normal und das in den Köpfen zu etablieren ist mühsame Arbeit...
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isyisy
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von isyisy »

Meine Brustwarzen waren bei beiden Kindern anfangs wund. Das ist aber doch nicht ungewöhnlich und auch kein negativ-Grund, eine Geburt ist doch auch mit Schmerzen verbunden und wird hingenommen??
Liebe Grüße
isy mit Großer (09/07) und Kleiner (04/10)


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Seerose
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von Seerose »

isyisy hat geschrieben:Meine Brustwarzen waren bei beiden Kindern anfangs wund. Das ist aber doch nicht ungewöhnlich und auch kein negativ-Grund, eine Geburt ist doch auch mit Schmerzen verbunden und wird hingenommen??
Na ja, hingenommen ist gut. :lol: Wenn Du mitten drin bist, rät kein Arzt zum "anhalten", währenddessen aber jeder Arzt (bei mir zumindest) zum Abstillen rät wenn da wochenlang nur noch Blut und Eiter rauskommt. Ein Arzt im Krankenhaus meinte sogar es wäre unverantwortlich was ich da machen würde. Letztendlich hatte ich keinen Arzt mehr aufgesucht, da ich keinerlei Unterstützung bekam. D. h. man kämpft nicht nur gegen die Schmerzen sondern auch gegen die Meinung der Ärzte, leider. :?
Feleni hat geschrieben:naja, wie war denn der Trend, als die Babynahrungsindustrie ihr Milchpulver gepusht hat?
Alle sind auf den Zug aufgesprungen damals. War doch so gut und so praktisch.
Gut, dann irre ich mich da mit dem Generationending. Dann hat es weniger mit dem Alter als mit der Umgebung zu tun in der man sich bewegt. Meine Mutter wär in den 60ern nie auf die Idee gekommen nicht zu stillen (und als erstes sagte der Arzt im Khs zu ihr, daß "Kaiserschnitte" sowieso nicht stillen können), die Menschen die ich in den 70ern und 80ern kannte auch nicht. Aber das waren auch eh schon Leute, die sich eher nen Kopf gemacht haben als andere, kritischer, bedachter, achtsamer.. Meine kleine Schwester ist auch Anfang '90 nie auf die Idee gekommen Milchpulver zu kaufen, obwohl die schon wieder ganz anders tickt.

Gerade deswegen find ich es so toll u. a. hier auf Mütter zu treffen, die eben ganz anderes durch ihre Umgebung geprägt waren und die jetzt "trotzdem" stillen und noch dazu recht lange. :mrgreen:
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Feleni
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von Feleni »

Meine Mutter hat meine große Schwester nicht gestillt. Warum weiß ich grad nicht (1966)
Die zweite "durfte" sie nicht stillen, obwohl sie es wollte. Aber die kam Weihnachten 1967 und dem KKH-Personal war es zu doof, der Frau beim Stillen zu helfen, weil sie feiertagsbedingt ja eh schon knapp besetzt wären und zudem das Stillen beim ersten ja auch ncih klappte. Wie soll es da beim zweiten gehen.
Zack - Abstillspritze...
und bei mir 1975 dann klar, die ersten zwei nicht gestillt, da geht das a) eh nicht und b) zeitlich gar nicht.
Also wieder Abstillspritze...

So hat allerdings das KKH sie zum Fläschchen geben "gezwungen".

Dennoch glaube ich, daß das nach wie vor ein Generationending ist. Unterstützt von dem medizinischen Fachpersonal, daß so weniger Arbeit hatte, den Müttern "auch noch" das Stillen zeigen zu müssen...
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isyisy
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von isyisy »

Ich denke auch, dass es (zumindest zum Teil) mit den Generationen zu tun hat. Das Frauenbild/Frauenselbstbild war damals oft noch ein anderes und man tat eben, was einem gesagt wurde. Außerdem vermutlich noch "Nachwirkungen" von der Nazi-Propaganda? Da gab es mal eine sehr informative Diskussion zu, ich geh mal suchen!
Liebe Grüße
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Minchen
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von Minchen »

Also, in meiner Familie wurde auch nicht gestillt und mein kinderbekommendes Umfeld stillte meist maximal 6-7 Monate. Ich dachte damals, ich lass es mal auf mich zu kommen, hatte aber auch Flaschen daheim.
Als mein Großer dann das erste Mal an der Brust war, war für mich glasklar, dass ich stillen würde - nur stillen. Ich hatte auch Startschwierigkeiten, keine wirkliche Hilfe im KH, entlassen mit wunden BWen, nach drei Wochen ein sehr schmerzhafter Milchstau, der mich komlett ausgeschaltet hat und direkt danach auch noch das komplette Wegbleiben der Milch für zwei Tage. Ein Grauen! Klar, mir wurde auch zum Abstillen geraten und natürlich zum Zufüttern. Doch mein Sohn wusste wie ich, was er wollte, er nahm keine Flasche. Nachdem er eine nach langem Kampf getrunken hat (er weinte stundenlang vor Hunger, weil einfach nichts mehr kam, ich war wirklich verzweifelt), hat er sie kurz danach auch wieder komplett erbrochen... :(

Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wie man das anders erleben oder empfinden kann, auch wenn ich weiß, dass viele das tun. Dass es Frauen gibt, die Stillen körperlich unangenehm finden - aber nicht aus schmerzenden Gründen, sondern aus irgendeinem Grund psychisch. Dass so viele Frauen unbedingt unabhängig sein wollen, bloß nicht zu sehr an ihr Kind gebunden... Vielleicht bin ich da intolerant, aber es will mir einfach nicht in den Kopf... :? JA, ich bin auf mich selbst bezogen da auch sehr hart, aber auch nur, weil ich schließlich Kinder in die Welt gesetzt habe und das Stillen und auch einige andere Dinge für mich selbstverständlich dazu gehört. Und da ärgert es mich sehr, wenn ich von Freundinnen geraten bekomme, doch mein Kind abzustillen, wenn ich müde und kaputt bin... :? :evil:
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)
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Re: "gibt es einen stillzwang?"

Beitrag von Seerose »

Minchen hat geschrieben: Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wie man das anders erleben oder empfinden kann, auch wenn ich weiß, dass viele das tun. Dass es Frauen gibt, die Stillen körperlich unangenehm finden - aber nicht aus schmerzenden Gründen, sondern aus irgendeinem Grund psychisch. Dass so viele Frauen unbedingt unabhängig sein wollen, bloß nicht zu sehr an ihr Kind gebunden...
Versteh Dich gut, ging mir genauso. Und genau, ich wollte in der Tat unabhängig sein, vor allem im ersten Lebensjahr meines Kindes. Ich wollte wann immer ich wollte auf Achse sein, und war dies oft auch und wollte unabhängig von Ladenöffnungszeiten und Rucksackinhalt sein, einfach machen was ich wollte und die Nahrung war quasi immer dabei. :mrgreen:
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Liebe Grüße,
Seerose
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