Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Elena
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von Elena »

Wir haben auch von Anfang an einschlafgestillt, was ich als wahnsinnig praktisch und entspannt empfunden habe. Bis auf ganz am Anfang hatten wir abends eigentlich nie Theater und auch tagsüber mit dem Schlafen nicht. Sie ist immer super eingeschlafen, auch auf Reisen im Zug oder irgendwo mitten im Chaos. War das toll! Ja, sie war dann zwar alle 2 Stunden wach und meistens musste ich dann auch wieder stillen, aber auch das hat mich nicht gestresst. "Alleine einschlafen können" ist für mich kein Wert an sich. Wenn ich sie abends höre und kurz mein Buch oder meine Nähsachen beiseite lege, ins Schlafzimmer gehe und stille, ist das kein Problem für mich, sondern ich mache es einfach. Wenn mich das oder das nächtliche Stillen gestört hätte, hätte ich das vielleicht anders gesehen.

Jetzt ist sie 13 Monate alt und sie lässt sich seit einiger Zeit auch mal vom Papa ins Bett bringen oder beruhigen. Das finde ich schön, weil ich so auch mal abends aus dem Haus kann, aber der Normalfall ist trotzdem noch das kuschelige Einschlafstillen.

Ich kann mir also schon vorstellen, dass die Verbindung Stillen-Einschlafen da ist (und vielleicht noch Tragen-Schlafen oder Schaukeln im Wagen-Schlafen). Die Frage ist aber doch, ob das ein Problem ist oder ob man es nur dadurch zu einem macht, dass man davon ausgeht, dass Babys dies und das "alleine können" müssen. Meiner Erfahrung nach haben die Eltern, die das von ihren Kindern erwarten, am meisten Stress und nicht am wenigsten. Sie haben oft mehr Gebrüll aber vor allem auch viel mehr das Gefühl, ihr Kind müsse dieses und jenes Ziel (durchschlafen, alleine einschlafen, so und so viel essen...) jetzt langsam mal erreichen. Sie zweifeln viel mehr an sich und ihren Kindern. Und sind nachts genauso oft wach, weil sie Schnuller suchen müssen. :mrgreen:

Deshalb würde ich sagen: Ja, möglicherweise "gewöhnt" sich ein Kind ans Einschlafstillen, aber wieso ist das ein Problem? Es wird sich das auch schon wieder abgewöhnen. Und in einem gewissen Alter (bei meiner Kleinen merke ich jetzt mit 13 Monaten, dass sie so langsam dafür bereit ist) kann man ja auch auf sanfte Art und Weise nachhelfen - WENN es einen stört.

LG Elena
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jusl
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von jusl »

Ja, ganz SICHER "gewöhnen" sich Kinder an gute Behandlung :mrgreen: - das sollen sie doch auch; deshalb machen wir es ja, oder?? :lol:

Ich kann gut nachvollziehen, dass junge Mütter, die erstmals selbst mitten in der Situation stecken, unsicher sind, ob sie das richtige tun. Aber was ich so lustig an diesem ganzen Konzept des "lass Dein Baby bloß nicht an der Brust einschlafen, sonst gewöhnt es sich ja dran und lernt nicht, es allein zu tun!" finde ist, dass dabei offenbar immer die NATÜRLICHE ENTWICKLUNG des Kindes vergessen wird, die GANZ VON ALLEIN ablaufen wird, so sicher wie das Amen in der Kirche. Kein Kind WILL mit 4 noch den ganzen Tag im Tragetuch sitzen - es will rumlaufen und hüpfen und springen, und zwar, weil es seine NATUR ist! Und kein Schulkind WILL noch einschlafgestillt werden - sondern es will sich mit seinen Freunden treffen und die Welt entdecken, eben weil es seine NATUR ist! Und kein Jugendlicher wird auf Dauer im Familienbett bleiben, sondern er wird mit seiner ersten großen Liebe im Bett liegen wollen, ganz bestimmt! :mrgreen:

Selbst das mamafixierteste Baby der Welt wird irgendwann nicht mehr stillen wollen, ganz sicher. Und in diesem Sinne "gewöhnt sich das Kind dies nicht ab", genauso wenig wie sich Kinder das Krabbeln "abgewöhnen", sondern es wächst aus dieser Phase ganz einfach heraus. Sich daran zu erinnern, kann manchmal ganz entspannend sein ;-)

(bei allen anderen Dingen haben wir damit ja auch kein Problem?!? "Mach Deinem Baby nicht ständig die Schuhe zu, sonst gewöhnt es sich ja dran und lernt nicht, es allein zu tun?!?" Dass dieser ganze Ansatz Unsinn ist, geben wohl die meisten zu ;-))

LG;
Julia

PS: das Beispiel von inmediasres mit dem Baby, was ans Alleinschlafen gewöhnt ist und dann in Mamas Armen brüllen müsste, find ich richtig gut! :mrgreen:
Elena
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von Elena »

Ich finde es auch fies, größeren Kindern das Stillen nachts zu verwehren mit dem Argument "das braucht es doch nicht mehr, das ist doch nur Gewohnheit". Es sind doch auch für uns die schönen Gewohnheiten, die das Leben nett machen! Ich mache mir nach dem Mittagessen einen Tee und esse dazu ein Stück Schokolade - eine sehr lieb gewordene Gewohnheit, die vielleicht nur eingeschränkt gesund ist und die ich ganz bestimmt nicht zum Überleben brauche. Andere gucken ihre Lieblingsserien, die sicher auch nicht gerade intellektuell bereichernd sind, aber es ist gemütlich und nett auf dem Sofa und man freut sich schon drauf. Unser halbes Leben besteht aus mehr oder weniger lieb gewordenen Gewohnheiten - warum will man einem kleinen Kind das Recht auf nächtliches Kuscheln und Nuckeln nur deshalb absprechen, weil es "Gewohnheit" ist und nicht zum Überleben gebraucht wird?
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kruemelkekschen
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von kruemelkekschen »

Das kommt sicherlich auch auf das Kind an. In erster Linie soll es ja darum gehen, dass das Kind in seiner Entwicklung unterstützt wird und seine Bedürfnisse erfüllt werden. Daher ja auch der Ansatz des Einschlafstillens und des FB. Es gibt aber sicher auch Kinder, die im FB nicht so gut schlafen können wie im eigenen Bett (kommt sicher auch darauf an, wie die Eltern schlafen).
Ich lass meinen Kleinen immer entscheiden. Ich stille lange und ausgiebig bevor es ins Bett geht. Hat er dann einmal den Schlafzeug an, wird eigentlich nicht mehr gestillt. Meist kann ich ihn so ins Bett legen (ins eigene, das neben unserem Bett steht, da er dort sicherer schläft, so lange wir nicht auch im Bett sind) und er schläft ein. Fängt er aber doch an zu weinen, darf er natürlich an die Brust und einschlafstillen. Genauso läuft das bei uns nachts. Ich leg ihn in sein Bett neben mich, wenn er dort aber nicht einschlafen möchte, kommt er ins FB und umgekehrt. Und wenn er nachts wach wird, will er nicht immer an dir Brust. Manchmal hilft auch kraulen und kuscheln mehr, manchmal ist Stillen das Richtige.
Pauschalisieren kann man da wohl nicht, jedes Baby weiß was es braucht und entscheidet sich, wenn es mehrere Dinge angeboten bekommt. NUR Einschlafstillen oder NIE Einschlafstillen finde ich daher beides ungeeignet (so lange es sich das Baby nicht so aussucht natürlich).
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Maja
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von Maja »

Ich hatte bei meiner Großen ja einen ziemliches Schlaftheater (hätte ich früher was von KISS gewusst... naja, egal jetzt) und daher wollte ich bei der Kleinen von Anfang an "bessere" Routinen einführen. Das sah dann für uns so aus, dass sie sich tagsüber jederzeit und gerne an der Brust "wegnuckeln" durfte, ich sie aber im Bett konsequent von Anfang an kurz vorm Einschlafen abgedockt habe - da sie es nicht anders kannte, hat sie auch nicht protestiert, sondern sich irgendwann sogar ganz von allein vorm Einschlafen abgedockt und eingekuschelt :) Tja, sie hatte auch immer ein "mamaschonenderes" Durchschlafverhalten als die Große, aber ehrlich gesagt habe ich meinen Zweifel daran, dass das am Abdocken lag, realistischerweise ist das wohl vor allem eine Persönlichkeitsfrage des Kindes, wie gut es zur Ruhe kommt und wie tief es schläft.

Also, am Durchschlafen ändert das Abdocken sicher nix und das Vermeiden von abendlichem Stillen gleich gar nicht. Am Einschlafen schon eher - ich persönlich fand es doch angenehmer, erst zu stillen und dann in für mich bequemerer Position mit dem Kind zu kuscheln, als eine halbe oder ganze Stunde in Stillposition liegen zu müssen und dann noch das Gefühl zu haben, dem Kind die Brust "heimlich klauen" zu müssen. Aber auch das ist sicher ganz individuell und ein Kind umzugewöhnen, was es anders kennt, stelle ich mir deutlich schwerer vor als wenn man es von Anfang an macht.

Viele Grüße!
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von Elena »

Maja hat geschrieben: ich persönlich fand es doch angenehmer, erst zu stillen und dann in für mich bequemerer Position mit dem Kind zu kuscheln, als eine halbe oder ganze Stunde in Stillposition liegen zu müssen und dann noch das Gefühl zu haben, dem Kind die Brust "heimlich klauen" zu müssen. Aber auch das ist sicher ganz individuell
Stimmt, da kommt es halt sehr aufs Kind an. Ich habe lange Zeit genau eine halbe Stunde einschlafgestillt und dabei gemütlich gelesen und meine Kleine ließ sich dann total ohne Probleme weglegen. Im Moment dauert das Einschlafstillen 10-15 Minuten, ich sitze bequem, singe ein paar Schlaflieder dabei und entspanne vom Arbeitstag. :mrgreen:
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gisasz
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von gisasz »

Wow, danke für eure vielen tollen Antworten!!!
Ganz viele von euch sprechen mir aus dem Herzen - nur dass ich es oft nicht so gut ausdrücken kann.

Irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass MuMi tatsächlich auch irgendwas Schlafförderndes (?) enthält, es also total logisch ist, das Babys an der Brust besonders gut einschlafen können...weiß da eine von euch was?

Und... bei meinem Sohn ist das total unterschiedlich, ob er, wenn er aufwacht, jetzt wieder stillen will oder nicht. Mal stündlich, mal schiebt er mich nach 6h durchgeschlafen noch weg und will lieber kuscheln...
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gisasz
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von gisasz »

Achaj, und was ich noch fragen wollte zum Thema Objektpermanenz: Ab wann in etwa können Kinder denn verstehen, dass die Mama auch wiederkommt und sie nicht verlassen sind???
Das ist doch erst viel später (unsere KraGru Babys sind so 9-12 Monate alt)...

Und was ist eigentlich mit "verwöhnen"???

Ich mein immer, ein Baby KANN man gar nicht verwöhnen, was meint ihr??
Maja
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von Maja »

gisasz hat geschrieben:
Ich mein immer, ein Baby KANN man gar nicht verwöhnen, was meint ihr??
Selbstverständlich nicht. Man kann sich allerdings selbst so runterwirtschaften, dass man anschließend keinem mehr gerecht wird. Aber das ist hier ja nicht gemeint, es geht ja nicht mal ums verwöhnen, sondern nur um angemessene Bedürfnisbefriedigung und liebevollen, achtsamen Umgang mit dem Kind. Und von diesen Dingen kann man tatsächlich niemals zuviel geben.
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Re: Nicht einschlafstillen-suche Argumente gegen diese Sichtweis

Beitrag von 2-fachMama »

Hallo,

also erstmal zum "Gewöhnen" ans Einschlafen an der Brust: Das Argument, das Baby möchte Nachts immer wieder an die Brust, weil es die Einschlafsituation wieder herstellen möchte ist selbst unter Wissenschaftlern umstritten und nicht bewiesen. Denn jedes Mal wenn wir aufwachen ist die Situation ein wenig anders als beim Einschlafen. Ich drehe mich im Schlaf vom Bauch wieder auf den Rücken - trotzdem schlafe ich weiter, obwohl es nicht die Einschlafsituation ist. Nur als Beispiel. Diese Gedanken habe ich aus einem Experteninterview aus dem Lüpold- Buch "Ich will bei euch schlafen".

Eine Vorstellung von Objektpermanenz erhalten Babys glaub ich ziemlich unterschiedlich. Eine leise Vorstellung bekommen sie, sobald sie anfangen, sich fortzubewegen. Mein Schatz krabbelt seit er 7 Monate alt ist (jetzt ist er 9Mon alt) und er jammert noch immer, wenn ich den Raum verlasse. Kann aber auch einfach Trennungsangst sein. Er sucht mich aber auch, also muss er schon eine Ahnung von Objektpermanenz haben.

Und Mumi hat tatsächlich Schlaffördernde Substanzen drin. Somit ist Stillen in der Nacht wirklich sinnvoll.... Also, schnell ans Baby kuscheln und los gehts, die Zeit ist genau richtig ;-)

Liebe Grüße!
Mama mit Mausi (* Jan 05) und Wurschtl (* Jun 09)
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