Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Sandküste hat geschrieben:
darüber wurde aber auch nicht gesprochen - ich kenne das auch so und habe auch Berichte "alter" Landhebammen gelesen - das war durchaus oft ein sehr unschönes Erlebnis für die Frau....
nimmt einen ja auch nicht wunder. 5, 7, 12 schwangerschaften, schlechte ernährungs-, gesundheits- und hygienesituation.
das ist ja nochmal was ganz anderes. das ist wie der vergleich mit äpfeln und birnen.
ich glaube, die gebärkultur wurde in unseren landen schon vor viel längerer zeit ad absurdum geführt und es ist höchste zeit für eine kehrtwernde, bevor wir uns die künstlichen gebärmutter im aldi aus dem regal krallen...
uvd - Doula, Trageberaterin & Vierfachmami (08/06, 06/97, 08/95, 09/89)
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Muschelsucherin
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Muschelsucherin »

uvd hat geschrieben:diese eingriffe in den natürlichen geburtsverlauf, diese übergriffe, die zur eskalation und zum traumatischen erleben erst führen,
DAS ist doch die wahre gewalt in unserer heutigen gebärkultur!
Genau, DAS ist es!
Schlimm fand ich nicht den KS. Der war ein Pappenstil. Alles was VORHER abging war schlimm. Die Einleitung, gefühlte 1000 Male CTG, ständig wollte jemand nach dem MM gucken und trotzdem war ich alleine gelassen.
Nein, das war wirklich schlimm.
Am Ende war ich sogar froh, dass es mit dem KS dann endlich vorbei sein sollte.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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ClauWi-Trageberaterin GK
Captainsparrow

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Captainsparrow »

Ich mein auch: was ist die Geburt verglichen mit den anderen Erinnerungen. Ich hatte die 2 Geburten: die als schön-empfundene und die-als-Horror-empfundene. Wenn ich mir Bilder vom Großen in den Kopf ruf, dann find ich da 1000schöne Dinge und es werden noch tausende dazukommen. Das erste Lächeln, das erste mal als das Händchen nach meinen Fingern Griff, das erste mal dass ich mich ins WoZi geschlichen hab und er beim laut schnarchenden Papa angekuschelt geschlafen hat, das erste mal sagen "Mama ich hab Dich lieb", und die schlimme Geburt ist nur ein Moment von Vielen. Klar kommt dieser Momen nur ein Mal im Leben, aber das ist beim ersten Lächeln auch so.
Freunde von uns hatten einen nach einer tollen Geburt einen schlimmen Moment als sie die Diagnose Down-Syndrom bekamen. Ein schlimmer Moment, und danach wieder unendlich viele schöne.
Jetzt beim Kleinen mit der "schönen" Geburt ist diese auch nur eine von vielen schönen Momenten.
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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

LaLeMi hat geschrieben:
Offengestanden, Deine Sicht wäre mir für MEINE Hebi oder Doula zu extrem, zu absolutistisch.
Und ja, ich finde sie hört sich herablassend an.
was ich hier äußere, ist meine ganz private meinung. ich bin nicht beruflich hier und ich hüte mich, den von mir betreuten frauen meine sichtweise aufzudrängen. das wäre sicherlich übergreifend und das tue ich mit sicherheit nicht.
ich habe auch schon kaiserschnitte begleitet und die frauen waren dankbar für meine begleitung. deswegen muß ich den eingriff an sich ja noch lange nicht mögen.

tun dir denn menschen nicht leid, denen unverschuldet schlimmes widerfährt? muß denn alles hart an uns abprallen? dürfen wir denn nicht mehr mit-leiden? gerade das ist doch menschlich, oder etwa nicht?
uvd - Doula, Trageberaterin & Vierfachmami (08/06, 06/97, 08/95, 09/89)
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

hmmm, für mich zählen diese Momente schon zu den stärksten, emotionsreichsten und auch schönsten.....als das Kind dann da war und auch die Spanung, als die Wehen kamen, meine liebe Hebamme, mein Kind aufnehmen/mir geben lassen, das erste Mal berühren, den Geruch im Kreißsaal, der Geruch meines KIndes, warm, feucht, weich, zart und doch so stark....klar, es gibt unendlich viele schöne Momente, aber so starke habe ich wenige in meinem Leben
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

uvd hat geschrieben:
LaLeMi hat geschrieben:
Offengestanden, Deine Sicht wäre mir für MEINE Hebi oder Doula zu extrem, zu absolutistisch.
Und ja, ich finde sie hört sich herablassend an.
was ich hier äußere, ist meine ganz private meinung. ich bin nicht beruflich hier und ich hüte mich, den von mir betreuten frauen meine sichtweise aufzudrängen. das wäre sicherlich übergreifend und das tue ich mit sicherheit nicht.
ich habe auch schon kaiserschnitte begleitet und die frauen waren dankbar für meine begleitung. deswegen muß ich den eingriff an sich ja noch lange nicht mögen.

tun dir denn menschen nicht leid, denen unverschuldet schlimmes widerfährt? muß denn alles hart an uns abprallen? dürfen wir denn nicht mehr mit-leiden? gerade das ist doch menschlich, oder etwa nicht?
mir wäre eine Begleitung mit Deiner Erfahrung und Deiner Sicht sehr lieb - und ich bin mir sicher, dass Du das ganz professionell und einfühlsam machst

und ja, man kann seine persönlcihe Meinung von der beruflichen trennen - mir geht das in der Stillberatung auch öfter mal so
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Gluehsternchen
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gluehsternchen »

Und manchmal denkt man es passt, und dann stimmt es menschlich nicht.. ;)
Alles total normal ;)
Yvi mit Teeny *06/05 und Sandwich *10/08 und kleinem Bär *02/15
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Gluehsternchen hat geschrieben:Und manchmal denkt man es passt, und dann stimmt es menschlich nicht.. ;)
Alles total normal ;)
klar - als ich "meine" Hebamme das erste Mal sah, dachte ich auch erst "Nee, das paßt nicht" - sie war mir nicht "alternativ" genug 8) - aber es hat doch gepaßt, sie hat das dreimal sehr gut gemacht :-)
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

OK, ich bin froh zu hören, daß dies Deine private Sicht ist.
Und ja, ich denke schon, daß man das vom Beruflichen gut trennen kann oder es zumindest trennen können sollte.
Einfacher für beide Seiten ist es vermutlich, wenn private und berufliche Sicht übereinstimmen.
Drum kann man sich ja vorher kennenlernen;-)
Ich bin dann auch, nachdem ich vorher ursprünglich zu anderen Hebis wollte, schließlich zur stillfreundlichen GH-/HG-/Beleg-Hebi zurückgekehrt ;-)
(und das menschliche "PAssen" ist hier, wie in vielen anderen Bereichen ja auch, glaube ich eh das Wichtigste)

Ich habe mich aus medizinischen Gründen und gut vorbereitet und informiert für eine primäre Sectio entschieden.
Es war meine Entscheidung "im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten".
Wir hatten anfängliche Stillschwierigkeiten, Gelbsucht; vielleicht durch die primäre Sectio - Kollateralschaden sozusagen- , vielleicht wäre das sowieso gekommen.
Die Schmerzen waren fies,später.
Ich war nie allein. Die Ärzte und Schwestern waren immer drauf bedacht, es uns möglichst "recht" zu machen.
Meine Hebi war da, mein Mann auch, wir hatten ein Familienzimmer und haben nur gekuschelt, 7 Tage am Stück und daheim weiter ;-)
Ich habe mein Kind direkt bekommen, das war ein wunderbarer Moment. Das erste Bonden, das erste Stillen, toll.
Mein Kind ist gesund. Wir verleben als Familie wunderbare Zeit miteinander, von Anfang an.
Ich habe ein wunderbares Kind,
Ich fühle mich nicht, als sei mir Schlimmes widerfahren.
Wahrscheinlich wäre es ja nicht mal "unverschuldet", denn ich habe mich ja dafür entschieden.

Und was Menschen, denen WIRKLICH SChlimmes widerfahren ist, allerdings meist am wenigen wollen, ist Mitleid.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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***ClauWi-Trageberaterin (Grundkurs 2007, Aufbaukurs 2008)***[/i]
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von novembersonne »

uvd hat geschrieben: tun dir denn menschen nicht leid, denen unverschuldet schlimmes widerfährt? muß denn alles hart an uns abprallen? dürfen wir denn nicht mehr mit-leiden? gerade das ist doch menschlich, oder etwa nicht?
Kommt darauf an :wink: . Wenn sie daraus gestärkt rausgehen, dann find ich es nicht Mitleid erregend sondern bewundernswert.
Und Schmerzempfindungen sind nun mal individuell sehr unterschiedlich.

Und ja, Mitleid ist herablassend. Mitzuleiden evtl nicht. Aber wieviel Leid jemand hat, kann man doch nicht von außen vorschreiben: Du hattest einen KS, also leide!?

Das Buch lese ich nicht, da mich die Dikussion hier davon überzeugt hat, dass es mich aufregen und provozieren würde, und ich vielfach eh eine andere Meinung hätte.
Buchbesprechungen sind doch auch dafür gut, sich für oder gegen das Lesen entscheiden zu können?
Und trotzdem erlaube ich mir, mich für das Thema zu interessieren.

Und Selbstbestimmung ist doch auch eine Grenzgeschichte.
Ich halte es da mit Juul (lieber noch mit Kant): Meine Selbstbestimmung, -verwirklichung hört nun mal da auf, wo ich anderen schade. Und deswegen sage ich auch meine Meinung anderen, wenn ich denke, es wäre für sie gut meinen Standpunkt zu kennen. Allerdings rechne ich schon auch mit Gegenargumenten, die ich mir anhöre.
Liebe Grüße
kado

Bub 07/2005; Bub 01/2008; lütte Deern 2/2012
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