Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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Altraia
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Altraia »

vielleicht ist aber auch unser schmerz-, leistungs-, bewältigungsprinzip und härte zu sich selbst, prüfungen bestehen, gestärkt aus erfahrungen hervorgehen, auch unter anderem geprägt, erlernt und weitergegeben usw.
Das war bei mir definitiv nicht der Fall. Ich hatte keine Hausgeburten geplant, weil ich mal ein tolles natürliches Schmerzerlebnis haben und daran wachsen wollte. Im Gegenteil, ich hatte große Angst vor Schmerzen, aber noch mehr Angst hatte ich vor dem Ausgeliefertsein, und die Gefahr, ausgeliefert zu werden, erschien mir im KH ungleich höher. Einschlägige Erfahrungsberichte von Müttern mit KH-Geburten bestätigten dies eigentlich durchweg. Es war also, zumindest bei der ersten Geburt, vor allem eine "egoistische" Entscheidung, um unangenehme Gefühle gerade zu umgehen!

Erst unter/nach der Geburt wurde mir dann klar, wie stark ich dadurch geworden war. Das war ein unglaublich mächtiges Erlebnis, für das ich ewig dankbar sein werden. Es war aber wirklich nicht so intendiert.

Ich weiß, diese Argumentation führt zu nichts, aber ich muss den Spruch doch dalassen: Wer es nicht erlebt hat, kann es nicht nachvollziehen. Daher kommt wohl teilweise auch das Aneinandervorbeireden hier im Thread. Wenn man Schmerzen nur negativ besetzt, KANN man es sich einfach nciht vorstellen, dass jemand das als positiv empfinden kann. Das hat nichts mit Härte zu tun, sondern einfach mit mehr Selsbt-Bewusstsein und einem verbesserten Körperempfinden. Außerdem verliert Angst ihren Schrecken, wenn man ihr ins Auge blickt und weiß, man überlebt auch starke Schmerzen, einfach aus sich heraus. Ich finde es sehr positiv, nicht mehr bei jedem Ziepen in Panik zu verfallen, deswegen bin ich nicht hart und abgestumpft. Vielleicht wird Schmerz in unserer Kultur ja auch zu negativ besetzt?
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Das klingt aber eher nach Schmerz-Angst und "ich will mal sehen, ob ich das nicht doch schaffe" bzw. es hinterher geschafft zu haben.

Schmerz ist nicht nur negativ, aber es ist doch immer schön, wenn er vorbei ist - das höre ich eigentlich auch hier heraus ;-)

Als "Leistung" empfinde ich weder Schwangerschaft noch Geburt.
Meine Schwangerschaften sind ja immer anstrengend, durch Hyperemesis oder Nausea. Bin ich jetzt oder hinterher dann ein toller Hecht? Ich denke nicht. Ich genieße die SwS, v.a. dann, wenn es "wohlere" Momente sind ;-)
Von dem "Leistungsgedanken" ist es dann für mein Empfinden auch nicht mehr sooo weit zu "das Kind sollte seiner Mutter dankbar sein" - und dabei gruselt es mich dann doch sehr...
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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Altraia
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Altraia »

Nö, mein Kind muss mir wegen der Geburt nicht dankbar sein, von dem Gedanken bin ich ziemlich weit entfernt.
Schmerz ist nicht nur negativ, aber es ist doch immer schön, wenn er vorbei ist - das höre ich eigentlich auch hier heraus
Ja klar! Ich kann auch super ohne Schmerzen leben :lol:
Liebe Grüße,
Christine mit Sohn (2/05), Tochter (6/07) und Tochter (2/14)
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Zierbanane
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Zierbanane »

inkognito hat geschrieben:[..

wächst man an schmerzen? warum? wächst man auch an schlimmen erfahrungen, im stil von "was mich nicht umbringt, macht mich stark?
Ich möchte nicht bestreiten das man an Schmerzen "wachsen" kann. Aber eines ist für mich auch klar, ich für meinen Teil erinnere mich nicht in dem Sinne: "Ach das war ja TOLL!". Nee, ich erinnere mich mit totaler Ehrfurcht und Angst! Nach dem Motto: "Schön das ichs geschafft habe, aber ich brauchs echt nicht wieder!" Dieses "Wachsen" am Schmerz, das brauch ich nicht.
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darkdragonsoule
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von darkdragonsoule »

also ich persöhnlich! würde nach einem geplanten ks wahrscheinlich (wenn ich nicht so überzeugt wäre dass ich das nicht möchte und es mich an den film anatomie erinnert) das gefühl haben dass ich etwas umgangen habe was aber für meine psyche gut gewäsen wäre.zumindest stelle ich mir das so vor.

ich kann auch gerne auf schmerzen verzichten,aber so ist das leben einfach.man kann doch nicht immer alles umgehen,auslassen,streichen.mein mann hat auch keine lust zu arbeiten,es muss aber sein und da muss er durch.dafür wird er mit dem geld belohnt was er verdient.jetzt mal so als blödes beispiel.
und ich denke,nö ich vertraue drauf,das alles seinen sinn hat.
oft habe ich schon gedacht "wieso passiert das immer mir,wieso muss ich sowas erdulden usw.bei der nächsten hürde konnte ich schon viel besser damit umgehen und es viel nicht mehr so schwer.ich bin daran gereift und gewachsen,habe erfahrungen gemacht.
Liebe Grüße von Jessi mit Y. 06,D. 08 und M. 010
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Zierbanane
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Zierbanane »

Ja, ich kann das verstehen. Es gibt aber auch Dinge im Leben, die man schon ein paar mal gemacht hat und dann merkt, dass es einem nicht "gefällt". Ich würde auch nicht ewig in einem Job verweilen der mich unglücklich macht, sondern mich davon befreien.
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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Baba hat geschrieben:Nunja, EINE Sache fand ich am KS dann doch ganz OK. Ich bin sehr froh, dass ich keinen Dammriss oder -schnitt hatte, wenn ich die Berichte und Probleme von Frauen höre oder lesen, die einen Riss oder Schnitt hatten.
Meine KS-Narbe ist super verheilt, ich hatte schnell keine Schmerzen mehr und die Taubheit des Gewebes ließ nach ein paar Monaten nach.
das klingt ja fast so, als ob man bei einer vaginalen geburt automatisch reißen oder schneiden müsste.
ist aber quatsch.

das fand ich an meiner hausgeburt so toll, daß ich eben weder schnitt noch riss noch bauchoperation hatte, sondern alles ganz heil geblieben ist, einfach, weil ich dem geburtsverlauf ohne eingriffe und interventionen folgen konnte.
meine maus war übrigens 54 cm groß und wog 4050 gramm, ich selbst bin nur 1,58 m groß. im Kh hätte man mir die maus 2 wochen vor termin rausgeschnitten - bei DEM gewicht! :roll:
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Muschelsucherin
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Muschelsucherin »

uvd hat geschrieben:
Baba hat geschrieben:Nunja, EINE Sache fand ich am KS dann doch ganz OK. Ich bin sehr froh, dass ich keinen Dammriss oder -schnitt hatte, wenn ich die Berichte und Probleme von Frauen höre oder lesen, die einen Riss oder Schnitt hatten.
Meine KS-Narbe ist super verheilt, ich hatte schnell keine Schmerzen mehr und die Taubheit des Gewebes ließ nach ein paar Monaten nach.
das klingt ja fast so, als ob man bei einer vaginalen geburt automatisch reißen oder schneiden müsste.
ist aber quatsch.

das fand ich an meiner hausgeburt so toll, daß ich eben weder schnitt noch riss noch bauchoperation hatte, sondern alles ganz heil geblieben ist, einfach, weil ich dem geburtsverlauf ohne eingriffe und interventionen folgen konnte.
meine maus war übrigens 54 cm groß und wog 4050 gramm, ich selbst bin nur 1,58 m groß. im Kh hätte man mir die maus 2 wochen vor termin rausgeschnitten - bei DEM gewicht! :roll:
Hm, mein Sohn wog 4200g und war 53cm groß. da hat keiner im Vorfeld von KS gesprochen. Wir haben es 2 Tage lang spontan versucht. War aber eingeleitet, da ich schon 2 Wochen nach ET war und der Kleine sich nicht ins Becken senkte. Ich hatte keine Senkwehen.
Fast alle, die ich kenne, hatten einen Riss oder Schnitt und haben auch jahre danach noch Probleme damit.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Altraia hat geschrieben:Wer es nicht erlebt hat, kann es nicht nachvollziehen.
ich hatte drei klinikgeburten, die "normal" waren. normal im sinne von kein schnitt, keine OP, keine notfälle, kein wehentropf.
dennoch fühlte ich mich danach nicht toll oder stolz, sondern war einfach froh, daß es vorbei war. toll fand ich nur, daß dabei jedesmal ein wunderbares wesen herausgekommen ist, das alles andere vergessen ließ. hätte man mir einen KS angeboten, hätte ich den vielleicht sogar toll gefunden, keine ahnung.

erst nach der 4. geburt wurde alles anders. da habe ich geburt wirklich erlebt. ich weiß jetzt, wie es sein kann, ja wie es sein sollte!

ich kann nicht mehr umhin, frauen zu bedauern, die das so nicht erleben können oder wollen. mir drängt sich nur ein einziger vergleich auf: wer vergewaltigt wurde, der kann man die schönheit der sexualität und des orgasmus nicht erkennen.
kaiserschnitt verhält sich zu natürlicher geburt wie künstliche befruchtung zu erfülltem sexleben.
klar kann man auch so kinder zeugen und zur welt bringen. aber ich bedaure all jene, die nicht wissen, was ein orgasmus ist. ich bedaure all jene, die keine erfüllte sexualität leben können und ich bedaure all jene, die geburt nicht so erleben können, wie sie natürlich und ungestört abläuft: urgewaltig, weiblich, kraftvoll, stärkend, wundervoll, unbeschreiblich, wahnsinnig, anstrengend, atemraubend, gigantisch.

ich weiß, daß jede geburt so sein sollte und alles, was davon abweicht, finde ich mittlerweile traurig und bedauernswert, schade. beraubt um eine essentielle erfahrung, die man in ihrer gänze erst beurteilen kann, wenn man sie gemacht hat.
und nein, eine gut verheilende operation, deren wundschmerzen man mit schmermitteln gut in den griff bekommen kann, ist damit nicht im entferntesten zu vergleichen, auch wenn dabei ebenfalls ein kind zur welt kommt.
uvd - Doula, Trageberaterin & Vierfachmami (08/06, 06/97, 08/95, 09/89)
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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Baba hat geschrieben: Fast alle, die ich kenne, hatten einen Riss oder Schnitt und haben auch jahre danach noch Probleme damit.
vermutlich klinikgeburten, oder?
da ist die verletzungsrate ja auch immens.
kliniken haben dammschnittraten zwischen 30 und 60 prozent. bei hausgeburten gibts grad mal 5,5 prozent.
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