Joni hat geschrieben:
Ich möchte wirklich niemanden angreifen, aber irgendwie verstehe ich nicht, dass es das einzige Mittel der Wahl ist, es passt so gar nicht zu dem was sonst hier an Meinung zu Erziehung (oder nicht Erziehung

) vorherrscht.
Ich weiß natürlich, dass ich das nicht so machen muss, aber mich stört irgendwie, dass das immer der einzige Tipp ist den man bekommt...
So, jetzt dürft ihr mich hauen.
Es haut dich glaub ich keine.

Ich versteh auch was du meinst. Aber ich versteh auch "die andere Seite" sehr gut, da es mir momentan auch so geht, dass ich eigentlich nachts abstillen möchte.
ich versuch mal zu erklären, wie ich das so sehe.
Ich würde mal sagen, an irgend einem Punkt im "Still-Leben" scheiden sich so die Geister. Die einen Mütter halten durch bis zum vom Kind vorgegebenen Ende und lassen das Kind den Abstillzeitpunkt bestimmen (wobei es da auch zahlreiche Modifikationen gibt, also es wird "draußen" nicht mehr gestillt, es wird nachts nicht mehr gestillt oder nur noch zum Einschlafen - gewisse "Stillregeln" halt, oder eben tatsächlich weiter nach Bedarf).
Andere stillen irgendwann ganz ab zwischen 1,5 und 3 Jahren, da scheint es besonders anstregend zu werden, hab ich den Eindruck, wenn ich die Threads so durchlese. Oder man kann sich ein längeres Stillen irgendwann nicht mehr vorstellen. Oder es wird halt auch erst mal was an der Stillsituation verändert (s.o.).
Und ein Abstillen ist in meinen Augen IMMER mit einem gewissen "Abschiedsschmerz" für das Kind verbunden, zumindest wenn das Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat. Aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Ich meine, das Baby/Kleinkind muss sich schließlich von einer ganz zentralen Sache in seinem Leben trennen, die zwar nach und nach etwas an Bedeutung verloren hat, wenn es älter wird, aber trotzdem noch irgendwo was ESsentielles ist.
Aber ich als Mutter habe ja auch Gefühle und eigene Grenzen und Bedürfnisse. Ich stille überaus gerne, es ist das Schönste was es gibt. Aber gerade das Schöne, Innige, Wonnige kann ich zurzeit eben auch manchmal nicht mehr spüren/sehen, wenn meine Kliene frühmorgens einfach über 1 Std. dauernuckeln will. Ich bin irgendwann schlichtweg nur noch zappelig und genervt, gereizt. Das gefällt mir selbst auch gar nicht, aber die Gefühle sind nun mal da und irgendwie muss ich ihnen ja begegnen. Und ein nächtliches Aufwachen, was über 2-3 Mal hinausgeht, halte ich einfach nicht mehr durch - bei mir kommt halt die erneute Schwangershcaft noch hinzu. Außerdem arbeite ich seit 3 Monaten wieder halbtags.
Ich glaube einfach, dass es ganz normal ist, irgendwann an einen PUnkt zu gelangen, wo man gewisse "Regeln" fürs Stillen aufstellt, oder wie auch immer man es nennen mag. Auch wenn man ansonsten einen ganz anderen Erziehungsstil vertritt. Aber solche "Regeln" in der Stillbeziehung durchzusetzen ist glaub ich einfach was sehr Sensibles, was immer mit sehr vielen Gefühlen einhergeht, weil eine Stillbeziehung etwas so Intimes, Sensibles ist. (Kann man mein Geschwafel verstehen???

)
Joni hat geschrieben:Gibt es denn da wirklich keinen sanften Weg?
Mir waren 3-4-5 Mal aufwachen einfach zu viel geworden, ich hab mir soooo sehr gewünscht, mal wieder länger am Stück schlafen zu können, auch im Hinblick auf die Ankunft des neuen Babys. Daher hab ich die letzten Monate versucht, etwas vorzuarbeiten. Und hab mir quasi mein eigenes "Programm" gemacht, mit ein paar Sachen aus "No cry sleep solution" - wobei ich das Buch nicht hab, sondern nur Tipps aus dem Forum verfolgt habe - und ein bisschen Gordon und viel Bauchgefühl. Ich wollte das halt nicht so abrupt durchziehen und auch nicht gleich die komplette Nacht, sondern hab mir einzelne "Stilleinheiten" vorgenommen, die regelmäßig nachts kamen, und hab versucht, eins nach dem anderen zu reduzieren, es einfach mal mit Singen und Beruhigen statt Stillen versucht, als ich merkte, dass grad ne günstige Phase war. Mein Mann hat mir auch sehr geholfen.
Aber ganz ohne Weinen ging es eben auch nicht.
Das Wichtigste ist, glaub ich, DEINEN bzw. EUREN ganz eigenen Weg zu finden, da kannst du dir hier noch so viele tipps geben lassen. Am Ende musst du dir drüber klar werden, wie soll unsere Stillbeziehung künftig aussehen, was möchte ich für mich und welche Bedürfnisse meines Kindes kann/will ich einfach weiterhin respektieren und welche davon konkurrieren einfach zu sehr mit meinen eigenen.
Und wenn du dir jetzt sagst, 2-3 Nächte schreien halt ich nicht aus, mag ich meinem Kind nicht zumuten, verstößt gegen mein Verständnis einer respektvollen Stillbeziehung, dann warte ab. Dann ist es auch nicht das Richtige für dich. Oft sind es eben ja auch nur die berühmten "Phasen" und dein Kind schläft demnächst wie ein Engel.
(Meine Tochter schläft z.B. seit 2 Nächten plötzlich durch, obwohl ich jetzt auch nichts groß geändert habe die letzte Zeit - ist aber ein wunderbares Gefühl, dass ich genieße und glaub ich öfter haben möchte... Die ganze Zeit wurde sie fast immer nur noch 1x wach so zwischen 1 und 3 Uhr, stillte kurz und schlief direkt weiter, und das fand ich schon traumhaft und konnte damit super leben)
Ich hoffe, du hast überhaupt bis zum Ende gelesen, bin anscheinend heut abend in Schreiblaune....
LG
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin