Wenn man "nur" Beifahrer ist, geht das ja alles noch irgendwie... da kann man wenigstens hinten sitzen und für sein Baby dasein, es streicheln, trösten etc auch wenn das mit dem Stillen grad nicht klappt oder hilft. Richtig schlimm ist es, wenn man selbst der Fahrer ist und mit dem Baby allein mitten im Nirgendwo unterwegs ist. So ging es mir neulich, als ich eine Freundin besuchen fuhr. Bis dato war die Maus im Auto immer zufrieden gewesen, keinerlei Probleme, hat meist geschlafen oder gespielt, ich war schon öfter mit ihr auch längere Strecken alleine unterwegs gewesen, und das hat immer gut geklappt, also dachte ich nichts Böses. Bei der Abfahrt schlief sie und wachte auf, als wir schon ca. eine Stunde unterwegs waren. Wir machten ein ausgiebiges Päuschen und fuhren dann weiter... und da ging es los. Sie weinte und weinte und weinte, schrie sich die Seele aus dem Leib, war untröstlich und ich todunglücklich, weil ich nichts für sie tun konnte... ich habe ihr gut zugeredet, gesungen, sogar meine Hand nach hinten verrenkt (wir haben zum Glück Automatik, da muss man nicht schalten) und ihr zugewunken, sie gestreichelt, ihre Hand gehalten... ihr Spiel- und Knabberzeug gereicht... nichts half, gar nichts. Ich bin so oft rechts rangefahren wie es ging, hab mit ihr geredet, sie gestillt, gekuschelt, und sie war glücklich wenn sie mich gesehen hat... aber sobald sie wieder in der Babyschale sass und wusste, es geht zurück ins Auto, war sie wieder todunglücklich. Ach, die arme Maus.... sie hat mir so leid getan und ich war drauf und dran, auf der Stelle umzudrehen und wieder heimzufahren. Aber ehe die Einsicht kam, dass das nichts mehr wird, es einfach nicht geht, war ich schon näher an meinem Ziel als an meinem Ausgangspunkt und so dachte ich, es wäre vielleicht besser, sie nicht unnötig lange leiden zu lassen. Vielleicht hat sie ja nur einen schlechten Tag und der Rückweg wird besser, hoffte ich...
Von wegen. Der Rückweg war schlimmer. Aber mir blieb ja nichts anderes übrig, wir mussten ja irgendwie wieder nach Hause! Und so hab ich mich eben irgendwie heimgekämpft... Mit viel singen, reden, Hand halten (was alles nichts brachte, die Tränen flossen weiter und sie schrie wie am Spiess) haben wir uns Häppchenweise vorgekämpft. An wie vielen Bushaltestellen ich unterwegs gestanden habe, weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur, es war die Hölle. Auch mir standen teilweise die Tränen in den Augen.
Letztendlich ist sie irgendwann eingeschlafen... Mitten im Nirgendwo, nachts im Dunkeln, an einer Bushaltestelle am Rande der Landstrasse, nach ungefähr einer halben Stunde stillen, singen, streicheln, kuscheln, wiegen... völlig erschöpft und heiser. Ich bin jetzt noch völlig fertig wenn ich daran denke

Für eine Strecke, die ich normalerweise in unter 2,5 Stunden schaffe, haben wir an diesem Abend mehr als 5 gebraucht. Aber auch wenn mir der Gedanke kam, dass es die Tortur verkürzen würde, einfach durchzufahren und so schnell wie möglich heimzukommen... ich konnte es nicht, ich konnte sie nicht weinen lassen. Auch wenn ich letztendlich nichts für sie tun konnte, es ja doch immer wieder angefangen hat sobald sie den Autositz nur gesehen hat, es ihr die Autofahrt selbst weder erleichtert noch erspart hat... ich musste einfach alle Naselang anhalten und sie von Angesicht zu Angesicht trösten.
Arme Maus. Da kam wohl einiges zusammen - der erste Zahn, eine "ich kriege die Krise wenn ich Mama nicht sehen kann"-Phase, und wer weiss was noch. Vielleicht hätte es geholfen, wenn sie mich zumindest hätte sehen können... aber vorn ist der Airbag und ich habe keine Ahnung, ob und wie man den ausschalten könnte. Was letztendlich unsicherer war oder wäre... keine Ahnung. Aber ich bin noch nie so unkonzentriert gefahren wie an diesem Tag mit meinem untröstlichen Baby auf der Rückbank. Seitdem bin ich nicht mehr mit ihr allein gefahren und wir sind auch keine weiten Strecken unterwegs gewesen. Eine steht uns allerdings bald bevor, eine reichliche Stunde... Zum Glück ist es eine, bei der es Alternativen gibt. Trotzdem hoffe ich, dass es nur eine Phase war und sie Autofahren toleriert, wenn sie mich sehen kann...
Aber sowas wie oben will ich nie, nie wieder erleben.