Lolomama hat geschrieben:@jusl: fast alle "Flaschenbabys", die ich kenne (und ich kenne einige) schlafen schon länger durch, so in der Regel nach 2-3 Monaten oder früher. Was ist der Grund, wenn nicht die sättigendere Nahrung?
jaaaaa - das ist die alles entscheidende Frage

- da könnte man ganze Dissertationen zu schreiben
Also, ich versuche es mal einzukreisen...
Die Tatsache, ob Muttermilch oder künstliche Säuglingsmilch gefüttert wird, hat i.d.R. noch mehr Auswirkungen als bloß auf den Mageninhalt und die Gesundheits des Babys (dies sind nur die offensichtlichen Unterschiede). Meistens unterscheiden sich z.B. auch die Kommunikation zwischen Mutter und Baby (das ist ein weeeeites Feld, und darüber gibt es tatsächlich Expertisen) und die Gestaltung des Alltags mit dem Kind (Stillkinder werden eher mitgenommen, Flaschenkinder bleiben eher beim Babysitter. Stillkinder machen eher Co-Sleeping, Flaschenkinder schlafen eher allein usw.). Auch muss die Füttermethode im gesellschaftlichen Kontext gesehen werden: die Durchschnitts-Stillmutter hat ganz sicher andere konkrete Erwartungen an ihr Kind als die Durchschnitts-Nichtstillmutter - auch dies betrifft verschiedene Bereiche.
Diese Erwartungen spiegeln sich auch in klassichen Mütter-Gespächen wieder. Ich kann dazu folgenden netten, selbst erlebten(!) Dialog beisteuern, den ich hier quasi exakt zitiere

:
"Und, wie schläft Dein Baby so?"
"Oooch, der schläft durch!!"
"Wow, das ist ja ungewöhnlich! Er schläft tatsächlich von abends bis morgens, ohne dass Du Dich darum kümmern musst?"
"Ja, sicher!"
*kurze Pause*
"Naja, manchmal verliert er seinen Schnuller, den muss ich dann schon wieder reinstecken, das kann er noch nicht alleine. Das muss ich machen, nervt ein bisschen. Und letztes Wochenende waren wir auf Familienfeier... da war er dann aber total überdreht und hat Samstag und Sonntag total schlecht geschlafen. Wir gehen jetzt nicht mehr auf Feiern. Montag war er dann prompt krank, da hat er zwei Tage durchgequengelt... Und was momentan eh dazu kommt, sind natürlich die ZÄHNE."
*alle anwesenden nicken wissend....*
"Der Kinderarzt sagt, die sind kurz vorm Durchbrechen; ich geb zwar Dentinox, aber nachts schreit er deswegen trotzdem oft. Manchmal hilft echt nur, wenn ich ihm eine Flasche mache. Seit gestern ist außerdem der 19-Wochenschub angesagt. Diese Schübe kommen ja ständig! ABER EIGENTLICH SCHLÄFT ER DURCH!"
Mit anderen Worten: das Baby hat immerhin diese eine Woche lang KEIN BISSCHEN durchgeschlafen (ach was!

- ob ich wohl auch in einer beliebigen anderen Wochen hätte fragen können?

), und natürlich kommen am laufenden Band Störungen dazwischen wie viel Besuch oder Langeweile, Zähne, Schübe und allgemeines Unwohlsein, aber die Mutter legte gaaaanz viel Wert auf die Tatsache, dass ihr Kind EIGENTLICH durchschläft.
Dass Besuch und Langeweile, Zähne, Schübe und aller sonstiger Kram, den kleine Babys so erleben, aber doch der NORMALFALL und nicht die AUSNAHME sind (mit dem Ergebnis, dass ihr Kind rein zahlenmäßig viiiiiel selterner durchschlief als es wach wurde), auf die Idee war sie bislang gar nicht gekommen...
sprich: das Kind schlief natürlich NICHT durch, von seltenen Ausnahmen mal abgesehen.
Bedenke nun - wie viele Dialoge zwischen Müttern sind aber bereits nach den ersten 2 oder 4 Zeilen zuende? Welches Bild wird damit vermittelt?
Der Betreuungsstil kann sicherlich auch Auswirkungen auf das Schlafverhalten haben. Kinder, von denen frühes Alleineschlafen erwartet wird, haben öfter die Erfahung gemacht, dass beim Rufen niemand kommt. (Nicht alle Kinder schreien, wenn sie nachts wach werden. Und nicht alle weinenden Kinder weinen laut genug, dass es jemand hört. Und nicht alle, die etwas hören, stehen auch auf und gehen hin; denn manchmal "beruhigt sich das Baby ja von allein").
Viele (nicht alle!) Kinder sind sehr anpassungsfähig. Ich mag insb. diese Zeilen ausdrücklich wertfrei verstanden wissen.
Mal abgesehen davon, dass die normale biologische Variationsbreite in Sachen Babyschlaf ohnehin recht breit zu sein scheint, gibt es übrigends folgende interessante Beobachtung:
Wenn künstliche ernährte Kinder streng nach "Stillvorbild" betreut werden (manche Mütter, die z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht stillen können und dies sehr bedauern, legen darauf mitunter viel Wert!), zeigen sie das gleiche Verhalten wie Stillbabys: sie verbringen ebenfalls viel Zeit am Körper der Mutter, Trennungen werden vermieden, ausschließlich die Mutter füttert, Co-Sleeping ist die Regel. Diese Babys schlafen dann (bei geeigneter Milchnahrung!) genauso wenig durch wie alle anderen auch
Ein sehr interessantes Thema, jedenfalls!
LG;
Julia