ich habe schon einige Beratungen in diesem Forum gelesen und habe mich entschlossen, jetzt auch einmal hier zu schreiben. Ich weiß noch nicht genau, was ich mir davon erhoffe. Wahrscheinlich Verständnis, Beistand und Tipps und eine Entscheidung... Das ganze Thema belastet mich sehr.
Das könnte jetzt ein langer Roman werden, ich hoffe das ist in Ordnung. Wir haben schon echt viel probiert...
Mein Sohn kam am 15. April per Kaiserschnitt zur Welt. (Nach 3,5 Tagen Einleitungsversuchen und arschigem Chefarzt kam ein traumatischer Kaiserschnitt, bei dem die Betäubung nicht lange genug gewirkt hat.)
Etwa eine Stunde später habe ich mit Hilfe der Hebamme versucht, ihn anzulegen. Dabei konnte er allerdings die Brust nach dem Andocken irgendwie nicht festhalten - er hat keinen Unterdruck erzeugen können? Die Hebamme meinte, ich soll ihn nicht nur vorne an der Brustwarze nuckeln lassen, dafür wäre meine Brust zu schade. (Damit hat sie mich ziemlich verunsichert.) Nach einer Weile haben wir es dann sein lassen
Später auf dem Zimmer habe ich es mit Hilfe einer anderen Hebamme noch einmal versucht - auch da hat er die Brust nicht halten können, sodass sie mir ein Stillhütchen aufgeschwatzt hat - ich habe in dem Moment einfach nur ein Erfolgserlebnis gebraucht und damit hat es immerhin funktioniert. Die nächsten Tage habe ich mit Stillhütchen gestillt, wobei mein Sohn dabei auch immer nur die Brustwarze im Mund hatte und es mir ziemlich wehgetan hat. - Alle, die ich im Krankenhaus gefragt habe, meinten, das wäre normal und richtig so und die Brust müsse sich erst noch daran gewöhnen.
Meine Hebamme, die auch Stillberaterin ist, hat mir dann direkt nochmal gezeigt, wie ich ihn richtig anlege, aber ohne Stillhütchen ging es trotzdem nicht und sie meinte, dass die starken Schmerzen, die ich habe, auf keinen Fall normal seien. Deshalb hat sie mir gleich eine Milchpumpe und eine Spritze mit Sonde da gelassen und mir empfohlen, die abgepumpte Milch mit der Sonde oder per Finger Feeding zu füttern.
Das haben wir gemacht und montags sind wir direkt zur Osteopathie gegangen. Das hat insofern geholfen, dass er die Brust danach sofort ohne Stillhütchen festhalten und saugen konnte. Allerdings war es immer noch nicht ganz richtig und er war ziemlich ungeduldig. Deshalb weiter mit Sonde und Finger Feeding gemacht. Abpumpen hat dann leider überhaupt nicht geklappt - es kam gar nix - anlegen auch nicht und der Kleine hatte immer noch nicht genug zugenommen, deshalb haben wir dann mit Spritze und Finger doch Prenahrung zufüttern müssen.
Danach kamen 2 oder 3 Tage, an denen der Kleine ohne Hilfsmittel/Sonde etc ausschließlich an der Brust getrunken hat. Aber dann kam der Rückschlag: Er hat in der Zeit kein Gramm zugenommen
Wir waren dann noch einmal bei einer anderen Osteopathin (die erste hatte Urlaub), das hat allerdings gar nichts geändert. Und 3 Wochen nach seiner Geburt waren wir bei einer anderen Stillberaterin, die meine Hebamme empfohlen hatte, weil sie nicht mehr weiter wusste. Die hat mir das asymmetrische Anlegen beigebracht (hat nichts geändert, hatte immer noch Schmerzen) und meinte, sein Zungenbändchen wäre verkürzt. Dadurch würde er meine Brustwarzen verformen/zerquetschen und daher kämen die Schmerzen. Dank viel Glück und der Hattnäckigkeit meines Mannes konnten wir direkt am nächsten Tag einen Termin in der Uniklinik in Mainz machen, bei dem das Zungenbändchen durchgeschnitten wurde. - Auch das hat nichts geändert, ich hatte nach wie vor starke Schmerzen und verformte Brustwarzen.
Meine Hebamme hat dann festgestellt, dass mein Sohn anscheinend einen Pilz im Windelbereich hat und erklärt, dass er den dann auch im Mund und ich auf der Brust habe. Also haben wir den behandelt und die Schmerzen haben dadurch bei mir sehr stark nachgelassen, waren aber immer noch deutlich vorhanden. Außerdem hat sie uns Physiotherapie empfohlen, weil er trotz durchtrenntem Zungenband nicht die richtigen Bewegungen macht.
Irgendwann Anfang Juni haben wir das mit der Spritze dann sein lassen und haben stattdessen angefangen, mit Lansinoh-Flaschen zuzufüttern. Das klappt auch gut und er ging auch trotzdem noch an die Brust. Allerdings macht er beim Trinken immer ein schnalzendes Geräusch, was laut Hebamme und Stillberaterin auch ein Zeichen dafür ist, dass er mit der Mundmotorik irgendwas nicht richtig kann.
Die Kinderärztin hat uns in der Zwischenzeit Physiotherapie für ihn verschrieben. Zuerst wusste die Therapeutin nicht so ganz, wie sie ihn helfen kann, weil er ansonsten komplett unauffällig ist. Erst als wir ihr gezeigt haben, wie er an der Flasche trinkt und sie sich mit einer weiteren Osteopathin kurzgeschlossen hatte, bei der wir zwischenzeitlich auch noch waren, hat sie das Problem richtig erkannt. Sie meint durch das zu kurze Zungenbändchen hat er nie richtig saugen gelernt, wie andere Babys das eigentlich schon im Mutterleib üben. Und wenn seine Muskeln im Bereich der Schultern und des Nackens stärker werden, würden die Nerven der Zunge frei und er könne die Zunge besser/richtig bewegen. (So habe ich es zumindest verstanden.)
Also hat sie Übungen mit ihm gemacht und uns aufgetragen, diese Übungen nach Vojta dreimal am Tag mit ihm zu machen. Wir haben nach 2 Tagen aufgegeben, weil der Kleine dabei so geschrien hat und wir das nicht ausgehalten haben...
Sie macht jetzt andere Übungen mit ihm, die nicht so schlimm für ihn sind. 9 Stunden Physio sind jetzt rum, die 10. haben wir Ende August nach ihrem Urlaub.
Seitdem habe ich schon den Eindruck, dass er an der Brust besser trinken kann. Zumindest sind die Brustwarzen nur noch in ganz seltenen Fällen verformt oder tun weh. Ich versuche, ihn zumindest 2-3 mal am Tag anzulegen, (auch wenn nicht mehr viel kommt) weil ich denke, dass jeder Tropfen Muttermilch zählt. Allerdings kommt jetzt natürlich kaum noch Milch raus. Morgens lässt er sich gut anlegen, aber ab nachmittags und/oder wenn er auch müde ist, will er gar nicht an die Brust, lässt sie direkt wieder los und schreit die ganze Zeit, bis er sein Fläschchen bekommt. Wenn er gut angedockt ist, weiß ich nicht, ob er die Brust effektiv leeren kann. Er schläft dabei immer ein und ich weiß nicht, wie lange ich ihn dran lassen soll - ich erkenne nie, ob er schluckt oder nur nuckelt... Abpumpen oder von Hand entleeren mache ich sporadisch, wenn er sich abends gar nicht anlegen lässt, damit die Milch nicht komplett zurückgeht. (Ich bekomme in 10 Minuten meistens nicht mal 10 ml raus.) - Allerdings wird es in den letzten Tagen trotzdem immer weniger, das ist aber ja auch kein Wunder...
Jetzt weiß ich nicht, ob/wie ich weitermachen soll. Entweder ich gebe noch einmal alles (so oft wie möglich Anlegen mit Brusternährungsset, häufigem Abpumpen und noch mehr Zeit und Energie reinstecken als bisher), um die Milchmenge noch einmal etwas zu erhöhen - ob er sie dann beim Stillen oder mit der Flasche bekommt, sei mal dahingestellt. Oder ich lasse es so jetzt auslaufen, bis gar keine Milch mehr kommt und er wird dann nur noch mit Prenahrung gefüttert.
Ich habe in den letzten 3 Monaten schon so oft gedacht, dass ich aufgebe und mir das alles nicht geben muss. Dass er auch so groß wird. Etc. Aber mein Stillwunsch ist so stark, dass ich immer noch weiter gemacht, immer noch etwas Neues probiert habe. Beim Gedanken daran, aufzugeben, kommen mir direkt die Tränen und ich fühle mich furchtbar. Ich habe mich in der Zeit auch oft gefragt, warum ich dabei so stur bin.
Ich habe mir ein gebrauchtes Brusternährungsset gekauft, aber nur mal einen kurzen Testlauf gemacht, der nicht so erfolgreich war. Dem könnte ich natürlich noch einmal eine Chance geben.
Jetzt geht mein Mann allerdings wieder arbeiten und ich muss tagsüber schauen, wie ich alleine zurecht komme. Ich weiß einfach nicht, ob ich die Energie habe, noch einmal einen (letzten?) Anlauf zu nehmen.
Dazu kommt, dass ich an chronischen Depressionen leide, die durch Stress und Druck (vor allem selbstgemachtem) schlimmer werden und sich vor allem durch Antriebslosigkeit äußern. - Keine gute Kombi... :/
Ich würde meinen Sohn so gerne noch mehr Muttermilch geben können. Dass ich zum Vollstillen komme, habe ich natürlich schon längst aufgegeben, aber ein wenig mehr als jetzt wäre schön.
Einerseits denke ich, dass ich guten Gewissens aufgeben kann, weil ich schon soooo viel versucht habe. Andererseits kann ich den Wunsch nach dem Stillen nicht loslassen. Und dann lese ich wieder, dass die WHO empfiehlt, 2 Jahre zu Stillen und das ja noch eine ganz schön lange Zeit ist, in der ich stillen könnte, wenn es jetzt doch noch klappen würde.. Die ganze Situation belastet mich sehr. So langsam muss jetzt eine Entscheidung her, sonst trifft die Natur bald die Entscheidung, weil die Milch dann ganz weg bleibt...
Wie habt ihr euren Stillwunsch losgelassen, als es nicht geklappt hat?
Gibt es einen Thread mit einer ähnlichen Geschichte, die mir Mut machen kann (Verkürztes Zungenbändchen durchtrennt und dann musste das Baby aufwändig lernen, die richtige Saugbewegung mit der Zunge zu machen)?
Ich weiß einfach nicht, ob ich überhaupt weitermachen soll, ob es sich lohnt, ob ich die Kraft dafür habe, es noch einmal zu versuchen.
Schreibt mir gerne eure Gedanken dazu, ich bin für jeden neuen Impuls dankbar.
Hier noch die Beantwortung der Fragen - manche sind in meinem Roman oben ja schon beantwortet...
* Ist Euer Baby ein Junge oder ein Mädchen?
Junge
* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, wenn ja, mit was (Muttermilch, Formulanahrung)? Schreibt bitte die Mengen auf (wie oft und wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
Ich füttere fast ausschließlich mit Pre-Nahrung. Mengen s.u. Manchmal noch ein paar Milliliter Muttermilch, wenn beim Abpumpen was rauskommt.
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: Wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
Morgens lege ich ihn an jeder Seite je ca. 10 Minuten an (damit er es zumindest nicht verlernt) und danach bekommt er sein Fläschchen. Manchmal versuche ich ihn öfter am Tag vorm Trinken anzulegen, aber oft klappt es in letzter Zeit nicht, weil er dann schreit, bis er sein Fläschchen bekommt. Ich war in der letzten Zeit auch nicht besonders geduldig/motiviert. Abends versuche ich es auch nochmal, aber meistens klappt das nicht und dann Pumpe ich nochmal 10 Minuten ab, oder entleere die Brust von Hand, weil das schneller geht.
Nachts schläft er immer bis morgens um ca. 5 Uhr, dann trinkt er ein Fläschchen und schläft dann nochmal 2-3 Stunden.
Hier mal die letzten 2 Wochen (Urinwindeln tracke ich seit Anfang Juli nicht mehr, aber ich denke, es sind so 5-6 pro Tag):
(18.7. 6550g - U4 beim Kinderarzt)
22.07. 4x gestillt, 600 ml PRE, 1x Stuhl
23.07. 2x gestillt, 680 ml PRE, 0x Stuhl
24.07. 2x gestillt, 680 ml PRE, 1x Stuhl
25.07. 1x gestillt, 685 ml PRE, 2x Stuhl
26.07. 3x gestillt, 655 ml PRE, 1x Stuhl
27.07. 2x gestillt, 680 ml PRE, 1x Stuhl
28.07. 1x gestillt, 695 ml PRE, 1x Stuhl
29.07. 2x gestillt, 698 ml PRE, 0x Stuhl
30.07. 2x gestillt, 700 ml PRE, 1x Stuhl
31.07. 1x gestillt, 760 ml PRE, 1x Stuhl
01.08. 2x gestillt, 830 ml PRE, 2x Stuhl
02.08. 1x gestillt, 730 ml PRE, 0x Stuhl
03.08. 1x gestillt, 765 ml PRE, 1x Stuhl
24.08. 1x gestillt, 650 ml PRE, 1x Stuhl
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig hat es Stuhlgang?
Ca 5-6 nasse Windeln am Tag, Stuhlgang ist im Schnitt einmal am Tag
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme?
S.o.
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
Ja, wir füttern mit Fläschchen, Stillhütchen haben wir in der ersten Woche benutzt, jetzt brauchen wir sie nicht mehr. Schnuller hatte er noch nie
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
Meine Hebamme ist Stillberaterin, aber ihre Besuche zur Nachsorge sind schon vorbei. Wir hatten zweimal Beratung bei einer anderen Stillberaterin, die uns viel Wissen vermittelt hat. Aber die Beratung ist sehr teuer und die Stillberaterin war uns nicht so ganz sympathisch, deshalb haben wir dort jetzt keinen weiteren Termin gemacht. Zurzeit sind wir noch bei der Physiotherapie (gerade ist allerdings Urlaubspause bis Ende August)
* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen könnten? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
Mein Sohn hatte ein verkürztes Zungenbändchen, das haben wir durchtrennten lassen. Er war am Anfang ein bisschen gelb und hatte einen etwas erhöhten Wert, aber da bestand kein Handlungsbedarf außer ihn zum Trinken wecken und es beobachten. Ich habe Hashimoto mit Schilddrüsenunterfunktion und nehme 100 ng L-Thyroxin.
* Falls dieses Kind nicht Dein erstes ist, beschreibe bitte kurz Deine Stillerfahrung mit Deinem/Deinen größeren Kind/ern
Ist mein erstes Kind
Vielen Dank und liebe Grüße
Katha