Stillbeginn- Fragen über Fragen

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Henni
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Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von Henni »

Hallo,

ich habe ein paar Fragen zum Thema Stillbeginn. Im Forum habe ich schon etwas quer gelesen und auch auf anderen Seiten, leider sind ein paar Fragen offen geblieben. Falls ich im falschen Forum/Thread poste, einfach verschieben oder löschen.

Bei meinem ersten Kind habe ich mich ganz auf die Unterstützung des KKH verlassen, das hat leider nicht so gut geklappt. Ich hab mein Kind zu Beginn zu selten angelegt. Von den Schwestern, wurde ich darauf hingewiesen, dass Kind doch schlafen zu lassen )-:. Zusätzlich hat mein Kind in den ersten Wochen oft nur sehr kurz, eine Seite getrunken und weiterhin sehr lange geschlafen - laut Hebamme total o.k. )-: Na ja, das Ende vom Lied war natürliche eine mangelhafte Milchbildung und eine schleppende Gewichtsentwicklung. Ich hab mir dann eine neue Hebamme gesucht, gepumpt, häufig gewogen....also insgesamt eine anstrengende Zeit.

Bald kommt mein zweites Kind und ich möchte auf alle Fälle besser vorbereitet sein. Den Link zum Thema Stillstart habe ich bereits durchgelesen und auch in Büchern und Internetseiten Infos eingeholt. Ein paar Fragen hätte ich dazu noch, evtl. Könnt ihr sie mir beantworten.


- Wie lange darf ich mein Kind in den ersten Tagen schlafen lassen? Ich habe auf mehreren Seiten gelesen, dass der Stillabstand max. 3 Stunden sein soll, auf anderen Seiten von täglich 8 bis 12 Stillmahlzeiten. Andere schreiben schon zu Beginn vom Stillen nach Bedarf. Ist es sinnvoll das Kind in den ersten Lebenstagen immer nach max. 3 Stunden anzulegen, ggf. auch zu wecken oder soll man die Gesamtheit der Stillmahlzeiten im Auge haben und auch längere Schlafpausen (wie lange?) sind o.k.?

- Auch zum Thema Dauer der Stillmahlzeiten habe ich unterschiedliche Infos. Mehrmals habe ich gelesen, dass man zu Beginn versuchen soll, dass das Kind jede Brust ca. 10 bis 15 Minuten trinkt, um eine gleichmäßige Milchbildung anzuregen. Längeres Saugen sollte man nicht unbedingt anstreben/unterstützen, um die Brustwarzen zu schonen. Andere Internetseiten geben an, dass die Dauer und ob die zweite Brust getrunken wird, das Baby entscheidet - nach Bedarf. Was macht Sinn? Sollen die 15Minuten/Brust bereits in den ersten Lebenstagen oder erst nach dem Milcheinschuss angestrebt werden?


- Wann kann man die Menge der Stillmahlzeiten und deren Dauer etwas aus dem Auge verlieren. Nach welchem Zeitraum hat sich die Milchbildung/das Stillen etabliert? Dazu habe ich leider immer nur die Angabe nach mehreren Lebenswochen gefunden.

Es würde mich sehr freuen, wenn mir jemand weiterhelfen kann.

Liebe Grüße

 
🐭 Februar 19 und 🐰 Juni 22
splischsplasch
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von splischsplasch »

Hallo Henni,

Ich bin nur Mama und kein Profi. Bestimmt meldet sich noch ein Stillmod.
Gute Tipps gibt es aber auch im Linksammlung Stillwissen.
viewtopic.php?f=2&t=124858

Zum Wecken: Unser (spätes) Frühchen sollten wir spätestens alle 3 h füttern. Von Beginn bis Beginn. Wurde uns vom Krankenhaus so eingetrichtert. Da hat es bestimmt 3 h Wochen gedauert bis wir vom Pumpstillen mit Pre zusätzlich zum Stillen nach Bedarf und weg vom Wecker waren.
Beim Kleinen wiederum gab es ab Geburt stillen nach Bedarf. Wir haben getriggert durch den 1. eine Nacht einen Wecker gestellt für 4 h. Er meldete sich früher und der Wecker blieb dauerhaft aus.
Bei einem reifgeborenen, gut zunehmenden und gesunden Baby kann man das wohl machen. Den Hinweis hatte ich hier aus dem Forum, da mein Baby mit ein paar Tagen schon mal 6 h am Stück nachts schlief. Ist jetzt nicht ideal für die Milchbildung, da ist nächtliches Stillen gut und wichtig. Gewichtszunahme vom Baby war aber immer sehr hoch, daher war alles ok.
Bei einem schläfrigen Baby mit zB Neugeborenengelbsucht würde ich es eher nicht so machen und besser häufiger wecken.

Und zum Stillstart vorbereiten: Es gibt die Möglichkeit einer präpartalen Kolostrummassage. Mir hat es beim zweiten Kind geholfen zu wissen, dass ich sehr viel Vormilch tiefgefroren im Kühlschrank hatte und bei Bedarf hätte zufüttern können.
Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Brust gut vorgearbeitet war und die Milch schneller einschoss. Das kann aber auch an KS vs vaginale Geburt liegen und der ersten langen Stillzeit.
Für den Kopf war der Vorrat aber super, auch wenn es echt Aufwand war den zu gewinnen.
Könnte dir das auch helfen?
Allerdings muss hierzu wirklich ein Profi etwas sagen, Allgemeingültig wird es nicht empfohlen.
Ich hatte begleitend zu der Kolostrummassage eine Stillberaterin konsultiert, aufgrund meiner Schwangerschaftsdiabetes gab es für mich die Empfehlung.
Sohn 1 (08/18), Sohn 2 (08/21), Tochter (09/25) und Ehemann
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ShinyCheetah
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von ShinyCheetah »

Du wirkst ein bisschen erschlagen von den vielen Infos zum Stillen, die das Netz so hergibt. Ein Tipp: Achte auf die Quelle. Das, was auf den Seiten mancher Hersteller von Prenahrung steht, ist z. T. wirklich gruselig falsch.

Eine gute Quelle ist das Still-Lexikon (still-lexikon.de) und auch stillkinder.de würde ich empfehlen. Außerdem die Seiten der großen Stillvereine, z. B. AFS, LLL, bdl-stillen.de

Artikel auf so allgemeinen Babyseiten meide lieber. Da ist oft eine Mischung aus guten und weniger guten Infos.

Zu ein paar deiner Fragen: Das Stillen am Anfang auf 10 min pro Seite zu begrenzen ist nicht sinnvoll. Viele Babys stillen am Anfang viel länger und das ist völlig OK so.
Wenn ein Kind gut gedeiht, darf es auch lange Stillabstände haben, also auch z. B. eine längere Pause. Bei deiner Vorgeschichte würde ich aber schon ein bisschen aufpassen. Du schadest dem Baby nicht, wenn du es zum Stillen weckst. Aber wenn es eigentlich gut gedeiht, ist das halt unnötiger Stress, den man sich auch sparen kann.

Ich hoffe, das hilft dir schon etwas :)
mit Sohn F (Ende September 18)
und Tochter V (Ende Juni 21)


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GemeineEsche
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von GemeineEsche »

Hier auch "nur" eine Mama :)
Das Stilllexikon kann ich auch wärmstens empfehlen, das hat mir am Anfang sehr geholfen, gerade wie die Milchbildung funktioniert usw. sehr interessant zu lesen.

Ich würde tatsächlich, wenn das Kind oft lange schläft, bis zum Milcheinschuss wecken (also die erste Woche vielleicht?). Aber man muss ja nicht direkt richtig wecken, vielleicht reicht es auch schon dem Kleinen die Brust vor die Nase zu halten und dann trinkt es im Halbschlaf automatisch. Es kommt ja auch ein bisschen drauf an, wann und wie oft das Kind lange schläft. Eine längere Schlafphase nachts von 4-6 Stunden ist ja eigentlich ganz gut, wenn das Kind aber mehrmals am Tag nach 4+ Stunden geweckt werden muss ist das schon kritisch denke ich (hab ich aber auch noch nie von jemandem gehört). Die Regel ist ja dann doch, dass die Kinder automatisch von sich aus maximal 2-3 Stunden schlafen.

Ich glaube da musst du bei all der Vorbereitung auch abwarten, wie dein Kind letztendlich ist.

Bei der Dauer wäre ich auch eher für "nach Bedarf".
Ich zum Beispiel hatte das Problem "zu viel Milch" da ist beide Brüste kurz anbieten eher schlecht. Das kommt dann immer ein bisschen auf die Gesamtsituation an. Gerade am Nachmittag beim Clustern (das musste ich auch erst eine Weile akzeptieren) war die Kleine nicht selten 45 Minuten an der Brust.

Dass das mit der Milchbildung/regulation mehrere Lebenswochen dauert würde ich mal aus der Erinnerung so bestätigen. Also bei mir persönlich waren es wohl bestimmt 6-8 Wochen, wir hatten aber auch noch 3 Wochen Stillhütchen, vielleicht wäre es sonst kürzer gewesen.

Ich glaube die letzten Details wirst du durch Recherche nicht mehr klären können, denn die finden sich dann im Alltag mit dem Baby.
Wenn dich die Themen trotzdem interessieren würde ich mal weiter die klassischen "Problemlösungen" im Stilllexikon lesen. Bei mir haben da wirklich immer alle Tipps geholfen, ich habe so die Stillhütchen abgewöhnt, die Milchmenge reguliert, Brustwarzen gepflegt, Milchstaus behoben und vielleicht sogar den Fettgehalt der Milch beeinflusst.

Außerdem kannst du mal heraussuchen ob es Stillberaterinnen in deiner Nähe gibt die du oder dein Partner bei Bedarf schnell kontaktieren können. Meine Stillberaterin kam gleich am nächsten Tag. (Muss man aber normalerweise privat bezahlen)
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von schneebesen »

Ich bin auch kein Profi. Aber ich denke, du hast grundsätzlich zum ersten Kind jetzt einen großen Vorteil. Du kannst schon stillen. Du weißt, auf was du achten musst und wo du dich bei Fragen und Problemen hinwenden kannst. Und auch dein Körper hat schon einmal gestillt. Beim ersten Kind, war das noch nicht so.

Ich hatte beim ersten Kind auch einen schwierigen Stillstart. Ich wusste nicht, was ich genau machen muss und meine Tochter auch nicht. Die Unterstützung war schleppend und gefühlt ergaben sich aus einem gelösten Problem zwei neue. Beim zweiten Kind ging es bedeutend leichter und intuitiver. Ich wusste, auf was ich hinarbeite und auf was ich achten soll. Und mein Körper hat sich auch erinnert, wenn man das so sagen kann. Mein Sohn hatte anfangs auch wieder Probleme, da er sehr schläfrig war, aber als wir entlassen wurden (5 Tage KH wegen KS) war das alles überwunden und es lief. Jetzt beim dritten war das Wochenbett in der Hinsicht wieder unproblematisch und stillen intuitiv und wirklich komplett nach Gefühl und bedarf, von beiden Seiten.

Ich denke, du kannst zuversichtlich an das Thema Ran gehen und ich drücke dir die Daumen für einen guten Stillstart.
unterwegs mit Frühlingsmädchen ´15, Sommerjunge ´17 und Herbstjunge `20

Meist unterwegs mit Handy, sorry für evtl. Rechtschreibfehler
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ShinyCheetah
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von ShinyCheetah »

Zum Thema Stillberatung: Beraterinnen von der LLL und AFS beraten grundsätzlich kostenlos! (Ausgenommen vorher vereinbarte Fahrtkostenerstattung)

IBCLCs, die natürlich die viel gründlichere (und teurere) Ausbildung haben, kosten zwar Geld. Aber ganz ehrlich, ein Kinderwagen oder ein Babybett oder ein neuer Wollwalkoverall kosten im Zweifel mehr. Und helfen langfristig deutlich weniger bzw. sind je nach Kind deutlich verzichtbarer ;)
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Henni
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von Henni »

Vielen Dank für eure Antworten.
Das ich im Vorfeld kolostrum einfriere, habe ich mir auch schon überlegt, besonders um etwas entspannter zu sein.
Danke für die Tipps bzgl der Informationsquellen.
Natürlich, kann es schon alleine durch den Charakter des zweiten Kindes ganz anders laufen und auch der Verlauf der Geburt ist ja auch offen....aber ich glaube, dass ich am Anfang, zumindest die Tage im Kkh, eine Richtschnur brauche, an der ich mich orientieren kann, was Abstände und Dauer angeht. Mit der Vorgeschichte im Gepäck, ist es schwierig sich ganz auf seine Intuition zu verlassen. Auch fand ich die 100 Meinungen im Kkh damals sehr anstrengend und es ist mir wichtig, meine eigene zu festigen. Besonders in den Tagen nach der Geburt ist man ja sehr sensibel bzgl Ratschlägen.
Das mit Stillberaterin ist ne gute Idee, das behalte ich auf alle Fälle im Hinterkopf. Ich hab auch ein gutes Gefühl bei meiner Nachsorgehebamme. Aber bei Hebammen hab ich halt leider auch schon neg. Erfahrungen gemacht, wenn es um ihr Stillwissen geht und die Unterstützung.
🐭 Februar 19 und 🐰 Juni 22
splischsplasch
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von splischsplasch »

Henni hat geschrieben: 04.04.2022, 17:32 Vielen Dank für eure Antworten.
Das ich im Vorfeld kolostrum einfriere, habe ich mir auch schon überlegt, besonders um etwas entspannter zu sein.
Danke für die Tipps bzgl der Informationsquellen.
Natürlich, kann es schon alleine durch den Charakter des zweiten Kindes ganz anders laufen und auch der Verlauf der Geburt ist ja auch offen....aber ich glaube, dass ich am Anfang, zumindest die Tage im Kkh, eine Richtschnur brauche, an der ich mich orientieren kann, was Abstände und Dauer angeht. Mit der Vorgeschichte im Gepäck, ist es schwierig sich ganz auf seine Intuition zu verlassen. Auch fand ich die 100 Meinungen im Kkh damals sehr anstrengend und es ist mir wichtig, meine eigene zu festigen. Besonders in den Tagen nach der Geburt ist man ja sehr sensibel bzgl Ratschlägen.
Das mit Stillberaterin ist ne gute Idee, das behalte ich auf alle Fälle im Hinterkopf. Ich hab auch ein gutes Gefühl bei meiner Nachsorgehebamme. Aber bei Hebammen hab ich halt leider auch schon neg. Erfahrungen gemacht, wenn es um ihr Stillwissen geht und die Unterstützung.
Bezüglich der 1000 Meinungen: Die hatte ich beim ersten Kind auch. Sowohl mein Mann und ich haben uns davon irritieren lassen, obwohl wir echt gestandene informierte Menschen sind. Aber die Situation ist besonders (Hormone und so) und dazu sind die Meinungen teilweise genau gegensätzlich.

Könntest du dir vorstellen ambulant zu entbinden? Da reduzierst du die Meinungen deutlich. Schadet bei Corona eh nicht (Besuchsregelung und so).
Dann müsstest du dich neben einer Hebamme zusätzlich um eine ärztliche Aufklärung zum Neugeborenenscreening kümmern, damit die Hebamme das an Tag 3 machen kann.
Somit müsstest du erst an Tag 9 oder 10 zur U2 zum:r Kinderärzt:in.
Sohn 1 (08/18), Sohn 2 (08/21), Tochter (09/25) und Ehemann
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GemeineEsche
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Re: Stillbeginn- Fragen über Fragen

Beitrag von GemeineEsche »

Ich habe auch ambulant entbunden und irgendwie hat alles geklappt. Also die Intuition bzw. sich dem Kind anpassen war genau richtig. Kann gut sein, dass das im Krankenhaus mit Trubel drumrum verfälscht werden kann. Also ich kann es nur empfehlen wenn medizinisch nichts dagegen spricht und Zuhause Unterstützung da ist.
Kleine 02/21
Kleiner 06/23
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