sind meine Kinder anstrengender?

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jessy80
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sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von jessy80 »

Hallo, mir fiel kein besserer Titel ein.

Nachdem ich mich ja bereits im Ich thread heute morgen etwas ausgeheult habe, mache ich nun doch einen einen auf.
Kurz zu uns, ich habe einen Sohn aus erster Ehe und mit meinem jetzigen Mann unsere zwei Jungs.

Inzwischen kommen sowohl ich als auch mein Mann immer öfter an unserer Grenzen.
Besonders der mittlerer macht uns immer wieder Sorgen. Er war schon immer von allem mehr. Bereits in der Krabbelgruppe war er als Schläger bekannt. Leider hat sich das bis heute nicht geändert. Sobald ihm etwas nicht passt und oft wissen wir es ja nicht weil er es uns erst gar nicht mitteilt, haut er drauf. Inzwischen boxt er mich und meinen Mann massiv und der Kleine wird ständig im Gesicht gekratzt und hat letzte Woche sogar eine Kopfnuss kassiert. Oft ist dieses Verhalten auch eine Art Übersprungshandlung.

Aber es ist so anstrengend, er steht morgens auf und schreit oft erst einmal, weil selbst der Übergang von Schlaf zu waching Probleme bereitet. Auch dass er Tag und Nacht immer Körperkontakt zu mir sucht und eigentlich ständig von mir getragen werden will belastet mich immer mehr. Er ist null kompromissbereit, immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht und oft richtig gehässig zu anderen. Erreicht jedem untere Nase was er tolles hat und ist auf der anderen Seite ständig neidisch und hat das Gefühl zu kurz zu kommen. Man könnte gar nicht meinen es mit einem vierjährigen zu tun zu haben. Auch ist es egal was ich tue, nichts ist im Recht und ich kassiere dann einen Ausraster dafür. Langsam habe ich schon gar keine Lust mehr irgendetwas mit ihm zu machen.

Auch draußen werden wildfremde Leute von ihm angepöbelt oder beschimpft. Gestern haben er und sein kleiner Bruder eine andere Familie beim Spazieren gehen aufgehalten und diese dann als a********** beschimpft. Ich weiß inzwischen gar nicht mehr wie ich reagieren soll. Es ist egal ob ich schimpfe, Maßregel oder vernünftig versuche mit ihnen zu reden Punkt sie lachen mich aus und machen weiter. Und dass der Mini jetzt in einer heftigen Trotzphase hängt macht es natürlich auch nicht besser.
Wenn einer mal friedlich ist dann kann man drauf wetten dass der andere bockt. Mein Mann und ich sind wirklich nervlich inzwischen so gebeutelt dass wir gar keine Lust mehr haben mit ihnen überhaupt etwas zu machen. Jeder Ausflug endet im Drama. Und zu Hause schlagen sie sich auch nur die Köpfe ein.
Ich frage mich immer ob es nur bei uns so abläuft. Von morgens bis abends schreit hier jemand rum, wütet oder drangsaliert jemanden.
Ich habe schon gar keine Lust mehr sie gleich vom Kindergarten zu holen. Ich hätte auch gerne mal einfach etwas Frieden hier.
Vielleicht sind wir auch nur zu empfindlich? Und anderer stecken das alles einfach besser weg.
Danke euch, ich schicke einfach mal ab.

LG Jessy
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muggel
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von muggel »

Ich habe zwei Jungs und nein ich finde nicht, dass ihr da zu empfindlich seit.
Ich finde es tönt extrem anstrengend. Mir kommen bei dem Text ein paar Fragen.
Sind sie in der Betreuung auch so? Was folgt z.B. auf den Vorfall wenn sie draussen eine Famillie beschimpfen? Oder was machst du wenn sie dich auslachen und einfach weiter machen?
Der Mittlere und der Kleine sind ja altersmässig sehr nah zusammen. Die können sich sicher wunderbar gegenseitig anstacheln, sind ja auch im besten Flegel Alter.
Hier müssen sich die zwei Jungs zwangsweise trennen wenn nur noch gestritten wird. Dann können sie halt gerade nicht miteinander. Meist klappt es nach einer kurzen Auszeit recht gut wieder. Ist manchmal nicht so einfach, da sie momentan nur ein Kinderzimmer haben.
Und wenn sie sich hauen oder schlagen gehe ich klar dazwischen und unterbinde das. Ich finde nähmlich nicht, dass dies bei Jungs der normale Umgang ist. Ich lasse sie natürlich rangeln, ringen und schwertkämpfe austragen aber da gibt es klare Regeln wie bei Stop wird aufgehört.
Aber ich muss auch ehrlich sagen, dass hier kein Kind gefühlsstark ist und mein grosser meistens sehr vernünftig.
Habt ihr euch schon mal überlegt Hilfe zu holen? Das kann ja sehr entlasten. Erziehungsberatung oder so. Manchmal ist ein Blick von aussen sehr gut.
Mit Oktober 2011 muggelchen an der Hand und November 15 muggelbaby
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blauelagune
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von blauelagune »

Ich hab auch drei Jungs. Ja, Deine sind nach dem, was Du schreibst, anstrengender als meine. Die Großen zoffen sich auch mal und kloppen sich mal, manchmal auch nur aus Quatsch, aber Dauerkrach gibt's hier nicht.

Was hast Du denn gemacht, als sie andere Leute angepöbelt haben?

Wie funktioniert das im Kindergarten? Machen sie noch was in der Freizeit?
mit den drei Jungs (08/09) und (06/12) und (06/16)
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Mera
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von Mera »

jessy80 hat geschrieben: 09.07.2019, 13:06
Wenn einer mal friedlich ist dann kann man drauf wetten dass der andere bockt. Mein Mann und ich sind wirklich nervlich inzwischen so gebeutelt dass wir gar keine Lust mehr haben mit ihnen überhaupt etwas zu machen. Jeder Ausflug endet im Drama. Und zu Hause schlagen sie sich auch nur die Köpfe ein.
Ich frage mich immer ob es nur bei uns so abläuft. Von morgens bis abends schreit hier jemand rum, wütet oder drangsaliert jemanden.
Nö. Das ist hier auch so (3 Jungs, 1 Mädchen. Die schenken sich nix. Madame kann eine jähzornige Furie sein). Ruhe ist nur, wenn alle vor irgendeinem Bildschirm hocken oder man nur 1-2 der Kids da hat (egal in welcher Kombi. Kommen mehr dazu, steigt die Wahrscheinlichkeit für Unfrieden rasant).
Ausflüge sind Horrortrips. Es eskaliert immer mehr oder weniger heftig.

Und, Spoiler: Die Grossen sind schlimmer als der Kleinste. So rumgezickt miteinander wie jetzt haben die als Kleinkinder nicht und da man ja auch irgendwie hofft, dass sie älter und umgänglicher sind, wirkt es extra zermürbend auf uns Eltern.
LG, Mera
mit Nr.1 (01/06) & Nr.2 (10/07) & Nr.3 (10/11) & Nr.4 (04/15) &*(12/04 & 12/10 & 01/14)
aida1903
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von aida1903 »

Ach je

Wenn ich so vergleiche mit meinen beiden und im Freundeskreis finde ich nach deiner Beschreibung nicht, dass ihr zu empfindlich seid.
Ja, vor allem der Mittlere klingt anstrengender als andere. Als Mutter eines Kindes mit ADHS nehme ich mir jetzt direkt heraus, dich zu fragen: was haltet ihr von ärztlicher Abklärung, ob aus der Sicht was ist, was es ihm schwer macht? Wie sehen andere - Familie, Freunde, Erzieherinnen euch als Familie und vor allem den Mittleren?
Beste Grüße
Aida
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jessy80
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von jessy80 »

Danke für eure Antworten.

Ich versuch mal auf alles einzugehen und hoffe ich vergesse nichts.

Als sie die Familie beschimpft haben, habe ich im Nachgang mehrfach mit ihnen gesprochen, das ich das nicht möchte und es mich traurig und wütend machen würde, wenn jemand so mir mir sprechen würde.

Wenn Sie mich provozieren versuche ich erst es ruhig zu klären und auf Augenhöhe mit ihnen zu sprechen.
Der mittlere bekommt es oft dann gar nicht mehr mit und hört mich gar nicht.
Der kleine ist da schon eher offen dafür. Dinge die geworfen werden z.b. landen erstmal oben auf dem Schrank.

Der mittlere bekommt inzwischen oft eine Auszeit im kinderzimmer. Ich gehe dann mit ihm zusammen rein und setze mich auf den Boden und warte ab. Er steht dann viel mit uns schreit mich so laut er kann an.
Irgendwann ist dann die Luft raus und er fällt mir in die arme und will getröstet werden.

In der Freizeit haben wir als festen Termin nur einmal die Woche Kinderturnen. Inzwischen klappt das auch gut, aber das erste Jahr saßen wir wegen Reizüberflutung ständig in der Kabine und haben Pause gemacht.

Kindergarten: Der mittlere hat sich sehr lange sehr schwer getan.
Bis heute darf ihn niemand anfassen oder trösten. Aber er hat Freunde dort und ist auch beliebt, obwohl er oft dagegen geht.
Es gibt immer wieder typische Situation im denen er nicht über seinen Schatten springen kann, aber die Erzieherinnen wissen damit umzugehen.
Bis vor kurzem war es noch so, das er immer erst ausgerastet ist, als er mich dann beim abholen gesehen hat. Auch das ist fast weg.
Generell ist er dort viel angepasster.

Der kleine weint beim abgeben, hat aber immer Spaß und schimpft dann wenn ich ihn wieder abhole. Er ist generell sehr offen und steht auch gerne im Mittelpunkt.
Beide kamen mit zwei in dem Kindergarten.

Andere Betreuung gibt es kaum. Ab und so zu mal bei Oma und Opa. Das klappt ohne uns Eltern zumindest beim mittleren gut. Der kleine will nicht alleine dort bleiben und die Großeltern sind auch schnell mit beiden zusammen überfordert.

Unsere Wirkung nach außen?
Viele bewundern mich für meine Ruhe. Die ich ja eigentlich nicht habe.
Das der mittlere "individuell" ist fällt auch anderen auf.

Im Oktober haben wir einen Termin in einer sozialpädiatrischen Kinderklinik.

Vor allem, weil wir einfach nicht weiter wissen wie wir mit dem Aggressionen umgehen sollen.
Also ich erhoffe mir Hilfe uns tipps für uns Eltern.
Und damit wir wissen woran wir eigentlich sind.
Denn wenn ich später mal an schule denke, wird doch etwas flau.

LG Jessy
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aida1903
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von aida1903 »

Nur kurz dazu:

"Generell ist er dort viel angepasster"

Ich kenne von meinem Großen, dass zb Schule gut läuft, es aber unbewusst so eine Anstrengung für ihn ist, da zu funktionieren, dass dann danach besonders schlimm und heftig ist.
Das muss also nicht bedeuten, dass ihr was falsch macht / Kiga, jemand anderes besser wäre als ihr.
Beste Grüße
Aida
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jessy80
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von jessy80 »

In ruhigen Minuten weiß ich das auch. Trotzdem ist es frustrierend ein Kind abzuholen was anscheinend Spaß hat, bis es mich sieht.
Da hat mir auch das Buch von Nora Imlau geholfen.
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von aida1903 »

jessy80 hat geschrieben: 09.07.2019, 21:03 In ruhigen Minuten weiß ich das auch. Trotzdem ist es frustrierend ein Kind abzuholen was anscheinend Spaß hat, bis es mich sieht.
Da hat mir auch das Buch von Nora Imlau geholfen.
Ja, das weiss ich 😘

Mir ging es da eher um die mütterlichen Schuldgefühle und Selbstzweifel
Beste Grüße
Aida
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Jia
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Re: sind meine Kinder anstrengender?

Beitrag von Jia »

Ehrlich gesagt kenne ich vieles davon auch, und ja, ich finde es verd... anstrengend! Meine Grosse ist ein knappes Jahr älter als dein Mittlerer, aber das schenkt sich nicht viel, und in Kombination mit der kleinen Schwester (beide gefühlsstark) können sie echt unausstehlich sein und sich gegenseitig hochschaukeln. Und da hilft es nicht viel, wenn ich die Mechanismen dahinter verstehe (bin ja auch gefühlsstark) und wir an den Problemen arbeiten, es ist eine tägliche Herausforderung für meine Nerven.

Nach der Kita sind beide Kinder überreizt, deshalb schaue ich, dass wir nach dem Abholen erstmal Pause machen. Direkt auf den Spielplatz o.ä. ist nicht drin, sonst eskaliert der Nachmittag zwangsläufig. Dasselbe mit Verabredungen oder Ausflügen: das klappt eigentlich nur, wenn ich wirklich darauf achte, dass sie unterhalb ihrer Reizschwelle bleiben, sonst muss ich abbrechen. Zum Glück können beide Kinder inzwischen einigermassen wahrnehmen, wenn es ihnen zu viel wird, sie sehen dann zumindest hinterher, warum es besser war, nach Hause zu gehen. Jetzt in den Ferien waren wir viel draussen im Park, damit die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben konnten, aber Ausflüge haben wir höchstens 3 pro Woche gemacht, mit mindestens einem Pausentag dazwischen. Und Playdates funktionieren nur mit der besten Freundin halbwegs zuverlässig, und das auch nur, wenn ich dabei bin. Schon mit der 2.-besten oder 3.-besten Freundin knallt es so oft, dass wir jede 2. Verabredung abbrechen (das liegt allerdings auch am etwas unglücklichen Umstand, dass sich die Grosse mit Vorliebe Freundinnen mit ähnlichem Temperament aussucht :roll: ).

Hauen und v.a. Schubsen, oft als Übersprungshandlung, aber auch in Wut, kenne ich auch, das hat allerdings im letzten halben Jahr gebessert. Dasselbe mit den Schimpfwörtern, wobei sie Fremden gegenüber zurückhaltend sind/waren, aber alle Personen im vertrauten Umfeld betraf. Da hatte ich stark das Gefühl, dass sie testen wollen, was passiert. Wie reagiert Mama, wie reagiert der Betroffene?
Generell kann ich feststellen, dass mit 4 der Höhepunkt erreicht war, seither bessert es. Ich merke bei der Grossen auch erst in den letzten Monaten, dass sie echte Empathie entwickelt, das hilft sehr. Und ich versuche, mit ihr Alternativen einzuüben, also Schreien und Stampfen statt Hauen, das zeigt langsam erste Erfolge (wir arbeiten aber schon seit mehr als einem Jahr daran). Es ist schwierig, aber es bessert, je älter sie werden...

Beim auf-den-eigenen-Vorteil-bedacht-sein hilft es hier etwas, wenn ich sämtliche Vergleiche unterlasse (also nicht betone, dass sie gleich viele Kekse hat wie die Schwester), sondern nur aufs Kind fokussiere ("hast du denn noch Hunger?"). (Da fand ich übrigens den Ratgeber "Hilfe, meine Kinder streiten" von Adele Faber/Elaine Mazlish ganz hilfreich.) Und wenn ich merke, dass sie vermehrt in diesen Jammer-Modus abrutschen, versuche ich, ihren Blick auf die schönen Erlebnisse zu richten. Also beim Abendessen nochmals nachfragen, was ihnen an diesem Tag am besten gefallen hat etc. Das hilft, dass das Jammern und Schwarzsehen nicht zur Dauerschleife wird.

Aber ja, es IST anstrengend, auch wenn es mit zunehmendem Alter besser wird. Und wenn es euer Familienleben zu stark belastet, würde ich auch nach weiterer Hilfe schauen. Alle Problemfelder, die ihr noch vor der Schule abklären könnt, machen den Weg nachher einfacher.
Mit Maikäfer (2014) und Junikäferchen (2016)
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