Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
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davisalo
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Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Die Tage habe ich in der Zeit (vom 16. August), online leider nur via Abo lesbar (was ich schade finde, weil ich gerne die Kommentare dazu gelesen hätte!), einen Artikel gefunden, der mich ziemlich verärgert hat: Unter der Kategorie "Wissen" wird über eine Studie berichtet, die belegen soll, dass Säuglinge, die sofort, wenn sie schreien, gefüttert oder gestillt würden, im späteren Alter Übergewicht bekommen.
Erstens wird hier offensichtlich jegliche Babynahrung (Muttermilch, Pre- u.a. Milch, aber auch Brei) gleichgesetzt. Und zweitens ist der Artikel so kurz gefasst, dass sich mal wieder all diejenigen im Recht fühlen, die uns Stillmüttern gerne zu langen Stillabständen verleiten wollen ...
Es ist ja völlig korrekt, dass da steht, es gibt auch andere Gründe fürs Schreien, und man habe Müttern beigebracht, die wahren Bedürfnisse zu erkennen und auf sie einzugehen, anstatt sofort zu füttern. Dennoch kann es m.E. nicht verkehrt sein, einem super kleinen Kind dann, wenn diese anderen Bedürfnisse nicht erkennbar sind, zumindest zunächst mal die Brust anzubieten! Genau DAS wird hier aber ebenso abgelehnt wie das m.E. zu Recht abgelehnte spätere Trösten durch Nahrung ...
Hat noch wer den Artikel gelesen, eventuell sogar irgendwie darauf reagiert? Ach so, für die Fachleute hier: Die Studie sei veröffentlicht im Fachblatt "Jama". Kennt das wer? Wie viel Relevanz bekommt eine solche Studie? Ich meine, sie verbreitet sich ja schon durch die ZEIT ...
Ich habe hier zwei eher zu schlanke als zu dicke Kinder, also vor allem die Große ist zu schlank. Und genau die hing in ihren ersten Lebensmonaten gefühlt STÄNDIG an meiner Brust! Hätte ich ihr diese damals nicht angeboten, wäre das eher Kindesmisshandlung gewesen ... Und zu Übergewicht neigt sie kein bisschen, obwohl sie sich aktuell leider nicht gerade sonderlich gesund ernährt ...
Erstens wird hier offensichtlich jegliche Babynahrung (Muttermilch, Pre- u.a. Milch, aber auch Brei) gleichgesetzt. Und zweitens ist der Artikel so kurz gefasst, dass sich mal wieder all diejenigen im Recht fühlen, die uns Stillmüttern gerne zu langen Stillabständen verleiten wollen ...
Es ist ja völlig korrekt, dass da steht, es gibt auch andere Gründe fürs Schreien, und man habe Müttern beigebracht, die wahren Bedürfnisse zu erkennen und auf sie einzugehen, anstatt sofort zu füttern. Dennoch kann es m.E. nicht verkehrt sein, einem super kleinen Kind dann, wenn diese anderen Bedürfnisse nicht erkennbar sind, zumindest zunächst mal die Brust anzubieten! Genau DAS wird hier aber ebenso abgelehnt wie das m.E. zu Recht abgelehnte spätere Trösten durch Nahrung ...
Hat noch wer den Artikel gelesen, eventuell sogar irgendwie darauf reagiert? Ach so, für die Fachleute hier: Die Studie sei veröffentlicht im Fachblatt "Jama". Kennt das wer? Wie viel Relevanz bekommt eine solche Studie? Ich meine, sie verbreitet sich ja schon durch die ZEIT ...
Ich habe hier zwei eher zu schlanke als zu dicke Kinder, also vor allem die Große ist zu schlank. Und genau die hing in ihren ersten Lebensmonaten gefühlt STÄNDIG an meiner Brust! Hätte ich ihr diese damals nicht angeboten, wäre das eher Kindesmisshandlung gewesen ... Und zu Übergewicht neigt sie kein bisschen, obwohl sie sich aktuell leider nicht gerade sonderlich gesund ernährt ...
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
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Mariposa85
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Hey. Ich kenne nur diese Studie - aber der Tenor ist ein anderer... dort ist mit „early infant feeding“ allerdings ein zu früher Beikoststart gemeint...
https://jamanetwork.com/journals/jamape ... le/1919897
Vielleicht haben die Autoren des Artikels sich ja einfach beim Übersetzen vertan
https://jamanetwork.com/journals/jamape ... le/1919897
Vielleicht haben die Autoren des Artikels sich ja einfach beim Übersetzen vertan
Schmetterling mit großem Frechdachs 🦊 an der Hand (11/2017) und kleinem Kullerkeks 🍪 im Arm (04/20)
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davisalo
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Ah, das wäre ja auch Jama.
Hier ist aber ein anderer Tenor ... Auch steht hier im Zeitartikel von einer Forschergruppe um den Kinderarzt Ian Paul.
Vielleicht sollte ich da auf dem Portal mal schauen - wenn das ja öffentlich zugänglich ist, müsste man ja das Original finden ...
Hier ist aber ein anderer Tenor ... Auch steht hier im Zeitartikel von einer Forschergruppe um den Kinderarzt Ian Paul.
Vielleicht sollte ich da auf dem Portal mal schauen - wenn das ja öffentlich zugänglich ist, müsste man ja das Original finden ...
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
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davisalo
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
DAS müsste es dann sein: https://jamanetwork.com/journals/jama/a ... ct/2695671
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
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- sanilii
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Aber eigtl sagt die Zusammenfassung doch nur, dass denen beigebracht wurde, auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, oder sehe ich das falsch?
Sonja mit Bärchen *4/17 und kleiner Hummel *9/20
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davisalo
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Hatte jetzt gerade noch nicht die Muse, mir den kompletten englischen Text durchzulesen. Wie gesagt, insofern kann ich da ja durchaus mit. Aber zumindest in der Zeit-Variante wird eben suggeriert, dass sofortiges Stillen oder Füttern eben nicht sein soll, sie das immer dick macht.sanilii hat geschrieben: 22.08.2018, 10:08 Aber eigtl sagt die Zusammenfassung doch nur, dass denen beigebracht wurde, auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, oder sehe ich das falsch?
Und ehrlich, jaaaa, ich habe meiner Tochter, vor allem der Großen, IMMER zuerst mal die Brust angeboten, wenn was war. Das hat sie nämlich immer runter geholt und wir konnten dann darüber kommunizieren, was gerade dran war. Aber Brust brauchte sie immer ... Und jetzt greift sie nicht gleich zum Essen, wenn was ist ...
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
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FraDa
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Hier ist die Studie: https://jamanetwork.com/journals/jamape ... t/2527086
Darin steht auch: " The mean conditional weight gain score was lower among infants in the RP group compared with the control group (−0.18; 95% CI, −0.36 to −0.001), reflecting that the RP infants gained weight more slowly than control group infants (0.18; 95% CI, 0.02-0.34); this effect did not differ by feeding mode (predominantly fed breast milk or not).". Und "Because formula feeding is a risk factor for excessive weight gain in infancy,24 a second objective was to assess whether the effects of our intervention differed between breastfed and formula-fed infants.25".
Relevant finde ich auch diesen Satz: "Following the Infant Feeding Practices Study 2 study definition,28 feeding mode at 16 and 28 weeks was defined as predominantly breastfed if 80% or more of milk feedings were breastmilk, either at the breast or by bottle; otherwise feeding mode was identified as not predominantly breastfed.29" Da wird klar, dass eben nicht zwischen Stillen und Flasche geben unterschieden wird, sondern zwischen dem Füttern mit Muttermilch und Formula. Und ich denke, das Überfütterungs-Risiko ist primär gegeben durch die Flasche und nicht durch den Inhalt.
Das werde ich auch der Zeit schreiben.
Darin steht auch: " The mean conditional weight gain score was lower among infants in the RP group compared with the control group (−0.18; 95% CI, −0.36 to −0.001), reflecting that the RP infants gained weight more slowly than control group infants (0.18; 95% CI, 0.02-0.34); this effect did not differ by feeding mode (predominantly fed breast milk or not).". Und "Because formula feeding is a risk factor for excessive weight gain in infancy,24 a second objective was to assess whether the effects of our intervention differed between breastfed and formula-fed infants.25".
Relevant finde ich auch diesen Satz: "Following the Infant Feeding Practices Study 2 study definition,28 feeding mode at 16 and 28 weeks was defined as predominantly breastfed if 80% or more of milk feedings were breastmilk, either at the breast or by bottle; otherwise feeding mode was identified as not predominantly breastfed.29" Da wird klar, dass eben nicht zwischen Stillen und Flasche geben unterschieden wird, sondern zwischen dem Füttern mit Muttermilch und Formula. Und ich denke, das Überfütterungs-Risiko ist primär gegeben durch die Flasche und nicht durch den Inhalt.
Das werde ich auch der Zeit schreiben.
mit Kind 1 *07.2011 und Kind 2 *02.2014
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davisalo
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Ah, cool! DAS macht so wirklich Sinn! Und ich hoffe mal, die veröffentlichen dann Deinen Leserbrief oder stellen das noch besser selbst irgendwie in einem eigenen Wissens-Artikel klar! Ich finde nämlich echt fatal, wenn durch solch eine seriöse Zeitung die Botschaft mal wieder im Raum steht, dass Stillen nach Bedarf schädlich sein könnte. So was hat ja schnell eine gewisse Dynamik ...FraDa hat geschrieben: 22.08.2018, 10:20 Hier ist die Studie: https://jamanetwork.com/journals/jamape ... t/2527086
Darin steht auch: " The mean conditional weight gain score was lower among infants in the RP group compared with the control group (−0.18; 95% CI, −0.36 to −0.001), reflecting that the RP infants gained weight more slowly than control group infants (0.18; 95% CI, 0.02-0.34); this effect did not differ by feeding mode (predominantly fed breast milk or not).". Und "Because formula feeding is a risk factor for excessive weight gain in infancy,24 a second objective was to assess whether the effects of our intervention differed between breastfed and formula-fed infants.25".
Relevant finde ich auch diesen Satz: "Following the Infant Feeding Practices Study 2 study definition,28 feeding mode at 16 and 28 weeks was defined as predominantly breastfed if 80% or more of milk feedings were breastmilk, either at the breast or by bottle; otherwise feeding mode was identified as not predominantly breastfed.29" Da wird klar, dass eben nicht zwischen Stillen und Flasche geben unterschieden wird, sondern zwischen dem Füttern mit Muttermilch und Formula. Und ich denke, das Überfütterungs-Risiko ist primär gegeben durch die Flasche und nicht durch den Inhalt.
Das werde ich auch der Zeit schreiben.
Liebe Grüße
davisalo mit zwei Mädels: D (2007) und S (2010)
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nido56
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Ich habe den Artikel auch gelesen und mich unglaublich geärgert. Ich verstehe die Studie auch so, dass nur zwischen Brust- und Ersatzmilch unterschieden wurde, aber nicht zwischen Stillen und Flasche.
Für mich ist offensichtlich, dass ich Stillen eines Babys nicht mit dem Anbieten von Essen bei einem älteren Kind gleichsetzen. Der Pirat war ein totaler Stilljunkie, der sich lange nur an der Brust beruhigt hat. Heute hat er eine erstaunlich gut funktionierende "Essregulierung".
Er isst viel, hat aber auch einen hohen Energieumsatz, und isst von sich aus ziemlich ausgewogen. Nach einer Woche Urlaub mit viel Wurst vom Grill und Restaurantbesuchen mit Schnitzel, Pommes und Pasta hat er uns gefragt, ob wir nicht bitte mal einen Gemüsepüre zum Mittagessen machen könnten
Ich denke, größtenteils ist das Veranlagung. Was wir aber ziemlich konsequent gemacht haben, war ihm beim Essen als Kleinkind zu vertrauen. Wenn er nichts oder nur wenig essen wollte, war das OK, wenn er nur Obst wollte auch, und als er ein Jahr lang konsequent jegliches Gemüse verweigert hat, haben wir ihn nie gezwungen.
Das klappt sicher nicht bei jedem Kind, aber ich kann nicht feststellen, dass Essen als Trost benutzt wird. Das einzige, wo ich sowas beobachte, ist Langeweile. Wenn er nichts zu tun hat, bekommt er Hunger. Er versteht aber inzwischen gut, wenn ich ihm dann eine sinnvolle Menge Obst oder so gebe und danach frage, ob ihm vielleicht einfach langweilig ist und eine Beschäftigung anbiete.
Ach ja, er wiegt 23 kg auf 128 cm. Also Übergewicht ist kein Thema. Er neigt nur leider extrem zu Karies, weshalb ich nicht möchte, dass er den ganzen Nachmittag lang Obst knabbert.
Für mich ist offensichtlich, dass ich Stillen eines Babys nicht mit dem Anbieten von Essen bei einem älteren Kind gleichsetzen. Der Pirat war ein totaler Stilljunkie, der sich lange nur an der Brust beruhigt hat. Heute hat er eine erstaunlich gut funktionierende "Essregulierung".
Er isst viel, hat aber auch einen hohen Energieumsatz, und isst von sich aus ziemlich ausgewogen. Nach einer Woche Urlaub mit viel Wurst vom Grill und Restaurantbesuchen mit Schnitzel, Pommes und Pasta hat er uns gefragt, ob wir nicht bitte mal einen Gemüsepüre zum Mittagessen machen könnten
Ich denke, größtenteils ist das Veranlagung. Was wir aber ziemlich konsequent gemacht haben, war ihm beim Essen als Kleinkind zu vertrauen. Wenn er nichts oder nur wenig essen wollte, war das OK, wenn er nur Obst wollte auch, und als er ein Jahr lang konsequent jegliches Gemüse verweigert hat, haben wir ihn nie gezwungen.
Das klappt sicher nicht bei jedem Kind, aber ich kann nicht feststellen, dass Essen als Trost benutzt wird. Das einzige, wo ich sowas beobachte, ist Langeweile. Wenn er nichts zu tun hat, bekommt er Hunger. Er versteht aber inzwischen gut, wenn ich ihm dann eine sinnvolle Menge Obst oder so gebe und danach frage, ob ihm vielleicht einfach langweilig ist und eine Beschäftigung anbiete.
Ach ja, er wiegt 23 kg auf 128 cm. Also Übergewicht ist kein Thema. Er neigt nur leider extrem zu Karies, weshalb ich nicht möchte, dass er den ganzen Nachmittag lang Obst knabbert.
nido mit dem Piraten (01/2012)
- Glöckchen
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Re: Zeit-Artikel "Bitte nicht gleich füttern"
Habe den Artikel vorhin auch lesen können und mich tierisch geärgert, der Autor hat die Studie anscheinend nicht richtig gelesen. Die Studie selbst ist sehr fraglich, da nicht zwischen Stillkindern und Flaschenkindern unterschieden wurde. Mich interessiert die Zahl der Stillkinder, die eine gedeihstöhrung bekommen haben. Das ist doch deutlich kritischer als Übergewicht bei einjährigen. Mit dreijährigen macht die Studie schon deutlich mehr Sinn.
Hat zwei Töchterlein von 09/14 und 03/17 und einen Schützling von 08/18