Dein Sohn ist klasse!
Meine Kinder beschweren sich auch bei mir, wenn sie das Gefühl haben, ich habe ihre Schwester unfair behandelt. Besonders die Kleine kann da ECHT böse mit mir werden, wenn sie das Gefühl hat, ich hätte die Große blöd behandelt. Ich freue mich drüber, und empfinde es auch als Korrektiv. Es zeigt mir, was sie verinnerlicht haben, was angemessenes Verhalten wäre (also von uns vorgelebt oder eingefordert), und dass sie in dem Augenblick eine Diskrepanz zwischen den Ansprüchen und meinem tatsächlichen Verhalten haben.
Und sei es sowas wie: die Große kriegt einen Wutanfall, tobt und knallt dabei mit dem Kopf gegen die Türklinke, und brüllt dann vor Schmerz los. Nein, ich kann nichts dafür, dass sie sich gestoßen hat. Aber hätte ich den Wutanfall nicht besser auffangen können? Hätte ich nicht durch anderes Verhalten verhindern können, dass es überhaupt zum Wutanfall kommt? Wenn ich engelsgleich wäre, hätte ich das geschafft. Ich bin leider nicht engelsgleich, aber ich finde es gut, dass meine Kinder so ein Wertesystem verinnerlicht haben.
Das krasse Kontrastprogramm erlebe ich immer in einer anderen Familie. Die Große dort war 3,5 Jahre, als das Baby geboren wurde. Die Mutter legte das Baby immer auf den Bauch ins Laufgitter, obwohl das Baby den Kopf noch nicht heben konnte und warum auch immer nicht auf die Seite drehen konnte, und mit der Nase auf der Matratze verzweifelt nach Luft schnaufte und kurz vorm Weinen war. Meine Kinder und ich schauten entsetzt ins Laufgitter. Schulterzuckender, abfälliger Kommentar der Großen dort: "Jetzt gibt es gleich wieder Terror" will heißen: jetzt schreit das Baby gleich. Aha.
Als meine Kleine Baby war, hat die Große alles stehen und liegen gelassen, wenn unser Baby geweint hat, und hat mich aufgefordert, das Baby zu trösten. Da ist mir Empathie, besonders unter Geschwistern, in der eigenen Familie, echt lieber. Auch wenn es anstrengend sein kann
