Bei uns ist, wie schon aus der Übeschrift hervorgeht, mit elf Monaten das erste wirkliche Stillproblem aufgetaucht. Ich habe etwas im Stillforum gestöbert, aber keinen vergleichbaren Fall gefunden, zumal bei uns keine Trinklernbecher etc. im Spiel sind (vgl. unten).
Mein Sohn hat momentan 8 Zähne. Da er die auch schon länger hat, könnte es durchaus sein, dass weitere unterwegs sind, es gibt aber außer dem Beißen keine weiteren Anzeichen dafür.
Er ist ein BLW-Baby und isst seit dem sechsten Monat selbst; zunächst ausschließlich Fingerfood, in letzter Zeit im Wesentlichen am Familientisch mit und neuerdings manchmal auch Brei (scheint ihm durchaus Spaß zu machen). Ich würde ihn als "guten Esser" bezeichnen, er isst gern und von Anfang an relativ viel. Wir haben aber nie Stillmahlzeiten ersetzt bzw. Essen und Stillen als zwei getrennte Dinge betrachtet, und kamen bestimmt immer noch auf (geschätzt) 8 Stillmahlzeiten in 24 Stunden (vor alllem abends/nachts - tagsüber fordert er das Stillen nicht ein, wird/wurde aber für die zwei Tagesschläfchen ebenso wie abends einschlafgestillt).
Er trinkt seit Beikostbeginn Wasser aus normalen Bechern/"Schnaps"gläschen. Trinklernbecher kennt er nicht, ebensowenig wie Hütchen, Flaschensauger oder Schnuller. (Die Oma hat ihm einmal eine "Schnabeltasse" gegeben, befolgt aber seitdem unser Verbot).
Seit einigen Wochen habe ich mir angewöhnt, ihm die Brust wieder im U-Griff (wir stillen ausschließlich in Wiegeposition) zu reichen und z.T. auch festzuhalten, weil er sonst unsauber andockt (die BW einsaugt oder knabbert). Das ging nun einige Zeit recht gut.
Seit vorgestern ist es nun so, dass er, wenn ich ihm die Brust so reiche, herzhaft hineinbeißt. Das hat nichts mehr von einsaugen oder knabbern, sondern ist eher ein "absichtliches" (?) Beißen mit voller Kraft (wenn ich nicht gleich mit dem Finger dazwischen gehe und abdocke, steigert er die Beißkraft - es wirkt, als wollte er probieren, wie viel da geht.)
Meine erste Reaktion war, recht laut "Aua" zu schreien - er soll es ja schon merken, dass mir das weh tut. Ich weiß aber, dass zu heftige Reaktionen einen Stillstreik verursachen können. Er reagiert aber null auf die wiederholten ernsten Ansagen, dass er das nicht darf. Er findet es immer noch lustig und beißt dann beim nächsten Versuch genauso herzhaft wieder zu.
Jetzt hab ich mal etwas genauer beobachtet und festgestellt, dass er von sich aus den Kopf gar nicht zur Brust dreht, wenn ich ihn in die Wiegepositon bringe. Also offenbar kein Interesse/Bedarf. Wenn ich ihn dann, wie beschrieben, trotzdem andocke, beißt er. Aha. Immerhin schon mal ein Befund.
Das Ganze läuft dann aber darauf hinaus, dass ich ihn ausschließlich im Halbschlaf stillen kann. Im Wachzustand fordert er das Stillen nicht ein und er lässt sich nicht mehr einschlafstillen. Erst, wenn er schon eingeschlafen ist und dann aufschreckt / ein bisschen wach wird, trinkt er (aber idR auch nur eine Seite).
Mein Plan war nun, Ruhe zu bewahren, ihn wach überhaupt nicht mehr anzulegen, dafür aber im Halbschlaf bei jeder Gelegenheit. Und auf diese Weise erst mal abzuwarten.
In der Praxis habe ich aber dann doch eine ganze Reihe von Problemen und Sorgen.
Ich laufe mittlerweile mit Pflastersteinen rum und mach mir mittelfristig Sorgen um meine Milchproduktion. Da er tagsüber oft auch nur noch einmal schläft und abends/nachts nicht öfter als sonst wach wird, sind die Gelegenheiten zum Stillen recht rar. Pumpe hab ich keine und mit der Hand kann ich nur etwa ein Schnapsglas voll entleeren. Ich kann da einfach keinen richtigen MSR auslösen, obwohl ich normalerweise einen heftigen habe. Ich hab jetzt immer nur so viel ausgestrichen, dass der Druck weg war, aber zum Aufrechterhalten der Produktion reicht das ja nicht!? (Ich sollte aber dazuschreiben, dass ich nie Probleme mit Milchmangel hatte, eher im Gegenteil).
Außerdem ist mein Nervenkostüm natürlich auch nicht so ganz stabil. Ich habe, auch nachdem ich mir meinen schönen Plan überlegt hatte, noch mehrfach die Situation falsch eingeschätzt und gedacht, er wollte doch die Brust. Dann biss er wieder und ich schrie wieder.
Es ist auch ein großer Kampf, ihn ohne Stillen zum Schlafen zu bringen - ein toller Schläfer ist er ohnehin nicht. Wenn ich versuche, ihn einschlafzukuscheln, wird gerne auch mit gleicher Heftigkeit in Finger oder Nase (Aua!) gebissen. (Tragen zum Einschlafen funktioniert übrigens nicht, falls der Vorschlag kommen sollte - da gibts zu viel zu sehen bzw. lässt er sich dann auch nicht ablegen, sondern schreckt wieder auf).
Insgesamt ist es einfach so, dass das Beißen meine Grenzen doch sehr überschreitet und ich mich massiv zusammenreißen muss, um nicht aggressiv zu werden. Obwohl ich es (rational betrachtet) besser weiß, fällt es mir im Moment des "Nahkampfes" dann immer sehr schwer zu glauben, dass er mich nicht provozieren will.
Habt Ihr irgendwelche Ratschläge für mich? Besteht die Hoffnung, dass es sich wirklich bloß um einige Tage handelt, die wir überstehen müssen? Oder ist das doch der Anfang vom Abstillen? Aber ich las eben erst wieder in einem anderen Thread, dass sich Kinder U1 nicht "selber" abstillen, wenn kein Schnuller, Trinklernbecher etc. im Spiel sind. Gibt es irgendwas, was ich noch versuchen kann?
Liebe Grüße und vielen Dank schon mal!