Immer muss man sich "rechtfertigen"

Was kommt nach dem Vollstillen?

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saguaro
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Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von saguaro »

Hallo zusammen,
ich weiß, es sollte mir egal sein, aber irgendwie ist es mir das nicht. Meine Große war schon eine, die sehr spät Beikost mochte, ich wusste es damals nicht besser und habe ihr den Brei einfach "aufgezwungen", obwohl sie es offensichtlich nicht toll fand, aber ich dachte, der Brei muss ins Baby, egal wie! Bei Töchterchen Nr. 2 dachte ich, dass es dieses Mal ja vielleicht doch "klassisch" klappt, hab schön gekocht und pürriert, nein, auch sie mag keinen Brei, aber dieses Mal habe ich mich etwas informiert und habe ihr Fingerfood angeboten und voila das Kind isst :D aber natürlich isst sie mal hier ein Stückchen Brot und da 2 Nudeln. Naja, es wird schon werden.
Nun muss ich mir ständig Sachen anhören, in der Krabbelgruppe war die Leiterin entsetzt, dass ich Fingerfood gebe (das geht nicht, das Kind wird ersticken! Ein Baby MUSS Brei bekommen) und meine Freundinnen sind auch nicht besser "Was, du hast mit 7 Monaten noch KEINE Mahlzeit ersetzt?" usw. Andere sind entsetzt, dass sie wirklich schon was vom Tisch bekommt ("Man muss das doch sanft einführen" oder "Oh Gott, da ist doch vielleicht SALZ dran") und natürlich das Übliche, sie wird irgendeinen Mangel bekommen, weil sie noch so viel gestillt wird blablabla. Ich weiß, dass es ok ist, wie wir es machen und dass sie bestimmt auch mehr essen wird, wenn sie will und soweit ist und ich will ihr auch die Zeit geben und ihr das Essen nicht so aufzwingen wie der Großen damals, aber ich bin es irgendwie müde die ständigen Kommentare und Tipps und und und :( ... geht es anderen hier auch so oder habt ihr alle eine Haut aus Stahl und alles perlt ab?
LG saguaro
Neuhier
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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von Neuhier »

Ich hab das Thema mit meinen Eltern (sonst hab ich keine Berührungspunkte mit anderen Menschen in der babythematik). Bei jedem Pups der quer sitzt kommt ganz sicher, dass das vom fingerfood kommt und er doch besser Brei bekommt und er muss doch Brei und unbedingt und sowieso. Im Moment wiederhole ich mich immer noch geduldig wie eine Schallplatte. Wenn es mir irgendwann zu blöd wird mach ich EINE Ansage, hilft das nicht müssen sie die Konsequenzen tragen.
Da sie mich aber kennen, wissen sie dass ich da stur bin.

Wenn es dir zu blöd wird, höre das rechtfertigen und erklären auf. Dann ist meist Ruhe.

Neuhier
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js83
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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von js83 »

Solchen Diskussionen gehe ich eigentlich meist schon von Vornherein aus dem Weg, indem ich Außenstehenden gar nicht erst so genau erzähle, was und wie hier gegessen wird. Oftmals kommt eh nur die Nachfrage, ob das Froschmädchen denn auch schon etwas essen würde. Darauf antworte ich dann schlicht mit "Ja, sie isst sehr gern". Für die meisten hat sich das Thema damit denn auch schon erledigt und es wird nicht weiter nachgefragt.
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Ori
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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von Ori »

doofe kommentare kamen eigentlich nur von meiner mutter "der verschluckt sich doch, das kannst du nich machen…" als sie dann weihnachten '12 gesehen hat, wie gut das klappt und wie schön er sich die brokkoli-röschen in den mund gestopft hat, wars dann ok für sie. da war er fast 7 monate alt. :)
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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von sabbelschnuut »

Haltet durch, das dauert bloß bis sie etwas über ein Jahr alt sind, dann fragt da keiner mehr danach und alle essen so ziemlich gleich, auch die Breikinder kriegen ja dann festes Essen. Vorher hat mich das auch immer genervt, aber ich hab mich nicht beirren lassen und auch irgendwann nix mehr drüber erzählt, dass der Kleine Fingerfood bekommt.
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anirahtaK
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Re: AW: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von anirahtaK »

Durchhalten! Genau!
Meine Mutter war entsetzt als das kind mit 6 Monaten an ner Apfelscheibe lutschen durfte... ging mir rechts rein links raus.
Im Moment will sie ihr dauernd Marmeladenbrot und anderes Zuckerzeug andrehen. Bis ich mal auf Tisch gehauen hab und dann gings, mal sehen wie lange.
Aber Madame kriegt schon auch Brei, weil sie vom Tisch insg. eher wenig ißt und dann hat sie oft richtig Hunger und den mag ich nicht mehr nur mit Flasche stillen sondern dann gibts Brei. Mag sie aber gerne und ungezwungen.

Also ja du brauchst einfach gute Nerven und wie schon wer schrieb, irgendwann interessierts eh keinen mehr.

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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von klecksauge »

OT:
Herzlichen Glückwunsch!!!

Ich schließe mich an, durchhalten und gar nicht viel erzählen.
Wenn ihr mal mit "Publikum" esst, entweder ignorieren oder erklären, je nach Situation.

Von der Familie kam bei uns kein nerviges Reden eher von anderen Müttern.
Liebe Grüße aus den Norden von
S. mit Sommerbub (08.12) und Herbstmädchen (11.15)
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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von JaninaDR »

Hatten beim Geoßen die gleiche Problematik. Ich habe mich aber ziemlich schnell seinen Brei-Spuk-Attacken ergeben und es sein lassen. Dabei hatte ich mir stundenlang Videos angeschaut, wie ich ihm am besten den Brei selbst Köche und mir einen Zauberstab mit Fleischaufsatz zugelegt...
Meine Mutter meinte auch immer ich würde was falsch machen und er müsste den Brei irgendwie essen... Nach einer Woxhe gemeinsamem Urlaub hatte sie dann auch eingesehen, dass er nicht will.

Zu Deiner Unterstützung. Einfach lassen.m
MUMi ist das Beste! Da kann es keinen Mangel an irgendwas geben.
Die kleinen haben einen guten Würgereflex. Mein Mann hat auch das ein oder andere Mal Panik bekommen, aber ist nie was passiert und für alle Fälle hatte ich ja einen Baby-erste Hilfe Kurs. Habe Kartoffel und Karottenwürfelchen gekocht, ganz kleine Fleischbällchen, Mudeln etwas weicher, alles was sich eben gut im Mund zerdrücken lässt. Gleichzeitig üben die Würmer noch den Pinzettengriff! Dann hält mal ein Stück Brot, ganz weiche Birne, Banane, etc.
Ging Super und viel Stressfreier.

Er hat dann auch ziemlich schnell begonnen selbst mit dem Löffel zu essen, da gab es dann Reisnudeln mit Soße, oder auch Kartoffelsuppe, etc. Halt Salzfrei und wir haben nachgewürzt.

Bei unserer Kleinen werde ich mir den Breistress von vornherein gar nicht geben...
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saguaro
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Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von saguaro »

Vielen Dank für die netten Antworten, dann werde ich mich wohl einfach gedulden, stimmt ja, in ein paar Monaten ist das ja eh wurscht, da isst ja dann auch von den anderen keiner mehr Brei und bis dahin werde ich wohl einfach etwas weniger davon erzählen. Aber eigentlich schade, ich dachte nicht, dass viele da so "engstirnig" sind. Aber ich scheine ja nicht die einzige zu sein, was natürlich nicht toll ist, aber immerhin fühle ich mich jetzt nimmer so arg doof! Wir machen also weiter so.
LG saguaro
Lösche Benutzer 14500

Re: Immer muss man sich "rechtfertigen"

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Eine Haut aus Stahl habe ich noch nicht,aber Alu dürfte es inzwischen sein. :-)

Doofe Kommentare zum Selberessen hatten wir hier ewig - mein Kind hat Brei komplett verweigert, den hätte ich nie in sie reinbekommen, Fingerfood hingegen war super, sie hat sich auch nie verschluckt. Insofern war ich recht überzeugt von dem, was ich tue - es klappte so wunderbar und mein Kind hatte so viel Freude - habe mich aber am Anfang dauernd erklärt, gerechtfertigt, diskutiert... Irgendwann habe ich es schlicht gelassen.

Denn: Ja, irgendwann essen alle Kinder selbst, dann hören die kritischen Nachfragen und Kommentare zu Fingerfood und BLW auf. Nur: Dan geht es eben irgendwie anders weiter... Waaaas? Kind wird mit einem Jahr immer noch gestillt? Das wird verwöhnt! Waaas? Kind wird im Tragetuch getragen?! Das lernt nie laufen/wird verwöhnt! Waaas? Das Kind muss bei 2 Grad Außentemperatur und Regen eine Jacke anziehen, obwohl es nicht will? Die kann man doch einfach einpacken und das Kind entscheidet selbst, wann es sie anziehen möchte. (Mag sein. Für uns aber nicht praktikabel, aus unterschiedlichen Gründen.) Waaaas? Das Kind darf immer noch bei euch im Bett schlafen? Ihr bekommt die da nie raus!!! Waaaas? Dein Kind hat einem anderen Kind die Schaufel geklaut und du greifst nicht ein? Das wird ein verzogener Satansbraten! Usw. Usf. Vielleicht hört das alles auf, irgendwann. Wenn die Kinder so 30 Jahre alt sind, in etwa. Oder ich habe hier einfach Pech mit meiner Umgebung. Ich musste jedenfalls feststellen: Es gibt eine Menge Menschen, die mich gerne von Dingen überzeugen wollen, die FÜR SIE richtig sind. Wenn ein Themenbereich wegfällt - BLW zum Beispiel - kam irgendwie immer ein neuer dazu: alleine einschlafen, "ordentlich" essen, etc. pp.

Insofern lautet mein allerliebster Rat für alles: Hör auf dich und dein Kind! Dein Kind mag selber essen, du hast ein gutes Gefühl dabei, es klappt prima? Super, dann ist das eures! Du musst das weder verschweigen, noch dich rechtfertigen - es gibt dazu eigentlich überhaupt nichts zu sagen,ihr macht das eben einfach so. Ich reagiere inzwischen auf Anmerkungen aller Art mit "Für uns klappt das prima, alles bestens. [Je nach Thema füge ich hinzu, dass ich mich informiert habe und es nicht gefährlich ist... Zum Beispiel beim Thema Familienbett.] Ich finde es völlig ok, wenn man es anders macht, das ist genauso gut. Aber wir fahren eben mit XY am besten."* Danach muss ich eigentlich selten überhaupt noch diskutieren - indem man anerkennt, dass man das, was die andere Person praktiziert auch ok findet nimmt man häufig den Wind aus den Segeln und alle sind zufrieden.

* Naja, gut, ich gebe zu: Im Idealfall. Bin ich müde/gestresst/eh schon genervt, gucke ich eher sauertöpfisch und mache eine spitze Bemerkung. Das ist aber mehr so eine semioptimale Lösung...
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