Langes Stillen=Bindungsproblem?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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honigtopf2010
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Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von honigtopf2010 »

Hallo,

mich beschäftigt eine Frage. Nunmehr stille ich seit drei Jahren das Großkind. So wie wir das jetzt für uns handhaben, nur morgens und abends nach dem Baby, ist es für uns beide ok. Natürlich tauchen immer wieder Kritiker auf, die mir unterstellen, dass ich mich nicht lösen könnte. Ich will mich dazu gerne kritisch hinterfragen. Und denke, dass ja eigentlich die Natur tatsächlich kein Tandemstillen vorsieht. Und mit drei habe ich ja auch den natürlichen Geschwisterabstand. Nun ist es so, dass ich in der Schwangerschaft mehrfach an dem Punkt war abzustillen. Meine fitte Dreijährige aber deutlich etwas anderes kommuniziert. Wie sind eure Meinungen. Kann es sein, dass ich ein Bindungsproblem habe?
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henris_mama
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von henris_mama »

nein!
ich finde nur immer schwer worte.
die aktuelle wirbelwind der LLL ist zu dem thema und da sind ganz tolle artikel drin. lohnt sich wirklich.
liebe grüße von katja mit H. 07/10 (KH 33+1ssw) und E. 02/13 (HG 38+1ssw)
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Glucke85
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von Glucke85 »

hallo honigtopf!
du schreibst immer so tolle beiträge und ein tonus bei dir ist, dem gefühl zu vertrauen. hast du das gefühl dein älteres stillkind an dich zu binden? glaubst du, dass sie sich nicht dagegen wehren könnte- so wie gegen deine abstill-versuche? meinst du, dass das morgendliche und abendliche stillen ausreicht, um dein kind an dich zu binden?
ich finde, wir vergessen zu schnell wie klein die kleinen tatsächlich noch sind. damit spreche ich ihnen nicht ihre selbständigkeit oder entwicklung ab. aber in unserer gesellschaft gibt es so wenig ruhepole für kinder. häufig werden sie früh fremdbetreut, dann noch was kreatives am nachmittag und den sport nicht vergessen. selbständigkeit wird von außen häufig danach bewertet, wie viel das kind schon ohne mama und papa machen möchte. dabei wird vernachlässigt, dass exploratives verhalten sich nur dann entwickeln kann gerade wenn mama und papa da sind. ein auftanken dieser nähe an deiner brust und in eurer interaktion im alltag ist in dem sinne doch gerade sinnvoll. zwar muss es nicht unbedingt die brust sein, aber solange das euer weg ist, ist es doch schön!
das stillen findet doch auf gegenseitigen wunsch statt, oder? ich unterstelle dir jetzt mal, dass du dein kind nicht dafür fesselst oder erpresst. frag es doch, ob es stillen möchte oder anders einschlafen will.

alles gute!
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Weidenkätzchen
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von Weidenkätzchen »

Wie schade, dass in der Gesellschaft solche Vorurteile herrschen... das tut mir wirklich leid für dich! Und ich finde es auch schade, dass wir unseren Kinder absprechen (müssen, weil uns ein schlechtes Gefühl gegeben wird) selber entscheiden zu können. Sie ist nun drei und du schreibst, dass sie sehr fit ist und dir etwas anderes kommuniziert ;) Also, wenn sie etwas nicht will, wird sie das doch auch schon deutlich zum Ausdruck gebracht haben, oder? Ich bin noch nicht in der Situation, aber ich denke die Vorurteile mit LZS hängen immer noch damit zusammen, dass Brüsten eine sexualisierte Komponente zugesprochen wird und manche Leute dies perverserweise auch nicht trennen können/wollen. Es ist doch ganz NORMAL, dass so kleine Kinder eine enge, enge Bindung an ihre Bezugsperson(en) haben... ob dies nun über kuscheln, beieinander schlafen oder stillen ist, ist doch eine sehr persönliche Entscheidung von zwei Individuen- Mutter und Kind. Ohne Bezugsperson würden die Kinder noch immer nicht allein überleben (evolutionär gesehen).
Ich finde du solltest die Zeit bewusst genießen, denn irgendwann wird sie nicht mehr stillen wollen und dann ist der Zeitpunkt auch richtig.
Frau vom Herzmann, Mama vom Herzjungen 11/12. Trägt dank Hilfe leidenschaftlich gern, stillt und ist für jeden Spaß zu haben.


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jusl
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von jusl »

Kann es sein, dass ich ein Bindungsproblem habe?
Klar kann das sein. :mrgreen: Aber ich sehe da keinen Zusammenhang mit der Dauer der Stillzeit. ;-) Wir alle kennen doch Szenen, in denen Männer, die bereits Glatze tragen, von ihren Müttern bevormundet werden ("Willst Du Dir nicht lieber was überziehen? Es ist kalt draußen!" oder "Iss doch noch was, Du hast so schlecht gegessen heute! Oder schmeckt es Dir nicht?"....), oder wo erwachsene Menschen (die niemals gestillt wurden) es nicht schaffen, eigenständige Entscheidungen auch mal gegen die Ansichten der Eltern zu treffen oder sowas, also wo offensichtlich mit der Loslösung echt was schief gelaufen ist...

Die paar ersten Lebensjahre wirken dagegen doch wahnsinnig kurz. Mit 40 ist es praktisch "egal" ob man 1, 2 oder 4 Jahre lang gestillt wurde - meine Kinder z.B. wachsen vergleichsweise SEHR SEHR frei und selbständig auf (jedenfalls meiner Wahrnehmung nach, wenn ich mich einfach mal so umschaue, was meine Kinder alles ALLEIN entscheiden und umsetzen dürfen; da ernte ich durchaus auch Unverständnis), und sie wurden lang gestillt. Für uns war und ist das genau richtig so. Andere Mütter beglucken ihre Kinder ohne Ende, kontrollieren alles und setzen irgendwie ALLES in einen "Mutter-und-Kind-Beziehungskontext", haben aber nie oder nur kurz gestillt. Und andersherum kann's das genauso geben. Ich sehe da keine Verknüpfung.

Wenn die Situation jetzt für alle Beteiligten OK ist, ist es doch gut. Das ist doch das einzige wichtige Kriterium.

LG
Julia
Spatz
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von Spatz »

Hi honigtopf,
wir haben ja schon mal in deiner Schwangerschaft uns übers Abstillen oder nicht in einem anderen Thread ausgetauscht. Und eigentlich gibst du dir die Antwort selbst:
honigtopf2010 hat geschrieben:Nun ist es so, dass ich in der Schwangerschaft mehrfach an dem Punkt war abzustillen. Meine fitte Dreijährige aber deutlich etwas anderes kommuniziert
Du gehtst auf das Bedürfnis deiner Tochter ein. Ist doch Toll, besonders dann, wenn es für dich auch in Ordnung ist. :D
Meine Tochter und ich (Tamdemgestillt) haben die kurze Auszeit morgens und abends auch sehr genossen. Allerdings nur noch vier Monate.
Allerdings wusste bei uns außer mein Mann und die Omas keiner mehr, das sie noch gestillt wurde.
Spatz
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honigtopf2010
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Re: AW: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von honigtopf2010 »

Danke für eure Beiträge. Natürlich kann ich unabhängig davon ein Bindungsproblem haben :eek: Julia, du bist da so herrlich immer! Ich habe auch das Gefühl, dass ich mir da recht klar bin. Ja, Spatz, an den Austausch hatte ich auch gedacht. Und jetzt haben wir wirklich einen tollen Weg gefunden. Und natürlich, henris_mama binde ich sie nicht fest ( Übrigens wie geht es Euch?). Aber manchmal sieht frau ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mir geht es mit meinem Post auch um die theoretische Möglichkeit. Klar man fesselt das Kind nicht physisch aber psychisch vielleicht?
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von jusl »

Also ich kann nur davor warnen, in solche Dinge zuviel mögliche Kausaliät hineinzuinterpretieren. Das Stillen eines Kleinkindes ist nur eins von UNZÄHLIGEN Handlungsmustern, die im alltäglichen Umgang miteinander stattfinden. Dazu kommen Persönlichkeitsmerkmale des Kindes, wie Schüchternheit, Neugier oder Risikofreude, die kann man eh nicht verändern.
Um ein Kind zu "fesseln" - also ich nehme an, damit meinst Du sowas wie das Kind zu beschränken, klein zu halten, es vor eigenen Erfahrungen zurückhalten, es keine Fehler machen und keine Risiken eingehen zu lassen, jegliche kindliche Handlung in Bezug zu sich selbst zu setzen usw? - also dazu braucht es ganz andere Dinge als 2x Stillen pro Tag.

LG
Julia
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antje143
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Re: AW: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von antje143 »

honigtopf2010 hat geschrieben: Klar man fesselt das Kind nicht physisch aber psychisch vielleicht?
das kommt immer auf den stand an,wo ich selbst stehe und was ich sehen will...
es gibt sicher menschen /fachleute,die sofort JA schreien... und es gibt viele,die das verneinen würden...

der papa meiner großen fand sogar tragetücher symbolisch fürs "fesseln"...weil mütter die kinder an sich dran binden um sie nicht loszulassen... :roll: ich sagte ihm dann,wenn ich das nicht mache,dann fällt das kind runter... ;)
er war auch der meinung,das unser tandemstillen von der natur her nicht gewollt sei...denn er vergleicht viel mit pferden...und wenn eine stute wieder trächtig sei,dann beißt sie das fohlen,was noch gesäugt wurde weg...und das ich meine große nicht "weggebissen" habe,fand er unnormal...das ich keine stute sei-das argument ließ er für sich nicht gelten... :roll: ich sagte ihm dann sogar mal,das er unsere tochter doch mal fragen kann,was IHR das stillen bedeutet...denn so hätte er es aus erster hand erfahren können...aber DAS wollte er nicht machen...er blieb lieber bei seiner ansicht...und an der stelle habe ich es immer als angenehm empfunden getrennt zu sein... ;)

er ist der meinung,das alle mütter die tendenz haben,ihre kinder an sich zu binden...er sagt,das mütter für bindung zuständig seien und nahrung...und väter um die kinder in die welt hinaus zu tragen,damit sie frei werden von ihren müttern...

ich für mich sehe es so,das beziehungen-auch stillbeziehungen im gegenseitigen einvernehmen sein sollten...und ich habe meine kinder weder das gestillt-werden aufgedrängt noch mit entzug "gedroht"...ich war bereit es ihnen zu geben,solange SIE es brauchen und dabei habe ich drauf geachtet,was ich will...wenn ich eben dann kein dauer-nuckeln mehr wollte,so habe ich es gesagt...und dann war es irgendwann so,das sie nicht mehr fragten oder es sagten...und so verging die zeit...erst wochen später wurde mir bewußt,das wir abgestillt haben... :)

und jetzt fast 2 jahre später erinnern sich beide sehr gern daran...sie sagen dann immer,das die mama-milch so lecker war und es so schön gewesen ist... :)

meine mutter hatte mich ohne stillen an sich "gefesselt" --- mit angst...ich hatte immer angst sie zu verlieren und erst die letzten jahre wurde mir klar,das es keine liebe ist,sondern abhängigkeit...solange ich alles tat,damit es ihr gut ging--solange "drohte" sie nicht mit entzug...

alles hat verschiedene sichtweisen... :)
ein lieber Gruß von Bild mit
großer Prinzessin Jan.06 - kleiner Prinzessin Mai.08 und
Sternensohn Juni.03 - Sternentochter Sep.04
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Stina82
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Re: Langes Stillen=Bindungsproblem?

Beitrag von Stina82 »

Honigtopf, mir geht es da ein bisschen wie Dir: Das zweite Kind ist auf dem Weg, ich habe in "Wir stillen noch" gelesen, dass Tandemstillen zwar kein Problem, aber eben von der Natur nicht vorgesehen ist UND unser Kleiner braucht für die Eingewöhnung im KiGa deutlich länger als das schwedische Durchschnittskleinkind. Ich höre auch immer wieder, dass das wohl mit mir zu tun hat und irgendwann denkt man dann ja auch mal drüber nach, ob das vielleicht stimmen könnte. Dazu kommt, dass mir das derzeitige Stillpensum von meinem zur Zeit zweijährigen definitiv zu viel wird, wenn dann auch noch das Baby auf der Welt ist. Ich habe aber jetzt für mich beschlossen, dass ich auf keinen Fall auf Biegen und Brechen abstillen werde. Drei Stillmahlzeiten mit dem Grossen (morgens, mittags, abends) kann ich mir auch im Tandem gut vorstellen, da müssen wir im nächsten halben Jahr also hinkommen und dann ist es mir egal was die anderen sagen oder denken. Wenn ich nur unsere Familie betrachte, sehe ich das als die allerbeste Lösung. Wieso sollte ich ihm die Brust wegnehmen, wenn das Stillen an sich für mich kein Problem ist und es ihm so viel Entspannung und Sicherheit bietet?
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Clauwi Trageberaterin
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