Ich kann bisher da nur von mir selber erzählen. Ich habe mit 6 angefangen mit Klavier, vorher hatte ich Blockflöte gespielt. Meine Eltern haben sich die ersten Jahre mehr oder weniger täglich mit mir hingesetzt (ganz genau habe ich das nicht mehr im Kopf bzw. die Erinnerung kann da trügen), saßen einfach daneben beim Üben und haben auch mal "weitergeholfen", wenn nötig. Sie spielten selbst, wenn auch nicht besonders gut/ambitioniert. Wirklich Druck gemacht haben sie nie, aber es war klar, dass regelmäßig geübt wurde - wenn auch jedes Mal nicht lang. Und so war das ideal für mich. Ich habe sehr lange und ernsthaft gespielt, später auch ein weiteres Instrument, und hätte fast Orchestermusik studiert. Wenn ich nicht durch die Anleitung meiner Eltern gelernt hätte, dass regelmäßiges Üben dazugehört, hätte ich es wohl nie soweit gebracht. Ich habe sehr, sehr gerne gespielt und fast immer auch gerne geübt - WENN ich dann mal dabei war. Es ging jedes Mal eigentlich nur darum, sich aufzuraffen und anzufangen, dann lief es von allein. Ich denke, den meisten Kindern muss man über so einen Punkt hinweghelfen, vermitteln, dass es diesen kleinen Stupser braucht. Anfangs müssen die Eltern ihn vielleicht geben, später kann das Kind das selbst.
Sich hinsetzen, auch wenn man eigentlich gar nicht mag, einfach mal anfangen, dann doch reinkommen, in Fahrt kommen, alles um sich herum vergessen und mittendrin sein - das ist eine ganz tolle Erfahrung. Aber ich denke, die wenigsten Kinder können sie sich im Grundschulalter ganz alleine erarbeiten.
Andererseits denke ich, dass sich auch nicht jedes Kind auf Dauer so in die Musik und ins Üben versenken kann. Mir hätte die Musik ohne das ernsthafte Üben auf Dauer keinen Spaß gemacht, bei anderen Kindern ist das vielleicht anders. Aber ganz ohne "Erfolgserlebnisse" stelle ich mir Musikunterricht auch nicht als dauerhaft spaßiges Projekt vor. Schwierig... letztendlich finde ich es ganz wichtig, keine Erwartungshaltung an das Kind heranzutragen. Also nicht auf einen konkreten Erfolg hinzuarbeiten und das Kind deshalb zum Üben zu drängen. Das ist wahrscheinlich die Schwierigkeit - dem Kind die Notwendigkeit oder besser: den Nutzen des Übens zu vermitteln, ohne es glauben zu lassen, man erwarte einen bestimmten Erfolg von ihm. Ich muss bei Gelegenheit mal meine Eltern fragen, wie sie das gemacht haben.
